Steve Jobs stellte in San Francisco die neuste Generation iPods vor. Wir waren fast live dabei – bei der Liveübertragung in London – und konnten die Geräte auch schon anfassen.
Auffällig war, dass der neu aufgelegte iPod Classic nur wenige Bemerkungen wert war: Er ist dünner als vorher und hat nun 120 GB statt vorher 80 GB.
Obwohl der Classic bei einigen langjährigen iPod-Fans, die 16 oder 32 GB als eine Beleidigung ihrer Musiksammlung empfinden, immer noch beliebt ist, scheint Apple in dieses Modell nicht mehr viel zu investieren.
Für das lukrative AppStore-Business braucht es eben die iPhone/iPod-touch-Linie.
iPod Nano
Als nächstes wurde der neue iPod nano gezeigt. Vermutlich ist der letzte nano mit dem Breitbildformat weniger gut angekommen als die beiden Vorgänger, denn die vierte Auflage kehrt zum Hochformat zurück.
Durch das vom iPhone und vom iPod touch bekannte «Accelerometer» (Bewegungssensor) versucht der nano, das beste aus beiden Welten zu verbinden, indem man das Bild auch ins Querformat kippen kann. Den einzigen Szenenapplaus erntete Jobs mit der Demonstration des Features «Shake to Shuffle»: Schütteln des iPod schaltet ihn in den Zufallswiedergabe-Modus um. Ein netter Scherz.
Auf dem Bildschirm wirkte der nano auf mich nicht sehr ansprechend, in der Hand dagegen durchaus. Er ist noch dünner geworden, das gewölbte Glas ist wirklich schick, das Display strahlt hell und klar. Er kommt in sage und schreibe neun verschiedenen Farben, was für mich kein Killerkriterium ist (auch der
iPod mit den auslaufenden Farben nicht) – aber man weiss ja, dass nicht wenige Frauen das anders sehen… Preise für den iPod nano (laut hier abgegebener Preisliste, die Preise im Onlinestore weichen komischerweise um 10 Euro ab): Deutschland: 8 GB 149 Euro, 16 GB 199 Euro. Schweiz: 8 GB CHF 229, 16 GB 299.
iPod Touch
Auch mein Anfasserlebnis blieb eher unspektakulär. «Doooch, der ist aber wirklich viel dünner, guck mal genau hin», wurde ich von einem netten Apple-Mitarbeiter zur Begeisterung gemahnt. Na gut.
Preise für den iPod touch: Deutschland: 8 GB 219 Euro, 16 GB 279 Euro, 32 GB 379 Euro. Schweiz: 8 GB CHF 339, 16 GB CHF 439, 32 GB CHF 579. Günstiger als bisher, aber immer noch teuer. Natürlich treiben in der Schweiz die
SUISA-Gebühren nach wie vor die Preise in die Höhe.
Im Grundrauschen: Zwei neue Ohrhörer-Sets, ein billigeres mit Skip-Tasten und Lautstärkeregler, das trotzdem nicht beiliegt, sondern 29 Dollar kostet, und ein teureres, angeblich gutes für 79 Dollar. Das heisst im Umkehrschluss, dass die mitgelieferten Ohrhörer bis auf weiteres so schlecht bleiben werden, wie sie immer waren. – Der Upgrade der Firmware von iPhone und iPod touch für bisherige Benutzer. Mit der Version für den iPod touch (8.99 EUR / CHF 11 von 1.x auf 2.1, gratis von 2.0) ist man rechtzeitig fertig geworden; die Version für das iPhone dagegen soll erst am Freitag folgen, was vermutlich nicht beabsichtigt war.
Fazit
Das horrende Innovationstempo, das Apple in den letzten Jahren an den Tag gelegt hat, lässt sich ganz offenbar nicht halten – der letzte wirklich grosse Coup war die iPhone-Ankündigung im Januar 2007, seitdem sieht man vor allem Derivate (wie die Ausweitung der vom iPhone bekannten Features nach unten) und Evolutionen. Zwar befeuern die Medien den Hype unvermindert, aber das Spektakel «eine letzte Sache noch:» bleibt aus.
Der neue iPod nano ist sehr schön und wird sich sicher gut verkaufen. Der iPod toch ist auch toll, aber er war es auch vorher schon, und für Besitzer des letzten Modells scheint es nicht wirklich zwingend, sich die neue Generation zu leisten. Die heute am meisten herausgestellte Musikempfehlungs-Funktion «Genius» ist bei anderen Diensten wie last.fm längst Standard.
Umso wichtiger ist für Apple der sehr erfolgreiche Start des AppStore (100 Millionen Downloads in 60 Tagen, wobei die meisten gratis sein dürften), was sich an der klaren Fokussierung auf die AppStore-fähigen Geräte auch zeigt.