Aspekt Modular:
Systemkamera als Baukastensystem

Sie suchten eine erschwingliche Möglichkeit, um die zahlreichen Objektivgrößen an eine beliebige Systemkamera anzudocken. Doch dann überlegten Studenten der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd wie es wäre, wenn sich auch alles andere austauschen ließe: Sensor, Blitzlichtaufsatz, Bedienelektronik. Herausgekommen ist das Designkonzept Aspekt Modular.

Aspekt Modular: Digitalkamera mit austauschbaren Komponenten. Alle Bilder: Gabriel Brückner

Aspekt Modular: Digitalkamera mit austauschbaren Komponenten. Alle Bilder: Gabriel Brückner

Korrekturen im Vergleich zum Ursprungstext: s.u.

Aus dem beschaulichen Schwäbisch Gmünd kommt dieses Designkonzept, auf das man einen zweiten Blick werfen sollte. Hier bekommt der Begriff “Systemkamera” eine völlig neue Bedeutung: An der Aspekt Modular lässt sich einfach alles austauschen. Ähnlich wie beim guten, alten Desktop-PC ließen sich hier die Komponenten beliebig zusammenstellen und ausbauen, wenn sie nicht mehr den Anforderungen entsprechen. Mehr Megapixel? Mehr Bedienknöpfe? Dann einfach die jeweilige Einheit herausnehmen und durch ein besseres Modell ersetzen.

Aspekt Modular SLR: Baukasten-Kamera
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Die Idee für diese Kamera stammt von einer Projektgruppe der Hochschule von Gabriel Brückner, Johanna Gedeon, Christoph Hiebinger, Bianca Koch und Jessica Lederer. Was den zweiten Blick anbelangt: Gerade durch die modulare Bauweise ergeben sich Vorteile, mit der kaum jemand gerechnet hätte. So ließe sich die Sensoreinheit um 90 Grad drehen. Will man also ein Bild im Hochformat aufnehmen, müsste man nicht mehr die ganze Kamera drehen, sondern nur den Sensor. Der Haltegriff soll durch seine abgeschrägte Bauweise besonders ergonomisch geformt sein. Genau wie das OLED-Display ließe sich auch der optische Sucher schwenken.

Clevere Ideen eigentlich, aber auch einige Nachteile fallen auf: Wenn sich auch beliebige Objektive anstecken lassen, so verlangt die Kamera doch exakt passende Bauteile. Will man also die Komponenten tauschen, wären Standards vonnöten, von denen man die zahlreichen Hersteller erst einmal überzeugen müsste. Schwierig in einer Branche, in der jeder Anbieter einen Großteil seines Umsatzes durch teure Komponenten erwirtschaftet.

Wären modulare Kameras alltagstauglich?

Also liefe es doch darauf hinaus, die Entwicklung einem Hersteller zu überlassen, vielleicht sogar einem Neuling auf dem Markt. Der wird aber sicherlich den Teufel tun, Austauschkomponenten zum Schleuderpreis anzubieten. Ob so eine modulare Kamera in der Praxis preiswerter wäre und – auch nicht zu vergessen – bessere Fotos macht, darf zumindest leicht bezweifelt werden. Ansonsten gefällt mir die Idee. Gerade der drehbare Sensor ist ein Clou, den sich eigentlich jeder Kamerahersteller abschauen sollte.

Am ehesten erinnert das Konzept der Aspekt Modular damit an die Exynos-Kamera, die Jati euch im März hier vorgestellt hatte. Dort wird ebenfalls mit modularen Komponenten gearbeitet, wenn auch in der Summe deutlich weniger. Und wenn man Designern einmal freie Hand lässt, kommen noch eigenwilligere Kamerakonzepte dabei heraus. Davon hatten wir euch kürzlich hier einige vorgestellt. Was bleibt festzuhalten? Den Fotoingenieuren gehen die Ideen so schnell nicht aus. Ein immer schnellerer Autofokus, größere Blenden, ein ISO bis fast unendlich – wir sind trotzdem noch lange nicht am Ende der Entwicklung.

Die Stundenten reichten ihr Konzept beim Designmagazin Designboom ein. Gefunden haben wir es zuerst auf Technabob.

Korrekturen im Vergleich zur Ursprungsmeldung: Wir fanden die Kamera unter der Bezeichnung “Modular SLR” auf der Seite Designboom.com und beschrieben sie mangels weiterer Originalquellen deswegen ebenfalls als modulare Spiegelreflexkamera. Projektleiter Gabriel Brückner wies uns allerdings hier auf ein Missverständnis hin: Bei der Aspekt Modular handelt es sich nicht um eine Spiegelreflex, sondern mangels eines vorgesehenen Schwenkspiegels um eine Systemkamera.

Ferner hatten wir die Lichtstärke angezweifelt. Aufgrund des vorgegebenen Auflagenmaßes allerdings kommt der Sensor bereits an zweiter Stelle. Das Licht muss nicht erst durch das ganze Gehäuse, wie von uns fälschlicherweise beschrieben. Wir bitten, diese Fehler zu entschuldigen!

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

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2 Kommentare

  1. Oh, Oh, Oh,

    “Mehr Megapixel? Eine größere Blende? Dann einfach die Sensor- oder Blendeneinheit herausnehmen und ein besseres Modell dort hineinstecken.” Was soll denn bitte eine Blendeneinheit sein? *lach* Wäre vielleicht besser gewesen, wenn jemand den Artikel verfasst, der ein bisschen was von Kameras versteht! Und wieso sollte es einfacher oder von Vorteil sein den Sensor zu drehen, anstatt der Kamera, wenn man die sowieso in der Hand hält?… Ganz einfach den Sensor drehen, dann das Display drehen und noch schnell die Knöpfe an eine andere Stelle packen, damit das Display Platz hat… viel einfacher als die Kamera zu drehen oder wie? Außerdem hat jedes Objektiv ein entsprechendes Auflagemaß. Die Distanz zum Sensor ist also vorgegeben. Alles was darüberhinaus geht verändert die Schärfeeinstellungen -siehe Makroringe, Makrofotografie, Unendlichkeitseinstellung, etc.- und was sollen diese ganzen vielen Module? Am meisten erinnert mich dieses Konzept (bezüglich Systemkamera) an die Ricoh GXR. Und die fristet ebenfalls ein Schattendasein. Weitere modulare Systeme gibt es genügend im Mittelformat Bereich. Weiter empfehle ich mal einen Blick auf Großformatkameras z.B. von Alpa zu richten. Dort ist dieser ganze Quatsch sinnvoll und kompakt gelöst. inklusive Sensor drehen, Analog und Digital wechselbar, integrierte Shift funktion, und und und ohne so ein lange Elend an Gehäuse.

    Wenn das die nächste Generation Designer ist, dann angenehme Ruh. Ich hoffe das ist das erste Semester!

    • “Und wieso sollte es einfacher oder von Vorteil sein den Sensor zu drehen, anstatt der Kamera, wenn man die sowieso in der Hand hält?”

      Mal genau drüber nachdenken, statt neue Ideen einfach zu verlachen, kann nicht schaden. In manchen Situationen ist es unmöglich oder nicht praktikabel, die ganze Kamera zu drehen.

      Stünde dir übrigens besser zu Gesicht, einen weniger oberlehrerhaften Tonfall anzuschlagen.

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