Test DJI Phantom (1/3):
Kamera-Drohne im Garten

Der Phantom-Quadcopter von DJI soll einfach zu fliegen und robust sein und ist zugleich mit cleverer Elektronik vollgestopft. Wir haben die semi-professionelle Kameradrohne ausprobiert.

DJI Phantom

Nach wenigen Minuten aus der Packung und aufgebaut: der DJI Quadcopter Phantom

Mit der AR.Drone ist eine der ersten populären Flugdrohnen für den gemeinen Geek auf dem Markt: bezahlbar, einfach zu fliegen und mit jedem iPhone steuerbar. Das konnte die Industrie für Luftaufnahmen nicht auf sich sitzenlassen: Der Weltmarktführer (nach eigenen Angaben) für kleine Kamera-Luftfahrzeuge, DJI, hat mit dem Phantom sein Arsenal an Multicopter-Kameraträgern um ein preiswertes Amateur-Gerät ergänzt, das sich neben dem Preis durch kinderleichte Bedienung und ausgeklügelte Elektronik auszeichnen soll. Der Phantom ist praktisch aus der Schachtel heraus betriebsbereit. Und der Quadcopter ist für den Einsatz mit einer Gopro-Hero-Kamera vorbereitet – sogar die Kamerahalterung wird mitgeliefert.

DJI Phantom Quadcopter
DJI FlugdrohneDJI PhantomDJI PhantomDJI Phantom
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Kompakt und mit hilfreichen Features

Was den Phantom als Kamera-Quadcopter auszeichnet, ist seine kompakte und zugleich technisch umfassende Bauweise. Neben der Funkfernsteuerung enthält er nämlich auch einen elektronischen Kompass und vor allem einen GPS-Empfänger. Die beiden Geräte ermöglichen Flugmanöver, die dem Anfänger das Leben erleichtern.

Zum einen kann der Quadcopter dank GPS in der Luft absolut an Ort stehen bleiben: Er hält die Position selbständig, auch bei Wind driftet er nicht weg. Zum anderen hat die Flugdrohne eine Failsafe-Funktion für den Fall, dass der Fernsteuerungsempfang abbricht. Die Reichweite des Senders wird mit 300 Metern angegeben, tatsächlich dürfte sie auch ohne direkte Sichtverbindung über einen Kilometer betragen. Wenn die Drohne keinen RC-Empfang mehr hat, steigt sie auf 20 Meter Höhe und fliegt in direkter Linie zurück zu dem Ort, von dem sie gestartet ist. Sofern dazwischen nicht Hindernisse von mehr als 20 Metern Höhe liegen (höher als der Startpunkt, nehme ich mal an – das wird zu testen sein…), sollte man den Quadcopter also immer zurückbekommen, falls man ihn aus den Augen verloren hat – und das kann leicht passsieren.

Eine weitere interessante Funktion, die das GPS und die Elektronik des Quadcopters ermöglichen, ist die intelligente Orientierungs-Steuerung (IOC). RC-Flug- und Fahrzeuge verwirren nämlich Anfänger meist damit, dass die Steuerung, wenn man auf sich selbst zufliegt, gewissermassen “verkehrt” funktioniert. IOC schaltet die Steuerung um auf “relative Steuerbefehle”: Entweder relativ zum Startpunkt, sprich zum Piloten, oder relativ zum anfangs geflogenen Kurs. Wesentlichste Funktion dabei: Wenn man den Quad in der Distanz kaum mehr erkennen kann und deswegen auch nicht mehr sieht, in welche Richtung man fliegt, schaltet man um auf “Homelock” und zieht den Vorwärts-/Rückwärts-Steuerknüppel nach unten. Der Heli kommt wie an der Hundeleine zurück zum Piloten – mehr dazu in den folgenden Testberichten.

Auspacken und Zusammenbauen

DJI Phantom

Ordentlich verpackt: DJI Quadcopter Kameradrohne Phantom

Soviel technische Finesse konnten wir uns nicht entgehen lassen, zumal der kleine Quadcopter jetzt endlich auch in Europa und in der Schweiz verfügbar ist. Bei RC-Heli-Shop in der Schweiz bestellt  – und aufgrund der Testberichte auf YouTube gleich um einen Zusatzakku (20 bis 40 Euro, je nach Hersteller) ergänzt, lag das Paket zwei Tage später vor der Türe.

Auspacken ist, angesichts der zahllosen Unboxing-Videos auf YouTube, keine große Überraschung mehr. Sagen lässt sich, dass der Phantom ansprechend verpackt ist und die Ausstattung wenige Wünsche offen lässt.

Erster Eindruck: Alles wirkt sehr wertig und keinesfalls billig, sauber verarbeitet und auf den Gebrauch durch ungeübte Quadcopter-Piloten ausgerichtet. In der Schachtel finden sich der solide wirkende Rumpf des Quadcopters, acht Propeller (vier als Ersatz), zwei Landegestell-Beine und die Kamera-Halterung für die GoPro Hero 2 (mit einer besonders leichten Alu-Schraubbefestigung). Das ist alles, was es zusammenzuschrauben gilt, und der Job ist in ein paar Minuten erledigt.

Einzige Knacknuss: Die Propeller müssen unbedingt richtig montiert werden, weil es zwei links- und zwei rechtsdrehende Luftschrauben sind. Dank Markierungen auf den Propeller-Armen ist das aber kein Problem. In das Landegestell des Quadcopters müssen lediglich die Antenne für den Empfänger und der elektronische Kompass eingefädelt werden.

Lieferumfang: Alles dabei, bis auf…

In der Schachtel finden sich außerdem das Ladegerät für den LiPo-Akku inklusive Steckeraufsätzen für die ganze Welt. Dazu die äußerst robust gebaute und dennoch einfach wirkende 7-Kanal-Fernsteuerungskonsole, Ersatzschrauben und Kleber zur Verzierung des Fluggeräts – und zur Markierung seiner Front. Denn das Flugzeug ist weitgehend symmetrisch, und in der Luft ist vorne von hinten anhand der Form nicht mehr zu identifizieren – deswegen erweist sich später auch der IOC-Modus als hilfreich… Außerdem findet sich ein USB-Verlängerungskabel und ein kleiner Schraubenschlüssel, mit dem sich die Propeller des DJI-Phantom festziehen lassen.

Was in der Schachtel fehlt: ein Handbuch. Nichts, nicht einmal eine kleine Zusammenbau-Anleitung findet sich. Das ist auf den ersten Blick etwas eigenartig. Aber wer die auf der Schachtel aufgedruckte Website www.dji-innovations.com und dort die Support-Seite für den Phantom ansurft, findet unter “downloads” sämtliche Dokumente (leider nur in englischer Sprache) und vor allem ein rundes Dutzend Videos, welche alle einzelnen Schritte, vom Aufbau über technische Maßnahmen bis zum ersten Flug sowie fortgeschrittene Flüge erklärt. Leider sind auch die alle in Englisch: Wer der Sprache mächtig ist, ist gut bedient, wer nicht, hat ein Problem. Bei einem 500-Euro-Gerät ist das dann doch eher lästig.

Allerdings kann man beim Aufbau des Quadcopters eigentlich nichts falsch machen.

DJI Phantom Quadcopter

Netter Hinweis: “Bitte im Handbuch nachschauen.” Bloß ist keines dabei!

Checkliste vor dem Flug

Erst danach gibt es eine Reihe möglicher Fehlerquellen, die einen Erstflug zum Risiko machen. Hier deshalb die Checkliste auf Deutsch:

  1. Standort: Ausreichend Platz (im Freien!), Sicht in alle Himmelsrichtungen gut (für den GPS-Empfang).
  2. Rotorblätter-Kontrolle: Alle in Drehrichtung gemäß Markierung montiert?
  3. Sender-Kontrolle: Linker Steuerknüppel unten Mitte, rechter Steuerknüppel Mitte, Schalter oben links (IOC, ab Werk noch ohne Funktion) oben, Schalter oben rechts (GPS-Flugmodus, halbfreier Modus) oben.
  4. Sender einschalten (unbedingt vor dem Quadcopter!): Befindet sich der Hub-Steuerknüppel (links) nicht ganz unten, fängt die Fernsteuerungskonsole an zu piepen.
  5. Rote Kontrolleuchte am Sender blinkt nicht mehr, sondern brennt konstant – Sender bereit.
  6. Den Akku ins Akkufach des Quadcopters einschieben, Kabel verbinden, Kabel ins Gehäuse schieben und Fach schliessen.
  7. Der Phantom meldet sich mit einer ansteigenden Tonfolge als betriebsbereit.
  8. Die runde LED am Heck des Quadcopters blinkt in rot, gelb und grün. Das Gerät “wärmt auf”.
  9. Kompass kalibrieren (dieser Schritt ist nicht bei jedem Flug nötig, aber durchaus ratsam und beim Erstflug unabdingbar): Rechten Schalter an der Fernsteuerung in rascher Folge zehnmal von oben nach unten und zurück schalten. Heck-LED sollte auf konstant gelb umschalten.
  10. Den Quadcopter horizontal vor sich hinhalten und sich dann einmal um die eigene Achse drehen – LED wird kurz grün.
  11. Den Quad mit der LED nach oben und den Propellern von sich weg um 90 Grad kippen und nochmals eine Drehung um die eigene Achse machen: LED wechselt zurück auf den Betriebsstatus (rotes Blinken: Kalibrierung  wiederholen).
  12. Quadcopter an den Startplatz stellen und auf die LED achten.
  13. Startbereit: grünes Blinken, eventuell gemischt mit drei, zwei oder einem roten Blinken. Die Zahl der roten Blinks zeigt die Zahl der erfassten Satelliten des GPS. Je mehr rote Blinklichter, desto weniger Satelliten sind erfasst worden. Fünf oder mehr sind wünschbar, also nicht starten, solange auf grün mehr als ein rotes Blinklicht folgt, im idealfall blinkt die Drohne nur noch grün.
  14. Beide Steuerknüppel nach unten und zur Mitte – Motoren werden eingeschaltet.
  15. Binnen fünf Sekunden starten, oder die Motoren stellen wieder ab.

Meine Erfahrungen mit diesem Prozedere und dem ersten Flug beschreibe ich in Teil zwei des Testberichts der DJI-Phantom Quadcopters.

 

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12 Kommentare

  1. Und wie bei allen Helis, Quadrocoptern und Flugzeugen ist eine Modellflugversicherung Pflicht.
    Kostet ab 40€ im Jahr.

    Die normale Haftpflicht trägt das nicht.

    Ist theoretisch auch schon bei den Indoor Helis so, wenn man sie außerhalb des Hauses (also auch im Garten) fliegt.

  2. In der Schweiz gibt es gewisse Haftpflicht-Versicherungen (zB Mobiliar) bei welchen das Fliegen mit solchen Geräten für private Zwecke versichert ist.

    Viel Zubehör und Tuning-Teile finden Schweizer Shopper auch auf

    http://futuretrends.ch/zu…-phantom-ersatzteile

    Viele Grüsse Tom

  3. Bei der Checkliste fehlt noch Seite 2 bis Punkt 34. *vermute ich mal ;-)

    Die Prozedur ist ja mal der Hammer…

  4. gibt so eine Faustregel: jedes Gramm mehr = 1min weniger Flugzeit

    Also: testet mal bitte, wie sich das Kameragewicht auf die Flugzeit auswirkt (am besten ohne/mit Cam), nachdem die Akkus trainiert wurden.

  5. scheint ja immer noch eine Spielerei zu sein, obwohl 200 € mehr als für den Parrot, der zumindest noch eine Kamera mit Live View auf dem ipad hat… hätte von einem professionellen Hersteller hier mehr erwartet. Mist auch dass die Kamera so ein Geflacker liefert …

    • Als Spielzeug würd ich den Phantom absolut nicht bezeichnen! Der Live View der AR Drone ist eher ein Witz als das es tolle Bilder liefert! Dazu noch eine 30 Meter Reichweite… Was hättest Du denn mehr erwartet? 569 EUR für einen Quadrocopter mit dem Naza System, welches extrem gut regelt und GPS besitzt, welches sehr gut die Lage hält.. Was willst Du denn da noch?

      Und eine Kamera ist beim Phantom ja optional und austauschbar! Nimm eine GoPro3 Black + eine Halterung mit Alpha Gel Pads und schon wabbelt absolut gar nichts mehr.

  6. Hab mal ne Frage! Darf mein Nachbar mit nem Quadrocoptern über mein Grundstück fliegen?

    • @SteSte: Bei derzeit (mit und ohne Gopro) durchschnittlich so um die 8 Minuten Flugzeit kann die Gramm-rechnung nicht aufgehen…

      @Rainer: Spielerei ja, aber doch ein paar Klassen über der AR Drone. Das “Geflacker” der Kamera ist der Jello-effekt, zurückzuführen auf Vibrationen der Drone in verbindung mit 30 Bildern pro Sekunde (bei 60fps ist es weg).

      @Mabe: Sehr gute Frage, auf die ich die offizielle Antwort derzeit (noch) nicht weiss. Würde aber zunächst behaupten: In einer gewissen Höhe darf er, wenn die Luftfahrtregelungen es nicht beschränken; Videos von Dir im Haus darf er aber wahrscheinlich aus Persönlichkeitsrechtlichen Gründe nicht machen.
      Wer weiss, wie es wirklich ist?

    • Ja er darf,aber keine Person darf erkennbar zusehen sein,wenn er es irgendwo veröffentlicht.
      faustregel,wie ein Rettungshubschrauber in einer höhe von 2 Häusern.

  7. Danke für den Artikel – das Gerät kommt auf die Einkaufsliste ;)

  8. Am Günstigsten ist derzeit http://www.miniheli.ch sowohl beim DJI Phantom wie auch bei Ersatzteilen… Weiss jemand wann der DJI Phantom Vision herauskommt? Denke ich warte noch mit einem Kauf und kauf mir das neue Vision-Modell.

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