LG Optimus G im Test:
Unauffällig gut
LGs aktuelles Spitzen-Smartphone ist das 4,7 Zoll große Optimus G mit LTE. Mit seinen vier Kernen à 1,5 GHz ist es einerseits stark motorisiert, aber auch softwareseitig hat LG es mit einigen Spielereien ausgestattet. Dabei herausgekommen ist ein starkes Smartphone, bei dem eigentlich nur ein Detail besonders heraussticht: die todlangweilige Optik.
Worüber soll man eigentlich noch schreiben, wenn man heute ein Smartphone der gehobeneren Klasse mit Android im Test hat? Sehen sie sich nicht eh alle ähnlich und bieten mehr oder weniger das gleiche? Was das LG Optimus G angeht, habe ich selten ein solideres und doch unauffälliges Smartphone getestet. Optisch wirkt das Modell wie von der Stange und im Vergleich zu den auffälligen Konkurrenzmodellen wie dem HTC One, dem Blackberry Z10, dem iPhone 5, dem Nokia Lumia 920 oder selbst dem Google Nexus 4 aus eigenem Hause reichlich gesichtslos. Man könnte es aber auch anders ausdrücken: das Optimus G perfektioniert ein Design, das nahezu Standard geworden ist.
Denn das Gehäuse ist durchgehend gut verarbeitet. Die Hauptkamera, die aus dem Gehäuse ragt, ist mit einem Metallrahmen verstärkt. Bei vielen Smartphones ist eben das der Schwachpunkt und ein Magnet für Staub und Kratzer – dem Optimus G scheint das keine Probleme zu bereiten. Die SIM-Karten-Schublade links ist dezent ins Gehäuse eingelassen, der Micro-USB-Port an der Unterseite fällt nicht sonderlich auf. An den Lautsprechern setzt sich kaum Staub ab, das Display überzeugt mit Farbtiefe, Auflösung und Detailtreue. Der Gehäuse-Rücken aus Hartplastik wirkt stabil und kratzfest. Kurzum: LG hat bei der Verarbeitung alles richtig gemacht. Die Motorisierung spielt ebenfalls im oberen Drittel mit. Akzente will LG also vor allem durch die Software, ja, Software setzen.
In einer Welt, in der die Mittelklasse der Smartphones mittlerweile standardmäßig mit Dualcore daherkommt und die Spitzenklasse mit Quad- oder Octacore, verliert die Maschinerie ihren Stellenwert. Unter der Haube muss Power sein, so viel ist klar. Beim LG Optimus G sind es die vier Kerne eines Snapdragon S4 Pro à 1,5 GHz. Zusammen mit dem Grafikbeschleuniger läuft das in der Tat flüssig. Nichts anderes aber erwartet man in der Luxusklasse. (Dass die Musikwiedergabe auch bei Quadcores regelmäßig anhält, wenn man gleichzeitig die Kamera betätigt, ist eine seltsame Eigenart, die ich mittlerweile stillschweigend akzeptiert habe, weil sie jedes Quadcore-Gerät betrifft, das ich in den vergangenen zwei Jahren getestet habe. Das Optimus G bildet hier keine Ausnahme.)
Werbeversprechen und Realität: der Vergleich
Es kommt also mehr denn je auf die Feinheiten an. LG hat das Optimus G mit allerhand ausgestattet, was die Konkurrenz nicht zu bieten hat. Unser Vergleich mit den Werbeversprechen. LG:
“Das 11,9 cm große True HD IPS+ Display begeistert durch absolut gestochene Schärfe. Die brillante HD-Auflösung, die realistische Farbwiedergabe auf robustem – nahezu unsichtbarem – Gorilla Glass 2 faszinieren genauso wie die Zerogap Touch Technologie, bei der man das Gefühl hat, die Icons auf dem Display direkt mit dem Finger zu berühren.”
Kommt hin. Ob es das derzeit beste Display auf dem Markt ist, sei dahingestellt, aber das Display im Optimus G macht in der Tat Spaß. Auflösung und Farbtiefe überzeugen, die Icons scheinen direkt an der Oberfläche zu schwimmen. Kann sich sehen lassen. LG zur Optik:
“Der Look des LG E975 Optimus G besticht durch schlichte Vollkommenheit. Aber erst die patentierte Crystal Reflection Oberfläche macht es wirklich unverwechselbar: Je nach Blickwinkel und Lichteinfall schimmert das Backcover in unaufdringlicher Eleganz. Raffinierte Polarisationseffekte schaffen einen dezenten 3D-Effekt.”
Ich weiß nicht, wie es dem geneigten Leser geht, ich jedenfalls verbringe wenig Zeit mit der Rückseite eines Smartphones. Ist im Falle des Optimus G ganz hübsch geworden, 3D und Polarisationseffekte brauche ich hier aber eigentlich nicht. “Schlichte Vollkommenheit” ist ferner recht blumig ausgedrückt. Das Gehäuse ist, wie oben erwähnt, sehr solide verarbeitet, ansonsten aber recht gesichtslos. LG zur Kamera:
“Cheese Shutter macht ein Foto, wenn ein Sprachbefehl ausgesprochen wird.”
Witzige Funktion, die in der Tat funktioniert und es dem Anwender erspart, immer nach dem Auslösebutton zu fischen. Gut gelöst. LG weiter:
“TimeCatch Shot nimmt Fotos bereits kurz vor dem Auslösen auf und ermöglicht Ihnen, die Besten auszuwählen – und direkt zu speichern.”
Funktioniert leider nicht für die Frontkamera, wo die Funktion für Porträtfotos eigentlich ganz chic gewesen wäre. In der Praxis ist TimeCatch denn auch etwas lieblos umgesetzt. Die Kamera nimmt statt einem einfach fünf Bilder auf, die man sich später noch einmal anschauen und speichern oder verwerfen kann. Im aktuellen Blackberry Z10 ist diese Möglichkeit mit einer steuerbaren Zeitleiste viel eleganter gelöst.
QSlide-Apps: ein Hauch von Windows auf dem Display
Für die Frontkamera im Optimus G steht dafür die sonderbare Funktion “Beauty Shot” zur Verfügung, die einen sehr leichten Weichzeichnereffekt über das Bild legen kann. Im Ganzen wirken die Extra-Funktionen etwas zu aufgesetzt als wirklich notwendig. Dafür stehen standardmäßig HDR-, Serienbild- und Panoramamodus zur Verfügung. Während der Videoaufnahme, für die LG allerhand Schnickschnack wie große Gesichter anbietet, lassen sich wie selbstverständlich zeitgleich Fotos schießen. Alles in allem überzeugt die Kamera. LG zum Videoplayer:
“Dank der Quad-Core-Technologie kommen die nutzerfreundlichen Multimedia- Features völlig ruckelfrei und immer in bester Qualität zur Geltung: Mit Pinch-To-Zoom können Sie sogar live und direkt in den laufenden Film hineinzoomen.”
Ob das nun wirklich der Quadcore-Technologie geschuldet ist, sei einmal dahingestellt. Wie oben erwähnt: Gleichzeitig Musik hören und Fotos knippsen geht auch mit Quadcore nicht. Die Videowiedergabe gelang bei uns im Test allerdings wirklich ruckelfrei und auch das Pinch-To-Zoom funktionierte. LG weiter:
“Mit QSlide können ausgewählte Apps jederzeit in einem transparenten Popup auf den Bildschirm ein- und ausgeblendet werden – so bleibt alles stets im Überblick.”
Keine schlechte Idee, Umsetzung und Auswahl bislang allerdings noch begrenzt. Bislang lassen sich auf diese Weise nur die fünf Apps Browser, Notizen, Kalender, Rechner und Video einblenden. Alles Apps, für die sich das nur in wenigen Fällen lohnt. In der Praxis funktioniert das auch nicht immer vorbildlich: Das Video-QSlide-Fenster öffnet ohne Not auch immer gleichzeitig ein Auswahlfenster im Hintergrund, verdrängt also die jeweils geöffnete App. Startet man dann eine andere App oder wechselt zum Homescreen, bleibt das QSlide-Video im Vordergrund. Öffnet man im QSlide-Kalender zum Beispiel einen Wochentag, so öffnet sich zwangsweise doch die volle Kalender-App im Hintergrund. Die Umsetzung für QSlide ist also noch verbesserungsbedürftig, aber es ist ein Anfang. LG weiter:
“Mit dem intuitiven QuickMemo™ 2.0 können Sie Ihre Ideen schnell und einfach mit nur einem Tastendruck teilen.”
LGs Antwort auf die App Skitch. Eine clevere App, aber auch eben nur das.
Praxis: Das Optimus G schlägt sich gut
In der Praxis schlug sich das Optimus G gut. Der Akku mit 2.100 mAh hielt vor allem im Standby tagelang durch. Bei normaler Nutzung musste allerdings auch das Optimus G nach einem gewöhnlichen Arbeitstag abends wieder an die Steckdose. Empfang, Datenverbindung (mit LTE) und Sprachqualität waren im Test gut, Bilder und Videos von der erwartet hohen Qualität. Der interne Speicher mit 32 GB (davon 25 GB verfügbar) ist im Vergleich zur Konkurrenz fast schon üppig bemessen. Mir persönlich gefällt LGs eigene Oberfläche Optimus UI nicht sonderlich gut. Gerade bei den Notifications wird durch die QSlide-Icons viel Platz verschenkt. Aber das dürfte Geschmackssache sein.
Etwa zwei Monate nach dem Marktstart in Deutschland ist der Preis für das Optimus G in den meisten Online-Shops von (UVP) 600 Euro auf unter 470 Euro gefallen. Es ist damit derzeit deutlich günstiger als die vergleichbaren Konkurrenzmodelle Sony Xperia Z (ca. 540 Euro), Samsung Galaxy S4 (ca. 600) und HTC One (ca. 650). Ein fairer Preis für ein wirklich gutes Smartphone, bei dem eigentlich nur die Optik Geschmackssache ist – was sowohl das etwas langweilige Gehäuse als auch die Oberfläche Optimus UI betrifft. Highlights des Geräts sind die Kamera und das sowohl lichtstarke als auch farbenfrohe und kaum spiegelnde Display. Auf die Software-Extrafunktionen hätte zumindest ich allerdings getrost verzichten können.






























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19. Mai 2013 um 17:56
Also das Design ist grade das was mir so gut gefällt. Es ist schlicht und edel. Das S3 z.B. finde ich dermaßen hässlich und HTC mag ja ganz innovative Designs haben aber da hat man dann beim One eine geschwungene Rückseite?! Dieses einfach nur schwarze, rechteckige Display ohne Schnickschnack. Das finde ich beim Optimus einfach toll.
21. Mai 2013 um 20:16
Bin voll und ganz zufrieden mit meinem LG, möchte es nicht mehr missen und kann es mit bestem Gewissen weiterempfehlen (hatte vorher ein SGS 3 und ein iPhone 5).