Videre Pinhole und Dirkon:
Schicke Lochkameras aus Pappe

Eine Londoner Designerin hat mit ihrer selbstgebauten Lochkamera einiges an Aufsehen erregt. Die Kamera besteht lediglich aus umweltfreundlicher Pappe, ist aber trotzdem in der Lage Fotos zu machen. Auf Kickstarter möchte sie nun genug Geld sammeln, um ihre Lochkamera als Selbstbau-Kit anzubieten.

Lochkameras können auch richtig gut aussehen

Lochkameras können auch richtig gut aussehen

Was ist eine Lochkamera?

Bei einer Lochkamera handelt es sich um die einfachste Form der Fotoaufnahme, die es gibt. Lochkameras lassen sich aus allen möglichen Materialien herstellen. Es müssen allerdings zwei Bedingungen gegeben sein: Das Innere der Lochkamera muss absolut dunkel sein und das Loch, durch das das Licht eintritt, muss die richtige Größe haben.

Der einfachste Aufbau einer Lochkamera, mit der sich auch Fotos schießen lassen, besteht aus einem abgedunkelten Kasten mit einem kleinen Loch vorne und der Möglichkeit einen 35-mm-Fotofilm hinten einzuspannen. Die Lochkamera braucht keine Linse, da das Loch als solche fungiert. Stimmen Lochgröße und Abstand zum Film, erhält man ein Bild, das zwar in Sachen Schärfe nicht mit einer Fokuskamera mithalten kann, aber dennoch seinen eigenen Charme besitzt.

Videre Pinhole und Dirkon Lochkameras (9 Bilder)
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printing_WEBrear_final_WEBLochkameras können auch richtig gut aussehentumblr_mhzypcjwIg1s3pt8eo1_500
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Selbstbau-Kit für den Massenmarkt

Kelly Angood hat ihre eigene Version einer Retro-Lochkamera designt und in einem Video und auf ihrem Blog vorgestellt. Die Reaktionen darauf waren so begeistert, dass sie die Kamerapläne für jeden bereitstellen wollte. Auf ihrer Webseite gab es die Pläne der Kamera passend zum kostenlosen Download für einen 35-mm-Film. Man konnte sie sich selbst ausdrucken und zusammenbauen. Ob sie nun aufgrund unten stehender rechtlicher Ansprüche gelöscht wurden, oder um das Projekt erfolgreicher zu machen, kann ich nicht beurteilen. Auf Kickstarter sammelt sie Geld, damit sie einen fertigen Bausatz der Kamera herstellen und verkaufen kann. Zwar läuft das Projekt noch über einen Monat, allerdings hat sie das nötige Budget bereits erreicht. 15.000 Britische Pfund sollte das Projekt kosten und knapp 19.000 hat sie mittlerweile schon sammeln können.

Für Kelly ist dies bereits der zweite Versuch, die eigene Lochkamera zu produzieren. Vor einem Monat musste sie ihr erstes Kickstarter-Projekt abbrechen, da jemand urheberrechtliche Ansprüche an das Design geltend machte. Sie hat die Zeit danach genutzt, um die neue Version ihrer Lochkamera zu designen. Die Technik bleibt die gleiche nur das Design ist anders und wenn es nach meinem Geschmack geht, sogar besser.

“Dirkon” der Vorreiter

Doch Kameras aus Pappe sind keine neue Erfindung. 1979 machte ein Modell mit dem Namen “Dirkon” von sich reden. Zusammengesetzt aus “dírka”, dem tschechischen Wort für “Loch” und der Endung “kon” , wie sie ein japanischer Kamerahersteller verwendet, bekam man die Vorlage in einer Jugendzeitschrift. Seitdem hat sich einer eingeschworene Community gebildet, die dieses Modell nicht nur weiter entwickelt sondern auch stetig optimiert.

Diese Pläne kann man sich kostenlos im Internet herunterladen, um sich seine eigene Lochkamera aus Pappe zu bauen. Gleichzeitig gibt es dort auch noch einige Tipps, wie man die Bildqualität der Lochkamera verbessern kann.

In Zeiten von Digitalkamera und Smartphone-Kamera scheinen Lochkameras ein wenig nerdig zu sein. Sind sie vielleicht auch, aber Fotografie ist Kunst. Und Kunst bedeutet auch, dass man manchmal über seine Grenzen hinausgehen muss, um neue kreative Ergebnisse zu bekommen. Auch wenn es bedeutet, sich eine Lochkamera aus Pappe bauen zu müssen.

Weiterführende Links: 

 

Ricarda Riechert

Ricarda Riechert ist Autorin bei neuerdings und dem Euronics Trendblog. Sie kann sich sowohl für neue Gadgets, als auch für Fotografie begeistern. Ihre Gamingleidenschaft lebt sie bei Elvun aus.

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7 Kommentare

  1. Bossa Nova. Desafinado. Rolley Flex. In diesem coolen Teil klingt Musik.
    Ich würde die Kamera allerdings nicht als nerdig bezeichnen. Dafür sind ihre Bilder einfach zu analog. Post digital trifft es da vielleicht eher.
    Auf jeden Fall ist es schön, dass das Geld für eine Produktion zusammen gekommen ist.

  2. “Zudem entscheidet die Größe des Loches auch über die Größe des Bildes, das durch dieses Loch projiziert wird.”

    Sorry, aber das ist falsch. Die Größe des Loches bestimmt lediglich die erforderliche Belichtungszeit und die erzielbare Schärfe des Bildes. Je kleiner das Loch, desto schärfer ist das Bild, aber um so eher treten auch Beugungserscheinungen des Lichtes auf, die den Schärfeneindruck irgendwann zu stören beginnen. Je größer das Loch, desto unschärfer wird das Bild. Der für optimale Schärfe geeignete Durchmesser liegt unterhalb von 1mm. Die mögliche Größe der belichteten Fläche (Negativ, Diapositiv, Sensor etc.) hängt im wesentlichen von ihrem Abstand zur Licht-Eintrittsöffnung ab. Je größer dieser ist (=größere Brennweite), desto länger ist die erforderliche Belichtungszeit, da sich die vorhandene Lichtmenge auf mehr lichtempfindliches Material verteilt, also pro Flächeneinheit weniger Licht auftrifft.

    Mir ist noch ein extremes Beispiel aus den frühen 90ern erinnerlich, leider ist mir der Name des Künstlers entfallen: Der hatte mittels eines zur Lochkamera umgebauten LKW Großaufnahmen der Architektur und der Landschaften gemacht, für die er sich während der Belichtung mehrere Stunden im Kasten seines LKW aufhalten mußte, da eine komplette Seitenwand im Innern seines LKW mit belichtbarem Material versehen war. Die entstandenen Photographien hatten entsprechende Ausmaße von mehreren Metern mal mehrere Meter.

    • Hallo Peter, vielen Dank für den Hinweis und die interessanten Ergänzungen. Ich habe den fraglichen Satz aus dem Artikel entfernt.

  3. Übrigens schließen sich “Lochkamera” und “digital” nicht aus. Digitale Spiegelreflexkameras lassen sich problemlos als Lochkamera nutzen: Einfach in der Mitte des Gehäusedeckels (der das Gehäuse verschließt, wenn gerade kein Objektiv drauf ist) ein ruhig großzügiges Loch bohren, in dünnes Metallblech (z. B. Dosenblech, gern auch dünner) mit einer Nadel ein sehr feines Loch stechen, Kanten entgraten, mittig auf den Gehäusedeckel tapen und fotografieren.

    Macht Spaß, habe meinen Deckel leider im Urlaub verloren und muss mal einen neuen kaufen. Je präziser das Loch, desto besser — mit der Nadel zu stechen, ist nur eine pragmatische Haushaltslösung.

  4. lochcams sind nerdig. lochcams sind was für künstler und bastler in digitalen zeiten. lochcams sind extrem einfach zusammenzubasteln. lochcams sind cool und man kann sehr schöne sachen mit machen. meine erste hatte ich aus ner grossen blech-keksdose und schlichtem fotopapier mit 15 zusammengefrickelt. fotopapier als negativ einscannen und in gimp invertieren. goil. lustig ist auch 3 S/W aufnahmen mit farbfilterfolien zu machen und die dann digital zu nem farbfoto zu kombinieren (kanäle). insofern erschliesst sich mir der sinn dieses kickstarter-projektes nicht die bohne. und vor allen dingen nicht für den angepeilten preis. für welche zielgruppe soll das sein? für den hipster, der sich das teil eh nur auf die kommode stellt und vielleicht 1-2 mal damit tatsächlich n foto macht? als funktionierende retro-design-studie ganz nett, das wars dann aber auch. kickstarter verkommt langsam zu einer plattform für wannabes und bei sowas frage ich mich ernsthaft, wie so ein “projekt” tatsächlich sein goal erreicht hat.

  5. Hallo Jan, vielen Dank für den tollen Artikel. Ich habe meine eigene Lochkamera vor 30 Jahren in der Schul-AG gebastelt. Die Fotos waren gar nicht so schlecht.

  6. na, nur jubelkommentare hier gestattet?

    auf ein neues.

    lochcams sind nerdig. lochcams sind was für künstler und bastler in digitalen zeiten. lochcams sind extrem einfach zusammenzubasteln. lochcams sind cool und man kann sehr schöne sachen mit machen. meine erste hatte ich aus ner grossen blech-keksdose und schlichtem fotopapier mit 15 zusammengefrickelt. fotopapier als negativ einscannen und in gimp invertieren. goil. lustig ist auch 3 S/W aufnahmen mit farbfilterfolien zu machen und die dann digital zu nem farbfoto zu kombinieren (kanäle). insofern erschliesst sich mir der sinn dieses kickstarter-projektes nicht die bohne. und vor allen dingen nicht für den angepeilten preis. für welche zielgruppe soll das sein? für den hipster, der sich das teil eh nur auf die kommode stellt und vielleicht 1-2 mal damit tatsächlich n foto macht? als funktionierende retro-design-studie ganz nett, das wars dann aber auch. kickstarter verkommt langsam zu einer plattform für wannabes und bei sowas frage ich mich ernsthaft, wie so ein “projekt” tatsächlich sein goal erreicht hat.

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