Mantis Hexapod:
Was hat sechs Beine und ist zwei Tonnen schwer?

Eine Portion Science Fiction gefällig? Micromagic Systems hat einen bemannten Roboter vorgestellt, der mit seinen sechs Beinen durch unwegsames Gelände krabbelt. Der Hexapod namens Mantis Walking Machine wiegt fast zwei Tonnen und würde wie aus einem Endzeitfilm wirken – wenn er nicht so träge wäre.

Mantis-Pilot in Aktion.

Mantis-Pilot in Aktion.

Ich kam zu neuerdings.com, um über Heimelektronik zu schreiben. Kleine Helferlein, die idealerweise in eine Handfläche passen. Filigrane Technik, wenn man so will, gerne auch ein wenig Elektronikspielzeug. Und jetzt hat man mir dieses Thema zugeteilt, vielleicht auch, weil eine Vorliebe für das absurde Genre Science Fiction Western habe: einen Hexapod, schwerer als ein Mittelklassewagen. Einen – streng genommen – ja nur personenbefördernden Roboter für unwegsames Gelände, der allerdings wie eine gigantische Spinne aussieht, monströs und zwei Tonnen schwer. Ja, muss denn das sein?

Geht es nach Matt Denton, muss es das. Der Gründer und Chefdesigner von Micromagic Systems hat schon in der Vergangenheit für Film und Fernsehen Hexapods hergestellt. Eine Schildkröte mit sechs Beinen spielte in zwei Harry-Potter-Filmen mit, ein Alien jüngst im Sci-Fi-Blockbuster “Prometheus”. Um seinen gigantischen Hexapod zu bauen, hob er 2009 das Nebenprojekt Mantis aus der Taufe. Die Monsterspinne will Denton nun vor allem für Veranstaltungen vermieten. Wäre das nicht was für eure nächste Geburtstagsfeier?

Mantis Hexapod (13 Fotos)
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Zumindest einige technische Eigenschaften erinnern beim Mantis an einen Mittelklassewagen: 1.900 Kilogramm schwer, ein 2,2 Liter Turbodiesel als Motor. Ein 20-Liter-Tank hält den Treibstoff. Die Spinne selbst funktioniert mit Hydraulik und bis zu 165 bar. Fünf Meter misst man von einem Bein zum nächsten. Der Fahrer/Spinnendompteur sitzt am höchsten Punkt von 2,8 Metern. Allerdings lässt sich der Mantis auch mit einer Fernbedienung steuern. Im Inneren des Monstrums sorgt ein Linux-PC für den Betrieb, Steuer-Computer ist dafür ein Windows-PC. Über die Kosten der Herstellung und den Mietpreis verrät Micromagic leider nichts. Preise sicherlich auf Anfrage.

Langsam, das ist erst der Anfang

Als Einsatzgebiet für Hexapods dieser Größe kommen gleich eine ganze Menge Szenarien in Betracht: Baugewerbe, Bergbau, Minensuche, Kameratechnik und, nun ja, sicherlich leider auch Militär. Micromagic selbst bewirbt den Mantis im offiziellen Trailer für den Einsatz in Spielfilmen. Darin seht ihr dann allerdings auch, dass ihr zumindest nach derzeitigem Stand damit im Straßenverkehr gegen kaum einen Fußgänger Land sähet:

In meinen Augen ist der Mantis dennoch ebenso beeindruckend wie beängstigend. Wird wohl nur noch eine Frage der Zeit sein, bis Spinnenroboter eine deutlich höhere Geschwindigkeit aufweisen – und uns dann gigantische Kampfspinnen wie im Sci-Fi-Western “Wild Wild West” gegenüberstehen? Na, hoffentlich bleibt uns das wenigstens erspart.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist freier Technikjournalist, Innovationsberater und Skeptiker.

Ein Kommentar

  1. Nunja … das ist nicht neu und kann dir so ähnlich schon bald im Wald begegnen (John Deere, Walking Harvester):
    http://www.youtube.com/watch?v=CD2V8GFqk_Y

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