Thermodo:
Außenthermometer für das Smartphone

Moderne Smartphones haben kristallklare Displays, Kompasse, Gyroskope und können unsere Bewegungen protokollieren. Nur eins können sie noch nicht: uns die Umgebungstemperatur mitteilen. Das Kickstarter-Projekt Thermodo will das jetzt ändern – mit einem kleinen Thermometer für den Kopfhöreranschluss.

Inzwischen gängige Praxis: Hast du eine Idee für ein cleveres Gadget, dann rauf damit auf Kickstarter. Die Nutzer wissen Bescheid und ordern munter die Vorbestellungen – solange das Konzept einigermaßen stimmig erscheint. So auch im Falle des Thermodo: Gestern erst auf Kickstarter vorgestellt, heute bereits finanziert. 35.000 US-Dollar wollte Anbieter Robocat aus dem dänischen Kopenhagen in 33 Tagen einsammeln, schon jetzt kamen von mehr als 2.000 Unterstützern über 75.000 Dollar zusammen. Im August sollen die ersten der kleinen Stecker ausgeliefert werden.

Thermodos, das sind kleine Anstecker für die Kopfhörerbuchse eines Smartphones oder Tablets, die die Temperatur messen können. Hersteller Robocat nennt sie mobile Wetterstationen. Die Idee kam den App-Entwicklern nach bösen Reviews ihrer bisherigen Wetter-Apps wie Thermo und Haze. Ein Nutzer beschwerte sich über die Ungenauigkeit und gab nur einen Stern für die Thermo-App. Er sei gerade mit dem iPhone im Bad und am Kamin gewesen, und die App zeige immer noch -2 Grad Celsius an. Die Robocat-Macher lachten, denn das iPhone verfügt nicht über einen Temperatursensor, der Raumtemperaturen messen kann. Aber warum es dann nicht einfach mit einem solchen Sensor ausstatten?

Thermodo - Außenthermometer für mobile Geräte
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Als offene Plattform geplant

Also heuerte die App-Schmiede aus Kopenhagen einen Elektroingenieur an, der Thermodo entwarf. Der simple kleine Stecker wird einfach in die Kopfhörerbuchse eines Smartphones (oder Tablets, Notebooks) gesteckt und schickt seine Daten über ein Audiosignal an das jeweilige Gerät. Kein Bluetooth oder WLAN nötig. Die Leistungsaufnahme soll ausgesprochen gering sein und den Akku des Smartphones oder Tablets kaum beanspruchen. Auf dem Gerät selbst lassen sich die Daten mit verschiedenen Apps auswerten. Robocat will ein Software Development Kit veröffentlichen und Thermodo damit als offene Plattform positionieren, für die jeder Nutzer Apps programmieren kann. Bislang gibt es zwei Thermodo-kompatible Apps nur für das iPhone. Durch die Offenheit dürften aber schnell weitere hinzu kommen. Mit anderen Systemen wie Android soll Thermodo ausdrücklich kompatibel sein.

Die Sensoren können eine Temperatur zwischen -20 und +50 Grad Celsius messen – allerdings spielen die meisten Smartphones und Tablets bei den Extremen dieser Skala schon nicht mehr mit. Der Kostenpunkt des kleinen Thermodo-Steckers, den es in Weiß und Schwarz geben wird, ist 25 US-Dollar plus 10 Dollar Versand außerhalb der USA. Obwohl Robocat in Dänemark sitzt, werden die Geräte im Ausland gefertigt, und die Abwicklung erfolgt von den USA aus.

Problem Körperwärme

Anbieter Robocat ist in der Branche kein Unbekannter mehr – was den schnellen Erfolg ein wenig erklären dürfte. Bereits die schlichte und dabei sehr modische Wetter-App Haze fand in der Startup-Szene viel Beachtung. Hardware ist allerdings noch einmal ein ganz anderes Thema, so dass Robocat mit angekündigten Intensivtests für Vertrauen bei den Unterstützern wirbt. Einen Nachteil werden die Thermodo-Macher allerdings so leicht nicht ausbügeln können: dass viele Smartphone-Nutzer ihr Gerät in der Hosen- oder Jackentasche tragen, Körperwärme deswegen eine Rolle spielt und die Mess-Ergebnisse natürlich beeinflusst. Und auch noch einen weiteren Nachteil sehe ich ganz persönlich für die Nutzung unterwegs: Musik über kabelgebundene Kopfhörer kann man zeitgleich natürlich nicht hören.

Die ersten interessierten Leser fragen bereits, ob Thermodo auch weitere Sensorik beherrscht (wie Luftdruck oder -feuchtigkeit), aber das ist laut Robocat im ersten Schritt nicht geplant. Man denke aber für frühere Versionen darüber nach, und für zukünftige Modelle dürfte auch eine “Durchleitung” von Musik ein Thema sein. Obwohl Thermodo bereits finanziert ist, läuft die Aktion übrigens noch einen ganzen Monat lang weiter. Das Early-Bird-Angebot ist bereits ausverkauft, aber für das normal teurer Thermodo für 25 Dollar scheint es kein Limit zu geben.

Kickstarter-Seite von Thermodo. Gefunden auf Mobiflip.de.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist freier Technikjournalist, Innovationsberater und Skeptiker.

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7 Kommentare

  1. hahaha “die app zeigt immernoch -2° an, obwohl ich im bad steh” – typisch iphone-user :D sorry, der musste mal wieder sein! Schönes Wochenende!

    • die dummheit der menschen lässt sich nicht am betriebssystem ablesen.
      die ignoranz von einigen aber durchaus an ihren kommentaren.
      mit freundlichen grüßen
      ein android-nutzer

    • An das Gleiche musste ich auch beim lesen denken. Für Iphone-User sind selbst einfache Dinge zu kompliziert :-)

  2. Funktioniert das Teil auch hinter einer Kabelverlängerung? Dann könnte das Handy in der Tasche bleiben und das Teil aussen irgendwo rumbaumeln…

  3. Supercoo… Moment: Wofür noch gleich?

  4. Ich sehe schon die erste Fieberthermometer-App auf uns zukommen… :-D

    Dennoch eine sehr tolle Idee, denn genau diese Funktion habe ich mir auch schon das ein ums andere mal gewünscht!

  5. Nuja, das da kein Temperatur Sensor drin ist liegt an der eingebauten Technik.

    Wenn man den Prozessor etwas stärker belastet, wird das Handy warm und macht eine solche Temperaturmessung praktisch unmöglich.

    Gutes Gadget vielleicht Leg ich’s mir für mein iphone zu :)

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