Smartphone-Displays:
Das sinnlose Streben nach Größe

Auf dem Mobile World Congress hat der irre Wettkampf vorläufig seinen Höhepunkt gefunden. Mit Smartphones jenseits der 6 Zoll Größe bewegen wir uns mit großen Schritten auf Tablets zu. Die Hersteller scheinen dies als besonderen Fortschritt zu sehen, doch treffen sie damit den Kundengeschmack? Ich behaupte, die meisten Kunden wollen gar keine übergroßen Smartphones.

Das Fonepad am Ohr - gewöhnungsbedürftig

Das Fonepad am Ohr - gewöhnungsbedürftig

Als ich mein erstes Handy bekam, herrschte noch das allgemeine Verständnis, dass Handys dann besser wären, wenn sie klein sind. Kaum kam ein kleineres Modell auf den Markt, stürzten sich alle genau darauf. Mit den ersten Smartphones und der Bedienung über das Display, änderte sich diese Einstellung schnell und man lernte ein großes Display durchaus zu schätzen. Verständlicherweise mussten Touchscreen-Displays eine gewisse Mindestgröße haben, damit man auf ihnen vernünftig tippen konnte, und je nach Nutzer variierte diese Größe auch. Aber langsam bewegen wir uns auf etwas zu, das nicht im Sinne der Kunden ist – nicht im Sinne der Kunden sein kann.

Smartphones in Übergröße
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Betrachtet man die neuen Smartphone-Modelle, dann kommt man nicht umher festzustellen, dass die Displaygrößen unrealistischer Ausmaße angenommen haben. Als 2011 das erste Samsung Galaxy Note mit einem 5,3”-Display auf den Markt kam, war ich natürlich wie jeder andere erst skeptisch, realisierte aber, dass die Bedienung mit dem Stift und einem großen Display durchaus sinnig ist. Das Gerät spielt für mich also in einer eigenen Klasse fernab der herkömmlichen Smartphone-Modelle, genau wie das noch etwas größere Galaxy Note 2 mit 5,5 Zoll. Nun haben wir allerdings Smartphones, die größer als dieses Modell sind, die nicht auf die Benutzung mit einem Stift ausgelegt wurden, sondern auf die normale Benutzung mit beiden Händen: das ZTE Grand Memo mit 5,7 Zoll etwa, Huaweis Koloss Ascend Mate mit 6,1 Zoll oder das als Telefon deklarierte Asus Fonepad mit 7 Zoll in Größe eines Tablets. Auch generell scheint der Trend hin zur Größe zu gehen. Smartphones mit 5-Zoll-Display sind keine Seltenheit mehr, neuer Standard scheinen mindestens 4,7 Zoll zu sein. Und ich frage mich ernsthaft: Wer hat danach gefragt?

Wie groß ist das ideale Display?

Die Größe eines Smartphones ist zwar eine persönliche Vorliebe, aber schauen wir uns einmal das User Interface von Android an, so stellen wir fest, dass dieses nicht auf die Benutzung mit übergroßen Displays ausgelegt ist. Im Idealfall sollte der Finger – in diesem Fall der Daumen – beim Halten des Smartphones bis in die obere linke oder rechte Ecke kommen. Damit wäre der ideale Displaydurchmesser die Länge des Daumens, denn sowohl in der linken oberen Ecke als auch in der rechten oberen Ecke befinden sich wichtige Bedienelemente. Schauen wir nun auf Smartphones mit einem Displaydurchmesser von 6 oder 7 Zoll, dann frage ich mich, wie die Hand eines Nutzers beschaffen sein soll, der diese Displaygröße als angenehm empfindet.

Kunden wollen kleinere Smartphones mit High-End-Hardware

Zusätzlich lese ich schon seit einigen Monaten aus vielen Kommentaren heraus, dass Kunden sich beschweren, dass neueste Hardware immer nur in übergroßen Smartphones angeboten wird. Kunden haben also gar nicht die Wahl, sich ein Smartphone in ihrer idealen Größe zuzulegen, denn dann werden sie heutzutage auf minderwertigere Hardware festgenagelt. Smartphones mit 4 bis 4,3 Zoll gibt es fast nur noch als Einsteiger- beziehungsweise Mittelklassemodelle. Ein Highend-Smartphone mit nur 4 Zoll? Ich wüsste keins.

Aber wo liegt genau das Problem der Hersteller? Wenn man ein Produkt massentauglich vermarkten möchte, braucht man ein Aufhänger – eine Eigenschaft die sich auf den ersten Blick schnell mit den anderen Konkurrenzmodellen vergleichen lässt. Schaut man einmal in eine andere Techniksparte, zu den Kameras, hat man hier ein ähnliches Phänomen. Lange Zeit wurde der Markt von dem Irrglauben beherrscht, dass eine hohe Megapixelzahl eine bessere Kamera bedeute. Die Angabe der Megapixel dominierte die Werbeblätter der Elektrofachmärkte, obwohl sie keinerlei Aussage darüber trifft, wie gut die Bildqualität einer Kamera ist. Man braucht aber einen einfachen Vergleichswert und so wählte man sich diesen aus und ließ die Kunden in dem Glauben, dass sie sich danach zu richten haben. Irgendwann erreichte der Kamera-Markt eine Sättigung und die Kunden besannen sich darauf, gute Bilder haben zu wollen und nicht einfach nur sehr große. Mittlerweile wird auf Bildqualität geachtet, welche Sensoren verbaut wurden und wie das fertige Foto aussieht, aber jahrelang haben die Kunden Kameras nach ihrer Megapixelzahl gekauft.

Schauen wir zurück zu den Smartphones, haben wir einen ähnlichen Effekt. Die Displaygröße ist ein einfacher Wert, der sich bei allen Smartphones miteinander vergleichen lässt. Bringen die Hersteller neue Smartphones mit einem größeren Display auf den Markt, verknüpfen die Kunden damit: großes Display = bessere Qualität = hochwertigere Technik. Ist diese Verknüpfung im Kopf erst einmal entstanden, bekommt man die Aufmerksamkeit allein schon dadurch, dass man 0,2 Zoll größer als die Konkurrenz ist – obwohl dies natürlich total absurd ist, denn genau wie die Megapixelzahl bei den Kameras hat die Displaygröße nichts mit der Qualität des Smartphones zu tun. Es kann sogar einen negativen Effekt haben. So verbrauchen größere Displays auch mehr Strom und die Akku-Leistung großer Geräte lässt deswegen oft zu wünschen übrig.

Das Wettrennen ist vorbei

Glücklicherweise befinden wir uns jetzt an dem Punkt, den man bei den Kameras auch erreicht hat: die Obergrenze. Smartphones haben jetzt die gleiche Größe wie kleine Tablets. Die Grenzen verwischen hier, was die Kunden verwirrt. Und Verwirrung ist nichts, womit sich gut Geld machen lässt. Die Hersteller haben jetzt eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie belassen es bei der derzeitigen (Über)größe oder sie besinnen sich zurück auf das, was der Kunde möchte.

Malen wir uns doch einmal aus, wie erfolgreich sich ein Smartphone verkaufen würde, das zwischen 4 und 4,5 Zoll groß ist, aber die allerneueste Hardware verbaut hat und durch die Einsparung der Displaygröße eine bessere Akkulaufzeit vorweisen kann. Ich prophezeie einmal, dass der Hersteller sich vor Nachfrage gar nicht retten könnte. Der Ruf nach realistischen Smartphonegrößen ist laut – gehört hat ihn aber noch keiner. Ich hoffe, dass es nicht mehr lange dauert, denn ich brauche ein neues Smartphone.

 

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17 Kommentare

  1. Leider stimmt imho im Moment noch die Vermutung, dass die Kunden Displaygröße mit Qualität verwechseln. (Displaygröße oder Apple als Marke). Würde ein Android für 650,- mit der Größe des iPhone5 auf dem Markt kommen, würde es keiner kaufen, da Prozessor, Pixeldichte usw. den normalen Anwender nicht interessiert. Auch ob der Akku 2 Stunden länger hält, ist den meisten egal. 2 Tage länger wären wieder ok, aber ein paar Stunden sind uninteressant.

  2. Ich sehe das so: Ein Smartphone muss zur Not in die Hosentasche passen. Deshalb bin ich immer noch mit meinem alten HTC Legend zufrieden, trotz des mageren Speichers.

  3. Malen wir uns doch einmal aus, wie erfolgreich sich ein Smartphone verkaufen würde, das zwischen 4 und 4,5 Zoll groß ist, aber die allerneueste Hardware verbaut hat und durch die Einsparung der Displaygröße eine bessere Akkulaufzeit vorweisen kann. Ich prophezeie einmal, dass der Hersteller sich vor Nachfrage gar nicht retten könnte.

    Was der Autor da beschreibt ist ein iPhone 5. Auch hier hat es Apple mal wieder vor allen anderen gewusst !

    • Ähm, nein. iPhone 5 hat NICHT die allerneuste Hardware, ich verweise nur mal auf Dualcore vs. Quadcore.

  4. Ich favorisiere große Displays so lange, wie sie auch etwas bringen und das fängt bei der Auflösung an:
    Ich mag ungern zig mal hin und her scrollen, um mich auf einer Seite zu orientieren und dann ggf. diesen Bereich vergrößern.

    Dann mag ich große Displays, weil einfach die Tasten sicherer zu treffen sind und noch mehr Inhalt vom Rest dahinter zu sehen ist.

    Gerätegröße ist bei mir durch die Spannweite der Hand begrent, denn ich mag alles, solange ich es mit einer Hand sicher aufnehmen (zum Bsp. von einer glatten Fläche) kann.

    (M)ein Gerät dürfte daher für den Alltag und dazu zähle ich ein smartphone, nicht breiter als 10cm sein – Breite! nicht Diagonale!

    Übrigens Display- & Gerätegröße sind zwei verschiedene Dinge!

  5. Ich habe mir aus diesem Grund ein Motorola Razr i zugelegt, weil es das wichtigste Feature überhaupt hat: Eine überragende Akkulaufzeit. Als Nicht-Gamer brauche ich keine HighEnd-Hardware, ich schaue auf dem Handy keine Filme und die Fotoqualität reicht für Bildnotizen, einen Schnappschuss und Scans von Dokumenten vollkommen aus. Fotografiert wird ansonsten mit einer “echten” Kamera.

    Dazu kommt noch ein sehr ordentliches Gehäuse und ein Preis von unter 250 Euro. Wenn ich ein großes Display brauche, habe ich mein iPad und das Nexus 7.

    Was nützt mir ein potentes Smartphone mit großem Display, wenn es nach einem halben Tag leer ist?

  6. Also ich hab das RAZR i und bin sehr zufrieden. 4.3 Zoll und schlankes Design. Hardware ausreichend, fixe Bedingung und laaange Akkulaufzeit. Was will man mehr?

  7. Wie werden solche Monster denn transportiert?
    Ein “Handy” gehört in die Tasche gesteckt, damit man es imer dabei haben kann – dann sollte es nicht allzusehr stören.
    10,5 x 5,8 cm groß ist mein Motorola – Dank Gorilla-Glas ohne Kratzer auf dem Display und immer in der Hosentasche dabei.
    Als “Dame” hat man ja eine Handtasche, in die man solche Mini-Tablets stecken kann, aber ich nicht.

    Um lange und ausgiebig online zu gehen nutze ich sowieso den “ganzen” Tag meinen Computer oder unterwegs das Laptop. Für alles Andere reicht mir mein “Zwerg”, der immer noch groß genug ist.

  8. Das Lumia 820 erfüllt die Forderung.
    Trotz der angeblich so niedrigen Auflösung sind im Alltag keine Pixel auf dem 4,3″ Display zu erkennen und die restliche interne Hardware entpricht dem 920.

    Was braucht man mehr?

  9. Ich mag mein Note 2 :) Entgegen der Vermutung, Großes Display = wenig Laufzeit ist es hier eher anderst herum. Denn Große Bauform = Großer Akku = Lange Aufzeit :)

    So hält das Note2 bei mir 2x so lang wie mein vorheriges S3 und seit ich das “Smartlet” habe greife ich weniger oft zu meinem Tab da vieles darauf wunderbar geht.

    • Ich halte das Note 2 mit seinen 5,5″ auch für das optimale Smartphone: gerade noch klein genug, um in die Hemd- und Hosentasche zu passen, und groß genug, um mit Vergnügen zu surfen und zu spielen. Der Akku hält bei moderater Nutzung durchschnittlich 2-3 Tage.
      Für mich endet der Vorteil größerer Smartphones (bzw. Phablets), wenn sie im täglichen Gebrauch und unterwegs nicht mehr handlich sind. Will ich was Größeres fürs Sofa zu Hause, kaufe ich mir lieber ein Tablet mit +10″.

  10. eins vorne weg ich bin kein apple fan, aber ich glaube, dass das iphone 5 von der größe und dem format fast das perfekte display ist. es passt in die hosentasche, lässt sich mit einer hand bedienen und im querformat kann man auch bei größerem abstand webseiten gut betrachten.
    alles über diese größe hinaus fühlt sich einfach nicht gut in der hand an, besser gesagt in meiner hand, da ich keine 5000 menschen gefragt habe, welche displaygröße am besten sei.
    der drang zum tablethandy hat htc soweit gebracht ein zweites handy fürs handy zu entwickeln.
    irgendwann soll das wahrscheinlich auch noch so groß sein, dass wir ein handy für das handy handy brauchen.
    handy heißt handlich und das werden smartphones immer weniger.

  11. Danke, du sprichst mir aus der Seele. Genau darum liebe ich mein N9. Aber wie das so ist, selbst wenn man voll zufrieden ist, schaut man ja schon nach der nachsten Alternative. Das gleiche gilt ubrigens auch für Gerate mit Hardwaretastatur, obwohl die Nische da wohl noch etwas kleiner sein dürfte

  12. Ich Teile diese Meinung nicht. Ja richtig, der Markt verlangt HighEnd in der 4-4,5 Zoll Klasse, trotzdem ist der Bedarf für grössere Displays da. Ich komme z.B. mit meinem Daumen super in die. Ecke, 4,5 Zoll, aber bei der Bedienung habe ich mit der Daumengrösse immer wieder Probleme. Spricht für ein grösseres Display.
    Auf der anderen Seite telefonier ich wenig, was eher für ein Tablet spricht. Wer will aber ständig ein 7 Zoller mit sich schleppen?
    Meine Lösung oder mein Bedarf liegt eben zwischen 4,5 und 6 Zoll, mit einer HighEnd Auflösung.

    Ach und das Fonepad ist auch kein Smartphone sondern ein Tablet mit Fonefunktion. Das sollte man bedenken.

  13. Für mich ist die Definitionsgrenze Smartphone-Tablet klar: Ein Smartphone muss mit der selben Hand bedient werden können, mit der ich das Gerät in der Hand halte. Ich muss mit dem Daumen im Hochformat also ohne Probleme diagonal über den Touchscreen greifen können. Ich habe keine kleinen Hände, doch mein Lumia 920 ist gerade an dieser Grenze (4,5 Zoll). Wenn der Rahmen eines Tages verschwindend dünn sein wird, dann wird die Grenze wohl bei 5 Zoll liegen.

  14. Also ich für meinen Teil werde wohl auf ein Razr i wechseln da es grössenmäßig ähnlich gross ist wie mein iPhone4 un

  15. Also ich finde, dass es kein Perfektes Smartphone gibt zur Zeit. Denn wenn ich mir ein S3 anschaue, sehe ich ein schön großes Display mit ganz guten Farben und einer für meine Hände Perfekte Größe,aber es darf auch nicht viel größer sein, weil ich es immernoch mit 1 Hand bedienen möchte. Ich finde, dass das Sony Xperia Z ein sehr schönes Handy ist, nur das es schon 5″ Groß ist. Aber, es ist wasserdicht, was ich mittlerweile nicht missen möchte und hat eine 13 MP Kamera die echt Top ist und ich glaube auch einen Flac Audio Player hat, welchen ich haben muss, weil sonst die Ultrasone ihre Pracht nicht zeigen können… Naja also sonst sind halt HTC One und Xperia Z im Angebot, welche aber auch für mich zu Teuer sind. Ich gebe sowieso nicht viel Geld für Smartphones aus, würde mich wenn aber für eines der beiden entscheiden.

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