Myo Armband:
Revolutionäre Gestensteuerung für Computer und mehr

Ein dezentes Armband namens Myo will möglich machen, was wir vor bald zehn Jahren im Film “Minority Report” gesehen haben: Computer und andere Geräte einfach mit Hand- und Fingergesten steuern. Man kann es ab sofort vorbestellen.

Anhand der Muskelbewegungen im Arm soll das Myo-Armband 20 Gesten erkennen können.

Anhand der Muskelbewegungen im Arm soll das Myo-Armband 20 Gesten erkennen können.

Die Gestensteuerung im Film “Minority Report” von 2002 hat die Fantasie vieler Computer-Enthusiasten angeregt. Und wäre es nicht tatsächlich eine einfache und natürliche Art, mit Computern umzugehen? Der neueste Kandidat, der uns dieses futuristische Nutzungserlebnis bringen will, ist das “Myo”-Armband. Es will per Bewegungssensor und Elektroden erkennen, was der Nutzer gerade mit seinem Arm, seiner Hand und den einzelnen Fingern macht. 20 Gesten soll das Armband in der ersten Generation erkennen können und noch dieses Jahr für gerade einmal 149 US-Dollar (umgerechnet etwa 115 Euro) auf den Markt kommen.

Myo Armband in Aktion
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In der Fotostrecke oben und im folgenden Video seht ihr, wie sich die Macher den Einsatz des Myo vorstellen:

Der Vorteil des Myo-Armbandes gegenüber anderen Lösungen ist die große Freiheit, die es dem Nutzer lässt. Andere Systeme wie Microsofts Kinect, oder Oblongs g-speak setzen auf Kameras, um die Gesten zu erkennen. Entsprechend örtlich eingeschränkt ist man mit ihnen. Das viel diskutierte System “The Leap” wiederum setzt auf einen Sensor, den man auf dem Schreibtisch platziert. Auch hier funktioniert die Gestenkontrolle nur in einem bestimmten Bereich, ist dafür aber sehr präzise, wie bereits gezeigt wurde. Das Myo hingegen streift man sich über und ist dann weitgehend frei darin, wie man sich bewegt und platziert. Und dabei ist es auch dezenter als beispielsweise die Gesture Glove Mouse und ähnliche Geräte.

Kern des Myo-Armbandes ist dabei seine Fähigkeit, die elektrische Aktivität in Muskeln zu erkennen. Die Macher setzen dabei auf Elektroden, die nicht wie ihre medizinischen Counterparts auf die Berührung mit der Haut angewiesen sind. Das soll reichen, um sogar die Bewegung einzelner Finger zu erkennen. Und es soll dabei blitzschnell reagieren, denn im Arm könne man eine Bewegung schon erkennen, bevor sie an den Fingern tatsächlich stattgefunden hat, heißt es in den FAQs.

Das Myo verbindet sich per Bluetooth 4.0 mit dem fraglichen Gerät und hat einen Lithium-Ion-Akku integriert. Zur Laufzeit des Armbands gibt es noch keine Aussagen.

Um ungewollte Eingaben über das Armband zu verhindern, wird es über eine spezielle Geste aktiviert und deaktiviert. Entsprechend ist das Wechseln beispielsweise zwischen Tastatur und Gestensteuerung immer mit einem Zwischenschritt verbunden. So gesehen wird das Myo nicht etwa zum Mausersatz, sondern zu einem ergänzenden Gerät für passende Einsatzzwecke.

So soll das Armband letztlich aussehen, wenn es auf den Markt kommt.

So soll das Armband letztlich aussehen, wenn es auf den Markt kommt.

Kompatibel zu Windows-PCs und Macs

Schon vom Start weg soll Myo dabei mit zahlreichen Geräten und Anwendungen funktionieren, die man bereits hat. So soll es sich mit Windows- und Mac-Rechnern verstehen und man soll es mit Präsentationen, Videos, Spielen, dem Browser und einigem mehr verwenden können. Entwickler können ihre Apps anpassen oder spezielle Anwendungen für das Myo entwickeln. Eine entsprechende Schnittstelle ist angekündigt, ebenso wie eine Website speziell für Entwickler. Die Macher stellen sich dabei zahlreiche Anwendungsfelder vor, wie beispielsweise Myo als Fernsteuerung oder vielleicht gar als Ergänzung zu AR-Brillen à la Google Glass.

Hinter Myo steckt das kanadische Unternehmen Thalmic Labs, das u.a. vom kalifornischen Inkubator Y Combinator Geld bekommen hat. Die Idee eines Armbandes für die Gestensteuerung ist dabei weder neu noch aus der Luft gegriffen: Niemand geringeres als Microsoft hatte 2008 unter dem namen MUCI ein ähnliches Projekt vorgestellt. Das allerdings benötigt im Gegensatz zu Myo medizinische Elektroden.

Insofern bleibt uns zunächst nur, das weitere Geschehen rund um Myo mit Interesse zu verfolgen. Wie gut es wirklich funktioniert und wie praktisch es im Alltag ist, kann man ohne Test nicht beurteilen. Wagemutige können es sich jetzt für 149 US-Dollar plus 10 US-Dollar Versand auf der offiziellen Website vorbestellen.

Quelle: NewScientist.com

 

Jan Tißler

Jan Tißler ist Redakteur bei netzwertig.com. Er ist fasziniert von Technik und ein leidenschaftlicher Internetintensivnutzer.

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Ein Kommentar

  1. Durchaus sehr Praktisch. Ich denke das Band hat das zeug dazu die Gestensteuerung zu Revolutionieren. Ich bin von der Freiheit und die daraus möglichen Einsatzmethoden sehr begeistert.

3 Pingbacks

  1. [...] bereits jetzt für 149 US-Dollar plus 10 US-Dollar Versand auf der offiziellen Webseite bestellen. (via, [...]

  2. [...] von Nike, Fitbit Flex und diversen anderen tragbaren Gadgets. Gleichzeitig streifen Geräte wie MYO auch noch einen anderen Bereich: Gesture Control und die nächste Generation der User-Interfaces. [...]

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