LG kauft WebOS:
Die unendliche Geschichte geht weiter und wird kein gutes Ende nehmen

LG hat HP das Betriebssystem WebOS abgekauft. Es soll in den hauseigenen Smart TVs zum Einsatz kommen. Während viele Marktbeobachter sich freuen, dürfen Zweifel angebracht sein, ob das eine gute Idee war. WebOS ist bereits dreimal gefloppt und es deutet nichts darauf hin, dass es beim vierten Mal gut ginge.

WebOS Launcher. Bild: PalmGoogles Android ist ein großer Erfolg, Apples iOS auch. WebOS hingegen war nie das große Glück beschert. Vorgestellt auf der CES 2009, bei zwei Herstellern gefloppt, später erfolglos Open Source gestellt. Und jetzt – vier Jahre später – spukt WebOS immer noch in der Elektronikwelt herum, mehr untot als lebendig. Daran wird auch der Verkauf des Systems an LG nichts ändern, den die Koreaner heute überraschend bekannt gegeben haben.

Vielleicht sucht LG nach einer Hintertür, um sich von Android zu befreien. Bei Cnet und Techcrunch zumindest jubelt man ob des vermeintlich genialen Schachzugs. Ich kann mich dem nicht anschließen. Offizieller Grund für den Kauf des Systems, der Patente und der Übernahme einiger Mitarbeiter: die Verwendung in Smart TVs. Nennt mich pessimistisch, aber ich fürchte, ein Erfolg wird auch das nicht. SmartTVs hatten zuletzt wenige Freunde, aktuelle Bedienkonzepte leuchten den Nutzern nicht ein.

Und wenn ich mich nicht irre, ist WebOS für eine Touch-Oberfläche optimiert. Was hat LG also vor? SmartTVs mit Touchscreen, Apps und Kalendern? Um den faulen Couch Potatoes das Aufstehen und Befingern ihrer OLED-Fernseher schmackhaft zu machen? Ich polemisiere, aber was immer LG damit macht: Es klingt für mich nicht gerade nach etwas, worauf die Leute ihr Leben lang gewartet haben.

Dreimal gefloppt, das vierte Mal droht

Und wenn es am Ende doch darum geht, Smartphones und Tablet damit zu bestücken? Dann geht LG in meinen Augen ein zu großes Risiko ein. Angesichts der starken Konkurrenz jetzt schon mit dem Rücken zur Wand stehend, kann man sich das Experiment mit dem kaum noch unterstützten System eigentlich nicht leisten. App-Entwickler werden gerade darauf gewartet haben, nach Android, iOS, Windows Phone, Blackberry, Firefox OS und womöglich bald noch Sailfish, Ubuntu und Tizen auch noch Apps für WebOS zu programmieren. Was denn überhaupt noch für WebOS spricht? Es sieht schön aus, ist benutzerfreundlich, die Bedienung macht Spaß – wenn die Hardware mitspielt. Es war damals seiner Zeit voraus. Heute aber gibt es andere innovative Systeme, die man WebOS getrost vorziehen kann. Ubuntu for Phones wäre da zu nennen oder Jollas Sailfish OS und Blackberry 10 – schon das modifizierte QNX Playbook OS 2.0 machte auf dem Blackberry-Tablet eine gute Figur und erinnerte ein wenig an WebOS.

WebOS hat Palm in den Ruin getrieben, für WebOS schoss HP 3,3 Milliarden US-Dollar in den Wind. Ein gutes Jahr, nachdem das PC-Schwergewicht es Open Source stellte, ist weit und breit kein Gerät damit nativ bestückt oder ein Carrier in Sicht, der WebOS unterstützen würde. Dreimal also schon ist WebOS gefloppt. HP hat jetzt das einzig richtige getan und sich endgültig des Ärgers entledigt. Und von LG darf man gespannt sein, wie man das System den Kunden schmackhaft machen will. Ich will nicht den Teufel an die Wand malen, aber ich fürchte, es könnte auch zum vierten Mal schief gehen. Manchmal ist es besser, einfach die Finger von etwas Schönem zu lassen. Und wenn es noch so hell glitzert.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

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3 Kommentare

  1. Schade eigentlich, WebOS ist eines der besten mobilen Betriebssysteme, was Nutzerfreundlichkeit betrifft

  2. Eigentlich wurde schon ein Smart-TV auf Basis von Open WebOS zur letzten CES in Las Vegas im Januar erwartet. LG hat aus unbekannten Gründen die Präsentation verschoben. Hintergrund für die Wahl von WebOS ist, dass LG einen Ersatz für die ein wenig in die Jahre gekommene eigene Smart-TV-Plattform suchte. Unter anderem waren bei LG dafür auch Google-TV und Apple-TV im Gespräch, was aber beides wieder verworfen wurde. Ob WebOS die richtige Wahl ist, bleibt abzuwarten. Ich bin jedenfalls gespannt, wie sie z.B. die recht langen Bootzeiten von WebOS in den Griff bekommen wollen, ohne das Gerät ständig im Stand-by-Betrieb haben zu müssen, zumal, wie im Beitrag erwähnt, WebOS nicht für Smart-TV gedacht war.

  3. WebOS hatte am Anfang auch immer eine Tastatur. Wie bei Blackberry. Dass das nur auf Touch ausgelegt war, stimmt nicht so ganz.

    LG hat übrigens die Magic Remote, die einen Cursor auf den Bildschirm zaubert (wie bei der Wii). Das könnte man schon zusammenbringen.

    Ob das sinnvoll ist, ist eine andere Frage. Aber nun ja, Google TV auf dem Fernseher hat sich auch nicht als dieeee tolle UI und als der Wahnsinnserfolg herausgestellt …

    Aber nun ja, WebOS auf Smartphones und Tablets dürfte damit endgültig tot sein.

2 Pingbacks

  1. [...] in den OpenSource Bereich auf und wurde nun wieder verkauft zum nächsten Neustart des Systems. LG hat sich WebOS und deren Patente gesichert und will sich somit auf den den Fernsehern etwas mehr von Googles Android lösen. Diesen Schritt [...]

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