Neues Flaggschiff “One”:
HTC mit der Coolness der Verzweiflung

Coolness, Mut der Verzweiflung oder beides zusammen? HTC hat sich mit dem neuen Power-Smartphone “One” einiges getraut. Unibody-Aluminium-Gehäuse, ein Display mit “nur” 4,7 Zoll und eine Kamera, die sich mit 4,3 Megapixeln begnügt. Dazu gibt es eine neue Oberfläche und eine Foto-Video-Technik, die an Twitters Vine erinnert. HTC ist wieder da.

HTC One im silbernen Unibody-Aluminium-Gehäuse.

Heute Vormittag schrieb ich darüber, dass HTC, LG und Co. eigentlich nur noch überleben können, wenn sie möglichst anders sind. HTC scheint genau das geplant zu haben und geht mit dem heute vorgestellten “One” deutlich andere Wege als die Konkurrenz. Zwar erinnern Aluminium-Unibody und die Vorderseite an das iPhone 5. Bei allem anderen aber war man so frei, einige Dinge gänzlich neu zu erfinden. Der Prozessor ist ein brandneuer Qualcomm Snapdragon 600 mit 1,7 GHz und Quadcore. 2 GB Arbeitsspeicher und 32 GB Massenspeicher sind drin, der Akku hat immerhin 2.300 mAh, das Display misst 4,7 Zoll bei einer Full-HD-Auflösung (1.920 x 1.080 px) und einer stolzen Pixeldichte von 468 ppi. Das One wiegt 143 Gramm, was im mittleren Bereich von Smartphones liegt. Spannender als die nackten Zahlen aber ist das, womit HTC das One ausgerüstet hat.

HTC One
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“UltraPixel”

Da wäre zum einen die neue Kamera. Dass sie nur 4,3 Megapixel hat, ist Absicht. HTC betont zu Recht, dass die Zahl der Megapixel ab einer bestimmten Größe nicht mehr entscheidend ist, gar schlechtere Bilder produzieren kann. Bei der neuen Technik, die HTC “UltraPixel” nennt, soll auf Bildern eine höhere Pixeldichte erzielt werden als bei 8-Megapixel-Kameras der Konkurrenz. Gerade die geringere Zahl an Megapixeln soll eine dreimal so hohe Lichtstärke ermöglichen. Ein optischer Bildstabilisator (OIS) ist drin, sowohl die Haupt- als auch die Frontkamera (2,1 MP Weitwinkel) nehmen Full-HD-Videos auf. Die Hauptkamera kann auch HDR-Videos aufnehmen.

HTC Zoe

Für die Kamera steht die eigene App HTC Zoe zur Verfügung, die aus Bildserien dreisekündige Videos schießt. Das erinnert an Nokias Cinemagram oder die kürzlich von Twitter gekaufte Video-App Vine.

HTC Blink Feed

Auf dem Startbildschirm begrüßt den Nutzer des One der neue Blink Feed, der Nachrichten und Updates aus Social Networks aggregiert und in einer bildhaften Darstellung präsentiert. Vorbei wäre es also mit der Statik gewöhnlicher Android-Screens. HTC hat sich hier ein wenig an Windows Phone orientiert, daraus allerdings mehr einen Flipboard-artigen Feed gemacht:

HTC Blink Feed

HTC Blink Feed

HTC Sense 5.0

Auch eine neue Oberfläche hat HTC dem Android-4.2-Handy spendiert. Sie ist deutlich reduzierter, verwendet die Holo-Ansicht, die Google im nackten Android ebenfalls einsetzt, und bietet auch im Sperrbildschirm einige Neuerungen, wie ein neues, chic designtes Uhr-und-Wetter-Widget und den Zugriff auf die wichtigsten Apps.

HTC Boom Sound

Bis zu 93 Dezibel laut und mit tollem Klang ausgestattet soll der neue Boom Sound auf dem HTC One sein. Stereo-Lautsprecher auf der Frontseite sollen für starken Raumklang sorgen, den sonst kein anderes Smartphone liefern kann. Sean Ludwig von VentureBeat allerdings ist im ersten Hands-on skeptisch, dass das Versprechen zu halten ist. Der bewährte Sound-System Beats Audio ist natürlich auch mit drin. Dual-Mikrofone und ein Audioprozessor sollen hochauflösenden Videoaufnahmen den passenden Ton verleihen.

Das One soll in den meisten Ländern mit LTE ausgeliefert werden – für Deutschland, Österreich und die Schweiz auf jeden Fall ja – und ab März für einen Preis von 680 Euro (850 CHF) in den Handel kommen.

Fazit: Alles auf eine Karte gesetzt

Ein Gehäuse aus einem Guss, Metall, kaum Plastik, den neuesten Snapdragon-Prozessor, den Mut, den Megapixelwahn nicht mitzugehen, dafür geringere Pixelgrößen hervorzuheben. Android ein wenig neu definiert, ein neues Bedienkonzept, Stereo-Lautsprecher und -aufnahme, ein Display mit der derzeit wohl höchsten Pixeldichte, fast schon handliche 4,7 Zoll, während die Konkurrenz ihre Flaggschiffe derzeit größtenteils auf 5,0 Zoll aufpustet. HTC geht hier eigene Wege. Wenn man überhaupt etwas kritisieren kann, dann vielleicht, dass der Akku sich nicht tauschen lässt (aber bei welchem Neugerät kann man das noch?) und man gar noch mehr als die 2.300 mAh hätte dort reinpacken können. Der Speicher von 32 GB lässt sich nicht erweitern. Wie es aussieht, scheint auch, wie in den meisten Android-Geräten, eine physische Kamera-Taste zu fehlen.

Mehr Nachteile müssen sich jetzt erst einmal finden lassen. HTC lacht die Tatsache einfach weg, dass man nach jüngsten Gartner-Zahlen aus den Top 10 der Handy-Hersteller gefallen ist und im vergangenen Jahr massive Umsatz-Einbußen verzeichnen musste. Mit dem One hat man ein Ausrufezeichen gesetzt – da muss die Konkurrenz erst einmal nachziehen. Allerdings ist die Strategie auch gewagt, auf dem MWC kein weiteres Smartphone als das One vorzustellen, praktisch eine Zeitlang nur auf das eine Gerät zu setzen. Die Features sind gut, aber auch die Konkurrenz schläft nicht. Samsung wird sich ins Zeug legen, beim Galaxy S IV (voraussichtlich Mitte März) noch eine Schippe obendrauf zu legen. Und natürlich müssen Tests noch zeigen, wie gut das One in der Praxis wirklich funktioniert. Dennoch hätte HTC das One um Längen schlechter machen können. Mein Nexus 4 kommt mir jetzt schon fast ein wenig altbacken vor.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

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3 Kommentare

  1. “eine höhere Pixeldichte erzielt werden”
    Höhere Pixeldichte ist nur im Display, die Pixeldichte ist deutlich geringer. Das ist die wichtigste Verbesserung der Qualität.

    Ansonsten, ich bin schon beeindruckt und aktuell dürfte es das beste auf dem Markt sein, wenn man dann noch gutes Marketing macht, dann gibt es gute Chancen für einen Erfolg.

    Jedenfalls ist es das letzte Ass im Ärmel eines sinkenden ehemaligen Titanen.

  2. Wenns das mit Windows Phone gäbe, würde ich es mir kaufen.
    So leider nicht! Schade, denn HTC hat kein einziges Windows-Smartphone, das es mit Nokia aufnehmen könnte.

  3. Da ist HTC ein ganz großer Wurf gelungen.

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