Selbstbau-Computer Odroid U2:
Wie ein Raspberry Pi mit Quadcore

Der Selbstbau-Computer Raspberry Pi verzückt bereits Generationen von Tüftlern und Bastlern – und ruft natürlich auch Nachahmer auf den Plan. Einer davon kommt aus Korea: Der Odroid U2 kostet 89 US-Dollar und hat im Gegensatz zum Raspberry Pi einen starken Quadcore-Prozessor mit 1,7 GHz. Denn wenn man sich schon einen eigenen Rechner zusammenbaut, warum dann nicht einen mit starker Hardware?

Das Konzept ist natürlich abgeschaut: eine Leiterplatte mit vollwertigem System und allen Anschlüssen, die man braucht, um einen Mini-Computer zu nutzen. Dazu einen Shop mit notwendigem Zubehör wie Lade- und HDMI-Kabel und Extras wie eine SD-Karte oder einen Bluetooth-Dongle. Das war es dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten zum Raspberry Pi. Der Odroid U2 ist nur etwas größer als die Hälfte einer Kreditkarte und damit noch kleiner als sein Vorbild. Und sein System ist deutlich leistungsfähiger: Im Odroid U2 werkelt ein Samsung Exynos 4412 Prime Cortex A9 – ein Quadcore-Prozessor mit 1,7 GHz. 2 GB RAM sind drin, GPU ist ein Mali 400 Quadcore mit 440 MHz. Der Raspberry Pi mit seinem 700-MHz-System (Singlecore) ist Kindergeburtstag dagegen. Im November bereits vorgestellt, kommt der Odroid U2 nun für 89 US-Dollar auf den Markt und wird weltweit verschifft.

Odroid U2
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Und der Odroid U2 hat eigentlich alles, was ein Computer braucht: Ethernet-Port, zwei USB-2.0-Schnittstellen, Kopfhöreranschluss und Mikrofon-Eingang, HDMI-Ausgang und ein Grafikprozessor, der Full HD (1080p) unterstützt. Das System wird über eine Micro-SD-Karte und einen entsprechenden Kartenslot eingespielt. Als System können ein Ubuntu 12.10 und ein Android 4.x fungieren, die auf der optionalen Micro-SD-Karte (13 Dollar) bereits vorinstalliert sind.

Netzstecker notwendig, drei Wochen Lieferzeit

Anders als der Raspberry Pi kann der Odroid U2 nicht über eine Micro-USB-Schnittstelle mit Strom versorgt werden. Man braucht einen passenden Netzstecker, den man sich für 9 Dollar im Shop hinzukaufen kann. Die drei notwendigen Komponenten Odroid U2, Netzstecker und Micro-SD-Karte kosten zusammen also 111 US-Dollar. Dafür ist ein Aluminium-Gehäuse bereits im Preis enthalten. Für den Versand ins Ausland verlangen die Koreaner noch einmal 30 Dollar, so dass man insgesamt bei 141 Dollar (umgerechnet 105 Euro) liegt. Als Lieferzeit gibt Odroid drei Wochen an. Interessantes Extra wäre sicher noch das hinzubuchbare WLAN-Modul für eine der USB-Schnittstellen, das im Shop 12 Dollar kostet.

Alles in allem ist der Odroid U2 damit zwar besser ausgerüstet als der Raspberry Pi, aber auch deutlich teurer. Das einfache Model A des Raspberry erhält man inklusive Versand nach Deutschland schon ab 31 Euro (plus Micro-USB-Stecker für Strom und eine Micro-SD-Karte), das Model B ist inklusive Versand für knapp 40 Euro zu haben. Will man wirklich nur ein bisschen basteln und ist einem die Performance nicht ganz so wichtig, ist der Raspberry Pi dank des niedrigeren Preises und der einwöchigen Lieferzeit wohl die bessere Wahl. Wer viel Leistung will, der kann zum Odroid U2 greifen.

Der kleine Bruder und Android als Desktop OS

Etwas günstiger als der U2 ist übrigens der kleine Bruder Odroid U. Der verfügt über einen Quadcore-Prozessor mit 1,4 GHz und 400 MHz Grafikchip, ist ansonsten aber baugleich. Kostenpunkt: 69 Dollar statt 89 beim U2, plus all der oben erwähnten Extras und Versandkosten. Interessant an den beiden Odroid-U-Modellen ist die ausdrücklich von Haus aus empfohlene Nutzung von Android 4 als Betriebssystem. Tüftler Rui Carmo hat sich die Oberfläche CyonogenMod 10.1 auf dem Odroid U2 installiert und beschreibt in einem interessanten Blogpost, wie er Android als Desktop-Betriebssystem nutzt: Bis auf einige Einschränkungen wie fehlendem Multitouch oder einem rechten Maus-Button funktionierte das seinen Angaben nach ziemlich gut.

Bastel-Computer für unter 100 Euro liegen im Trend. Neben dem außerdem genannten Raspberry Pi gibt es weitere Bausätze, zum Beispiel vom Arduino-Projekt. Ein Ableger davon, der HeatIt für 26 Euro, empfiehlt sich für den Außeneinsatz. Zu einem ähnlichen Preis wie der Odroid U2 erschien auch Parallela, ein Supercomputer ab 99 Dollar. Preiswerte Hardware macht es möglich, dass bald jeder damit experimentieren kann. Arduino-Boards und Zubehör etwa kann man auch beim Conrad kaufen. Einfach mal Tüfteln ist wieder gefragt.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

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10 Kommentare

  1. Hat ja mächtig Dampf das gute Ding. Ich habe schon seit längeren überlegt mir ein Pi zuzulegen aber mich hat die Leistung immer wieder skeptisch gemacht. Aber das Odroid U2 überzeugt mich schon sehr. Folgen noch weitere Tests?

  2. Was hier leider völlig ausser Acht gelassen wird, sind die Vorteile des RaspPi.
    Dieser wurde ja schließlich nicht dafür entwickelt, sein dasein als MediaCenter zu fristen.
    Mit den GPIO Pins und der offenen ARM Plattform eignet sich der RaspPI wesentlich besser für Studenten und Schüler die sich mit hadwarenaher Entwicklung beschäftigen wollen, als der Koreaner. Zugleich dürfe der RaspPi auch wesentlich sparsamer im Energieverbrauch sein. Das wiederum ist für mich wichtig, da ich Ihn auch als MediaCenter einsetze, darüber aber in erster Linie Musik aus dem Netzwerk abspiele, und keine Luste habe den RaspPi jedesmal an und aus zu schalten.
    Zum guten Schluss spielt auch der Preis eine Rolle, denn der RaspPi wurde ja so entwickelt, damit jeder (auch weniger betuchte) die Möglichkleit hat sich eine günstige Entwicklungsumgebung aufzubauen.
    Zu dem Artikel bleibt eigentlich nur zu sagen, wenn schon mit dem RaspPi vergleichen, dann auch richtig.
    In meinen Augen sind das aber zwei grundverschiedene Plattformen, die man so nicht miteinander vergleichen kann.

    • In meinen Augen sind das aber zwei grundverschiedene Plattformen, die man so nicht miteinander vergleichen kann.

      Doch, ich denke schon: PC im Selbstbau, Miniaturgröße, mit Modulen erweiterbar, ähnliches Shop-Konzept, beide vergleichsweise billig (auch der Odroid U2), mit dem Ziel, das Konzept eines Computers besser kennenzulernen. In Anwendungsgebieten bist du frei, und – wie du ja selbst sagst – kannst du auch den Raspberry Pi als MediaCenter einsetzen. Bei dem einen hast du halt mehr Leistung als beim anderen und zahlst deswegen etwas mehr, das war’s aber auch schon.

      Trotzdem danke für deine Ergänzung! Das mit dem geringen Einstiegspreis ist natürlich das Hauptargument für den RaspPi, die geringe Leistungsaufnahme ein wichtiger Punkt und die Nutzung als Musikplayer ein interessantes Anwendungsbeispiel!

    • Die koreanische Lösung ist ebenfalls ein ARM-basiertes Produkt, mit einem Samsung-Chip. Mittlerweile mit 2GB RAM und die sehr zu empfehlenden (da super-günstigen!) SD-Karten mit Toshiba-Modulen sind viel schneller als Class 10 Module (im Shop erhältlich) und das macht im Betrieb schon was aus. Ausserdem hat man es mit einem echten Quad-Core zu tun, der beides kann: Ubuntu Linux und Android 4.x. Bei dem X-2 kann man auch ohne Probleme ein Dual-Head-System aufbauen, also z.B. den HDMI ausgang für TV nutzen und gleichzeitig einen Monitor anschliessen. Ebenfalls bei X-2 sind 6 USB 2.0 Anschlüsse dran, man braucht also nicht zusätzlich ein USB-Hub betreiben (und 2 USB Anschlüsse sind “mager”: 1 x Bluetooth, 1 x WLAN, (1-2) x Funk-Tastatur/Maus und z.b. externe Festplatte und schon bin ich bei 3-4 USB Anschlüssen). Mit dem Rapsberry fährt man immer Leistungstechnisch im “Grenzbereich” – mit dem Odroid kann man bei vorhandenem Tablet/Laptop/Smartphone ganz auf einen Desktop-Computer/Mediacenter verzichten, denn dieser kann die benötigte Rechenleistung locker aus dem Ärmel schütteln. Und selbst der X2, der zwei mal grösser als der O2 ist, ist nur knapp 10x10cm gross. Ich hab mir auch den X2 bestellt und überlege mir für meine Eltern sowas als “Media-Center” und “vor-dem-TV-Surf-PC” einzurichten.

    • Was hat dich der X2 mit Zoll und MwSt. am ende gekostet? Ich erwäge in der nächsten Zeit mir den zu holen, die kosten machen ich aber letztendlich stutzig.

  3. Schöner Bericht;
    den Arduino sollte man da aber so nicht ohne weiteres mit reinwerfen, da er viel zu schmalbruestig ist, um vergleichbar zu sein. Insbesondere hat er i.d.R. kein Betriebssystem.

    Eher fallen mir da Beaglebone von TI oder PCDuino von Sparkfun ein; oder die “Android-USB-Sticks” von z.B. Pearl oder Rikomagic…

    lg OH

  4. Habe den Blogeintrag erst jetzt gelesen – die Preise sind ja weiter gepurzelt. So gibt es schon Raspberrys für knapp 30 Euro und dadurch wird der Mini PC immer gefragter, sogar ich als Technik Laie kann mich damit durchwursteln.

  5. Gestern kam meine U3 Community Edition. Eienn Unterschied zum U3 soll es nicnt geben und der U3 enthält die gleiche Hardware wie der U2, der einzige Unterschied, der mir so ad hoc aufgefallen ist, ist der dritte USB-Anschluss, der aus Platzgründen vertikal eingebaut ist. Die CPU ist die gleiche wie im Samsung Galaxy S3. Allerdings ist die Leistung viel höher, weil sie nicht nur von Beginn an höher taktet, sondern auch wegen dem großzügigen Kühlkörper wesentlich seltener runtertakten muss. Meinem Empfinden nach kann das kompakte Gerät performancetechnisch durchaus einem Lowend-Laptop/Netbook das Wasser reichen. Kombiniert mit einem Lapdock(z.B. für Motorola Atrix) erhält man für wenig Geld einen brauchbaren, äusserst kompakten und leichten(<1kg) Laptop für unterwegs mit genug Rechenleistung für Office, Internet und das ein oder andere Spiel zwischendurch. Gegenüber dem Raspberry schaffe ich zwar nur etwa die halbe Akkulaufzeit (ca. 3 vs. 5,5h), dafür erhalte ich aber ein Vielfaches der Leistung des Pi.

3 Pingbacks

  1. [...] mit 1,7 GHz und 2 GB RAM. Nachzulesen ist dieser Selbstbau-Computer ODRIOD-U2 unter der Webseite Neuerdings.com, um ihn Euch schmackhaft zu machen.Vorgesehen läuft der Südkoreanische Odriod-U2 auf Android 4.x [...]

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