Mit Android, Titan und Alligator:
Luxus-Smartphone Vertu Ti schon ab 8.000 Euro zu haben

Der Luxus-Hersteller Vertu hat sein erstes Android-Smartphone vorgestellt. Das überzeugt mit einem Titan-Gehäuse, kratzfestem Saphirglas und einem Bang & Olufsen-Soundsystem, an dem das Londoner Symphonie-Orchester mitgewerkelt hat. Knapp 8.000 Euro kostet das Ti. Technisch gesehen allerdings kann es bestenfalls mit anderen Spitzen-Smartphones mithalten.

Vertu Ti mit Saphirglas

Vertu Ti mit Saphirglas

Für eine Luxusmarke wie Vertu wird es immer schwerer, sich am brutal umkämpften Markt von Smartphones abzuheben. Kratzfestes Glas hat bereits nahezu jeder Hersteller, Kevlar-Gehäuse findet man auch in einigen Geräten, Nokia will mit Graphen experimentieren. Immer mehr Geräte, wie das Sony Xperia Z, sind wasser- und staubfest. Selbst HTC-Phones von der Stange haben mit Beats ein hochklassiges Soundsystem gleich eingebaut. Wie will man sich da noch differenzieren, wenn nicht mit Rubinen und Bling-Bling? Vertu versucht es mit besonders edlen Materialien, die noch einmal ein paar Nummern besser sind als das, was Smartphones für das gewöhnliche Volk bieten. Rechtfertigt das einen Einstiegspreis von fast 8.000 Euro?

Luxussmartphone Vertu Ti
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Die Serie Vertu Ti ist von Haus aus mit einem 3,7-Zoll-Display ausgestattet. Der Screen ist aus Saphir, die Bildschirmauflösung allerdings nur WVGA (um 800 x 480 Pixel, Vertu gibt die genaue Auflösung leider nicht bekannt). Unter dem Durchschnitt rangieren der Akku (nur 1.250 mAh mit 200 Stunden Standby) und die Frontkamera mit 1,3 Megapixeln. Besser klingen der Dualcore-Prozessor mit 1,7 GHz, HSPA+ mit Kanalbündelung, 64 GB interner Speicher und und die 8-Megapixel-Hauptkamera mit Autofokus und Doppel-LED-Blitz. Bluetooth 4 und NFC sind mit an Bord. Betriebssystem ist ein angepasstes und mit Extra-Services ausgestattetes Android 4.0 Ice Cream Sandwich. Mit 181 bis 201 Gramm Gewicht (je nach Ausführung) ist das Ti sehr schwer und mit 12,8 Millimetern in der Tiefe auch alles andere als dünn.

Auf Wunsch aus Alligator

Vertu hat das integrierte Soundsystem von Bang & Olufsen nach eigener Aussage zusammen mit dem London Symphony Orchester entwickelt. Leistungsstarke Stereo-Lautsprecher sollen dem Kunden einen “symphonischen Klang” präsentieren. Das Android-System ist mit einer eigenen Design-Oberfläche ausgestattet. In die Geräteseite hat man zusätzlich einen eigenen Vertu-Button eingelassen, der dem Käufer auf Knopfdruck spezielle Services präsentiert: “Vertu Concierge” bietet Zugang zu Veranstaltungen, Restaurants und Lounges in der Umgebung, sowie Vergünstigungen in Edel-Boutiquen und Hinweise auf bevorstehende Events der Upper Class.

Die einfachste Ausführung ist das Modell “Titanium Black Leather” für 7.900 Euro, in dem Vertu neben Saphirglas auch schwarzes Leder, Keramik und gebürstetes und poliertes Titan verwendet. Im Modell “Red Gold Mixed Metals” ist neben schwarzem Titan, Leder und Keramik auch poliertes 18-Karat-Rotgold mit an Bord. Preise für das Modell gibt Vertu nur auf Anfrage bekannt, ebenso wie für das “Titanium Black Alligator”. Hier ist doch tatsächlich – der Name ist eben Programm – Alligatorhaut mit verarbeitet. Für mehr Griffigkeit der Oberfläche. Viertes Modell im Bunde ist das “Titanium Pure Black” für 9.500 Euro, das sich vom “Titanium Black Leather” durch mattes, poliertes und geschwärztes PVD-Titan unterscheidet.

V-Logo ist Achtziger

Davon, dass gebürstetes Titan in der Herstellung sehr aufwändig ist, hatten wir euch gestern schon bei der Vorstellung des Cruiser Titanium berichtet. Hersteller Gresso bringt das Gerät zwar ab vergleichsweise preiswerte 1.800 Euro auf den Markt. Allerdings erhält der Käufer hier nur ein einfaches Feature Phone mit einer technischen Ausstattung von vorgestern. Das Vertu Ti kann bis auf einige Schwachpunkte eigentlich mit heutigen Smartphones mithalten. Mehr allerdings auch nicht, und dafür sind Preise ab 7.900 Euro schon wieder etwas viel.

Das Design ist natürlich Geschmackssache. Mich erinnert es leider ein wenig an die ersten Xperia-Smartphones mit Android von Sony-Ericsson und deren hässlichen Plastik-Knöpfe. Beim Vertu Ti ist das Plastik durch edles Keramik ersetzt; das ändert aber nichts daran, dass ein Android-Smartphone ohne Sensor-Tasten heutzutage altbacken aussieht. Und wo wir gerade bei dem Thema sind: Das große V-Logo oben erinnert mich vom Design her schwer an die 80er Jahre. Fast 13 Millimeter Dicke sind außerdem ein ziemlicher Klotz. Respekt dafür für die Materialien. Wer das nötige Kleingeld hat und ausgeben mag, der kann sich jetzt zumindest einmal bei Vertu umschauen.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

4 Kommentare

  1. Naja…
    Wenn schon, hätte man es auch innen gleich ‘richtig’ machen müssen.
    Mehr Akku, mehr CPU, größeres Display.

    Echte Tasten sind dagegen ein Vorteil.
    Das entsperren mit einem echten Home-Button ist doch viel einfacher als wenn es nur über einen gut versteckten winzigen und schlecht auffindbaren Power-Knopf geht.
    Diese Idee hat Samsung und teilweise auch LG gut von Apple übernommen.
    Ich wäre sogar für eine echte rote und grüne Hörertaste.
    Drangehen per Touch geht ja noch, aber auflegen. Das Display geht viel zu schnell aus (auch wenns generell lang eingestellt ist) und meist auch nicht wieder an, wenn man es vom Kopf nimmt. Und im Freisprechen war es vorher eh nicht am Kopf.
    Diese Tastensparsamkeit nervt irgendwie…

  2. Vertu:

    ,,Naja…
    Wenn schon, hätte man es auch innen gleich ‘richtig’ machen müssen.
    Mehr Akku, mehr CPU, größeres Display.”

    Analogie =

    Lamborghini:

    ,,Naja…
    Wenn schon, hätte man es auch innen gleich ‘richtig’ machen müssen.
    Mehr Fahrassistenten, mehr Getriebeökonomie, größerer Sitzkomfort.”

    ____________
    ——————–

    Interessiert das Klientel nicht = Kein Optimierungsbedarf
    Smartphone-Design ist Trend = Hier bestand Optimierungsbedarf und wurde gedeckt.

    LG
    Flo

    • Der Vergleich hinkt.

      Ein Sportwagen soll spartanisch sein, weil die pure Kraft herausgearbeitet werden soll, der Fahrer soll das Auto bändigen.

      Hier handelt es sich um ein (für den Preis) schlecht ausgestattetes Smartphone, um welches Edelmaterialien rumgebastelt wurden.

      Hier ist das Innenleben des Handy kein Understatement und die “Services” sind ehrlich gesagt auch nur peinlich. Wer was gilt, wird zu diesen Veranstaltungen eingeladen. Sich per Onlineservice zu Informieren ist ziemlich Merkwürdig..

      Gruß,
      Steffen

    • “Ein Sportwagen soll spartanisch sein, weil die pure Kraft herausgearbeitet werden soll, der Fahrer soll das Auto bändigen.”
      So könnte man ein Vertu ja auch bauen…
      Pure CPU-Kraft herausarbeiten, die der Anwender mit spartanischer Ausstattung (dem schlechten Display) bändigen muss, bevor das bisschen Akku leer ist. :D

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