Erste Hands-ons:
Firefox OS kopiert viel von Apples iOS – zu viel?

Die ersten Tests, Videos und Bilder des neuen mobilen Betriebssystems Firefox OS sind erschienen. Die Nähe zu Apples iOS ist dabei unverkennbar. Die Initiatoren, Mozilla und Telefonica, wollen nach eigenen Angaben Schwellenmärkte damit erreichen. Geht es in Wahrheit darum, Menschen ein iOS light zu geben, die sich kein iPhone leisten können oder wollen?

Entwickler-Testhardware Keon mit Firefox OS. Bilder: Geeksphone.com

Entwickler-Testhardware Keon mit Firefox OS. Bilder: Geeksphone.com

Wir haben in den vergangenen Wochen viel über neue mobile Betriebssysteme geschrieben und den Trend im Großen und Ganzen auch begrüßt. Neue Systeme bedeute meistens auch Innovationen, neue Funktionen, Weiterentwicklungen alter Designs, die ein wenig in die Jahre gekommen sind. Mehr Vielfalt für die Massen, die iOS und Android überdrüssig geworden sind, Alternativen zu den geschlossenen Plattformen der Großkonzerne. Und nicht zuletzt auch Systeme mit weniger Anspruch an Hardware und Entwicklungs-Ressourcen, damit auch Menschen in Schwellenmärkten Smartphones nutzen können. Mozilla und Telefonica, die Entwickler des Firefox OS, sehen ihr System als Alternative gerade für Menschen in ärmeren Ländern. Aber ganz ehrlich: Was sie da zeigen, ist mir nicht Innovation genug.

Firefox OS
Keon2Peak2Keon1Geeksphone
FirefoxPeak

Systementwickler von heute schlafen natürlich nicht. Jeder schaut sich ein wenig was vom anderen ab. Die App-Bildschirme der meisten Systeme orientieren sich am iPhone, und das iPhone hatte hier nur die Ansicht früherer Systeme aufgehübscht. Notifications stammen von Android. Mail-Oberflächen, Einstellungsmenüs, virtuelle Tastaturen: Bei keinem OS wurde das Rad neu erfunden; einzelne Dinge: ja, alles: nein. Die Entwickler lernen voneinander und bauen ihre Software aufeinander auf. Das geht auch in Ordnung, solange man eine eigene Handschrift klar erkennen kann. Bei Firefox OS sehe ich die nicht.

Sehr viele Ähnlichkeiten

Einige Tage, nachdem die ersten Entwickler-Smartphones Keon und Peak an Tester gegangen sind, sind nun einige Hands-on-Videos des neuen Systems erschienen. Und, Mozilla und Firefox-Fans mögen mich dafür hassen, aber was ich da sehe, erinnert mich zu sehr an Apples iOS. App-Screens mit vier bis fünf Zeilen ohne Widgets, darunter eine feste Leiste mit den wichtigsten Apps. Ein einzelner Home-Button, die Typographie beim Tastenfeld der Telefon-App, die Schieberegler in den Einstellungen, die einzelnen Schaltflächen: iOS, iOS, iOS. Und was nicht wie von Apple übernommen aussieht, erinnert an Android: Die Statusleiste am oberen Bildschirmrand, das Einstellungsmenü, eine Leiste in den Notifications für das Energiemanagement, die es unter Android in ähnlicher Form als Widget gibt.

Ja, natürlich, es gibt Unterschiede. Im Firefox OS sind die App-Icons rund, unter iOS quadratisch mit abgerundeten Ecken. In die Menüleiste lassen sich offenbar auch mehr als vier Icons unterbringen. Der Startbildschirm verhält sich etwas anders und natürlich gibt es einzelne Kniffe, die anders sind. Es ist mir auch nicht unsympathisch, was ich da sehe: Es scheint solide und schnell zu funktionieren, leicht bedienbar zu sein, freundliche Typographie zu verwenden. Und natürlich: Firefox OS ist offen, will jeweils die neuesten Web Standards verwenden. Daumen hoch dafür.

Aber optisch wirkt Firefox OS auf mich im Großen und Ganzen zu nah an iOS. Näher als ein Android in seinen früheren Versionen es jemals war und auch näher als eigentlich alle anderen heutigen Systeme es sind. Blackberry 10 und Windows Phone ist die Andersartigkeit klar anzusehen, Android hat sich ebenfalls in eine völlig eigene Richtung entwickelt. Firefox OS imitiert iOS in meinen Augen wesentlich deutlicher als alle anderen.

Nicht nur Nachteile

Meinetwegen sollen sie das machen. Mozilla will mit dem System ohnehin an Schwellenmärkte heran, in denen iPhones noch keine weite Verbreitung haben. Firefox OS scheint schlanker zu sein und auf weniger leistungsfähiger, preisgünstigerer Hardware zu laufen. Apples iOS ist für seine einfache Bedienung bekannt. Firefox OS folgt dieser Devise und kann damit vielen Menschen ein iPhone-ähnliches Vergnügen zu einem deutlich geringeren Preis anbieten; iOS light sozusagen. Menschen, die nie zuvor ein Smartphone besaßen, könnten mit einer Firefox-Hardware in Bälde in den Genuss kommen: mit einer iPhone-ähnlichen Software zu einem Bruchteil dessen, was ein iPhone kostet.

Und sollten sich die Gerüchte bewahrheiten, dass Apple an einem massiven Redesign seiner Betriebssysteme arbeitet, dann könnte Firefox OS das Erbe des heutigen iOS antreten – während auf iPhones und iPads schon bald etwas ganz anderes prangt. Dennoch, trotz allem: Etwas mehr eigenes Design hätte ich mir von Firefox OS gewünscht. Wo sind die Innovationen? Wo ist das Alleinstellungsmerkmal? Was ist daran wirklich anders? Ich sehe nichts.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

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7 Kommentare

  1. Apples iOS ist für seine einfache Bedienung bekannt

    Diese Aussage kann ich nicht nachvollziehen.
    Beispiele:
    - Bei Android kann ich auch dem Startbildschirm mit Widgets schon sehen (Wetter, Nachrichten, etc.) oder einstellen (Wlan, Bluetooth, etc.) was ich bei iOS erst aufrufen muss.
    - Android: SD Karte vom Foto raus und in Smartphone rein. Bilder anschauen. Fertig. Bei iOS: Computer suchen, iTunes starten (oder erst downloaden, installieren, …)
    - Akku Unterwegs leer. Bei Android: Akku wechseln. Bei iOS: Steckdose suchen, …

    Jetzt zu Firefox OS:
    Die Oberfläche sieht bei allen Smartphones sehr ähnlich aus, außer bei MS. Im OS sind die Unterschiede aber deutlich. Optische Ähnlichkeiten der Icons sind doch unwichtig, entscheidend ist die Funktion und einfache Bedienung des Smartphones.

    • Das hier soll kein Apple vs. Android-Beitrag sein. iOS verwendet eine augenfreundliche Typographie, viele nutzen es, weil sie es einfach zu bedienen finden. Die Meinungen gehen da auseinander, klar. Ich könnte dir aber auch vier, fünf Gründe nennen, warum Android kompliziert zu bedienen ist.

      Akku Unterwegs leer. Bei Android: Akku wechseln. Bei iOS: Steckdose suchen, …

      Die Aussage kann ich jetzt nun wieder nicht nachvollziehen. Neben mir liegen zwei aktuelle Android-Geräte, bei denen du das Gehäuse mit einem Spezialschraubendreher aufschrauben müsstest, um einen Akku zu wechseln. So pauschal stimmt dein Satz also nicht.

    • augenfreundliche Typographie

      was ist beim iOS “augenfreundlicher” an der Typographie?

      zwei aktuelle Android-Geräte, bei denen du das Gehäuse mit einem Spezialschraubendreher aufschrauben müsstest

      Man hat die Möglichkeit sich Android Geräte mit wechselbarem Akku zu kaufen, bei Apple nicht. Das ist der Unterschied.
      Man hat die Möglichkeit wasserdichte, stossfeste, … Geräte mit Android zu kaufen. Bei Apple gibt es leider nur das eine Modell, Schade.
      Apple kastriert in vielen Bereichen seine Geräte, aber die große Anzahl der Käufer merkt das erst nach dem Kauf, oder überhaupt nicht (mangels Vergleichsmöglichkeit mit einem anderen Gerät).
      Ohne diese Beschränkungen wären die iPhones sicher stärker am Markt vertreten, ich verstehe da die Firmenpolitik von Apple nicht. Oder hält man diese “Verbesserungen” für zukünftige Neuerungen zurück?

      Macht nichts, dann wird halt nachts vorm Laden angestellt und das Neue gekauft, wie jedes Jahr.
      Ob diese Kunden nicht wissen, dass es das Gerät auch noch einen Tag später zu kaufen gibt?

      Ich freue mich auf Firefox OS. Für mich klingt es ähnlich wie Chrome OS für Smartphones. Alles läuft im Browser.

  2. Ist ja schon eine Frechheit immer und immer wieder zu erwähnen das etwas bei Apple abgeguckt sei !
    Nun erwerbe ich mir doch extra KEIN iPhone um irgendwie “anders” zu sein und bekomme hier ständig die Trittbrettfahrerei der Mitbewerber um die Ohren geknallt ?!

    Jeder besitzt nun ein iPhone und deswegen möchte ich keins. Ich bin anders. Frauen lieben Rebellen und mit meinem Android 15″ Smarphone bin ich der verdammte Che Guevara mobiler kommuniktionslösungen !
    Und so möchte ich auch BITTE verstanden werden.

    Am 20. Mai 1873 wurden Strauss und Davis – Jeans zum ersten mal patentiert und weil ich keine Lust habe die Jeans zu tragen welche alle tragen erwerbe ich für einen X-Fachen dessen Betrag die “Nietenhose” von Burberry. Es ist KEINE Jeans und sie wurde NICHT kopiert es IST eine Burberry-Nieten-Hose die NICHTS aber auch garnichts mit Strauss`s Patent von 1873 gemein hat.

    Genauso wenig wie Firefox, Android und Symbian.
    Und selbstverständlich wären diese Betriebssysteme auf dem gleichen Stand hätten die dämlichen Idioten Apple nie gegründet.

    Alles Idioten nur ich bin anders !

    LG
    Flo

  3. Ein Smartphone macht sicher noch keinen Rebellen.
    Und Che war ein Kriegsverbrecher wie viele andere und nicht im Geringsten die Ikone, zu der er stilisiert wurde.

    Ich bin mit windows mobile unterwegs und noch immer glücklich damit.
    Lieber Möchtegern-Revoluzzer Florian, ich verbitte es mir dennoch, von Ihnen als Idiot bezeichnet zu werden :-)

  4. Das wirklich neue findet man bei Firefox os unter der Oberfläche und wird im Artikel leider nicht erwähnt.
    Firefox os ist ein Linux Betriebssystem (Gonk), das in einen Browser/Application Runtime (Gecko) bootet. Darauf laufen Apps die komplett in Html, CSS und Javascript geschrieben sind. Alles Open Source und Webstandards.
    Zugegeben die Oberfläche ist nicht revolutionär die Technologie/Idee dahinter schon.
    http://en.wikipedia.org/w…b_technologies_stack
    Ein Oberflächenvergleich mit Android/Ios finde ich somit unnützlich und dürfte in der ewig gleichen IosAndroidWerHatsErfunden Diskussion versanden.

    lg Calvin

  5. Mozilla hat doch schon immer von allem das Beste rausgenommen und sich besonders durch Einfachheit ausgezeichnet. Da finde ich es nur konsequent, das auch im OS fortzuführen.
    Das eigentlich interessante ist doch: Wir haben ein Betriebssystem, das offen ist, das günstig ist und das nicht vom Datensammler Google stammt. Für mich drei unglaublich gute Argumente, die schon zum Kauf überzeugen würden.

    Das aus der Statusleiste herunterschiebbare Energiewidget habe ich übrigens beim android-cyanogenmod auch – unglaublich praktisch!
    Wie ich mozilla kenne, werden sie auch sämtliche Einstellungen offen gelegt haben (die sind beim cyanogenmod fast unendlich) und ne Menge nützlicher Erweiterungen anbieten.

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