Alterdings:
Sony lässt den letzten MiniDisc-Player vom Stapel laufen

Sie sollte einst die Audiokassette ersetzen, aber ein Erbfolgekrieg, hohe Einstiegspreise und der bald einsetzende Boom beschreibbarer CDs verhagelten der MiniDisc den Siegeszug. Ende März lässt Sony nun den letzten MD-Walkman vom Band laufen. Ein Rückblick.

Sony MiniDisc-Recorder. Bild: Jon Dowland (unter CC BY-SA)

Sony MiniDisc-Recorder. Bild: Jon Dowland (unter CC BY-SA)

Viele etablierte Technologien werden eines Tages durch technisch vermeintlich hochwertigere ersetzt. Und oft feiert die neue Technologie dann einen Siegeszug, wie Festplatten, die DVD oder die Musik-CD. Und dann gibt es wiederum Nachfolger, die in der Nische bleiben, gar floppen oder von einer noch neueren Entwicklung überholt werden.

Die Zip-Disk als Nachfolger der 3,5-Zoll-Diskette bot nur ein kurzes Schaulaufen – erfolgreichere Nachfolger wurden die beschreibbare CD, USB-Sticks und Speicherkarten. Die Bluray als designierter Nachfolger der DVD erreicht ihren Stellenwert nicht ganz – viele Filmfreunde sparen sich optische Medien gleich ganz und setzen lieber auf Direkt-Streaming aus dem Netz. Und auch die MiniDisc (MD) erreichte nie den gleichen Stellenwert, wie Audiokassetten es taten. Sony hat sich deswegen jetzt dazu entschlossen, keine MD-Player mehr zu produzieren. Auch wenn es die Scheiben vorerst weiter zu kaufen geben soll: Im März rollt der letzte MD-Player vom Band – nur etwas mehr als 20 Jahre nach dem Marktstart des ersten MD-Walkmans MZ-1. Warum ist die MiniDisc gescheitert?

Goodbye Sony MiniDisc
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Nun, streng genommen ist sie das nicht. Die MiniDisc war nicht derart erfolgreich wie die Musikkassette oder die beschreibbare CD. Sie ist aber weit davon entfernt, ein schlechtes oder verhasstes Produkt gewesen zu sein. In Sonys Heimatland Japan verkaufte sie sich ähnlich gut wie die CD. Viele Audiostudios und Radiosender arbeiteten auch hierzulande jahrelang mit der kleinen, digitalen Scheibe. Sie gilt als zuverlässig und wird für ihre gute Audioqualität geschätzt. Der unbestreitbare Vorteil gegenüber der Musikkassette ist ebenfalls nicht zu kontern: kein Leiern oder Bandsalat mehr möglich. Was also ist schief gelaufen?

Philips hielt dagegen

Ein Faktor war das Timing: Etwa zeitgleich mit Sonys MiniDisc brachte Philips 1993 seinen eigenen Kassetten-Nachfolger DCC (Digital Compact Cassette) heraus und beschwor damit einen Formatkrieg herauf. Laut einem “Spiegel”-Bericht aus dem gleichen Jahr lagen beide Geräteklassen trotz massiver Werbung wie Blei in den Regalen und bescherten dem längst als altmodisch verschrieenen DAT-Rekorder ein kurzes Revival.

Der Formatkrieg verunsicherte die Kunden wie rund zehn Jahre zuvor der Kampf zwischen VHS, Betamax und Video 2000: Welche Technik würde dauerhaft bestehen? Da beide Varianten hohe Anfangsinvestitionen erfoderten (ein MD-Rekorder kostete mehrere hundert D-Mark), schreckten die Kunden zurück. Laut dem “Focus” verkaufte Sony 1994 in Deutschland gerade einmal 135.000 MiniDiscs; im gleichen Zeitraum gingen 114 Millionen Leerkassetten über die Ladentheke.

Überholt durch CD-Brenner, MP3s und später iPods

Als Philips sein technisch rückständigeres, weil noch mit Band funktionierendes DCC-System im Jahr 1996 aufgab, zog der Verkauf der MiniDiscs langsam an. Der “Focus” berichtet von immerhin 5,7 Millionen verkauften Leer-MiniDiscs 1998 – im Vergleich zu allerdings immer noch stolzen 74 Millionen Leerkassetten. Der Aufschwung kam zu spät: Zu der Zeit standen die Gewinner bereits fest: Beschreibbare und wiederbeschreibbare CDs (CD-R, CD-RW) eroberten, befeuert durch den PC-Boom der 90er, Wohn- und Arbeitszimmer. Das Internet, das zu der Zeit ebenfalls in deutsche Haushalte Einzug hielt, brachte den MP3-Standard und 1999 die Tauschbörse Napster gleich mit. CD-Brennen wurde zum Volkssport. Mit ein paar Mausklicks fand sich eine MP3-Sammlung auf einer CD wieder. Möglichkeiten, MP3s vom Rechner auf MiniDiscs zu kopieren, führten nur über massive Umwege. Das Argument des besseren Klangs war kein Vorteil mehr – Einfachheit siegte. Zehn Jahre nach dem Start hatte Sony 80 Millionen MD-Player verkauft – kein Flop, aber auch nicht gerade die Eroberung eines Massenmarktes im Sturm.

Sony starte 2004 noch einmal den verzweifelten Versuch, die MiniDisc mit einem neuen Format zu retten: Der Hi-MD-Walkman sollte über ein neues Kompressionsverfahren und neue Discs mit 1 GB Fassungsvermögen bis zu 45 Stunden Musik speichern können. Die alte Minidisc fasste nur 180 Megabyte und bei höchster Kompressionsrate maximal acht Stunden Musik. Doch auch die Hi-MD-Player waren mit 250 bis 450 Euro Anschaffungspreis wieder zu teuer. Sony gängelte die Musikkäufer mit einem digitalen Wasserzeichen und versuchte ein eigenes Format einzubringen. Der zweite Anlauf floppte, auch weil die Musikfreunde zu der Zeit längst iPods wollten. Apple brachte den ersten tragbaren Musikplayer der Marke im Jahr 2001 heraus und fast zeitgleich mit Sonys MZ-NH1 kam der kleinere iPod mini auf den Markt, der zu einem Verkaufsschlager wurde.

Es wird in jedem Fall teuer

Die beste Lehre, die die Hersteller aus der Geschichte der MiniDisc ziehen können, ist vielleicht folgende: Es wird teuer werden und die Chance, dass ihr euch damit verhebt, wenn ihr den legitimen Nachfolger einer etablierten Technik lancieren wollt, ist groß. So oder so wird das Marketing teuer, weil du die Kunden erst einmal davon überzeugen musst, dass sie hier den Nachfolger der Speicherkarte, des Smartphones oder der Digitalkamera präsentiert bekommen. Teuer wird die Produktentwicklung: Etwas Disruptives muss einzigartig sein. Und selbst dann kann ein Nebenbuhler wie Philips dir noch mit einer schwächeren Technik wie DCC in die Parade fahren.

Ich habe meinen ersten MiniDisc-Rekorder erst sehr spät in den Händen gehalten: Ein Aufnahmegerät für Radiobeiträge, Anfang der 2000er Jahre. Gefallen haben mir die Handhabung und die Tonqualität der kleinen quadratischen Scheiben sehr gut. Von daher kommt bei mir zumindest ein bisschen Wehmut auf, wenn ich diese Zeilen schreibe. Auf Wiedersehen, MiniDisc! Bei manchen Dingen weiß man erst hinterher, was man an ihnen hatte.

 

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8 Kommentare

  1. Ganz GROßE Erinnerungen und der:,,Sony MZ-R3 MiniDisc-Recorder”
    war meiner.

    ,,Es ist Neunzehn-sechsundneunzig,
    meine Freundin ist weg und bräunt sich
    in der Südsee. – Allein?
    Ja, mein Budget war klein.
    Na fein! Herein, willkommen im Verein!”

    Fettes Brot war ganz vorne mit dabei und ich in der Klasse mit dem Minidisc-Recorder in der Tasche.
    Da ich noch zur der Generation (80er) gehöre in denen viele Eltern der Auffassung waren, dass Kinder für Zusatzbeschenkungen, in Form von Schülerjobs, selbst aufkommen mussten habe ich einige Wochen in einer Zoohandlung arbeiten müssen bis das Teil auf dem Tisch lag.

    Ich war glücklichste, kleine Junge der digitalen Welt.

    LG
    Flo

  2. Hatte auch MD-Geräte.
    Inzwischen vermisse ich die aber nicht mehr, weil es heute ‘bessere’ Möglichkeiten gibt.
    Radio aufnehmen: Brauchts nicht mehr, Comedy gibts als Podcast und meist hört man die eh nur einmal.
    Musik für to go: Das kann der MP3-Player, bzw gleich das Handy besser.
    Musik zu hause: Macht die Squeezebox er NAS und WLAN auch praktischer.

    ZIP-Laufwerk war auch ne praktische Sache:
    - Keine Treiberprobleme, die damals noch üblich waren bei USB-Sticks.
    - Einfacher in der Handhabung als das CD-Brennen. Es kann eben wie eine Diskette/Festplatte ‘einfach so’ benutzt werden ohne extra Brennprogramm.
    - Hält lange (bei Vater bis heute und damit seit 14 Jahren im Einsatz).

    Bei mir wurde es dann durch Netzwerk und inzwischen viel praktischere Sticks und CDs abgelöst.

  3. Ich erinnere mich noch wie ich 1996 im Radio eine ausführliche Sendung zur Minidisc hörte und es dort hieß, dass die Technik jetzt funktioniere.

    Aber dann zwei Geräte kaufen (Mindisc-Player für die Anlage und einen als Walkman-Nachfolger) war mir dann zu teuer. 2001 hatte ich dann einen portablen Player, der auch aufnehmen konnte, aber das mit den mp3s war doch einfacher und auch schneller auf einen der dann schnell billiger werdenden mp3-Player zu kopieren.

    Ich vermute mal, dass die Minidisc eine Chance gehabt hätte, wenn Sony weniger auf die Erlöse durch Lizenzgebühren geschielt hätte. Aber gegen den iPod hätte das auch nicht viel geholfen, nehme ich an.

  4. Ich hatte mir damals das komplette Equipment zugelegt: Ein MDS-irgendwas war Bestandteil der HIFI-Anlage im Wohnzimmer, ein MD-Walkman war unterwegs immer dabei und ein MD-Autoradio zierte das Armaturenbrett meines Autos. Speziell im Auto war diese Format unschlagbar praktisch. Das Handling war viel einfacher als bei einer CD, die erstmal aus ihrer Hülle gefummelt werden wollte. Und wenn so ein Ding mal unter den Sitz rutschte war es nicht gleich verkratzt und damit ein Fall für die Mülltonne. Dazu klang es hervorragend und die Haltbarkeit war perfekt: Während der rund 10 Jahre “meiner” MD-Ära musste ich nicht ein einziges Medium entsorgen. Es war einfach ein tolles Format.

  5. Hey!

    Wow ja da kommen bei mir auch ganz tolle Erinnerungen hoch. Es ist schon krass wie sich das alles weiter entwickelt und wir dürfen das alles miterleben – toll!
    Danke für die kleine Erinnerung an die wundervollen MiniDisc-Player!

    Gruß

  6. Danke das es diese Dinger nicht mehr gibt.
    Ich hatte damals auch einen von Sony da war es eine Herausforderung ein Paar Lieder raufzuspielen.

    Heute bin ich froh das es Mp3-Player mit großen Speichervolumen gibt.

    lg Pierre

  7. Die MD war von Anfang an nur etwas für Insider und Techies. Niemand in meinem Bekanntenkreis hatte so ein Teil. Was auch den Nichterfolg erklärt.

    MP3 löste dann auch bei mir um die Jahrtausendwende meine MD ab. Hatte zuvor Player und Autoradio. Es dauerte einfach zu lange und/oder war zu kompliziert MP3s auf MD zu bespielen. Was mich zudem störte war, dass ich keine Übergänge zwischen den Titeln einspielen konnte.

    Heute nerven mich optische Medien nur noch, insbesondere CDs. Sie sind einfach viel zu kratzempfindlich,unhaltlich und out. Trotzdem gebe ich ihr noch 20 Jahre.

    • ,,Niemand in meinem Bekanntenkreis hatte so ein Teil. Was auch den Nichterfolg erklärt.”

      Dein Bekanntenkreis scheint groß, wenn sich an diesem die Rentabilität damaliger und künftiger Technologien messen lässt.

      Ich würde empfehlen dies Sony, in dieser Form, so mitzuteilen um künftig fundiertere Entscheidungen treffen zu können.
      Auch was denn Zeitraum der noch am Markt etablierten CD`s angeht. Zumal diese ,,nur noch nerven”. Dennoch bin ich froh dass Du uns diese Technologie vorerst nicht entreißt, auch wenn diese out ist.

      Was mich ferner interessiert:,,Wird die Blu-Ray-HD” kommen und wird es sich lohnen in entsprechendes Equipment zu investieren ? Frag bitte Deine Bekannten damit ich mich nicht versehentlich verspekuliere. Zumal es sich auch hier um uncoole optische Medien handeln wird.

      Meine Erfahrung mit MD`s:
      Sie ließen sich super bespielen, hielten ewig, benötigen keinen Pufferspeicher (Discman) um vor Verwacklern zu schützen, der Akku hielt über ein vielfaches damaliger Discman`s.
      Und es ließen sich Lied-ID`s eingeben welche sogar auf der (Backlight) Fernsteuerung ablesbar waren.

      Zudem war es ganz klar ein absolutes Prestigeobjekt !

      Jeder in der Schule mit einem MD-Player war ganz vorne mit dabei. Ein ganz klarer Punkt der schon damals nicht ganz unwichtig war.

      Es stimmt kaum jemand besass einen MD-Recorder und dies lag wohl auch daran, dass die Teile nicht selten mit über DM 1000.- zu Buche schlugen.
      Und dies zu einer Zeit in welcher die breite Masse, im Gegensatz zur aktuellen iDevices Hysterie, nicht sensibilisiert war viel Geld für portable Technologien auszugeben.

      Oder anders, einen Betrag für welchen es aktuell 13 Standard-MP3-Player geben würde.

      LG
      Flo

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  1. [...] Wochenende schrieb ich auf Neuerdings eine Art Nachruf auf die MiniDisc, Sonys nicht ganz geglückter Versuch, die Audiokassette zu beerben. Mit meinem Kollegen [...]

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