Mobilfunkmarkt:
Wer seine Nutzer halten will, muss schnelle Updates liefern

Vor dem Start von Blackberry 10 hört man wenige Misstöne. Die Branche scheint sich auf das neue System und seine neuen Funktionen zu freuen, nicht wenige iPhone- und Android-Nutzer scheinen gar dahin wechseln zu wollen. Wie es dazu kommen konnte? Das Duopol hat Schwierigkeiten damit, seinen Nutzern neue Killerfunktionen auf allen Geräten zur Verfügung zu stellen. Das macht alternative Systeme plötzlich attraktiv.

Android 4.2: ein System mit tollen neuen Funktionen, auf das viele Android-Nutzer vergebens warten werden.

Es muss wohl am Siegeszug der Smartphones liegen, dass das Wort “Update” bei mir mittlerweile positiv besetzt ist. Das war zu Zeiten von Windows XP noch anders (“Nicht schon wieder eins! Was soll mir das bringen?”). Heute fiebere ich Updates in den meisten Fällen entgegen, weil sie viele neue Funktionen bedeuten, die mir meist zu Gute kommen. Wenn ich sie denn bekomme.

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Schöne neue Funktionen, die ich nicht haben darf

Habe ich mir in den vergangenen Jahren ein Android-Smartphone gekauft, dann stehen die Chancen nicht schlecht, dass ich mich ärgere. Von neuen Android-Versionen lese und höre ich zwar, die anderen erzählen begeistert davon, aber ich selbst bekomme kein Update. Es ist, als stünde ich im Vereinsheim an der Theke. Seit Jahren leiste ich dem Verein treue Dienste, Freibier gibt es aber nur für die, die erst seit zwei Wochen dabei sind. Wollen die mich auf den Arm nehmen? Ich kann mir nur eine neue Mitgliedschaft kaufen oder lieber gleich den Verein wechseln.

Als Beispiel für die Update-Problematik sei Android 4.2 genannt – ein innovatives, modernes Betriebssystem, in das Google wieder einmal viele neuen Funktionen eingebaut hat. Notifications, die endlich Spaß und das System zu einer Art Schaltzentrale machen, bessere Kamera-Funktionen wie Photo Sphere und neue Funktionen für Google Now. Android 4.2 ist aber auch ein Betriebssystem, das Anfang Januar erst auf 1,2 Prozent aller aktiven Android-Geräte installiert war. Der Vorgänger Android 4.1 bringt es mittlerweile immerhin auf 9 Prozent. Das relativ neue Android 4.0 Ice Cream Sandwich erreicht immerhin 29,1 Prozent der Android-Geräte.

Viele Altgeräte erhalten sogar noch ein Update auf 4.0, obwohl die Nutzer hier schon wieder auf Funktionen wie Google Now oder das neue Notification Center verzichten müssen – von dem sie schon längst gehört haben. Für die Hersteller bedeutet jedes Update natürlich einen Heidenaufwand. Dem Käufer ist das aber letztendlich egal. Er ist frustriert. Er hat theoretisch noch die Möglichkeit, sich das jeweils neueste Android von Hand einzuspielen. Aber nicht jeder ist technisch versiert genug dafür, außerdem besteht die Gefahr, dass nach einem Update von Hand nicht mehr alles reibungslos funktioniert.

Update Alliance schon ein halbes Jahr später tot

Google hatte seinerzeit angekündigt, dem entgegen wirken zu wollen. Auf der eigenen Entwicklerkonferenz Google I/O im Mai 2011 rief man die Android Update Alliance ins Leben, um Nutzern mindestens 18 Monate lang Updates für ihr Android-Gerät zu liefern. Die ersten Nachrufe auf die Update Alliance folgten bereits ein halbes Jahr später. In der darauffolgenden Google I/O im Mai 2012 erwähnte der Webriese die Update Alliance nicht einmal mehr. Statt dessen stellte Google das Nexus 7 vor, Android-Tablet unter eigener Marke, für das es nun regelmäßig Updates geben soll.

Und so nimmt sich Google dieser Problematik mittlerweile selbst an: Eigene Nexus-Geräte werden mit “nacktem” Android ausgeliefert, zum Schleuderpreis angeboten und regelmäßig mit Updates ausgestattet. Und die anderen Android-Hersteller? Könnten der Devise nach ja auf eigene Android-Oberflächen verzichten und auf Eigenentwicklungen gleich mit. Nokia-Chef Stephen Elop hat Google kürzlich eben dafür kritisiert, dass man der Update-Problematik mit einem “noch geschlosseneren Android” Herr zu werden versuche. Kritisiert haben dürfte er damit auch, dass Windows Phones künftig über Exchange ActiveSync keine Google-Accounts mehr nutzen können, weil Google die Unterstützung einstellen wird. Er dürfte aber auch die Update-Problematik gemeint haben.

Die Updateproblematik von Windows Phone

Die allerdings betrifft mittlerweile auch Windows Phone. Wer sich vor einem halben Jahr oder früher ein Smartphone mit Microsofts mobilem Betriebssystem gekauft hat, wartet bis heute auf ein Update der “Zwischenversion” 7.8. Das wird nicht einmal alle Funktionen erhalten, die Windows Phone 8 hat. Und dass Entwickler lange dazu Lust haben, Apps für das alternde System bereitzustellen, ist ungewiss. Wer sich also vor einem oder einem halben Jahr ein Windows Phone gekauft hat, hat schlicht und einfach Pech gehabt. Immerhin: Der wichtigste Hersteller Nokia hat damit begonnen, das Update auszuliefern, andere Anbieter wie Samsung oder HTC aber noch nicht.

Die mittlerweile recht stattliche Zahl an Endgeräten, Herstellern, Konfigurationen und Carrier-Vorgaben macht es zunehmend auch Microsoft und seinen Partnern schwer, Updates zeitnah auszuliefern. Auch ein geplantes Update für die ersten Nokia-Endgeräte mit Windows Phone 8, das einige längst bekannte Probleme beheben soll, ließ mehrere Wochen auf sich warten. Die Windows-Phone-Anbieter ahnen mittlerweile, woher Androids Update-Problematik rührt.

Android-Geräteanbieter wie Samsung oder HTC reagieren darauf, indem sie einfach ein neues Modell des jeweiligen Smartphones herausbringen, es mit einem “+” versehen und darauf dann die jeweils neueste Android-Version installieren. Das Update spart man sich damit. Die Kunden kommen am ehesten an neue Funtionen, indem sie sich ein neues Phone kaufen.

Und das ist die Chance, die die Entwickler neuer Betriebssysteme entdeckt haben. Das Duopol aus Apple und Android kann man knacken, indem man die Nutzer mit neuen Funktionen ködert. Bei Android gibt es immer wieder spannende neue Funktionen, aber die Nutzer bekommen sie nicht. Und auch Apple liefert mit jedem Update nicht jede Funktion aus. Das aktuelle iOS 6 steht zwar selbst für das drei Jahre alte iPhone 3GS noch zur Verfügung. Dafür fehlen Funktionen wie Siri auf iPhone 3GS, iPhone 4 oder iPad 2. Auf dem iPad mini hingegen steht Siri zur Verfügung, obwohl es den gleichen Prozessor wie das iPad 2 besitzt.

Für neue Funktionen auf ein anderes System umsteigen

Blackberry 10 hätten wir vermutlich so oder so gesehen. Aber hätte RIM überhaupt eine Chance, wenn Android seine Update-Problematik nicht hätte? Oder würde man die neuen Funktionen von Jollas Sailfish OS, Windows Phone 8 und Ubuntu for Phones so interessiert verfolgen, wenn Apples iOS 6 schon Funktionen wie Räume, Hubs, bearbeitbare Notifications, App-Vorschauen oder eine Schaltzentrale wie den Blackberry Hub hätte?

Die Leute wollen neue Funktionen. Und das könnte den alternativen System-Anbietern in die Hände spielen. Um nicht selbst eines Tages an der Update-Problematik zu scheitern, wäre es ratsam, die Zahl der eigenen Geräte gering zu halten. Neue Funktionen müssen aber trotzdem sein, und man muss auf irgendeine Art und Weise dafür sorgen, dass der Kunde schnell daran kommt. Denn er kann seine Drohung wahrmachen, wegzulaufen. Alternativen stehen ihm bald einige zur Verfügung.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

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10 Kommentare

  1. Die allerwenigsten Nutzer fiebern Updates entgegen, mit dieser altertümliche Technophilie hat sich die BuntiKlicki-Glitzerwelt selbst versucht zu rechtfertigen, mit der Realität hat das wenig zu tun und bei dem Tempo muss man sich auch nicht wundern, wenn (künstlich) Funktionen für den nächsten Release zurückgehalten werden.

  2. Es gibt immer wieder grobe Softwarefehler und Sicherheitslücken. Ich finde es nicht ok wenn mich der Hersteller im Regen stehen lässt. Das für altere Geräte nicht mehr alle Funktionen nachgereicht werden finde ich deutlich weniger schlimm.
    Wer das Gerät mehr als zwei Jahre als Smartphone nutzen will (sensible Daten), der kann heute eigentlich fast nur zum Nexus oder iPhone greifen…

    • Sehe ich genauso. Das Paradebeispiel ist für mich immernoch das Galaxy s2. Erst bringt Samsung eine neu Version des Gerätes raus und dann wird dieses auchnoch mit dem total verbuggten Android 2.3.6 ausgeliefert.
      Das überflüssigste war jedoch das Samsung es ernsthaft brachte das Original Gerät mit einem 4.0 Upgrade zu versehen aber keinerleih Angaben machte wann denn dieses Upgrade auch für das neue Model raus kommt. Da hieß es von seiten Samsungs teilweise sogar das es garkein Update mehr geben wird. Man wurde sogar dazu aufgefordert sein Gerät zu flashen wenn einem die Bugs von 2.3.6 auf die Nerven gehen(Zur erinnerung: Flashen beendet die Garantieleistung).
      SOWAS geht mal garnicht. Besonders so Konzerne wie Samsung haben sich so einen Müll nicht zu leisten. Wieso bezahle ich denn 400€ für ein High End Gerät, welches ich am Ende am liebsten an den Wand kloppen würde?

      Bekannte Bugs waren: Das Micro ging öfters nicht wenn man angerufen wurde, Kamera so wie die Galerie hingen sich öfters auf. Die Tastatur hing sich oftmals so massiv auf das der Akku raus genommen werden musste damit es weiter gehen konnte.

      Also keine “kleinen” Bugs über die man hätte hinweg sehen können.

      Ich bin inzwischen mit meinem S2 zu CM10.1 gezogen. Da bekomme ich jedenfalls regelmäßige Updates und muss keine Angst haben das beim nächsten Update das Smartphone in die Luft fliegt.

      Fakt ist: Ich werde zwar weiter bei Android bleiben aber mein nächstes Smartphone wird eindeutig eins aus der Nexus Reihe. Wenn es doch kein Android mehr werden soll, werd ich zu Windoof gehen.

      Apple mag ich persönlich nicht. Das Preis/Leistungs Verhältniss passt mir mal garnicht. Die Cloud kann ich ohne Mac oder Ipad nicht nutzen. Siri ist was für Leute die zu faul sind(Sofern sie einen dann mal versteht), das Display des Iphones(Ja auch des Iphone 5) ist mir zu klein und darüber hinaus will ich mein Smartphone auf meine Berüfnisse anpassen. Das wünschten sich ja auch viele Apple Fans vom iOS6 und wurden da arg enttäuscht.
      Darüber hinaus bringt mich die ganze Applewerbung im Fernsehn eher zum kotzen. Da wird mit Sachen wie Panorama Bilder gepralt.. Das konnte sogar mein altes Samsung SGH D900i. Google bringt wenigstens ne 360° Kamera. Sowas ist in meinen Augen inuvativ.

      Kurz gesagt: Apple verlangt zu viel für seine Geräte und macht mit Dingen Werbung die schon Uralt sind und schon lange zum “Standart” von Smartphones gehören.

  3. “Für die Hersteller bedeutet jedes Update natürlich einen Heidenaufwand.”

    Oh ja, ganz furchtbar. Dell stirbt auch immer 1000 Tode, wenn MS neue Windows-updates herausbringt.

    Man kann auch einfach das neue (Open-Source!)-Android von Google ziehen und es mit den entsprechenden Treibern (die der Hersteller hat!) neu ubersetzen. Wenn man natürlich irgendwie komisch am System herumfrickelt, damit die Oberfläche minimal anders aussieht, dann ist das ein Aufwand, das wieder anzupassen.

    Mal ehrlich: ich habe schon zu 2.3-Zeiten nicht verstanden, was der Vorteil oder überhaupt Unterschied zwischen Samsungs Touchwiz und dem Standard-android war. Als die Updates dann ausblieben, hab ich mir Cyanogenmod installiert. Seit 1 1/2 Wochen läuft hier nun 4.2 auf dem guten alten Galaxy S, zugegeben als Alpha-version, und hat auch schon einmal spontan neugestartet, naja, aber läuft ansonsten wie eine 1.

    BB10 oder Firefox OS werde ich weiter beobachten. Ein vom Handyhersteller umgefrickeltes Android werde ich mir jedenfalls nicht noch einmal kaufen, dann höchstens original Google (wenn es mal Hardware mit SD-Slot geben sollte). Bis dahin tut mein Telefon wunderbar weiter seinen Dienst, und ist immer noch besser als aktuelle Billighandys.

  4. Ich sehe hier kein Problem. Die Leute denen Updates am A… vorbeigehen und auch nicht wissen was das soll, sind glücklich. Den Iphone-Leuten kann man sowieso alles andrehen. Und der Rest macht es wie Sie/Du Herr Vielmeier und kauft sich ein Nexus. Nochmals, Glückwunsch dazu. :-)

    • Ich bin der Jürgen… Das Nexus 4 habe ich mir aus beruflichen Gründen gekauft, um immer das neueste Android testen zu können. Nun ja, das unterstützt wahrscheinlich meine Update-These. Allerdings habe ich auch ein aktuelles iOS-Gerät und bin noch auf der Suche nach einem Windows Phone. Ob das mit dem Nexus eine Liebesbeziehung wird, muss sich dann zeigen. Gefällt mir aber im ersten Eindruck sehr gut. ;)

  5. Was mir nicht in den Schädel gehen will, ist warum die Hersteller ihre Anpassungen nicht als Apps anbieten.
    Welche tiefgreifenden Veränderungen werden denn überhaupt vorgenommen, das immer Systemupdates vom Hersteller nötig sind?

    Ein blankes Android mit Hersteller eigenen Apps, wäre doch wesentlich Update freundlicher, oder nicht?

    • @Rick APPs können nicht so tiefgreifend in Systembestandteile eingreifen, um alle Systeme aktualisieren zu können. Würden APPs das können, würden es damit Viren- und Trojaner-APPs sehr viel leichter haben. Und blanke Androids: sie würden sich schlicht nicht verkaufen, eben weil 99% der Nutzer (im Gegensatz zu der hier orakelten Update-Panik) sich nicht für Updates oder APPs interessieren sondern mit den vorinstallierten Funktionen zufrieden sind. Da sich aber “Standardfunktionen” nicht gut vermarkten lassen, muss jeder Hersteller sich irgendwie hervorheben – willkommen in der Marktwirtschaft.

  6. Super Artikel. Ich gebe absolut Recht. Nur glaube ich nicht, dass es bei den Alternativen (ausser vielleicht Blackberry viel besser wird). Sobald Samsung (Joli und so) oder so ebenfalls einsteigen, wird man hierbei die gleichen Probleme bekommen…

    _Und so nimmt sich Google dieser Problematik mittlerweile selbst an: Eigene Nexus-Geräte werden mit “nacktem” Android ausgeliefert, zum Schleuderpreis angeboten und regelmäßig mit Updates ausgestattet._
    Naja, finde ich jetzt keine gute Aussage. Dies macht Google schon seit 2010 mit dem Nexus One. Kommt finde ich, falsch rüber.

    @Klaus: Genau da muss ich dir absolut Recht geben. Dass nicht alle Features verfügbar sind, ist mir absolut verständlich. Manchmal reicht die Performance, die Hardware einfach nicht aus. Was Apple macht (Siri -> iPad Mini ja, iPad 2 nein) ist mir allerdings unbegreiflich…

    Aber genau wegen dem nicht-schliessen der Lücken etc gibt es für mich nur eine Möglichkeit: Nexus oder nichts. Dann greife ich lieber auf mein altes Nokia 3330 zurück als so ein dämliches Samsung oder HTC zu kaufen. Wobei mir die Geräte noch zusagen würden.

    Vor allem finde ich die Anpassunge eh für die Katz! Sollten sich mal überlegen, Ihre ach so tollen Funktionen über Appstores zugänglich zu machen, könnten ja einen Samsung AppStore machen, oder sie über PlayStore verfügbar machen. Dann könnte man die geile Kamera-App (wenn sie denn so toll ist) sogar für ein paar Euro an einen HTC-Kunden verkaufen. Vielleicht kauft er dann nächstes Mal ein Samsung!
    Die grafischen Anpassungen kann man auch anders lösen. Zumindest funktioniert mein Nova Launcher nach jedem Update auf meinem Nexus so gut wie immer. Und wenn nicht, deaktiviert er sich automatisch und mit dem nächsten Update (meist 1-2Wochen später) geht es wieder! So müsste das von Samsung und Co gelöst werden!

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