Tethercell:
Batterien mit dem Smartphone fernsteuern

Zwei ehemalige Raumfahrtingenieure arbeiten an einem Batterieadapter, über den sich elektronische Geräte fernsteuern lassen. Einen Massenmarkt wird Tethercell wohl nicht finden, in der Nische aber bietet das eine ganze Reihe ungeahnter Möglichkeiten.

Tethercell macht eine Batterie zu einer smarten Batterie inklusive App.

Tethercell macht eine Batterie zu einer smarten Batterie inklusive App.

Die intelligente Heimvernetzung steckt gerade noch in den Kinderschuhen. An Apps mangelt es nicht, auch Android-fähige Kühlschränke gab es auf der Technikschau CES in dieser Woche wieder einige. Die bisher größte Herausforderung allerdings: die vor Jahren gekauften Haushaltsgeräte nachträglich noch mit intelligenter Vernetzung nachzurüsten. Das Projekt Tethercell entwickelt deswegen einen Trick, um das Problem zu umgehen: eine fernsteuerbare Batterie.

Tethercell
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Tethercell ist ein intelligentes Gehäuse in Größe und Form einer AA-Batterie, in die sich eine kleinere AAA-Batterie einlegen lässt. Batteriebetriebene Geräte wie Küchenradios und Spielzeug lassen sich damit fernsteuern, denn Tethercell kommuniziert via Bluetooth mit einem Smartphone oder Tablet. Bisher nicht vernetzbare Geräte lassen sich also damit plötzlich fernsteuern. Man kann sie ein- und ausschalten, Zeitschaltfunktionen nachrüsten oder sich bei niedrigem Ladestatus alarmieren lassen. Tethercell sammelt derzeit Geld über die Crowdfunding-Plattform Indiegogo ein. 59.000 US-Dollar visiert man an, knapp 13.000 sind jetzt schon zuammmen gekommen. Für die noch fehlenden 48.000 Dollar verbleiben noch 42 Tage. In einem Video verraten die beiden Gründer Trey Madhyastha and Kellan O’Connor, wie das funktionieren soll:

Die beiden geben an, zuvor als Ingenieure für das SpaceX-Projekt und dort an der Falcon-9-Rakete gearbeitet zu haben, was ihre Kompetenz in Sachen Hardware unterstreichen soll. Bei der Produktion der Tethercell ist man bereits in den abschließenden Schritten. Es fehlen noch Tests, die Entwicklung der App und der Genehmigungsprozess der Prüfstelle FCC. Im Juni könnte der Batterieadapter verschifft werden. Herzstück ist ein TI CC2540 Microcontroller. Weitere Komponenten sind natürlich der Bluetooth-Chip (Bluetooth 4.0 in der Low-Energy-Variante), ein MOSFET-Transistor oder ein Temperatursensor. In Tests mit einem iPhone 4S wollen Madhyastha und O’Connor Reichweiten von mehr als 30 Metern erzielt haben. Das via Crowdfunding eingesammelte Kapital soll dabei helfen, Komponenten für die ersten 5.000 Einheiten zu finanzieren.

Eher Kunstbedarf als Heimvernetzung

Die Arbeit in allen Ehren. Aber der Knackpunkt dürfte eigentlich schon der sein, dass nur die wenigsten Geräte im Haushalt überhaupt batteriebetrieben sind. Spontan fallen mir Fernbedienungen oder eine kabellose Maus ein, und dafür brauche ich keine Fernsteuerung. Sich Geräte für den Hausgebrauch anzuschaffen, die mit einer Batterie betrieben werden, kann aus ökologischen Gründen auch nicht die Lösung sein. Blieben nur noch Geräte für unterwegs, die keinen Li-Ion-Akku besitzen. Aber braucht man dafür eine Fernsteuerung? Madhyastha und O’Connor geben als Beispiele Spielzeug (als Kindersicherung) und Babyfone (vielleicht um Energie damit zu sparen). Ich könnte mir das auch ganz gut für Scherzartikel vorstellen. Andere Anwendungsgebiete könnten die Industrie, der Modellbau, Schauwerbegestaltung oder Theater-Requisite und ganz allgemein Kunstbedarf sein. Als Beispiel seien Knalleffekte bei einem Theaterstück oder einer Filmproduktion genannt, auch wenn es da vergleichbare Lösungen schon gibt.

In einer Nische kann Tethercell also durchaus seine Anwendung finden. Einen großen Markt sehe ich aber dafür nicht, schon gar nicht in der Heimvernetzung. Deswegen bleibt dies beim Thema Internet der Dinge der Knackpunkt: Wie vernetzt man bestehende Geräte, die nicht dafür vorgesehen sind, möglichst preiswert und einfach? Es müssen einfache Lösungen und für die Zukunft Standards her, etwa vom neu gegründeten Internet of Things Consortium.

Mehr Informationen zu Tethercell hier auf Indiegogo.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist freier Technikjournalist, Innovationsberater und Skeptiker.

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2 Kommentare

  1. Per WLAN oder Bluetooth schaltbare Steckdosen gibt es glaub ich schon nicht wahr?
    Da ist es naheliegend, auch batteriebetriebene Geräte “nachzurüsten”. Mir fallen da jetzt auch keine wirklich wichtigen Einsatzsituationen ein, außer dass ich mit meinem Handy das schnurlose Telefon vom Bett aus totstellen könnte :-D Dann gibt es noch so aufladbare LED-Kugeln, da könnte man eine Zeitschaltfunktion einrichten… allerdings weiß ich nich ob das mit dem Wiederaufladen dann noch geht ;-)

    Kurz gesagt: Irgendwie sinnvoll aber irgendwie auch nicht :)

  2. Ich habe auch schon rekapituliert, welches Gerät ich hiermit betreiben wollte. Ausser Scherzfunktionen (heimliches Ein und Ausschalten)…

    LG
    Flo

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