Forschung:
Audi und Toyota zeigen ihre selbstfahrenden Autos

Bislang scheint ausgerechnet Google als branchenfremdes Unternehmen einen Vorsprung zu haben, wenn es um selbstfahrende Autos geht, aber Audi und Toyota machen dieser Tage klar, dass sie sich nicht abhängen lassen. In beiden Fällen ist das Ziel dabei nicht, dass das Fahrzeug vollkommen autonom agiert. Vielmehr soll es vor Unfällen schützen, in kniffligen Situationen helfen und das Fahren angenehmer machen.

Noch sieht die Technik am selbstfahrenden Lexus sehr klobig aus.

Noch sieht die Technik am selbstfahrenden Lexus sehr klobig aus.

Der umgerüstete Toyota Prius von Google war das erste Auto, das eine Lizenz fürs selbstständige Fahren auf öffentlichen Straßen im US-Bundesstaat Nevada bekommen hat. Seit 2010 forscht das Internetunternehmen in diesem Bereich. Warum Google neben Suchmaschinen und einem Handy-Betriebssystem auch in diesem Gebiet tätig werden will? Die Frage kann man sich wohl stellen, immerhin dürften die Ausgaben für die Grundlagenforschung immens sein. Also muss sich das Unternehmen einiges davon in Zukunft versprechen.

Audi und Toyota haben da als Autohersteller viel einleuchtendere Motive. Und wie es scheint, wollen sie nicht irgendwann davon abhängig sein, eine solche Technologie extern einkaufen zu müssen und forschen selbst – wie viele ihrer Mitbewerber. Audi und Toyota nutzen die aktuell laufende Technikmesse CES in Las Vegas, um auf ihre Projekte aufmerksam zu machen. Audi hat dazu einen TTS-Roadster aufgerüstet und Toyota zeigte das Modell LS der hauseigenen Premium-Marke Lexus. Noch ist die Technik allerdings ein gutes Stück vom Ziel der Marktreife entfernt.

Selbstfahrende Autos
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Audi verfolgt einen anderen Ansatz

Was mit Blick auf die Fotos auffällt: Während Googles Prius und der Lexus LS sperrige Aufbauten benötigen, um sich zu orientieren, sieht der Audi TTS auffällig unauffällig aus. Das hat einen Grund: Audi setzt darauf, einen Teil der Technik in die Umgebung auszulagern. So wurde im Rahmen der gerade laufenden Technikmesse CES in Las Vegas zwar gezeigt, dass der Audi TTS selbstständig in einer Tiefgarage einparken kann und dort auch wieder herausfindet. Aber das funktioniert nur, weil die Garage selbst mit Laserscannern ausgerüstet ist, die den Audi unterstützen.

So hat der Audi TTS zwar nun ebenfalls die Erlaubnis bekommen, Testfahrten auf den öffentlichen Straßen von Nevada zu unternehmen. Aber dem Hersteller geht es bei seiner Forschung nach eigener Darstellung nicht um ein vollkommen autonom fahrendes Auto, sondern um Hilfen für den Fahrer. Man wolle den Menschen nicht ersetzen. Ein Beispiel ist hier das selbsttätige Einparken oder das automatische Mitschwimmen im Berufsverkehr. Die Forschung gehe eher in Richtung eines Autopiloten, wie man ihn aus Flugzeugen kennt. Der ersetze auch nicht den menschlichen Piloten, sondern unterstützen ihn.

Auch Audi darf mit dem TTS jetzt auf Nevadas Straßen Tests unternehmen und muss nicht mehr wie hier auf Salzseen ausweichen.

Auch Audi darf mit dem TTS jetzt auf Nevadas Straßen Tests unternehmen und muss nicht mehr wie hier auf Salzseen ausweichen.

Ähnliche Features retten heute schon Leben

Solche und ähnliche Funktionen sehen wir bereits heute in modernen Autos. Und dass diese Technik schon heute Leben retten kann, hat neuerdings.com-Leser Florian in diesem Kommentar eindrucksvoll beschrieben, der einmal übermüdet gefahren und von einem Moment zum anderen eingeschlafen war:

Es handelte sich keineswegs mehr um den gefürchteten “Sekundenschlaf”, ich war wie sediert und in den kompletten Tiefschlaf gefallen… Das Assistenzsystem übernahm alles.

Der Abstandsmesser hielt konstant die Entfernung, Geschwindigkeit und Bremsmanöver zum Vordermann. Der Spurassistent hielt konstant die Spur. Wobei die Klimatronik, die Musikanlage, die Geräuschdämmung der Fenster und die Massegesitze dafür sorgten, dass ich angenehm weiterschlief…

Geweckt wurde ich, ziemlich unsanft, irgendwann in einem ca. 50 km entferntem Kurort. Dies lag am Spurassistenten. Da sich dieser (wie seine Bezeichnung schon beschreibt) an den Seitenstreifen orientiert, fiel dieser in dem Moment aus, als sich das Fahrzeug auf einer Brücke befand. Hier wechselt der Seitenstreifen zur Leitplanke, welcher vom Assistenten nicht als Spur assoziiert wird. So streifte das Fahrzeug ganz “sanft” die Planke. Da sich ab dem Zeitpunkt meines Erwachens das Fahrzeug bereits wieder an weiterführenden Streifen orientieren konnte, merkte ich von dem leichten Schrammen kaum was. Es war lediglich ein schrilles Geräusch zu vernehmen. Ich realisierte sofort, dass ich eingeschlafen sein musste, wurde hellwach und eine kleine Tasse (Müdigkeitserkennung) blinkte und piepte mich an. Natürlich musste der Wagen im Anschluss zum Vertragshändler, um auf der Fahrerseite komplett neu lackiert zu werden. Aber mehr ist mir und viel wichtiger (!) anderen Verkehrsteilnehmern nicht passiert.

Computern unterlaufen zwar auch Fehler oder können ausfallen. Aber sie ermüden nicht, trinken keinen Alkohol, sind nicht abgelenkt und haben immer alles im Blick. Da erscheint es schon logisch und wünschenswert, diese Technik mindestens wie von Audi erklärt, als Unterstützung einzusetzen.

Der Lexus könnte selbst fahren, soll es aber nicht

Ein Stückchen weiter als Audi geht Lexus mit seinem Testfahrzeug – jedenfalls prinzipiell. Denn an sich wäre deren Technik ebenso wie bei Googles Prius dafür geeignet, komplett allein zu fahren. Aber das sei nicht das Ziel, erklärt der Hersteller. Es gehe auch hier vielmehr darum, Unfälle verhindern oder die Auswirkungen eines Unfalls vermindern, berichtet Gizmag. Das “Advanced Active Safety Research Vehicle” genannte Gefährt kann mit seinen zahlreichen Sensoren und Gerätschaften beispielsweise Objekte in der Umgebung erkennen und auch feststellen, ob eine Ampel auf “Grün” oder “Rot” steht. Hier kann man die Details der Präsentation auf der CES 2013 nachlesen.

Das folgende Video zeigt den Lexus in Aktion:

Ausblick und Fazit

Stellt sich noch die Frage, was wir von alldem wann in unseren Autos und auf der Straße sehen werden. Und das hängt natürlich auch sehr davon ab, ob es von den Kunden gewünscht und angenommen wird. Wie Jens Lehmann in seinem Zwischenstandsbericht zu selbstfahrenden Autos vor einigen Monaten hier bereits geschrieben hatte, ist die Skepsis noch groß. Ein sich komplett autonom bewegendes Fahrzeug ist den meisten noch unheimlich. Aber unterstützende Sicherheitsfunktionen werden bereits heute von den Herstellern als zentrale neue Features vermarktet. Und wenn sich die Kunden erst einmal daran gewöhnt haben, dass ihr Auto selbst einparkt oder im Stau das Fahren übernimmt, sind die nächsten Schritte nicht mehr weit.

Weitere technische Fortschritte werden außerdem dazu führen, dass sich die Autos untereinander verständigen und die Daten aus den Fahrzeugen dazu genutzt werden, beispielsweise Verkehrsströme zu optimieren. Denkt man Googles Projekt weiter und verknüpft es mit den zahlreichen Technologien des Unternehmens, fühlt man sich mitten in ein Science-Fiction-Szenario versetzt. Google zeigt mit Google Now, wie es Daten intelligent auswerten kann. Es hat Kartenmaterial mit Google Maps. Es hat Mobilfunk-Expertise, um Daten ins Internet zu senden und von dort zu empfangen. Rechnet man das alles einmal zusammen, ergibt sich plötzlich doch ein interessantes Bild.

Ohne Zweifel begleiten diesen Fortschritt diverse Fragen. Zum Beispiel: Wer ist verantwortlich, wenn der Autopilot einen Unfall baut? Wie sicher gegen Hacks sind solche Autos? Wer kann die Daten auswerten, die mein Fahrzeug erhebt?

Diese Fragen müssen auf jeden Fall geklärt werden. Denn es hat nicht den Anschein, als ließe sich der Trend zum Fahr-Assistenten oder gar zum selbstfahrenden Auto noch aufhalten.

 

Jan Tißler

Jan Tißler ist Redakteur bei netzwertig.com. Er ist fasziniert von Technik und ein leidenschaftlicher Internetintensivnutzer.

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7 Kommentare

  1. Ich halte diese Art des automatisierten Individualverkehrs allenfalls für eine Brückentechnologie, die sich ohnehin nur wenige leisten können. Der Wandel dürfte viel grundlegender sein: Langfristig wird ein herkömmliches Kraftfahrzeug eher Liebhabern als “Gadget” dienen, statt echte Transportaufgaben zu übernehmen (außer dort, wo es keine anderen Möglichkeiten gibt). Dieser Trend zu “kein eigenes Auto” ist bei uns schon unübersehbar.

    Auf der anderen Seite werden die bisherigen Massentransportmittel vermutlich irgendwann durch kleinere automatisierte Einheiten ergänzt – etwa durch Induktionsschleifen-geführte rollende Kabinen (ca. 2-10 Passagiere) mit Elektroantrieb, die nach dem Prinzip des heutigen Anruf-Linientaxis funktionieren. Eigner könnten sowohl Kommunen als auch private Dienstleister sein. Individuelle Strecken- und Transportplanung mit entsprechender Kabinen-Anforderung wäre ja schon heute dank der großen Smartphone-Verbreitung kein Problem.

    • Vielen Dank für die spannende Ergänzung. Ob man den Menschen ihren Individualverkehr wirklich wegnehmen kann, weiß ich nicht. Aber ich hoffe ebenso wie du, dass andere Verkehrsmittel noch deutlich flexibler werden. Und vielleicht nähert man sich von beiden Seiten an. Und ich kann dir nur beipflichten: Rein technisch gesehen wäre heute schon mehr möglich. Allerdings hängt am Auto auch sehr viel Geld in unserer Wirtschaft.

      Ergänzend zu deinen Ideen für künftige Verkehrsmittel passt mein Artikel über den geheimnisvollen “Hyperloop” von Elon Musk (Tesla Motors, SpaceX, PayPal).

  2. Es geht nicht wirklich ums “Wegnehmen” des Individualverkehrs. Das passiert schon zunehmend mehr oder weniger freiwillig, weil Autos nicht mehr als Statussymbol taugen und die Unterhaltskosten zu hoch werden. Die deutsche Wirtschaft wird sich schon kräftig wandeln müssen, um künftig noch Geld in diesem Sektor zu verdienen (beim Auto klappt das bereits jetzt nur noch durch den Export).

    “Hyperloop” klingt interessant, setzt aber trotz kleiner Transporteinheiten offensichtlich auf Langstrecke und hohe Geschwindigkeit. Das führt meines Erachtens am Ziel vorbei: Kleine, langsamere Einheiten für kurze Strecken, große, schnelle Einheiten für Langstrecken. Alles andere wäre ineffizient.

  3. -…,,weil Autos nicht mehr als Statussymbol taugen”…

    In keiner anderen Zeit diente das Auto mehr als Stattussymbol als heute.

    -…,,Dieser Trend zu “kein eigenes Auto” ist bei uns schon unübersehbar”…

    In welchem Land ?

    Es wurde noch NIE soviel Zeit, Energie und Geld in das eigene Auto investiert als heute. Nie wurde für ein Arbeitsgerät / Hobby mehr investiert als für das aktuelle KFZ.

    Trotz Euren, doch sehr interessanten, Thesen & Anstössen kann ich mich dem Gefühl nicht entziehen zwei (Auto ablehnenden) Fahrradfahren zu antworten. :-)

    Ich bin heilfroh auf KEIN öffentliches Verkehrsmittel zurückgreifen zu müssen. Es sind, neben der Annehmlichkeit nach einem gestressten Tag Niemanden (!) neben mir sitzen zu haben, noch der Spiel und Jagdtrieb welches mir an der “Solitärfahrt” überhaupt gefällt.

    LG
    Flo

  4. Ich würde es absolut klasse finden wenn es die selbstfahrenden Autos jetzt schon geben würde. Besonders lange Strecken (300+km) fahre ich nur ungern, besonders mit Kindern. Da nehmen wir schon eher ein Flugzeug oder ICE und leihen uns vor Ort ein Auto oder nutzen ein Taxi.

    Man sollte sicherlich auch unterscheiden wo man wohnt. Auf dem Land würde ich ohne Auto auch nicht leben wollen, selbst 1 Auto bei einer 4-köpfigen Familie ist da schon teilweise “zu wenig”. Aber wie bei uns in der Großstadt geht es durchaus als Familie nur mit Stadtauto. Wir haben im Umkreis von 1 km gefühlt 90% aller Dinge die wir so brauchen. Schule, Kindergarten, Augenarzt, Zahnarzt, Allgemeinarzt, Krankenhaus, Feuerwehr, Polizei – was man mit Söhnen halt so braucht ;) – Friseur, Bäcker, Fleischer, Baumarkt, Shopping-Center, ca 10 Lebensmittelgroßgeschäfte … Fußballplatz, Schwimmhalle, diverse Spielplätze, Parkanlagen, …
    Bei dieser Entfernung ist man mit Auto meist sogar langsamer wegen der Parkplatzsuche …

    Für die Zwecke wo wir doch mal einen “Kombi” gebrauchen könnten leihen wir uns einfach ein Auto, das wird auch immer komfortabler möglich und wird an immer mehr Stellen sogar direkt angeboten.

    Ob das Ausleihen übers Jahr gesehen teurer oder billiger ist als ein Zweitauto vermag ich nicht zu sagen, aber so lernt man auch viele verschiedene Fahrzeugtypen kennen und ich muss das Auto nicht selber reinigen. ;)

  5. Ich vermute Google geht es nicht primär um den Markt autonome Automobilität. Wieso sollte die das interessieren, das ist einigermaßen abwegig, hat nichts mit Google zu tun. Google findet Information, verknüpft Information, handelt mit Aufmerksamkeit. Aber autonome Automobilität wird in absehbarer Zukunft ein gigantische, allgegenwärtiges mobiles Sensornetz über die Welt legen. Das muss Google interessieren. Damit könnten sie Information nicht nur im Netz finden sondern auch im 1st Life. Und es bekommt ein dynamisches fast-Echtzeit-Abbild der Welt bei der Google bestimmen kann wo welche Information/Werbung eingeblendet wird. Streetview Life auf Steroiden. Die echte Welt wird in die virtuelle eingeblendet. Und das sind nicht nur Bilder sondern komplette 3D Scans aus den Laser-Scannern und IR-Sensoren u.a. hats auch noch. Mit Projekten wie Google Glass wird der umgekehrte Weg gegangen. Das passt alles zusammen, da kann man schon mal ein paar Milliönchen aus der Portokasse abzweigen.

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