Phablets:
Wird 2013 die Lücke zwischen Smartphones und Tablets geschlossen?

Eigentlich jeder Smartphone-Hersteller hat seine Modelle in diesem Jahr im Schnitt größer gemacht. Als nächstes dürfte die Barriere zwischen Smartphones und Tablets endgültig fallen: 2013 könnte das Jahr der “Phablets” werden.

Samsung Galaxy Note - das Phablet, mit dem alles begann?

Samsung Galaxy Note - das Phablet, mit dem alles begann?

“Mini” war in diesem Jahr nach Samsungs Definition das 4,0-Zoll-Display des Galaxy S3 Mini. Böse Zungen könnten dies einen Seitenhieb auf Apple und sein gleich großes Display des iPhone 5 nennen. Andere werden darauf hinweisen, dass das IT-Magazin “PC Welt” noch im Dezember alles ab einer Größe mit 4,0 Zoll als “XXL-Displays” einstufte. Einig werden wir uns da heute nicht.

Eines aber ist sicher: 2012 ging der Trend hin zu größeren Smartphone-Displays. Der Screen im iPhone 5 – von 3,5 auf 4,0 gestreckt. Samsungs Galaxy S3 hat mit 4,8 Zoll das größere Display als sein Vorgänger Galaxy S2 (4,3). Nokias Lumia 920 überbietet den Bildschirm des Vorgängers Lumia 900 um 0,2 Zoll. Und auch die Spitzenmodelle von HTC, LG oder Sony – alle jeweils mit mehr Screen als ihre Vorgänger.

Phablets
SamsungGalaxyNote2Pearl SimvalleySamsungGalaxyNoteOppoFind5
PanasonicElugaPowerOppoFind5_2NubiaNubia_2
LGOptimusVuHuaweiAscendMateHuaweiAscendMate1GalaxyGrand

Zwingend notwendig ist das nicht. Mehr Hauptspeicher, besserer Empfang, schnellere Reaktionszeiten, leuchtendere Farben, am besten noch bei gleichzeitig längerer Akkulaufzeit – das wären Dinge, über deren Vorteile wir nicht lange diskutieren müssten. Bei der Größe eines Smartphones gehen die Meinungen hingegen auseinander.

Vielleicht waren Samsung die ersten, die im vergangenen Jahr mit dem Galaxy Note und seinem 5,3-Zoll-Bildschirm den “Phablet”-Trend begründet haben. Dieses Kunstwort – eine Mischung aus “Phone” und “Tablet” beschreibt Geräte, die die Lücke zwischen Smartphone und Tablet schließen sollen. (Seltener liest man auch die Bezeichnung “Smartlet”.) Spätestens ab 5 Zoll nehmen Smartphones eine Größe an, bei der das Telefonieren am Ohr für Außenstehende ulkig wirkt und sich die Geräte nicht mehr so leicht in der Hosentasche verstauen lassen. Tablets indes verlieren viele ihrer Vorzüge, wenn sie deutlich kleiner als 7 Zoll werden.

Lücke wird besetzt

Die Hemmschwelle, in dieses Becken zwischen 5 und 7 Zoll zu springen, ist in diesem Jahr gesunken. Viele stehen bereits am Rand und fühlen mit dem großen Zeh, wie kalt das Wasser wirklich ist: Google, Samsung und Amazon veröffentlichten Tablets mit exakt 7,0 Zoll Bildschirmdiagonale. Auf der anderen Seite besetzten einige Smartphone-Hersteller die 5,0-Zoll-”Grenze” für Smartphones: LG hatte mit dem Optimus Vu eher bescheidenen Erfolg, wie auch Panasonic mit dem Eluga Power. Das hält die Hersteller aber längst nicht davon ab, bereits die nächste Generation ins Rennen zu schicken: LG versucht es noch einmal mit dem Optimus Vu 2 und aktuell tauchen gleich mehrere künftige Modelle mit 5,0-Zoll-Display auf. HTC schickt das Deluxe ins Rennen, Samsung hält mit dem Galaxy Grand dagegen. Gleich einige Fünfzöller kommen aus China, wie Huaweis Ascend D2, das Oppo Find 5 oder das ZTE Nubia Z5.

Bis auf Samsungs bemannte Raummission mit dem Galaxy Note (5,3 Zoll) und dem Note 2 (5,5), gab es bislang wenige seriöse Expeditionen in die Wildnis jenseits der 5,0 Zoll. Aus China kommen die jeweils 5,2 Zoll großen Smartphones “Fizz” und Haipai i9220. Als weitere Modelle findet man das weitgehend unbekannte Icarus Wave mit 5,1 Zoll und das 5,2 Zoll große Simvalley SPX 8 aus dem Pearl-Versand. Huawei macht unterdessen keine halben Sachen mehr: 6,1 Zoll soll das neue Ascend Mate messen, das Manager Richard Yu kurz vor Weihnachten einigen Interessierten in einem Store in Kanton bereits inoffiziell zeigte:

Nerdiges Aussehen

Auf Bildern wirkt das sehr groß für ein Smartphone, aber nicht so groß, dass Yu es nicht mit einer Hand halten könnte. Im kommenden Jahr werden wir also oft vor der Frage stehen, wie groß eigentlich “zu groß” ist. War das für mich eigentlich bereits beim 5,3 Zoll große Galaxy Note der Fall, traf ich zuletzt immer mehr Menschen, die mich vom Gegenteil überzeugen wollten. Das Galaxy Note hat erstaunlich viele Fans! Befürworter mögen Phablets, weil diese für sie genau die richtige Größe haben, um Websites anzuzeigen, Nachrichten zu tippen, Bilder und Videos großformatig zu betrachten. Full HD, einen Quad-Core-Prozessor mit 1,8 GHz und einen 4.000-mAh-Akku gibt es im Falle des Ascend Mate noch als Feature obendrauf.

Größtes Gegenargument für ein Phablet dürfte nach wie vor das nerdige Aussehen sein. Wer sich den Klumpen ans Ohr hält oder ihn aus der Hosentasche herausragen lässt, weil er dort nicht ganz hereinpasst, der sieht dabei ganz einfach unästhetisch aus. Das eine Problem könnte man über ein Headset umgehen. Wer mit dem anderen leben kann, der bekommt einen mobilen Begleiter mit einem großen Screen für alle wichtigen Aufgaben.

Größere Screens sind vor allem dann erstrebenswert, wenn sich die Maße des Geräts dadurch nicht erhöhen. Das Motorola RAZR i etwa ist mit seinem “randlosen” 4,3-Zoll-Display kaum größer als Apples iPhone 4S mit 3,5 Zoll. Größere Screens sind begrüßenswert, größere Smartphones bleiben Geschmackssache. 2013 werden wir auf jeden Fall mehrere Expeditionen in die Wüste zwischen 5 und 7 Zoll sehen. Irgendetwas sagt mir, dass viele davon scheitern werden – aber längst nicht alle.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

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10 Kommentare

  1. Ein 5″ Dell Streak gabs schon 2010, nur die haben sich nicht getraut es Smartphone zu nennen und nannten es deshalb Mini-Tablet.

  2. Wer ist überhaupt auf den bescheuerten Begriff Phablet gekommen? Würde der auf anderen Seiten verwendete Begriff Smartlet nicht eigentlich besser passen? Immerhin handelt es sich ja um eine Mischung aus Smartphone und Tablet.

    • Na ja, Phablet ist halt eine Mischung aus “Phone” und “Tablet” statt aus “Smartphone” und “Tablet”. Ich höre immer öfter “Phone” statt “Smartphone” (und würde selbst lieber wieder “Handy” sagen). Von daher ist die Bezeichnung eigentlich nicht falsch. ;)

  3. Man muss nur Konsequent sein. Bei mir gibt’s auch keine “Apps” (dafür möchte ich Apple heute noch komplett vom Planeten tilgen), sondern Programme und Software.
    Und das Ding heißt auch weiter Handy oder Telefon. Aber ok, ich hab auch kein WhatsApp oder Facebook….

  4. Überraschenderweise ist das Galaxy Note 2 sehr mobil geraten. Es passt noch in die Hosen- und Hemdtasche und lässt sich prima mitführen – was mit einem Tablet nicht immer möglich ist. Von daher halte ich 5,5″ für eine durchaus berechtigte Größe. Einzig das Telefonieren sieht etwas seltsam aus; aber da kann man ja ein BT-Headset benutzen oder die Freisprechfunktion aktivieren.
    Unzweifelhaft ist ein größeres Display aber in Sachen Surfen, Spielen, Filmesehen und Schreiben jedem kleinen überlegen. Wer schon mal ein Note 2 benutzt hat, für den wirken kleinere Displays geradezu winzig.

  5. Ich nutz schon seit einiger Zeit ein Galaxy 6200 als Handy. Ist ein vollwertiges Smartphone mit 7 Zoll ^^ An die Umstände beim Transport gewöhnt man sich schnell. Ich will nie wieder ein Handy mit weniger als 6 Zoll!!!

    • Bei einem Dirk Nowitzki würde das große Smartphone nicht mal auffallen. Ist alles eine Frage der Handfläche.

    • In den 90ern war es modern, ein möglichst kleines Handy zu haben ;) Und selbst da hatte ich schon die ersten, dicken Smartphones ^^
      Ja, 7 Zoll sind zugegeben etwas unpraktisch was den Transport angeht und es sieht beim telefonieren etwas albern aus. Und? Ich bin halt kein iPhone-Poser, der anderen was vorspielen will. Ich will einfach ein geiles Handy haben!

  6. Dadurch dass auf wundersame Weise ordentliche Hardware-Tastatur-Smartphones ausgestorben sind, sind große Bildschirme geradezu ein Muss für Vielschreiber oder Leute mit Wurstfingern ;)
    Und auch so bleibt vom Bildschirminhalt bei ausgefahrener Tastatur auf meinem Note II weniger zu sehen als auf meinem (ausgemusterten) Desire Z – auf dem ich trotzdem noch schneller tippen konnte.

3 Pingbacks

  1. [...] und zu größeren Smartphones führt: zu einer Vereinheitlichung beider Gerätetypen. Das Resultat heißt dann “Phablet”, ein Phänomen, mit dem sich derzeit Gadget-Blogger und Tech-Journalisten ausgiebig [...]

  2. [...] und zu größeren Smartphones führt: zu einer Vereinheitlichung beider Gerätetypen. Das Resultat heißt dann “Phablet”, ein Phänomen, mit dem sich derzeit Gadget-Blogger und Tech-Journalisten ausgiebig beschäftigen. [...]

  3. [...] den Eindruck, dass die Hersteller immer experimentierfreudiger werden. Die einen loten mit “Phablets” die Grenze zwischen Phone und Tablet aus und bringen gar ein Telefon zum Telefon heraus, [...]

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