Oton:
Innovative Spielkonsole oder betrügerisches Projekt?

Eine vollwertige Spielkonsole für 99 US-Dollar? Gab es so etwas nicht schon einmal? Richtig: Die Android-basierte Ouya erscheint, wenn alles klappt, im April 2013 für besagten Winzigpreis. Auch das Unternehmen EnGeniux hat ein entfernt ähnliches Gerät zum ähnlichen Preis in Planung, allerdings mit seltsamen Innovationen: quasi unendlich viele Spiele und ein integrierter Beamer. Wie soll das denn gehen?

Konzeptgrafik oder realer Prototyp? Unklar. (Foto: otonx.com)

Konzeptgrafik oder realer Prototyp? Unklar. (Foto: otonx.com)

Trotz zahlreicher Informationen auf der Webseite des Herstellers gibt das “Oton” getaufte Gerät Rätsel auf. Denn laut eigenen Angaben soll die Spielkonsole in der Lage sein, innerhalb nur weniger Minuten ein beliebiges Spiel zu erstellen. Möglich mache dies künstliche Intelligenz, die sich auf gewisse Weise weiterentwickelt und die Bedürfnisse der Spieler berücksichtigt. Genauer soll die Software fähig sein, jedes Genre abzudecken. Möchte man einen Shooter, ein Rennspiel oder ein klassisches 2D-Game – Oton erschafft auf Knopfdruck ein Spiel nach Vorgaben. Zusätzlich kann man fertige Resultate mit Freunden teilen oder gar gemeinsam Spiele entwerfen.

Unklar ist, ob hier die Rede von einer Art Gamemaker ist oder was sich genauer dahinter verbirgt. Es sollen aber immer neue Spiele entstehen, also Spaß bis zum Ende des Lebens? Des eigenen oder des der Konsole?

Oton
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Das Gamepad scheint sich an typischen Konventionen zu orientieren. (Foto: otonx.com)Konzeptgrafik oder realer Prototyp? Unklar. (Foto: otonx.com)

Integrierter Beamer?!

Doch das alleine ist den Verantwortlichen nicht genug. Während das Basis-Modell, das für Vorbesteller erwähnte 99 Dollar und später 179 Dollar kosten wird, nur die Konsole und ein Gamepad enthält, wird es darüber hinaus spezielle Premium-Varianten geben. Diese verfügen über einen Projektor, der fest in die Daddelkiste verbaut ist. Somit kann man jederzeit Spiele auf einer geeigneten Fläche darstellen. Die Luxus-Ausgabe von Oton bekommt außerdem eine Motion-Kamera für Bewegungssteuerung spendiert.

Die Visionen von EnGeniux scheinen keine Grenzen zu kennen: So soll Oton auch Android- und Linux-Software abspielen, und es sollen Entwickler überzeugt werden, speziell für diese Konsole ihre Spiele anzupassen. In einem womöglich integrierten Shop können Programmierer ihre Werke verkaufen – sie sollen 100 Prozent der Erlöse erhalten. Da stellt sich die Frage zu Recht, womit EnGeniux letztlich Geld verdienen möchte, denn das (zufällige?) Erstellen der Spiele soll ebenfalls gratis sein.

Technik

Das Gamepad scheint sich an typischen Konventionen zu orientieren. (Foto: otonx.com)

Das Gamepad scheint sich an typischen Konventionen zu orientieren. (Foto: otonx.com)

Es gibt immerhin konkrete technische Details. Verbaut werden soll ein Quadcore-Prozessor mit vier Rechenkernen und einer separaten Einheit für den Stromsparmodus. Dieser basiert auf der ARM Cortex-A9-Architektur und ist mit 1,2 GHz getaktet. Das klingt gewiss nicht zufällig nach Nvidias Tegra3-Chip, der in aktuellen Tablets, Smartphones und eingangs erwähnter Ouya verbaut wird. Hinzu gesellen sich 16 GB Flash-Speicher, drei USB-2.0-Anschlüsse, ein HDMI-Ausgang (1.980 x 1.200 Bildpunkte), Ethernet-Port, Audioausgänge (Stereo, SPDIF) und zwei SD-Kartenslots. Die Software-Basis könnte Linux darstellen, denn auf der Hersteller-Site möchte man bald eine Beta des Oton-OS anbieten. Dieses setzt auf der Ubuntu-Distribution auf.

Noch nicht genug: Später sollen weitere Kreativtools angeboten werden, darunter für Video- und Fotobearbeitung, fürs Lernen oder zum Musizieren. Oton soll also alles bieten, was sich Spieler aktuell vorstellen können – und das zu einem sensationellen Preis?

Der Haken

Skeptisch macht Oton nicht nur aufgrund des Feature-Wahnsinns. Sicherlich könnte es sich hier tatsächlich um einen Heimrechner mit Linux-OS und einem intelligenten Gamemaker-Programm handeln. Denkbar wäre aber auch ein Fake, um Interessierten womöglich das Geld aus der Tasche zu ziehen. Denn mittels Crowdfunding wollen die Erfinder eine Million US-Dollar zusammen bekommen. Doch statt sich für seriöse Plattformen wie Kickstarter oder Indigogo zu entscheiden, wählte man einen eigenen Weg – auf der Oton-Webseite. Dort wird die Konsole ähnlich wie bei Kickstarter präsentiert, Risiken werden genannt und das Produkt in Form eines ziemlich theoretischen Videos vorgestellt. Unabhängig davon ist völlig schleierhaft, wie man bei solch relativ niedrigen Preisen Gewinne erzielen und sich EnGeniux finanzieren kann.

Ob Oton nun ein Hoax ist oder eine echte Konsole dahinter steckt? Aktuell sollte man vorsichtig sein. Nicht ohne Grund traut sich offenbar niemand, Geld vorzuschießen…

 

Sven Wernicke

Sven Wernicke hat eine Vorliebe für verspielte Gadgets, kunterbunte LEDs und Technik, die unterhalten möchte.  Wenn ihm als Freiberufler noch etwas Freizeit bleibt, bastelt er an seinen eigenen Projekten wie zum Beispiel Polygamia.de.

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2 Kommentare

  1. Sieht alles sehr nach Betrügern aus, sämtliche Links führen immer irgendwie im Kreis und wirkliche Kontaktdaten/Impressum sind quasi nicht vorhanden.

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