iPad mini im Test (1):
Der erstaunlich große Schritt vom iPad 1 zum iPad mini

Am zweiten Verkauftstag habe ich “damals” 2010 das erste iPad erstanden und inzwischen fühlte es sich deutlich überholt an. Nach einigen Überlegungen hatte ich mich für ein iPad mini als Nachfolger entschieden. Wie es dazu kam und wie meine ersten Eindrücke sind, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

iPad 1 und iPad mini. (Bild: Jan Tißler)

iPad 1 und iPad mini. (Bild: Jan Tißler)

Bei der grundsätzlichen Frage, ob es überhaupt ein iPad sein soll und wenn ja, welches, spielt dabei die wichtigste Rolle, was man denn damit vor hat. Bei mir ist es so, dass ich es allein schon beruflich bedingt viel nutze, weil ich viel lese. Und zum Lesen sind Tablets bestens geeignet, auch wenn E-Reader den besseren Bildschirm haben, der nicht spiegelt und auch noch draußen gut ablesbar ist. Dafür sind Tablets aber nun einmal sehr viel flexibler einsetzbar und können einfach mehr. Ich lese E-Mails, Artikel im Browser, abgespeicherte Beiträge in Evernote, RSS-Feeds, Social Networks. Das tue ich meistens drinnen und insofern spielen die Vorteile von Displays mit E-Ink & Co. keine Rolle.

Außerdem ist das Tablet für mich Entertainment-Zentrale, schließlich reise ich “passiv” mit Bus und Bahn, da ich kein Auto habe. Diese Reisezeiten lassen sich mit einem Tablet perfekt nutzen, um Bücher und Magazine zu lesen (ja, ich lese viel…), Videos zu schauen oder etwas zu spielen.

iPad mini
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Android könnte das bessere Tablet-OS sein

Dass es kein Android-Tablet wurde, hat verschiedene Gründe. Natürlich ist ein Nexus 7 mit einem Preis ab rund 200 Euro unschlagbar günstig. Beim iPad mini geht es erst ab 330 Euro los. Auf der anderen Seite spielt dieser Preisunterschied bei mir keine große Rolle, wenn ich ihn auf meine Nutzung der nächsten zwei Jahre hochrechne. Denn wie gesagt: Das Tablet ist bei mir täglich im Einsatz. Nach Laptop und noch vor dem Smartphone gehört es zu den Geräten, die ich am meisten benutze.

An sich finde ich Android übrigens für Tablets sehr gut geeignet. Ich denke hier allein an die Widgets, die sich auf einem größeren Display und bei mehr Platz noch besser entfalten können. Apples iOS bietet dem Nutzer hier stets nur das Raster an Apps und darüber hinaus lediglich Notifications auf dem Sperrbildschirm und in der von Android abgeschauten Mitteilungszentrale, die man sich vom oberen Displayrand herunterziehen kann. Generell ist die größere Flexibilität und Anpassbarkeit von Android ein Plus, das gerade bei Tablets zum Tragen kommen könnte. Schließlich mache ich sehr viel mehr und komplexere Dinge mit meinem Tablet als mit meinem Smartphone.

Ein Aber ist für mich derzeit bei Android noch die Auswahl an Apps speziell für Tablets. Das wird sich hoffentlich in den nächsten Monaten bessern. Ob das überhaupt ins Gewicht fällt, hängt dabei auch sehr stark von der eigenen Nutzung ab. E-Mails lesen, im Web surfen und sich in Social Networks herumtreiben kann man mit dem Nexus 7 schließlich auch. Und wie Googles eigenes Engagement in Sachen Tablets zeigt, nehmen sie den Bereich auch sehr ernst.

Eine Sache will mir aber bei der Hardware nicht in den Kopf: Warum setzen nahezu alle Hersteller auf 16:9-Displays? Mit ihnen hat man beim Tablet nicht einen Vorteil, aber erhebliche Nachteile. Der einzige “Vorteil” ist aus meiner Sicht, dass bei modernen TV-Serien und manchen Filmen keine schwarzen Balken zu sehen sind. Für alles, was ich mit dem Tablet mache, ist das 3:4-Format aber besser geeignet: mehr Platz für Websites, E-Mails, Bücher, Magazine… Quer-Format plus Tastatur im 16:9-Format ergibt einen praktisch unbenutzbaren Guckschlitz.

So oder so: Ich verfolge das weiter mit Interesse.

iPad mini im Vergleich zum iPad 1: Stärken und Schwächen

Wie wichtig dieser zusätzliche Platz auf dem Display ist, zeigt sich jedenfalls beim iPad mini. Aus meiner Sicht ist Apple damit an die Grenze dessen gegangen, was für ein iPad noch sinnvoll ist. Die Bedienung klappt bislang hervorragend, an manchen Stellen mit vielen kleinen Buttons hat man das Gefühl, genauer zielen zu müssen. Die Tastatur im Hochformat kann man nun recht gut mit zwei Daumen bedienen. Die kam beim iPad 1 bei mir nie zum Einsatz. Die Tastatur im Querformat ist noch benutzbar, wobei ich das iPad generell nur für Notizen verwende – zum Beispiel bei Meetings und Vorträgen oder wenn ich Ideen festhalten will. Lange Texte wie diesen schreibe ich auf dem Laptop.

Es zeigt sich aber aus meiner Sicht, dass die beiden iPad-Größen ihre Berechtigung haben. Das große iPad für all jene, die einfach mehr Platz wollen und das iPad auch aktiv zur Inhalteerstellung nutzen (Schreiben, Musik, Bildbearbeitung etc.), denn diese Leute gibt es tatsächlich, wenn Tablet-Skeptiker es nicht glauben wollen. Wer häufig Apps mit komplexen Benutzeroberflächen im Einsatz hat, wird das größere Format zu schätzen wissen. Das iPad mini ist hingegen sehr gut als supermobile Informations- und Entertainmentzentrale geeignet. Beide können an sich auch das jeweils andere – schließlich laufen auf beiden die gleichen Apps. Aber richtig gut sind sie in ihren Spezialgebieten.

Der Übergang vom iPad 1 zum iPad mini hat sich dabei auf technischer Seite so einfach gestaltet wie erhofft. Ich habe vom iPad 1 ein Backup erstellt und damit das iPad mini eingerichtet. Schon hatte ich die alte Umgebung im neuen Format. Natürlich hat es seine Zeit gedauert, die vielen GB hin- und herzuschieben, aber das lief nebenbei und hat funktioniert. Alle Apps und nahezu alle Einstellungen waren sofort wieder da. Passwörter musste ich generell neu eingeben, aber wie ich inzwischen erfahren habe (siehe in den Kommentaren unten): Wenn man sein Backup verschlüsselt, werden auch die Passwörter mit übertragen. Das Magazin “Wired” hingegen hatte beispielsweise komplett vergessen, wer ich bin und welche Ausgaben ich schon heruntergeladen hatte. Ob das an der App oder iOS liegt, kann ich nicht sagen.

Nachdem das iPad 1 sich doch schon arg träge anfühlte, erschließt sich mir mit dem iPad mini eine neue Welt. Endlich ist alles (wieder) so flüssig und flott, wie ich es erwarten würde. Die Apps öffnen sich spürbar schneller und reagieren auch entsprechend. Benchmarks sehen das iPad mini auf Augenhöhe mit dem iPad 2 und 3 und die waren enorme Fortschritte mit Blick auf die erste Generation. Im Gegensatz zum iPad 1 läuft auf dem mini auch das aktuelle iOS 6.

Die Sache mit dem Display…

Nun habe ich also ein iPad, das spürbar schneller funktioniert und dabei sehr viel kompakter und leichter ist. Für mich als iPad-1-Nutzer fühlt es sich an wie ein iPad aus der Zukunft. Wer bereits ein neueres iPad hat, wird das natürlich nicht ganz so stark empfinden.

Das gilt auch fürs viel diskutierte Display. Um es ganz klar zu sagen: Es ist ein gutes Display. Nicht mehr, nicht weniger. Es ist besser als das des iPad 1 und iPad 2, weil die Pixeldichte beispielsweise höher ist und insgesamt kommt es mir auch erheblich strahlender vor. Aber es ist bekanntlich kein Retina-Display. Nur empfinde ich persönlich den Unterschied als nicht so gravierend, wie ich ihn vielfach andernorts lese. Wann ein Retina-Display ins iPad mini kommt, ist schließlich auch noch vollkommen offen, wie ich in diesem Beitrag schon schrieb. Apple müsste einen stärkeren Prozessor mit erheblich besserer Grafikeinheit einbauen, der mehr Wärme erzeugt und vor allem sehr viel mehr Strom verbraucht. Man hat es am iPad 3 gesehen: Es wurde deshalb dicker und schwerer als das iPad 2. Der Fortschritt in Sachen Chip- und Akkutechnologie wird dem iPad mini sicher auch irgendwann ein hochaufgelöstes Display bescheren, aber ob das wirklich ein Grund ist, auf das ganze Gerät zu verzichten und stattdessen zu warten?

Erstes Zwischenfazit

Um meine ersten Eindrücke zusammenzufassen: Den Schritt vom iPad 1 zum iPad mini empfinde ich als enorm groß und für meine Anwendungsfälle eignet sich das kleine Tablet sehr gut. Einzig Schreiben wird nun unbequemer, allerdings habe ich das bislang nur wenig ausprobiert. Ein genaueres Urteil gibt es dazu nach einer längeren Testphase.

Ob es überhaupt ein iPad sein soll, steht dabei wie eingangs erklärt auf einem ganz anderen Blatt. Für mich persönlich und meine Bedürfnisse und Ansprüche sind die Android-Tablets noch nicht da, wo die Android-Smartphones im Vergleich zum iPhone sind. Während ich mein iPhone 4 durch ein Nexus 4 ersetzen möchte (wenn Google es mich bestellen lässt), bleibe ich beim Tablet für dieses Mal beim iPad.

 

Jan Tißler

Jan Tißler ist Redakteur bei netzwertig.com. Er ist fasziniert von Technik und ein leidenschaftlicher Internetintensivnutzer.

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5 Kommentare

  1. Wenn ich darf würde ich den Autor bitten hier mal stellung zu nehmen?

    http://plus.google.com/u/…90/posts/ALdFv82UqNo

    • Glaube, das wird niemand in harten Fakten und nackten Zahlen belegen können. Es sind die weichen Faktoren, die hier zählen. Wer schon ein iPad hatte und sich damit wohl fühlt, wird nicht wechseln, weil bei einem Android-Tablet die Pixeldichte höher ist. Ferner gibt es schon Lese-Apps, die speziell fürs iPad zugeschnitten sind. Ich kann Jati deswegen gut verstehen und würde seinen Beitrag als subjektiv verstehen: Hier wechselt ein iPad-Liebhaber auf ein neues iPad, weil er mehr Geschwindigkeit wollte, das Ökosystem sonst aber mochte. Wer seit zwei Jahren mit einem Android-Smartphone telefoniert, der wird das wahrscheinlich gänzlich anders sehen.

    • Es gibt auch Leute, die in beiden Welten wandeln und wenn Google mich ein Nexus 4 kaufen lässt, ist es bei mir demnächst ja auch so ;)

      Ansonsten kann ich nur sagen, was ich oben schon schrieb: Es kommt darauf an, was man mit seinem Tablet macht. Natürlich gibt es für Android auch inzwischen viele Apps, die ebenfalls auf Tablets funktionieren und wichtigsten Dinge mitbringen. Neue, innovative Tablet-Apps erscheinen aber noch immer zuerst und oftmals auch ausschließlich auf dem iPad. Und eine breitgezogene Smartphone-App reicht mir eben nicht und ich will auch sehen, was man mit diesen Geräten alles anstellen kann – schon aus beruflichen Gründen und weil ich zugleich Spaß dran habe.

      Schau dir beispielhaft an, was man mit Apples iMovie und GarageBand auf dem iPad machen kann. Und solche aufwändigen und teils auch überraschenden Apps gibt es nun einmal vielfach nur fürs iPad. Auch im Musikbereich gibt es da unheimlich viel. Da ist das iPad derzeit das Gerät der Stunde. Sorry, wenn ich das jetzt nicht alles aufliste.

      Für manche ist das ein Argument, für manche nicht. Aber das habe ich auch versucht, so im Artikel darzustellen.

  2. @”Passwörter musste ich generell neu eingeben, aber hier tippe ich eher auf ein Feature als einen Bug”

    Das mit dem Übertragen von einem auf ein anderes iPad funktionierte auch bei mir gut. Wenn das Backup verschlüsselt wird – Checkbox dafür anklicken – dann werden auch die Passwörter mit auf das neue Gerät übertragen.

Ein Pingback

  1. [...] womit Apple letztes Jahr die Rolle des Herausforders im Bereich der kleineren Tablets zufiel. Das iPad mini kommt im Markt allerdings sehr gut an – wie gut genau, lässt sich bislang allerdings schwer [...]

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