Internet-Fernseher:
Google TV 3.0 kommt mit verblüffender Sprachsteuerung

Wer bislang dachte, das Projekt “Google TV” sei gescheitert, muss sich eventuell noch einmal neu orientieren: Google setzt die Arbeit an seiner Vision für den Internet-Fernseher unvermindert fort und integriert für die neue Version das Beste aus Android und Websuche. Vor allem die Sprachsteuerung könnte den Durchbruch bringen.

Nach ersten Berichten funktioniert die Sprachsteuerung in Google TV 3.0 erstaunlich gut.

Nach ersten Berichten funktioniert die Sprachsteuerung in Google TV 3.0 erstaunlich gut.

Lange hielten sich in diesem Jahr Gerüchte über einen Fernseher von Apple. Und auch wenn es sehr wahrscheinlich ist, dass Apple entsprechende Prototypen im Labor hat, ist davon weit und breit nichts zu sehen. Ein zentrales Feature sollte dabei laut den sagenumwobenen “gut informierten Kreisen” die Sprachsteuerung Siri sein. Während aber Apples Fernseher vielleicht nie auf den Markt kommt, zeigt Google bei der neuesten Version von Google TV eine Sprachsteuerung, die offenbar besser als Siri funktioniert. Sie erkennt nicht nur das gesprochene Wort, sondern kann zudem verblüffend gut interpretieren, was der Nutzer damit gemeint hat. Und genau dieser Punkt ist einerseits essentiell für den Erfolg und andererseits schwierig umzusetzen.

Google TV
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So berichtet GigaOM, dass sie lediglich “GigaOM” sagen musste und der Fernseher rief ihre Website auf. Er erkannte also nicht nur das Wort, sondern auch, was er damit zu tun hat. Bei früheren Sprachsteuerungen gab es dafür explizite Befehle, die man als Nutzer kennen musste wie “Öffne die Website gigaom.com”. Der Ruf nach “CNN” wiederum führte bei dem Test zu einem Programmwechsel. “Pixar-Filme” rief den Programm Guide mit entsprechenden Suchtreffern auf. Und die Frage “Wie koche ich Marinara Sauce” brachte ein YouTube-Video mit passender Anleitung auf den Bildschirm.

Das folgende Werbevideo von Google zeigt das alles in Aktion, inklusive einer erstaunlich klobigen Fernbedienung:

Erfahrungen aus mehreren Produkten fließen ein

Damit das alles reibungslos und schnell funktioniert, braucht es viel Erfahrung mit Sprachsteuerung, dazu blitzschnelle Server und eine semantische Verknüpfung von Inhalten. Googles großer Vorteil ist, dass sie das alles bereits haben. Und in diesem Fall haben sie es offenbar geschafft, es für ein Produkt zusammen zu bringen.

So gibt es schon lange die Möglichkeit der sprachgesteuerten Websuche. Sie funktioniert inzwischen so rasend schnell, dass die erkannten Wörter noch während des Sprechens auf dem Bildschirm angezeigt werden. Die typische “Denkpause”, wie man sie auch von Siri kennt, ist verschwunden. Dort stellt man erst mit Verzögerung fest, wenn das System einen nicht korrekt verstanden hat.

Zudem kann sich die Sprachsuche Zweifelsfälle oder Mehrdeutigkeiten aus dem Zusammenhang erschließen. So eine semantische Suche zeigt sich bei Google anhand des Knowledge Graph, über den ich im Mai in unserem Schwesterblog netzwertig.com geschrieben hatte. Durch die Semantik sind Suchanfragen nicht mehr nur reine Daten, die mit anderen Daten abzugleichen sind. Die Daten haben vielmehr Verbindungen untereinander und (in gewissen Grenzen) eine Bedeutung.

Und die Zukunft verspricht noch mehr…

Wie gut Google inzwischen dabei geworden ist, Daten nicht nur zu sammeln und zu organisieren, sondern sie auch in Beziehung zueinander zu setzen, zeigt sich an Google Now. Damit haben Android-Nutzer einen digitalen Assistenten, der bisweilen so hilfreich sein soll, dass es dem Nutzer unheimlich wird. Er erinnert einen an Termine und sagt zugleich, auf welchem Weg man dort hin kommt und wann man losgehen muss, damit alles klappt. Er erkennt gebuchte Flüge anhand von E-Mails und sagt bescheid, wie deren aktueller Status ist. Und spielt die eigene Lieblingsmannschaft, hält Google Now den aktuellen Spielstand bereit. Google Now verknüpft das, wo man ist und was man tut oder vorhat, mit Informationen aus dem Netz.

Und genau solche Funktionalitäten stellt sich das Google-TV-Team für die nächste Version vor. Das Google TV würde dann nicht nur aufs Wort gehorchen, es würde schon von selbst darauf kommen, was einen gerade interessieren könnte.

Wichtig ist bei alldem, dass die Grenzen zwischen Live-TV, On-Demand-Video und Inhalten auf einer lokalen Festplatte so weit wie möglich verschwimmen. Denn der Nutzer will vor allem etwas Bestimmtes sehen, aber es interessiert ihn erst in zweiter Linie oder überhaupt nicht, was die Quelle dafür ist.

Wer sich mit alldem nicht anfreunden kann, wird übrigens ebenfalls bedacht: Auch die neue Version von Google TV lässt sich klassisch per Tasten fernbedienen. Schließlich ist selbst die Sprachsteuerung nicht immer der schnellste und einfachste Weg.

LG-Geräte sollen die neue Version als erstes bekommen. Mehr Informationen zu Google TV 3.0 gibt es hier im offiziellen Blogpost. Wie viel von all den neuen Features auch hierzulande funktionieren wird, ist leider noch nicht klar.

 

Jan Tißler

Jan Tißler ist Redakteur bei netzwertig.com. Er ist fasziniert von Technik und ein leidenschaftlicher Internetintensivnutzer.

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2 Kommentare

  1. Lässt sich dies mit Samsung (BspW. ES8090) vergleichen ?

2 Pingbacks

  1. [...] man nun den Kampf etwas enttäuscht aufgegeben und Google TV Ads, für mich der Hauptgrund hinter Googles TV-Bemühungen, [...]

  2. [...] Ein anderer, eher heimlicher Hit des Jahres waren Mini-PCs auf Android-Basis. Sie versprechen vor allem, Fernseher zum Smart TV zu machen – inklusive Internetzugriff. Sie sind dabei wie der A10 sehr preisgünstig. In einem ausführlichen Test haben wir dieses Jahr auch gezeigt, wie gut so etwas funktioniert: Günter Born hat den TVPeeCee-Stick ausprobiert. Und auch unsere Übersicht zu Android-Sticks ab 50 Euro kam bestens an. Ob Google wohl registriert, wie viele dieser Android-Lösungen es inzwischen gibt? Auf der anderen Seite arbeitet das Unternehmen ja fleißig weiter an Google TV. [...]

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