Praxisbericht:
Erste Schritte mit dem 3D-Drucker Ultimaker

3D-Drucker sind derzeit ein heißes Thema unter Bastlern. Gastautor Nils Hitze berichtet hier vom Aufbau und ersten Test seines “Ultimaker”.

Der fertig montierte und angeschlossene Ultimaker. (Bilder: Nils Hitze)

Der fertig montierte und angeschlossene Ultimaker. (Bilder: Nils Hitze)

Der Ultimaker ist mein erster eigener 3D-Drucker. Aufgebaut wurde über mehrere Tage, meistens abends. Von der Auslieferung bis zum ersten Druck sind vier Tage vergangen. Generell bin ich mit dem Set zufrieden, wobei es einige kleine Fehler gab und die Dokumentation noch ziemlich große Mängel aufwies. Glücklicherweise hatte ich vorzüglichen Support von zwei Ultimaker-Besitzern aus Deutschland und der Schweiz, da dies aber nicht üblich ist, besteht hier noch viel Verbesserungspotential.

Montage des Ultimaker und erste Druckergebnisse
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Den Ultimaker aufbauen

Die folgende Schätzung des Aufwandes ist übrigens mit Vorsicht zu genießen, denn ich habe mir extrem viel Zeit gelassen.

  • Am ersten Abend habe ich den Holzrahmen zusammen gesetzt, Zeitaufwand inkl. Nachschleifen ca. 2,5 Stunden.
  • Zweiter Tag, erneut abends gebaut. Rahmen und Montage der Motoren, sowie der ersten (vorderen) Achse. Alles in allem gefühlt wie eine Packung Lego oder ein Ikea Schrank. Keine besonderen Vorkommnisse – aber es lohnt sich wirklich jeden Schritt der Anleitung zwei Mal zu lesen und im Zweifelsfalle lieber noch mal zu gucken.
  • Über das Wochenende bin ich dann nur unterbrochen und eher sporadisch dazu gekommen, immer mehr Teile zu montieren, daher hier keine Zeitschätzung. Freitag Abend das Druckbett, Samstag den Extruder (v2) sowie den Material Feeder (v2) und Sonntag die vollständige Elektronik, sowie die ersten Testdrucke.

Mein Eindruck vom Aufbau im Ganzen: Ein geübter Bastler mit ein bisschen Menschenverstand schafft es in guten acht Stunden vom Set bis zum voll funktionsfähigen Ultimaker. Für den zweiten, so behaupte ich mal ganz frech, bräuchte ich jetzt nur noch fünf bis sechs Stunden.

Der Aufbau ist sehr geradlinig und dank guter Beschriftung am Gerät eigentlich recht verständlich.

Los geht es mit dem Drucken

So nun aber zum ersten Druck, den ich auf Anraten von Florian Horsch, so etwas wie die gute Seele der Ultimaker Community und ganz nebenbei auch noch ein echter Pfundskerl, mit der Software Cura gemacht habe, nicht wie in der Anleitung vorgeschlagen mit NetFabb oder ReplicatorG.

Der erste Druck war – auf Grund des Ausfalls der Website Thingiverse am Sonntag (28. Okt) – der mitgelieferte Ultimaker Robot in silbernem Ultimaker PLA. Und was soll ich sagen: Ich war hin und weg. Der Drucker wärmte auf, der Drucker lief los und … druckte. Das Ergebnis kann sich, soweit ich es beurteilen kann, für einen ersten Druck durchaus sehen lassen.

Stolz erfüllt schritt ich zu meinem zweiten Druck, einem 2×2 Duplo Stein. Dieser misslang gründlich, der Druck haftete nicht sauber auf dem Druckbett und wurde von der Düse gelöst.

Der zweite (erfolgreiche) Druck war wieder ein Robot, von ähnlicher Qualität wie der erste.

Es lohnt sich definitiv, kleinere Objekte mehrmals zu machen und dann immer wieder mit der Konfiguration von Cura (oder anderen Programmen) zu spielen. Jedes Material ist verschieden, jedes Objekt hat seine schwierigen Stellen. Aber das Ergebnis lohnt sich.

Negatives am Ultimaker

Am meisten geärgert hat mich die Dokumentation. Diese ist zwar sehr umfangreich, teilweise aber veraltet oder unzureichend. Wenn ich die Zeit habe, “not up to date” an ein Bild zu schreiben, wieso habe ich dann nicht die Zeit, ein neues zu machen?

Fazit

Gut und jetzt mein Fazit: Wer einen 3D-Drucker haben möchte, etwas Bastelwissen hat und Englisch versteht, kann beim Ultimaker eigentlich fast nichts falsch machen. Der Aufbau geht gut von der Hand und der erste fertige Druck macht einen einfach wahnsinnig kribbelig und stolz. Allerdings darf man nicht erwarten, gleich Endkunden-Qualität zu produzieren, gerade am Anfang kommt man um eine Menge Ausschuss nicht herum. Also lieber zwei Kilo oder mehr vom Druckmaterial PLA bestellen, damit man genug Stoff für Experimente hat.

In der ersten Woche mit dem eigenen 3D-Drucker habe ich das ganze Gefühlsspektrum abgegrast. Von “Warum geht das nicht?” über “Es geht, es geht!” bis zu “Moooooaaarrr, warum will das wieder nicht?” war jetzt alles dabei.

Eines ist aber völlig klar: 3D-Drucken macht extrem süchtig. Sagt nachher nicht, ich hätte euch nicht gewarnt!

Über den Gastautor

Nils Hitze ist Nerd aus Leidenschaft, Vater von fünf Kindern und in der deutschen BarCamp- und Techszene sehr aktiv. Unter 3dDinge.de baut Nils aktuell einen Dienstleister für 3D-Druck on Demand, Vertrieb und Service auf. Er organisiert in München außerdem die erste Maker Fair (April 2013, Details in Kürze), das BarCamp, das GameCamp sowie das CloudCamp und schreibt auf Google+ die meiste Zeit über 3D-Drucker. Dort finden sich weitere Fotos rund um den Ultimaker.

 

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16 Kommentare

  1. Oh, nice, und mittlerweile sogar für um die 1.000€ !?
    Geil, da geht noch was. Danke für das Teilen deiner Erfahrungen!

    EINE Frage die mich bei all’ der utopischen Technik nicht in Ruhe lässt: Das Zeug/Material was da reinkommt…ist doch der pure Plastik-Horror und was unökologischeres gibt es kaum. So zumindest meine Annahme. Ist das korrekt?

    …nicht, dass mich das unbedingt vom Kauf abhalten würde… finde halt keine Infos zu der Frage; einen haben will ich aber schon, in Bälde.

    Weißt du das was?

    Update: OH. DAS habe ich gefunden..
    OH. DAS habe ich gefunden..
    http://3druck.com/tags/oekologisch/ mmm, naja…. ;)

    • Das geht in Kürze sogar für unter 500 Euro, mit der Makibox von Makible.com

      ABS Plastik entspricht dem Material von Legosteinen und ist, meines Wissens nach nicht abbaubar, aber wenigstens recyclebar.

      PLA, das häufiger verwendete Plastik (riecht auch besser), kann in industriellen Kompostanlagen zersetzt werden:
      http://de.wikipedia.org/w…ogische_Abbaubarkeit

    • Uh! 500!? Das muss ich mal nach recherchieren…denke dann wird das was mit mir und den 3Ds…

    • Sogar nur $350 inklusive global shipping, aber das ist geplante Zukunftsmusik.
      Leider enthält die Website Makible.com kaum irgendwelche Daten über die Konstruktion.
      Etwas steht aber: Die Geschindigkeit ist mit 60 mm/s wesentlich kleiner als beim Ultimaker.

    • Aktuell $ 100 Shipping, wir mussten das anpassen, das fraß uns die Marge weg. Fotos und Daten zur Konstruktion + Videos findest du unter http://makibox.com

  2. Was ist denn jetzt der Vorteil eines solchen Druckers gegenüber einer CNC Fräse?
    Der Preis, klar… Aber mal davon ausgehend das man CNC Arbeiten beauftragen kann, und man beim Material viel mehr Möglichkeiten hat, ist das 3D drucken doch eher ne “Plastik”Spielerei für Freaks… so zumindest mein Eindruck.

    • Die Vorteile gegenüber einer CNC Fräse sollten eigentlich klar sein:
      - Zunächst der Preis
      - Der Materialverbrauch. Beim 3D Drucker braucht man nur so viel Matreial wie das fertige Ding hat. Bei der Fräse braucht man einen Rohling, der grösser ist. Üblicherweise entsteht wesentlich mehr Abfall als Nutzmaterial.
      - Flexibilität: Bei der CNC Fräse muss der Fräser überall Zugriff haben. Auch ein 3D Drucker ist nicht ohne Einschränkungen, hat aber weniger.
      - Bei kleinen Teilen: Die Geschwindigkeit. Ein 3D Drucker ist fertig bevor auf der CDC Frase der Rohling befestigt und der Fräser eingespannt ist. Bei komplizierten Gegenständen muss man den Rohling sogar noch wenden.
      - Lärm.

      Der 3D Drucker hat aber auch Nachteile:
      - Wahl des Materials sehr eingeschränkt.
      - Kleinere Genauigkeit
      - Die Teile sind nicht wärmebeständig. Ich würde z.B. keine Motorhalterung mit einem 3D Drucker fertigen.
      - Überhängende Teile lassen sich nur herstellen, wenn man eine entsprechende Support Struktur baut.

    • Hier im Review ganz nett dazu beschrieben:

      “Eigentlich ein ganz einfach Bauteil, was aber außerhalb der Möglichkeiten der CNC-Fertigung durchaus aufwendig herzustellen ist. Im einschlägigen Fachhandel lassen sich diese Motorträger natürlich einkaufen, sind aber dementsprächend teuer, da sie aus einer GfK-Platte gefräst sind. Der große Vorteil des 3D-Drucks gegenüber dem spanabtragenden Verfahrens (Fräsen) ist das Material, das ohne Verschnitt oder Abfall nur für das Objekt verwendet wird.”

      Quelle:
      http://printme3d.wordpress.com/2012/11/13/11/

    • Noch ein Kommentar zum Mototräger. Es handelt sich um den Motor eines Modellflugzeuges. Das Problem ist, dass diese Mororen im Betrieb recht warm werden können und PLA dann seine Festigkeit verliert.
      Gemäss Erfahrungen hat PLA keine Festigkeit mehr, auch wenn man es problemlos berühren kann. An einem Motor kann man sich die Finger verbrennen.
      Ich sehe ein paar Lösungen:
      - PLA Träger und Distanzringe aus Holz
      - Motorträger aus Holz
      - Wärmeisolation zwischen Motorträger und Motor
      - Gedruckter Teil als Modell um Motorträger mit anderer Technologie herzustellen (giessen, GFK u.s.w.)

  3. Ich möchte noch eine allgemeine Bemerkung machen:
    Der Ultimaker gehört zur Open Source Welt. In dieser ist es üblich, dass man sich gegenseitg hilft.
    Das entspricht übrigens auch der menschlichen Natur viel mehr als die Zähne und Klauen Ideologie des Kapitalismus.

  4. Ich überlege lange eine Ausbildung in diesem Bereich zu machen, weil mich dieses Thema so fasziniert. Einen eigenen 3D Drucker kann ich mir hobbymäßig wohl noch nicht leisten.
    Gruß

  5. Wie lange hat der Druck von der Figur auf Bild 11 beim Ultimaker gedauert?

  6. Hallo zusammen,

    ich arbeite für das Bayerische Fernsehen und suche jemanden, der mir einen 3d-Drucker vorführen kann, am besten im Raum Nürnberg. Vielleicht kann mir einer von Euch weiterhelfen?
    Vielen Dank schonmal,

    Moritz

  7. Wie viele wissen, gibt es ein Upgrade, genannt Ultimaker 2, jemand diesen einen gekauft, ist es das Geld wert?

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