Erdfunkstelle Raisting (3/3):
Museum unerwünscht?

Die “Antenne 1″, das Radom der Erdfunkstelle Raisting ist ein Industriedenkmal. Inzwischen ist sie saniert und auch technisch wieder funktionsfähig, aber momentan ein Denkmal unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Besichtigung der Antenne 1? Das war einmal. Ob es wieder einmal sein wird, steht in den Sternen (Bild: Wolf-Dieter Roth)

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Es war bereits offensichtlich, als ich diese Reportage machte und im Sommer 2011 dem Radom Raisting meinen Besuch abstattete: Es kriselt zwischen dem Sanierer des Radoms, dem Landkreis Weilheim, konkret René Jakob, und dem Förderverein, der das Radom erhalten wollte. Der Standpunkt von René Jakob ist nachvollziehbar, doch ebenso der Standpunkt des Fördervereins. Leider haben sich die Fronten seit 2011 noch verschärft.

Uneinig sind sich der heutige Besitzer des Radoms und der Förderverein über das optimale Ausmaß der Ausstellungen im Inneren: Die vom Förderverein jahrelang gesammelten zahlreichen Exponate über die Geschichte der Telekommunikationstechnik und Elektronik akzeptierte die Radom Raisting GmbH in ihrer ausführlicheren Form nicht, da diese für Funkamateure und Ingenieure durchaus interessant sind, doch den Normalbesucher eventuell überfordern würden, der nach dem mitten im bayrischen Voralpenland gelegenen Raisting beispielsweise im Rahmen einer Bustour kommen würde und dann wenig Zeit hat.

Erdfunkstelle Raisting
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Der Aufenthalt im Radom ist infolge der Zwangs-Druckbelüftung zudem anstrengend, die zu einem angehobener Lärmpegel sowie trockener Luft führt. Dies macht einen mehrstündigen Aufenthalt problematisch. Für die Themeninseln jeweils Glaspavillions mit eigener Belüftung einzurichten, wird vom Landkreis Weilheim als zu aufwendig und nicht über höhere Eintrittsgelder refinanzierbar angesehen. Der Landkreis plant vielmehr eine kompaktere Ausstellung über die Geschichte des Radoms und der Satellitentechnik sowie kleinere Wechselausstellungen und einzelne Veranstaltungen, die dann eine wenigstens teilweise Deckung der hohen Betriebskosten versprechen.

Eine weitere Einschränkung: Das Radom kann man nur durch eine Luftschleuse betreten, damit der Überdruck nicht zusammenbricht. Es gibt zwar eine Lkw-Schleuse, mit der größere Anlagenteile ins Gebäude gebracht oder aus diesem entfernt werden können, doch können größere Besuchermengen beispielsweise bei Feuer die Anlage nicht ausreichend schnell verlassen, was beispielsweise eine Nutzung als Discothek ausschließen würde.

Zu Bundespost-Zeiten wurden die Besucher deshalb nur in einen Vorführraum außerhalb des Radoms geleitet, in dem ein Film gezeigt wurde, nach dessen Ende durch Fenster ein kurzer Blick ins Innere möglich war – eine Führung durch das eigentliche Radom war nur wenigen ausgewählten Besuchern vorbehalten. Die Motive in der Bilderstrecke sind gar aus dem Betriebsraum etliche Meter über Grund entstanden, in den normale Besucher nie geführt werden dürften. Die zur Antenne hinaufführende Treppe ist nur für schwindelfreie Personen geeignet und der Aufzug ist in dieser Form – in einem sich drehenden Gebilde – heute gar nicht mehr genehmigungsfähig und daher schon lange außer Betrieb.

Der Förderverein möchte hingegen seine über die Jahre gesammelten und inzwischen auch teils in Denkmalschutzlisten aufgenommenen Technik-Exponate zumindest teilweise in den “heiligen Hallen” des Radoms aufstellen dürfen, damit die Besucher mehr sehen als eine große, leere Betonhalle und einen Bezug zur Satelliten- und Telekommunikationstechnik jener Tage bekommen. Kurze Zeit gab es diese Austellung ja vor bald zehn Jahren bereits, so wie sie in Teil 1 zu sehen ist. Schließlich war dies die eigentliche Intention dabei, das Radom zu erhalten: Es soll mit Leben gefüllt sein. René Jakob sagt dagegen “ein Förderverein ist kein Forderverein” und “wer die Musik zahlt, bestimmt auch, was gespielt wird” und sieht zu große Sicherheitsrisiken in einer Ausstellung diesen Ausmaßes im Radom.

Der frühere Vorsitzende des Fördervereins, Ronald Sinda, hat bereits im Frühjahr 2011 kapituliert, im Herbst 2012 hat der Förderverein nun komplett die Zusammenarbeit mit der Radom Raisting GmbH um René Jakob aufgegeben. Damit ist “der große Champignon” in der grünen Wiese bis auf Weiteres nur noch als Wochenendausflug von außen zu bewundern. Führungen im Inneren dürfte es dagegen auf absehbare Zeit nicht mehr geben.

Doch die Antenne Raisting 1 soll nicht nur Denkmal und Museum sein, sie ist nach diversen Wartungsarbeiten wieder funktionsfähig. Die Studenten der Technischen Universität München wollen sie im Bereich von 2,6 GHz für ESMO verwenden – European Student Moon Orbiter. Dies ist ein von Studenten europaweit betriebener Mondsatellit, der 2014 in Betrieb gehen soll. Ebenso will das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) die Antenne zur Vermessung der russischen GLONASS-Satelliten verwenden. Auch Sondernutzungen für Amateurfunkzwecke (Satellitenbetrieb und EME – Erde-Mond-Erde-Funkbetrieb – der Mond als großer Funkwellenreflektor) sind denkbar.

 

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2 Kommentare

  1. Am 29.10.2013 habe ich an einer Führung im Radom teilgenommen, nach Auskunft des Personals wohl eine der letzten überhaupt. Jammerschade, dass diese sehenswerte Anlage nicht besser vermarktet wird!

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