NexPhone:
Smartphone-Tablet-Laptop mit Android und Ubuntu sucht Zielgruppe

Das nennt man dann wohl “Thinking Big”: Ein bislang unbekanntes Unternehmen namens Nex will nicht weniger als die Zukunft des Computings entwickeln. Kern der Idee: Ein Smartphone, das über sich selbst hinauswächst und als “Gehirn” für passende Tablets, Laptops und PCs fungiert – angetrieben von Android und Ubuntu. Die Macher suchen nach Geldgebern auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo.

Das NexPhone soll mit dem entsprechenden Dock zum PC, Tablet oder auch Laptop werden.

Das NexPhone soll mit dem entsprechenden Dock zum PC, Tablet oder auch Laptop werden.

Das Werbevideo zum Indiegogo-Projekt NexPhone (siehe unten) kann durchaus überzeugen: Warum haben wir heute mehrere Geräte, die wir über die Cloud synchronisieren müssen, wenn es doch auch viel flexibler ginge? Die Rechenpower in einem modernen Smartphone hätte noch vor wenigen Jahren jeden PC-Nutzer staunen lassen. Könnte man die nicht nutzen, um auch andere Geräte wie Tablets, Laptops und Desktops anzutreiben? Zudem hätte man dann seine wesentlichen Daten und Einstellungen stets bei sich und man könnte einen Datentarif für alle Gelegenheiten nutzen. Würde die Vision von Nex großflächig Wirklichkeit, bräuchte man nur sein NexPhone und könnte dann im Fall der Fälle auch passende andere Geräte damit benutzen. Das “Gehirn in der Hosentasche” nennt das Nex.

Wirklich neu ist die Idee allerdings nicht und die Herausforderungen sind nicht zu unterschätzen. Zudem stellen sich nach längerem Überlegen auch einige praktische Fragen.

NexPhone
nexphone-22nexphone-21nexphone-20nexphone-19
nexphone-18nexphone-17nexphone-16nexphone-15
nexphone-14nexphone-13nexphone-12nexphone-11
nexphone-10nexphone-09nexphone-08nexphone-07
nexphone-06nexphone-05nexphone-04nexphone-03
nexphone-02nexphone-01

Die Macher stellen sich das so vor: Das NexPhone funktioniert im Smartphone- und Tablet-Modus mit Android und sobald Monitor und Tastatur zur Verfügung stellen, wechselt es auf Ubuntu for Android. Insofern ist das weder Hexenwerk noch Raketentechnologie: Alle diese Bausteine könnten auch andere Hersteller nutzen, sofern sie dafür einen Markt sehen. Asus versucht sich mit dem PadFone zumindest an der Smartphone-Tablet-Kombination. Wir haben darüber berichtet: Im Juni 2011 wurde es vorgestellt, im März 2012 dann die finale Version gezeigt.

Wie praktikabel ist das Konzept wirklich?

Die große praktische Frage ist, ob sich die unterschiedlichen Anforderungen der diversen Gerätekategorien wirklich so simpel vereinen lassen, wie es der Werbefilm suggeriert. Was ist beispielsweise mit dem Speicherplatz? Smartphones haben heute 16, 32, vielleicht 64 GB Platz. Das ist lächerlich wenig, wenn das Gerät zugleich einen PC ersetzen soll. Und das Versprechen von Nex ist schließlich, dass wir nichts mehr synchronisieren müssen. Also müssen alle Daten, die ich heute auf einem Laptop oder Desktop habe, auf dem NexPhone Platz finden – ansonsten brauche ich doch wieder die Cloud oder externe Laufwerke. Und auch die Performance darf man in Frage stellen. Natürlich ist es an sich beeindruckend, wie viel Rechenkraft man heutzutage in einem Smartphone haben kann – eine dedizierte Grafikkarte gehört aber nicht dazu. Und was ist eigentlich, wenn ich das NexPhone gerade als PC nutze und einen Anruf bekomme?

Zudem ist es so, dass die schöne neue Nex-Welt nur funktioniert, wenn man alle weiteren Geräte ebenfalls dazu passend hat. Ich brauche ein spezielles Tablet, ein spezielles Laptop, einen speziellen Monitor. Wer wird sich das alles anschaffen wollen und wer wird sich dabei auf kompatible Geräte beschränken wollen? NexPhone plus Dock sollen 499 US-Dollar kosten, das Tablet 149 US-Dollar und das Laptop 199 US-Dollar. Alle diese Preise verstehen sich als Schätzungen.

Und gibt es hier überhaupt ein Problem zu lösen?

Nicht zuletzt stellt sich die Frage, ob es hier überhaupt ein Problem gibt, das gelöst werden muss. Die Macher von Nex stellen beispielsweise die Cloud als etwas dar, das man erst lernen muss und das irgendwie kompliziert sei. Ich persönlich kann das aus meinen Erfahrungen mit Cloud-Diensten wie Dropbox, Evernote oder Apples iCloud nicht bestätigen. Einmal eingerichtet verrichten sie “automagisch” im Hintergrund ihren Dienst.

Insofern ist viel Skepsis angebracht bei Nex, zumal der Werbefilm zwar gut ausschaut, aber nichts anderes als hübsch gestaltete Mockups präsentieren kann. Beim Indiegogo-Projekt geht es entsprechend auch nicht darum, die imaginären Geräte bereits zu verkaufen. Die Macher wollen Geld von Interessenten einsammeln, um weitermachen zu können. Aber hier stellt sich schon die Frage, warum sie dazu auf Crowdfunding setzen, denn mit einem schlagkräftigen Team und realistischen Plänen wären sie bei einem klassischen Investor sicher besser aufgehoben.

Links zum NexPhone:

Oder welche Meinungen gibt es dazu bei euch? Was haltet ihr grundsätzlich von der Idee? Und wie empfindet ihr die Umsetzung von Nex?

 

Jan Tißler

Jan Tißler ist Redakteur bei netzwertig.com. Er ist fasziniert von Technik und ein leidenschaftlicher Internetintensivnutzer.

Mehr lesen

Wishbone im Test: Das heiß erwartete Thermometer, das sich als Technik-Schrott erwies

5.8.2015, 7 KommentareWishbone im Test:
Das heiß erwartete Thermometer, das sich als Technik-Schrott erwies

Wishbone startete als Crowdfunding-Projekt mit einem Höhenflug, legte aber in meinem Test eine astreine Crash-Landung hin. Mein Ergebnis ist eindeutig: Dieses Gadget ist ein Flop. Warum? Das verrate ich hier.

Marshall London: Smartphone mit Marshall-DNA

20.7.2015, 1 KommentareMarshall London:
Smartphone mit Marshall-DNA

Marshall Headphones produziert nicht nur Kopfhörer und Lautsprecher im typischen Look der legendären Marshall-Verstärker. Jetzt bringt das Unternehmen auch noch ein eigenes Smartphone auf den Markt. Das Marshall London

IK Multimedia iRig Mic Studio ausprobiert: Das professionellste Mikrofon der Serie

29.6.2015, 0 KommentareIK Multimedia iRig Mic Studio ausprobiert:
Das professionellste Mikrofon der Serie

IK Multimedia hat ein neues Mikrofon im Programm, dass an Smartphones, Tablets und Rechner angeschlossen werden kann. Das iRig Mic Studio ist ein Kondensatormikrofon mit einer 1 Zoll (2,54 cm) großen Kapsel und einem integrierten 24-bit Konverter mit einer Sampling Rate von 44.1/48 Khz. Wir haben es ausprobiert

11.8.2015, 0 KommentareSparrowdock:
Das Dock für Apples MacBook mit nur einem USB-C-Anschluss

Nach Meinung vieler Nutzer hat Apple seinen Minimalismus beim MacBook mit 12" Retina-Display etwas zu weit getrieben. Es verfügt nur über einen einzigen USB-C-Anschluss, über den es auch mit Strom versorgt wird. Will man Zubehör wie Monitor, Tastatur, externe Festplatten oder auch nur mehr als einen USB-Stick anschließen, braucht man ein Hub. Oder das Sparrowdock, das gerade auf Indiegogo um Unterstützer wirbt.

Branto: Kleine Kugel dient als Alarmanlage, Smart-Home-Steuerung und Kamera für Video-Telefonate

31.7.2015, 0 KommentareBranto:
Kleine Kugel dient als Alarmanlage, Smart-Home-Steuerung und Kamera für Video-Telefonate

Eine kleine Kugel möchte den Alltag in den eigenen vier Wänden verbessern. Branto ist eine Alarmanlage, eine Bereicherung fürs Smart Home, eine Fernbedienung, eine Kamera und noch vieles mehr.

Kingii: Der Lebensretter für Wasserratten

16.7.2015, 2 KommentareKingii:
Der Lebensretter für Wasserratten

Auf Indiegogo ist Kingii bereits ein Hit. Verständlich, immerhin könnte dieses Armband in Zukunft Menschen vorm Ertrinken retten.

Ubuntu Orange Box: Einmal Cloud zum Mitnehmen, bitte!

21.5.2014, 1 KommentareUbuntu Orange Box:
Einmal Cloud zum Mitnehmen, bitte!

Ubuntu-Anbieter Canonical hat die Cloud zum Mitnehmen erfunden: ein oranger Kasten, der an ein Server-Rack erinnert, alles mitbringt um Daten sicher abzulegen und natürlich mit der neuesten Version der Linux-Distribution Ubuntu bestückt ist. Kostenpunkt: Knapp 10.000 Euro.

Ubuntu Edge: Nicht finanziert, aber trotzdem hat Canonical gewonnen

23.8.2013, 3 KommentareUbuntu Edge:
Nicht finanziert, aber trotzdem hat Canonical gewonnen

Canonical hat das Ziel zur Finanzierung des Ubuntu Edge verfehlt. Das ist aber gar nicht so schlimm, denn Canonical hatte vermutlich ein ganz anderes Ziel: Aufmerksamkeit.

Mobile Betriebssysteme: Die Geheimfavoriten, die Etablierten und die Außenseiter

14.8.2013, 11 KommentareMobile Betriebssysteme:
Die Geheimfavoriten, die Etablierten und die Außenseiter

Android ist mittlerweile auf fast 80 Prozent aller neu verkauften Smartphones installiert, das iPhone mit iOS bleibt aber das meist gewählte Modell und dann ist da auch noch Nokia mit Windows Phone. Welche mobilen Betriebssysteme gibt es noch? Und wie sehr ist mit ihnen zu rechnen? Ein Überblick.

5 Kommentare

  1. Klingt auf den ersten Blick eher nach “hey kuckt mal wie gut wir rendern können”… Ernstaft: Wer will sein Handy ans Notebook docken, damit letzteres läuft? Mit Ubuntu läuft wohlgemerkt, einem Nischensystem sonder Gleichen (der Hype ist da, der praktische Nutzen fehlt…)

  2. So ähnlich sehe ich das auch und warte (seit Jahren) auf die ersten ,,On-Demand-Streaming-Solution`s” welche interne Prozessoren und Massenspeicher überflüssig werden lassen.
    De Facto Handy`s / Laptop`s / Desktop`s welche lediglich über Pufferspeicher und eine Netzanbindungen verfügen.

    Wofür statt Internetflat`s, Ressourcenflat`s gebucht werden.
    Jedes Endgerät soviel Prozessor und Speicherpower wie benötigt.
    Zudem muss lediglich ein Screen, gegebenenfalls die Tastatur und das Modem mit Energie versorgt werden.
    Da reicht die Energie locker für bis zu einer Woche.
    DAS wäre mal interessant und würde Apple revolutionieren nicht Siri oder irgendwelche Module :-((

  3. Ich finde das Konzept eigentlich gar nicht so schlecht. Also ich würde einen Kauf in Betracht ziehen.

  4. warum net..99,9% der user machen doch eh nix.
    auuser bissi herumspielen.

    und ich würde alles auslagern
    -kostenpflichiges os
    -kostenpflichtig jedes programm
    -kostenpflichtig jede app
    -kostenpflichtig deine daten in der cloud 4.0

    ich finds cool ich werde reich und ihr werdet
    leergesaugt
    slaves

  5. Apple wird es irgendwann auf den Markt bringen. Die Anderen werden folgen. Apple hat es dann erfunden, bzw. erfolgreich vermarktet.

Kommentar schreiben

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen.

* Pflichtfelder