Changers Kalhuohfummi im Test:
Das Smartphone mit der Sonne laden

Mit dem Starter Kit der Firma Blacksquared soll man die Sonne zum Laden von Smartphones nutzen können. Ich habe mir das Solarmodul und den Akkupack mit den interessanten Namen „Kalhuohfummi” und „Maroshi” einmal angesehen. Lohnt sich ein Kauf?

Changers - Das Starter Kit umfasst Akku und Solarmodul (Bild: kaz)

Changers - Das Starter Kit umfasst Akku und Solarmodul (Bild: kaz)

Das Berliner Startup Blacksquared will die Welt verbessern. Weniger CO2-Emissionen, mehr ökologisches Handeln. Wie wir alle aus eigener Erfahrung wissen, wirkt ein positiver Anreiz mehr als der erhobene Zeigefinger. Und so animiert Blacksquared zur CO2-Einsparung mit seiner „Changers Community” durch Vergünstigungen. Wie das im Einzelnen gelingt, werdet ihr nun erfahren.

Changers Kalhuohfummi im Test
Changers - (Bild: kaz)Changers - (Bild: kaz)Changers - Die untere Leiste zeigt den Ladezustand mit vier LEDs an (Bild: kaz)Changers - Links der Eingang für das Solarmodul, den Datentransfer und der Stromausgang (Bild: kaz)
Changers - Das Starter Kit umfasst Akku und Solarmodul (Bild: kaz)Changers

Die Südsee als Inspiration

Changers - Das Starter Kit umfasst Akku und Solarmodul (Bild: kaz)

Changers - Das Starter Kit umfasst Akku und Solarmodul (Bild: kaz)

Das Starter Kit liefert mir der Paketdienst. Ein großer Aufkleber liest sich „GoGreen – CO2 neutrale Lieferung”. Dieses umsichtige Handeln zieht sich wie ein roter Faden hindurch: Die Verpackung besteht vollständig aus recycletem Papier, Plastiktüten sind hingegen nur bei den vielen Kabeladaptern zu finden. Das Starter Kit enthält „Kalhuohfummi”, den aufladbaren Akku, und „Maroshi”, das Solarmodul. Der Akku fasst 4.400 mAh und liefert 1.200 mAh Ladestrom am USB-Ausgang. Über einen runden Stecker erhält das Akkupack die Sonnenenergie aus dem Solarmodul, den Ladestand zeigt es über vier LEDs an. Mit einer Größe von 370 x 191 x 20 mm garantiert es eine gute Ausbeute. Die Namen sind übrigens von einer historischen Begebenheit inspiriert, bei der ein Schiff „Kalhuohfummi” hieß, das an der Insel „Maroshi” frisches Wasser aufnahm. Und so versorgt das Solarmodul den Akku mit immer frischem Strom.

„Mehr Licht”

Changers - (Bild: kaz)

Changers - (Bild: kaz)

Nicht nur Goethes angeblich letzte Worte, auch die meiner Wenigkeit lauten: „mehr (Sonnen-)Licht!” So schön regenerative Energieumwandlung auch ist, ohne Sonne läuft sie nicht ab. Am ersten Tag regnete es in Strömen und ich konnte nur eine der vier LEDs zum Aufleuchten bewegen. Der nächste Tag war trüb und grau, was zu einer Ausbeute von ca. 50 Prozent Ladespannung führte. Aller guten Dinge sind drei: Nach nur zwei Stunden Sonnenbad beruhigte sich die Lade-LED und zeigte volle Akkuladung an. Scheint die Sonne, erreicht man nach durchschnittlich vier bis fünf Stunden direkter Sonneneinstrahlung einen vollgeladenen Akku. Das ist recht gut, verglichen mit all den billigen Solargeräten, die Versprechungen machen und am Ende nicht halten. Andererseits macht es erst bewusst, wie wichtig das Wetter ist und wo die Sonne tagsüber hinscheint. Laut Blacksquared soll sich das Kalhuohfummi auch ohne Sonne laden lassen, dafür bedarf es aber eines speziellen Ladegeräts mit Rundstecker.

Akkuleistung

Changers - (Bild: kaz)

Changers - (Bild: kaz)

Rein nominal müssten 4.400 mAh ausreichen, um ein durchschnittliches Smartphone mindestens zwei Mal voll aufzuladen. Doch war es mir im tatsächlichen Betrieb nicht möglich, es mehr als anderthalb Mal zu laden. Um den Tag zu überstehen reicht dies völlig aus, mit Blick auf die technischen Daten ist das jedoch eher ernüchternd. Sogar erschreckend ist die Angabe der Software zum Status meines Akkus: „Deep discharge counter: 4”. Das bedeutet, dass ich bereits vier mal meinen Akku zu tief entladen habe. Lithium-Ionen-Akkus sollten aber genau das nicht, da dies die Lebensdauer der Zellen drastisch verringert, ein entsprechender Entladebegrenzer täte hier Not, eventuell legt Changers aber auch nur die Grenze höher an. Beim Ladevorgang zeigt sich Kalhuohfummi überraschend informativ: Die LEDs zeigen nicht nur den Ladestand an, durch eine erhöhte Blinkfrequenz visualisieren sie auch einen größeren Ladestrom. So wird sofort klar, ob man das Solarmodul optimal angebracht hat.

„Ich liefere Daten, also spare ich”

Changers - Links der Eingang für das Solarmodul, den Datentransfer und der Stromausgang (Bild: kaz)

Changers - Links der Eingang für das Solarmodul, den Datentransfer und der Stromausgang (Bild: kaz)

Der Spaß am Changers-Kit ist, dass die CO2-Ersparnis sofort sichtbar und messbar wird. In der Changers Community eingeloggt, vergleiche ich meine Daten mit denen der anderen. Zur Zeit bin ich auf Platz 114, habe bereits 84 Gramm CO2 ein- und mir 167 Credits angespart. Das spornt mich an. Ich suche nach Wegen höhere Energiewerte zu erreichen, suche den besten Ort im Haus, überlege den Sonnenverlauf motorgesteuert zu verfolgen, um eine bessere Platzierung zu erreichen. Es ist ein Wettstreit. Und so merke ich gar nicht, dass ich eigentlich die Umwelt schone, indem ich Strom von der Sonne beziehe.

Changers legt für die Umrechnung von Strom und CO2 die Werte der International Energy Agency zugrunde, demzufolge erzeugt man bei der Produktion einer Wattstunde elektrischer Energie 0,5 g CO2. Gleichzeitig sammle ich pro Wattstunde „Changers Credits”. Es soll eine Währung darstellen, die im Laufe des August 2012 gegen Dienstleistungen und Rabatte getauscht werden kann. Zugelassen für diesen Marktplatz werden nur Firmen, die sich für Umweltschutz und Klimawandel einsetzen. Carsharing, Bio-Produkte und ähnliches wären geeignete Partner.

Kritik und Fazit

Heutzutage ist es schwer zu erkennen, ob ein echtes Interesse an einem Wechsel besteht oder ob nur Geld den Antrieb darstellt. Im Gespräch mit Markus Schulz, Geschäftsführer und Gründer von Blacksuquared, hatte ich das Gefühl, dass er wirklich an die Sache glaubt und etwas bewegen will. Er gibt zu, nicht zu wissen, ob die Produktion von Maroshi und Kalhuohfummi durch die Energiegewinnung der Geräte wieder ausgeglichen oder überflügelt wird. Doch er hat sich das Ziel gesetzt, seine Produkte CO2-neutral zu produzieren. Manch einer mag diese Aktion als Tropfen auf den heißen Stein ansehen. Andere wiederum als Beginn einer großen Sache. Etwas befremdlich wirkt es schon, dass man zum Laden des Akkupacks ein spezielles Gerät benötigt. Mehr Energie um etwas Unnützes zu produzieren – warum nicht den Datenport zum Aufladen nutzen? Dann könnte auch ein Smartphone-Ladegerät mit microUSB eingesetzt werden.

Nüchtern betrachtet spiegelt sich der Preis von 120 Euro für Solarmodul und Akkupack in der effizienten Energiegewinnung wieder und ist deshalb gut angelegt. Wem es nur um ein mobiles Akkupack geht, der erhält für die Hälfte des Preises potentere und handlichere Möglichkeiten. Das Changers Starter Kit hingegen ist mehr als nur ein Akku und nur ein Solarmodul. Es ist ein Versuch die Natur zu schonen und gleichzeitig einen spürbaren Nutzen zu bringen.

Alle Produkte findet ihr hier im Changers-Shop.

 

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4 Kommentare

  1. Es gibt viele Beispiele wo man versucht Produkte Umweltfreundlicher zu produzieren, resultieren durch höhere Preise und teils auch Qualitätsverlust. Ich denke wir als Konsumenten achten mehr auf ein Preis/Leistungsverhältnis als auf eine Umweltfreundliche Produktion.

  2. Bei Stromkosten von 0,50 bis 1 Euro pro Jahr für das Laden eines Iphones (als Beispiel) und 120 Euro für dieses Set, macht dies finanziell natürlich keinen Sinn: Es würde sich erst nach 240 bis 120 Jahren amortisieren.

    Auch ökologisch macht es in meinen Augen keinen Sinn, da man ja ohne größere Probleme auf Ökostrom aus Solar-, Wind- und Wasserenergie wechseln kann und auf diese Weise CO2 spart.
    Negativ fällt für dieses Set dann noch die Produktion und alles weitere an bis es beim Kunden landet: Ob die Verbrauchte Energie und die Rohstoffe des Produkts durch dessen Energiegewinn wieder reingeholt werden erscheint mir höchst fraglich!

  3. Ich finde es ein guter Schritt in die richtige Richtung und ich bin gerne gewillt 150,- in die Sache zu investieren. Vor allem, da mein neues Tablet mehr Strom frisst, als ich gedacht hätte. Mit dieser Möglichkeit bräuchte ich zumindest kein schlechtes Gewissen mehr zu haben.

    Was mich aber brennend interessiert, da ich nirgends Info dazu lesen kann, ist: kann ich das Panel mit angeschlossenem Akku über 10 Stunden in der prallen Sonne lassen?

    Meine Wohnung hat ein paar schöne Fensterflächen auf der Südseite. Für mich wäre es praktisch, wenn ich den Akku tagsüber laden lasse, während ich auf der Arbeit bin. Da ich vollzeit beschäftigt bin, kann es im Sommer durchaus öfter passieren, dass das Panel dann über 10 Stunden in der Sonne hängt.

    Vielleicht kann Kai das ja beantworten? Würde mich freuen.

    LG

    • Hallo Heike,

      falls du dir das Starter-Kit noch nicht zugelegt hast, dann kann ich dir bei deiner Frage helfen :)

      Du kannst das Panel mit angeschlossenem Akku über 10 Stunden in der Sonne lassen! Mein Panel liegt draußen auf dem Dach in der Sonne. Das Verbindungskabel zum Akku ist 2 Meter lang und so liegt mein Akku in der Wohnung an einem schattigen Platz (wichtig, damit dem Akku nix passiert).

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