Private Raumfahrt:
Deutsche und Österreicher wollen via Kickstarter zum Mond

Während Raumfahrt-Interessierte gebannt darauf warten, ob Montag früh die waghalsige Landung des bislang größten Mars-Rovers gelingt, werkeln weltweit Teams an einem anderen Projekt: der Rückkehr zum Mond, angespornt von Google. Das deutsch-österreichische Team “Part Time Scientists” nutzt nun Kickstarter, um einen Meilenstein des Projekts zu bewältigen.

Prototyp des Mond-Rovers bei einem Test.

Prototyp des Mond-Rovers bei einem Test.

Nicht jeder bedeutende Fortschritt in der Raumfahrt ist so spektakulär wie der erste Mensch auf dem Mond. Aber im Nachhinein betrachtet werden Historiker unsere heutige Zeit als die Geburtsstunde der privat finanzierten Raumfahrt ansehen. Vor wenigen Wochen dockte beispielsweise die erste privat finanzierte Kapsel erfolgreich an der Raumstation ISS an. Bei diesem Ereignis saßen zwar nicht Milliarden Menschen gebannt vor ihren Fernsehern, aber trotzdem war es ein wichtiger Schritt in eine Zukunft, in der Raumfahrt nicht mehr nur vom Wohl und Wehe finanzierender Staaten abhängt, sondern zu einem Wirtschaftszweig wird. Menschen und Güter in den Erdorbit zu bringen, ist dabei eine Aufgabe. Eine andere ist die Rückkehr zum Mond.

Remote Rover Experiment
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Google hat 2007 den “Lunar X-Prize” ausgelobt. Insgesamt 30 Millionen US-Dollar und ein Eintrag in die Geschichtsbücher winken. Die Aufgabe: Bis 31. Dezember 2015 einen Rover erfolgreich landen, ihn mindestens 500 Meter weit fahren lassen und Bilder, Videos und Daten zur Erde zurücksenden. Wer das als erstes schafft, bekommt 20 Millionen US-Dollar. Wer das als Zweiter schafft, bekommt immerhin noch 5 Millionen US-Dollar. Und darüber hinaus gibt es Sonderpreise für Spezialaufgaben – beispielsweise 4 Millionen US-Dollar für Fotos von den Apollo-Landeplätzen.

30 Teams beteiligen sich weltweit an dem Wettbewerb, darunter die “Part Time Scientists“, deren rund 100 Mitglieder in der Hauptsache aus Deutschland und Österreich kommen, aber auch in vielen anderen Teilen der Welt leben. Sie versuchen nun einen wichtigen Zwischenschritt via Kickstarter zu finanzieren: das Remote Rover Experiment. Hier wird es im Video erklärt:

Die “Teilzeit-Wissenschaftler” brauchen ein Testgelände, um mit Prototypen des Mond-Rovers auszuprobieren, wie gut ihre theoretischen Überlegungen in der Praxis funktionieren. Schließlich stellen sich ihnen einige erhebliche Herausforderungen. Ein Punkt ist die Effektivität des Antriebs, denn Energie ist trotz Solarpanelen auf dem Rücken des Rovers kostbar. Ein anderes Problem ist die schnelle Alterung der Materialien in der widrigen Umgebung des Mondes. Und nicht zuletzt muss die Kommunikation zwischen Rover und Basisstation auch unter schwierigen Bedingungen funktionieren. Hier ist ein Faktor die Zeitverzögerung durch die Entfernung zwischen Mond und Erde: Alles, was man auf der Erde vom Rover empfängt, ist etwa 1,3 Sekunden alt. Gibt man ihm einen Befehl, ist auch der wieder 1,3 Sekunden unterwegs. Auch das soll im “Remote Rover Experiment” simuliert werden, das nun via Kickstarter Unterstützer sucht.

Über die Crowdfunding-Plattform kann man sich mit verschiedenen Summen daran beteiligen und bekommt diverse Belohnungen dafür. Ab 12 US-Dollar immer enthalten ist ein Gutschein, um einen der Rover-Prototypen auf dem Testgelände via Internet fernzusteuern. Je nachdem, wie viel Geld man beisteuert, bekommt man entweder Fan-Utensilien wie Aufkleber, Kugelschreiber und T-Shirts oder auch ein Rover-Rad oder ein fahrbares Rover-Modell für den Hausgebrauch.

Und sollten die deutsch-österreischen “Part Time Scientists” am Ende das Gewinnerteam sein, hat man ganz nebenbei auch ein bisschen Geschichte geschrieben…

 

Jan Tißler

Jan Tißler ist Leitender Redakteur von neuerdings.com und Autor auf netzwertig.com. Er ist fasziniert von Technik und ein leidenschaftlicher Internetintensivnutzer.

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2 Kommentare

  1. HELL YEAH, ITS ROCKET SCIENCE ?!?!

    Es handelt sich um eine DEUTSCH – ÖSTERREICHISCHE (!!!!) Unternehmung.
    Weswegen dieser gespielte “Ami-Stil”?
    Und gemeint ist weder Sprache noch die genutzte Sponsorenplattform.

    Die usa ist mental wie finanziell völlig am Ende und bewirkt seit rund einem Jahrzehnt nichts mehr.
    Weswegen mir diese, absolut überzogene, Ideologische-Haltung völlig schleierhaft ist.

    Es handelt sich sicher um ein smartes Team, welche es unter Garantie nicht nötig hat sich unter einer fremdem Flagge zu präsentieren.

    LG
    Flo

  2. Mit solchen eigennützigen Spielereien werden die vielen privaten Sponsoren, die eigentlich eine Investition für etwas tätigen und etwas zurück bekommen wollen sicher bald müde auf Kickstarter-Aufrufe zu reagieren. Schade um die Idee, sie wird sich abnutzen.

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