Easypix EasyPet im Test:
Tierkamera mit vielen Defiziten

Wir sehen, was unser vierbeinigen Fellfreunde tagtäglich für Unsinn anstellen. Aber wäre es nicht auch mal spannend, ihren Alltag in Form von Videos und Fotos aus ihrer Perspektive zu erleben? Eine Gadget-Lösung hat Easypix mit der EasyPet-Kamera parat. Dumm nur, dass sie Herrchen und Frauchen nicht glücklich macht. Hund und Katze sowieso nicht.

Testhündin Siska mit der EasyPet Kamera um den Hals. (Foto: sw)Die Idee der EasyPet ist simpel, aber klasse: Man hängt eine Kamera an das Halsband eines Hundes oder einer Katze, um so ihre Perspektive weitgehend nachzuempfinden. Das erste Problem offenbart sich schon gleich zu Beginn: Zwar sind die mitgelieferten Halsbänder der rund 70 Euro teuren Peripherie von guter Qualität, allerdings ist die Kamera insgesamt viel zu groß geraten. Das bis drei Meter wasserdichte und auf einen Meter Fallhöhe stoßfeste Gehäuse ist 6,5 cm lang, 5,5 cm hoch und 3,3 cm tief. Für eine durchschnittliche Hauskatze oder einen Hund, der eine Schulterhöhe von deutlich unter 35 cm besitzt, ist das Gerät viel zu wuchtig – und mit einem Gewicht von zirka 100 g (Kamera plus Halterung für Halsband) auch nicht gerade leicht.

Testhündin Siska, mit einer Schulterhöhe von 45 Zentimetern durchschnittlich groß, gefiel die Anbringung der EasyPet überhaupt nicht. Sie konnte sich nach der recht einfachen Montage nicht mehr völlig frei bewegen, sich „hundetypisch“ mit dem Kopf auf den Boden legen oder sich nach einem Bad in der Elbe auf der Wiese problemlos abtrocknen. Stets war die Cam im Weg und lästig. Deutlich besser sollte es bei großen Hunden funktionierten, bei Katzen dagegen – fast gar nicht. Hier schleift die EasyPet fast am Boden beziehungsweise zwischen den Vorderpfoten – suboptimal und demnach fast unbrauchbar.

Easypix EasyPet
Ein geschöntes Pressefoto. Hat der Schäferhund wirklich eine echte Cam um den Hals? (Foto: Easypix)Die EasyPet Kamera von Easypix (Foto: Easypix)EasyPeteasypet_wiese
easypet_treppeeasypet_strasseeasypet_steheneasypet_sitzen
Normale Qualität der Fotos. (Foto: sw)Fisch ist unscharf. Test im Aquarium. (Foto: sw)easypet_elbeeasypet_aquarium_2
easypet_aquarium

Einrichtung

Normale Qualität der Fotos. (Foto: sw)Abgesehen von dieser wirklich wichtigen Hürde, die erst einmal genommen werden muss, fallen schnell die weiteren Makel auf. Dass man mittels eines kleinen, mitgelieferten Schraubenziehers zwei Schrauben samt Abdeckung entfernen muss, um an den microSD-Slot sowie den Mini-USB-Anschluss (USB 1.1) zum Aufladen zu gelangen, ist noch nachvollziehbar. Denn nur so kann die Wasserdichtigkeit des Gehäuses gewährleistet werden. Viel lästiger ist die wenig intuitive Bedienung der EasyPet: Drei Knöpfe und ein winziger Display dienen zum Einschalten, Auswählen der Modi und Aktivieren der Kamera. Nur im Handbuch wird erklärt, wie man zu den gewünschten Optionen kommt. Von intuitiv und selbsterklärend kann keine Rede sein. Im schlimmsten Fall drückt man ständig auf den Buttons herum – während der Hund vor einem sitzt und sich fragt, was Herrchen und Frauchen da überhaupt am Halsband treiben.

Sei’s drum: Hat man das Prinzip verstanden, findet man sich zurecht und aktiviert die Kamera. Es stehen zwei Modi zur Verfügung: Zum einen kann man Videos in VGA-Auflösung (640 x 480 px, 29,99fps) aufnehmen, zum anderen Fotos im 1-, 3-, 5-, 10- und 15-Minuten-Takt automatisch knipsen lassen. Da nur ein CMOS-Sensor mit 0,3 Megapixeln verbaut wurde, ist die Auflösung auch hier auf 640 x 480 px beschränkt. Man kann so lange Aufnahmen schießen, bis die 4 GB große microSD-Speicherkarte voll oder der 550mAh starke Akku leer ist. Ebenfalls kann optional eine 16 GB große Karte eingesteckt werden. Praktisch: Ein Adapter auf das normale SD-Format liegt der Cam bei.

Während der Testphase hielt der Akku ausgesprochen lange, ohne weiteres kann man Videos mit einer Stunde Länge oder etliche Stunden Fotos erstellen lassen – eine kleine Lampe signalisiert stets, ob gerade etwas aufgenommen wird oder sich der „Saft“ dem Ende nähert.

Ernüchterung? Enttäuschung!

Fisch ist unscharf. Test im Aquarium. (Foto: sw)Soweit, so gut. Passt die Größe des Haustieres, kann man mit allen genannten Aspekten leben. Nur was bringt es, wenn die Ergebnisse nicht zufriedenstellen? Hier scheitert die EasyPet Kamera auf ganzer Linie. Da ein Bildstabilisator fehlt und die Auslösezeit jenseits des Hinnehmbaren ist, sind die schlechten Ergebnisse vorprogrammiert. Der feste Fokus (F-2,6 / f=4,8mm) ist nicht das Hauptproblem, der dürfte für den Alltag draußen im Grünen oder in der Wohnung ausreichen. Allerdings haben die Macher des Gerätes nicht berücksichtigt, dass sich Hunde und Katzen in der Regel bewegen. Auch bei einem normalen Gang sind die Bilder total verwischt, man kann fast nichts erkennen. Sobald Mietze oder Wauwau mal ruhig sitzen oder stehen, sind die Resultate weitgehend scharf. Doch das ist ja nicht der Sinn der Sache, oder? Man möchte schließlich sehen, was die Haustiere erleben.

Bei der Videoaufnahme sieht es nur marginal besser aus. Da ebenfalls kein Bildstabilisator zum Einsatz kommt und die erstellten DivX-Videos unverständlicherweise viel zu schnell abgespielt werden, sind die Ergebnisse ein Krampf für die Augen. Kurzum: völlig ungeeignet für einen spaßigen, tierischen Filmabend. Optimierungs- oder Einstellmöglichkeiten? Die gibt’s grundsätzlich nicht.

Dass man eigentlich gar nichts mehr erkennen kann, wenn sich die Lichtverhältnisse ändern oder die Nacht hereinbricht, dürfte wohl niemanden überraschen. Letztlich wirkt die gesamte verbaute Technik total veraltet und billigst – für den Preis hätte man heutzutage schon mehr erwarten können.

Testweise wurde die EasyPet Kamera in einem Aquarium platziert – das Gerät ist schließlich wasserdicht. Das funktionierte an sich tadellos, nur hier stört dann der feste Fokus. Scharfe Bilder kann man leider in diesem etwas anderen Umfeld nicht erwarten.

Fazit

Der Hund steht - das Bild ist halbwegs scharf. (Foto: sw)Keine Frage: Die Idee ist reizvoll und der Grundgedanke spannend. Die Kamera scheint gut geschützt worden zu sein, die Halsbänder für Katze und Hund sind sichtlich stabil und ordentlich verarbeitet. Der Rest des Produktes dagegen sorgt nur für Unzufriedenheit. Die Kamera selbst ist viel zu groß sowie zu schwer für die meisten Haustiere, die verbaute Technik stammt aus der Digitalkamera-Steinzeit. Bildstabilisator, höhere Auflösungen, kurze Auslösezeiten? All das, was wirklich wichtig für ein solches Produkt gewesen wäre, besitzt die EasyPet Kamera nicht. Übrig bleiben ein spaßiger Ansatz und eine Kaufwarnung. Unausgereift, offenbar nicht an Tieren ausprobiert und unbrauchbar – wer sollte so etwas kaufen, werter Hersteller?

Hier findet ihr die offizielle Produktseite zur Easypix EasyPet. Bei Amazon gibt es die Kamera derzeit für rund 50 Euro (Affiliate-Link).

 

Sven Wernicke

Sven Wernicke hat eine Vorliebe für verspielte Gadgets, kunterbunte LEDs und Technik, die unterhalten möchte.  Wenn ihm als Freiberufler noch etwas Freizeit bleibt, bastelt er an seinen eigenen Projekten,  darunter Polygamia.de und GamingGadgets.de.

18 Kommentare

  1. würde trotzdem gern ein beispielvideo sehen, könntet ihr vielleicht noch eines hochladen?

    idee finde ich gut, wollte immer schon wissen wo sich mein hund im garten immer rumtreibt, aber das muss noch kleiner werden, technisch sicher möglich!

  2. Also wenn hier die Nachfrage besteht, kann ich noch ein Video hochladen. Hab leider keinerlei Erfahrungen mit Videoschnitt und müsste dann noch einmal schauen, wie ich mein dumm guckendes Gesicht beim Einschalten der Kamera rausschneiden kann. :D

  3. schon die schlechten Photoshopbilder auf der Verpackung hätten mich vom Kauf abgehalten :D

    Aber ich stimme dem Tester zu, die Idee ist super!

  4. Ist ein interessantes Gadget. Wäre es noch einen ticken kleiner dann würde ich einen Kauf in Erwägung ziehen. Da kommen bestimmt faszinierende Aufnahmen zustande.

  5. Also das Prinzip ist schon sehr, sehr alt!
    http://www.mr-lee-catcam.de
    Die Catcam gibt es schon seit vielen Jahren und vor etwa 3 Jahren hatte ich die mal für meine Katze.
    Man kann entweder ein festes Halsband nehmen – da besteht die Gefahr, daß sich die Katze selbst erwürgt… Und dann gibts noch ein Sicherheitshalsband, welches sich ab einem bestimmten Zug von alleine löst – das hab ich genommen. Preis damals rund 60 Euro, inzwischen etwas günstiger und auch mit Videofunktion.

    Ich hab das Halsband meiner Katze erstmal ohne Cam, nur mit dem Gehäuse um gemacht… Zum Glück! Denn nach dem ersten Tag kam sie ohne wieder. Ich habe die Cam dann wieder zurück geschickt, habe das Geld bis auf das Halsband und das Gehäuse wieder bekommen.

    Die Idee ist genial und die Fotos der CatCam sind auch gut (siehe Beispielfotos). Nur das mit der Befestigung ist problematisch: Entweder geht die Cam verloren, oder die Katze erwürgt sich…

  6. Also ich hab sie auch gekauft (ist momentan bei meinem Haus- und Hofwebshop für Hundekram im Angebot). Allerdings schicke ich sie jetzt schon das zweite mal zurück, weil ich den Deckel des Kartenslots,etc. nicht aufbekomme. Bei beiden Malen das gleiche Phänomen. Die eine Schraube ging nur unter großer Kraftaufwendung zu öffnen, die zweite dann gar nicht mehr. Der beigelegte Schraubenzieher war dabei nur bedingt hilfreich… Beim ersten Mal dachte ich an Zufall, aber beim zweiten Mal hats mich dann schon gewundert… – hattet ihr auch so Probleme, das Ding aufzubekommen?

    • Ehrlich gesagt hatte ich wirklich keinerlei Probleme mit der Abdeckung. Der Schraubenzieher funktionierte ohne Schwierigkeiten, das Öffnen klappte beim ersten Versuch. Ich habe den Deckel mehrfach entfernt und wieder verschlossen – ohne Ärger. Wo ist bei dir das Problem? Die Schrauben zu fest angedreht?

    • Japp… und zu fest angedreht ist noch freundlich ausgedrückt… *g* und man könnte jetzt nicht sagen, dass ich handwerklich unbegabt bin oder zu wenig Feinmotorik hätte o.ä. – das Ding ging ums Verrecken nicht auf… und nicht nur ich habs probiert… – bei der zweiten hab ich dann meinem Vater Vortritt gelassen – das gleiche Problem… eine Schraube nur unter größter Anstrengung, die zweite dann gar nicht mehr…

    • Das ist seltsam. Bei mir hat es sehr gut gepasst und es klappte auf Anhieb. Vielleicht gibts da unterschiedliche Modelle oder Unstimmigkeiten bei der Herstellung der Geräte? Das kann ich natürlich schwer nachvollziehen, da hätte der Hersteller 4-5 Geräte schicken müssen. :)

    • Ich hab jetzt mal meinen Händler um Stellungnahme gebeten… – mal gucken, was der sagt. Eigentlich würd ich auch Fertigungstolleranzen annehmen… blos zweimal hintereinander ist schon etwas seltsam… – aber das ist exakt die gleiche Kamera, wie von dir vorgestellt…

      Ich hab die übrigens nur für Videos vom Dummytraining gekauft… so mit Wasserapporten und so… die Illusion, dass das Ding halbwegs passable Fotos machen kann, hab ich mir von Anfang an ausgeredet ;)

    • Hast du es geschafft, auf die Speicherkarte zuzugreifen? Und dir eventuell mal die Videos angeschaut? Ich habe die Cam auch beim Wasserapportieren ausprobiert – furchtbare Ergebnisse. Also kaum was zu erkennen, verwackelt, viel zu schnell….

    • ICH HAB DAS DING DOCH NOCH NICTH MAL AUFBEKOMMEN!!!! :-) Soweit kam ich ja in beiden Fällen noch gar nicht… *ggg*

    • okayokay…hehe. Ich habs verstanden. :D Dachte, du hattest doch mal Glück. Naja, vielleicht kannst du froh sein – auch Videos sehen Scheiße aus. :D

    • Wie oben schon erwähnt: http://www.mr-lee-catcam.de/cc_index_de.htm
      Da ist die Auflösung zwar geringer, aber dafür liefert die Kamera ordentliche Bilder!

    • Das mag ja sein, aber ich brauch was Wasserdichtes… und zwar mehrfach wasserdicht… – ist das Ding dafür auch tauglich? Soweit ich das gelesen habe, empfiehlt er die Cam mit Klebeband zu umwickeln… aber das ist doch höchstens Spritzwassergeschützt…

    • Da müsstest Du mal den Verkäufer fragen…

Kommentar schreiben

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

* Pflichtfelder