Satellitenfernsehen ab dem 1. Mai 2012:
So gelingt der Wechsel ins Digitale

Ende April 2012 schalten die Astra-Satelliten ihre analogen Kanäle ab. Wir erklären, wie man den Wechsel auch im letzten Moment noch schafft.

Hinweis von klardigital.de

Hinweis von klardigital.de

Nach dem 30. April könnten Fernsehzuschauer in die Röhre schauen, auch wenn sie längst einen LCD-Fernseher haben: Die analoge Übertragung über Satellit wird an diesem Tag beendet. Und auch, wer selbst nicht betroffen ist, könnte von der Verwandschaft, den Nachbarn und Freunden als jemand, “der sich doch mit sowas auskennt”, in die Pflicht genommen werden. Deshalb liefern wir hier alles Wissenswerte zum Thema in einer Zusammenfassung.

Digital oder analog? Der Videotext kennt die Antwort…

Zunächst ist zu klären, wie die bestehende Anlage überhaupt empfängt. Analog-Satellitenempfang kann vorliegen, ohne dass der Fernsehteilnehmer davon weiß. So manche Hausempfangsanlage könnte vom Vermieter längst vergessen worden sein, da sie jahrelang störungsfrei lief.

Der erste Schritt, um am 1. Mai 2012 nicht in die (schwarze) Röhre zu schauen, ist daher, am betreffenden Fernseher nachzusehen, was dieser denn aktuell für ein Signal empfängt. Dazu gibt es die spezielle Testseite 198 im Videotext, die über die analogen und die digitalen Satellitenkanäle unterschiedlich beschickt wird. Videotext Seite 198 auf ARD, ZDF, Pro 7, RTL, SAT 1 und einigen dritten Programmen enthält je nach Empfangsweg entweder einen Hinweis zur bevorstehenden Abschaltung des analogen Satellitensignals oder den Hinweis “Sie empfangen bereits digital”.

Wie man sich schüsselt, so guckt man (Bilder: klardigital.de, technisat, wor)
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Schritt 1: Satellitenempfänger austauschen

Stellt sich heraus, dass der Fernseher tatsächlich noch analog empfängt, ist jetzt noch genug Zeit, um die Umstellung rechtzeitig zu schaffen.

Wenn es sich beim betreffenden Fernsehanschluss um eine von Vermieter oder Eigentümergenossenschaft betriebene Anlage handelt und beim Fernsehteilnehmer gar kein Satellitenempfänger im Wohnzimmer steht, können nur die Betreiber der Empfangsanlage handeln – man sollte diese aber schleunigst auf die Notwendigkeit hinweisen, die Anlage umzurüsten.

Hat der Teilnehmer dagegen einen Satellitenempfänger neben dem Fernseher, so ist dieser gegen ein digital empfangendes Gerät auszutauschen, in den Normen DVB-S oder – für HDTV – DVB-S2. Vom günstigen Baumarkt-Receiver für 50 Euro bis zum HDTV-fähigen Empfänger mit eingebauter Festplatte und BluRay-Brenner ist hier alles möglich – auch ein neuer Fernseher mit bereits integriertem DVB-S-Empfänger, was die in der Bedienung einfachste und damit “omataugliche”, doch auch kostspieligste Lösung darstellt.

Schritt 2: Bei Bedarf LNB auswechseln

Leider ist der Wechsel des Satellitenempfängers oft nur die halbe Miete. Sind mit dem neuen Empfänger nämlich nach einem Suchlauf nur HDTV-Programme und Arte empfangbar, aber keines der Standard-Satellitenprogramme wie RTL, so ist das LNB (Low Noise Block – rauscharmer Blockumsetzer, der direkt im Zentrum der Empfangsschüssel montiert ist) nicht für den Digitalempfang geeignet. Die ersten LNBs für den Astra-Fernsehsatellitenempfang empfingen lediglich den Bereich von 10,7 bis 11,7 GHz, der heute als Low-Band, unteres Band bezeichnet wird und setzten ihn durch Mischen mit 9,75 GHz auf eine Zwischenfrequenz von 950 bis 2150 MHz um, die ein Astra-Analog-Satellitenempfänger verarbeitet. Ob der LNB mit 14 oder 18 V versorgt wird, steuert hierbei, ob er horizontal oder vertikal polarisierte Programme empfangen soll.

Hintergrund LNB

Um die Jahrtausendwende kam mit den Digitaltranspondern auf den Astra-Satelliten der Sendefrequenzbereich 11,7 bis 12,75 MHz hinzu, der zuvor nur für die Satelliten wie den gescheiterten TV-Sat oder DFS-Kopernikus benutzt worden war. Da es unpraktisch gewesen wäre, nun Frequenzen bis 3 GHz auf der Zwischenfrequenzebene übertragen zu müssen mit noch höheren Verlusten und außerdem neue Satellitenempfänger einzuführen, wurden stattdessen umschaltbare LNBs eingeführt, die sogenannten Universal-LNBs: Diese nutzen eine zweite Mischfrequenz von 10,6 GHz, um das höhere Empfangsband, das High-Band, ebenfalls auf die gewohnte Zwischenfrequenz umzusetzen. Zum Umschalten wird eine 22-kHz-Steuerfrequenz auf die Leitung zum LNB gelegt.

Ein altes, rein für den Analog-Empfang gebautes LNB beherrscht diese Umschaltung nicht und kann daher keine Kanäle des High-Band empfangen. Allerdings kann es sehr wohl Digitalprogramme empfangen, da diese nicht ausschließlich im High-Band ausgestrahlt werden: Auf anderen Satelliten wie Eutelsat war dies nie so getrennt wie bei Astra und auch auf den Astra-Satelliten werden einige Digitalprogramme wie Arte und die HDTV-Kanäle im Low-Band ausgestrahlt. Daher ist die Anlage scheinbar “digitaltauglich”, denn die Übertragungsart ist für das LNB irrelevant, doch fehlen die meisten Programme.

Schüsselwechsel ist nicht erforderlich

Abhilfe ist nicht schwer, sofern die Satellitenschüssel gut erreichbar ist: Es muss für die Digitalumrüstung nicht die gesamte Antenne ausgetauscht, sondern nur das LNB gegen ein modernes, umschaltbares Universal-LNB gewechselt werden. Der Spiegel, die “Schüssel”, kann dagegen normalerweise samt Halterung unverändert weiter genutzt werden, außer sie wurde über die Jahre von Wind und Wetter zu sehr mitgenommen (Rostbefall, mechanische Schäden…).

Beim neuen LNB ist auf gleiche mechanische (Durchmesser des Montagehalses) und elektrische Ausführung (Anzahl und Beschaltung der Ausgänge) zu achten. Es gibt Single-LNBs für den Anschluss nur eines Sat-Receivers, Twin-LNBs für den Anschluss zweier Empfänger, Vierfach- und sogar Achtfach-Ausführungen. Die Vierfach-Ausführungen gibt es zudem mit und ohne integrierte Schaltmatrix (“Multischalter”): Erstere werden direkt mit vier Sat-Receivern verbunden, letztere liefern dagegen die vier Empfangsvarianten “Horizontal, Low-Band”, “Vertikal, Low-Band”, “Horizontal, High-Band”, “Vertikal, High-Band” über eine beliebig große Schaltmatrix an dann entsprechend viele Receiver.

Wird in der alten Anlage allerdings bereits eine solche Schaltmatrix verwendet, so verkompliziert sich der Umbau, da die alte Matrix die Umschaltung zwischen Low- und High-Band noch nicht kennt und ausgetauscht werden muss – die alten LNBs lieferten als Dual-LNB nur zwei Empfangsvarianten statt der vier nun notwendig gewordenen.

Stirbt auch: Astra Digital Radio

ADR – “Astra Digital Radio”, ein System, das nur auf Astra-TV-Satelliten verwendet wurde und nur innerhalb Deutschlands Erfolg hatte, endet ebenfalls zum 1. Mai 2012. Das mag angesichts seines Namens erstaunen, da es sich ja um ein digitales Übertragungsverfahren handelt. Doch es ist nicht “richtig” digital, wie bei den unzähligen in DVB-S ausgestrahlten Radiostationen in DVB-S. Vielmehr wird ein digitales Signal auf einen analogen Tonträger moduliert, um so zwei Kanäle für Stereo auf einem Mono-Analog-Tonträger unterzubringen. Das ist nicht besonders effektiv, vergleichbar mit der analogen Modulation eines Telefon-Modems gegenüber DSL, und mit der Abschaltung der Analog-Abstrahlung nun ebenfalls Geschichte.

Wer also über Satellit mit einem ADR-Empfänger und seiner Stereoanlage Radio hört, wird sich zum 1. Mai hierfür ebenfalls einen DVB-S-Empfänger zulegen müssen – oder den für den Fernseher angeschafften hierfür nutzen: Separate Tonausgänge für die Stereoanlage haben eigentlich alle handelsüblichen Geräte zu bieten.

 

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3 Kommentare

  1. Bei der Auswahl des LNB ist noch zu beachten: Es gibt Extra-Funktionen der Receiver, die 2 Kanäle benötigen: Bild-in-Bild zum Beispiel oder Aufnahmefunktionen. Also lieber Klotzen statt Kleckern, dann kann man auch mal ProSieben gucken und gleichzeitig Sat1 aufnehmen. Ich möchte hier auch älteren Nutzern so einen HD-Recorder-Receiver empfehlen – Bedienung ist dank EPG kinderleicht, Werbung lässt sich schnellspulen usw.

    In dem Zusammenhang ist ausdrücklich von HD+ ABZURATEN!!! Es mag kostenlose Jahresangebote geben, auf Dauer jedoch fällt eine Gebühr an, aufgenommene Werbungssequenzen lassen sich nicht spulen, bestimmte Sendungen gar nicht erst aufnehmen etc. – Überwachung und Bevormundung pur – bitte NICHT unterstützen!

  2. ich empfehle sehr wohl hd+.

    wofür einen full hd tv kaufen wenn das bild dazu nicht stimmt – sinnfrei!

    aufnehmen bzw pausieren klappt anbei bei mir nur bei den privaten nicht jedoch sehr wohl bei sky ;) unabhängig davon etwa 50 euro pro jahr also rund 4,20 euro pro monat für ein deutlich besseres bild (wenns in teilen bei manchen sendern auch nur sd is) ist ja wohl ein witz! wer sich bei diesen kosten beschwert tickt nicht ganz richtig denn die meisten zahlen gez mit etwa 17euro für grob: nichtes!

    eine anschaffung eines tollen flachbild-tvs mit allen möglichen funktionen wie led, 3d und co bringen ohne hd+ nur dann einen nutzen mit sich wenn der käufer zudem einen blurayplayer und dann die überteuerten datenträger dazu erwirbt – sry -> da rechnet sich ein sky abo wo in bestimmten paketen eh hd+ dabei ist und oder aber eine reine hd+ karte 10x mehr!

    • Das ist nicht ganz richtig. Mit einem digitalen Satellitensignal und einem guten lcd oder led-screen hat man ein unglaublich gutes Bild – der Unterschied zu echtem hd ist gar nicht mehr so groß. Wer unbedingt hd-fernsehen möchte und sich das leisten kann, soll gerne hd+ nehmen – aber früher oder später werden hier ordentlich die möglichkeiten beschnitten – die technischen voraussetzungen wurden schon geschaffen.

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