Terratec Noxon DAB-Radiostick im Test (2/2):
In Verlängerung gegangen

Beim letzten Test liess der Terratec Noxon-DAB-Radiostick in Sachen Empfangsempfindlichkeit schwer zu wünschen übrig. Ursache: Die Antenne. Inzwischen liefert Terratec eine neue Antenne aus. Hilft sie dem Digitalradio auf die Sprünge?

Neue Antenne zum Terratec Noxon DAB-Radiostick (Bild: wor)

Neue Antenne zum Terratec Noxon DAB-Radiostick (Bild: wor)

Bei DAB, nun DAB+, scheiden sich leider die Geister: Sonst wird für das albernste Gadget noch ohne Nachdenken Geld ausgegeben, doch hier wird seit Jahren geschimpft, das System sei überflüssig, es gäbe ja nun auch Internetradio, und Kollegen, die es noch wagen, über DAB zu schreiben und dieses dabei nicht in Bausch und Bogen verdammen, werden der Bestechlichkeit angeprangert durch eine angebliche «DAB-Lobby». Doch diese gab es vielleicht in den 80er-Jahren des letzten Jahrtausends, als die öffentlich-rechtlichen Sender dem Treiben der «Piratensender» aus Südtirol ein Ende bereiten wollten, heute hat DAB keine Lobby mehr.

Leider, denn das Radio hat dringend eine Runderneuerung nötig, der heutige UKW-Dudelfunk ist nicht mehr zu ertragen und das Soundprocessing bei den Sendern vollendet, was die Musikindustrie angefangen hat: Es klingt alles gleich laut, von wo an BAPs «Verdamp’ lang her» losrockt, kann man auf einer heutigen UKW-Ausstrahlung kaum mehr erahnen, es plätschert alles gleich laut und einförmig vor sich hin.

Auch Terratec hatte wie andere deutsche Hersteller den Bettel hingeschmissen und DAB aufgegeben. Doch mit DAB+, der Wiederbelebung des Systems mit einem aktualisierten, effizienteren Codec, mit dem nun die doppelte Anzahl Sender in die Kanäle passen, hat man wieder einige DAB(+)-Geräte ins Sortiment genommen und mit dem DAB-Stick einen Preishit gelandet. Nur mit der Antenne gab es Probleme:

Nachtest mit Teleskopantenne: Terratec Noxon DAB-Radiostick (Bilder: wor)
noxonant2.pngnoxonant1.pngNoxon DAB+-Stick

Sowohl der Stick selbst als auch die Antenne waren wohl ursprünglich für den DVB-T-Empfang ausgelegt – neue Hardware nur für DAB lohnte sich vermutlich nicht. Dies hat eine geringe Empfindlichkeit im VHF-Fernsehband III zur Folge, wo DAB in Deutschland vorzugsweise ausgestrahlt wird. Das L-Band im GHz-Bereich, das vom Noxon DAB-Stick auch unterstützt wird, wird in Deutschland glücklicherweise nicht mehr für Radio verwendet – die Ausbreitung ist zu schlecht und in Innenräumen ist kein Empfang mehr möglich.

Die neue Antenne ist eine klassische Teleskopantenne und damit etwas länger – und funktioniert daher besser: Von den am Standort nun 37 vom Suchlauf gefundenen DAB-Programmen – wegen des Wechsels einiger Programmanbieter von DAB auf DAB+ sind es gegenüber Dezember 2011 ein paar mehr geworden – sind mit der neuen Antenne auch alle tatsächlich empfangbar, auch wenn der Pegel mitunter etwas knapp ausfällt.

Tatsächlich ist DAB+ sogar unempfindlicher gegen schwachen Empfang als DAB: Während letzteres dannn zu «blubbern» beginnt, spielt DAB+ unbeeindruckt weiter, bis der Pegel wirklich nicht mehr ausreicht. Dann allerdings ist auf einen Schlag Schluss.

Etwas ungünstig bei der Terratec-DAB-Software ist hierbei, dass sie nur die Empfangsstärken «kein Empfang», «unzureichender Empfang», «schwacher Empfang» und «ausreichender Empfang» mit weiss/rot/gelb und grün anzeigt. Die Antenne kann man damit nicht ausrichten, und bei «schwacher Empfang» reicht eine Handbewegung bereits, um das Radio verstummen zu lassen.

Im Test kam der Empfang leider ohne Neustart der Empfangssoftware nicht mehr wieder, wenn der Pegel einmal auf rot («unzureichend») abgesunken war. Dies wird hoffentlich noch behoben. Ansonsten ist nun am Empfang nichts mehr auszusetzen. Ausser, man will mit dem DAB-Stick fernsehen, was bislang mit entsprechender Software als inoffizielles Zusatzfeature auch möglich war: Dies wurde nun unterbunden. Andernfalls würden sich die Anschaffungs- und Betriebskosten des Sticks vervielfachen, was sehr ärgerlich für alle wäre, die wirklich nur Radio hören wollen und nicht noch einen Fernseher brauchen. Warum?

  1. es wäre als TV-Empfänger ein höherer Einfuhrzoll auf den Stick fällig als für einen reinen Radio-Empfänger – Terratec müsste den Verkaufspreis von EUR 20 auf mindestens EUR 40 anheben;
  2. bei der Verwendung zum nicht die Internet-Verbindung belastenden Radiohören an einem beruflich genutzten Computer, ob nun im Büro, als Autor für neuerdings.com oder als Geschäftsreisender im Hotel, wo es ja stets einen Fernseher gibt, aber fast nie ein Radio, würde statt einer zusätzlich zur privat gezahlten Rundfunkgebühr fälligen Radio-Rundfunkgebühr von derzeit EUR 5.76 im Monat eine zweite TV-Rundfunkgebühr von derzeit EUR 17.28 im Monat fällig – alleine in 2012 würden so EUR 138.24 zusätzlich zu zahlen sein für eine Funktion, die mancher gar nicht benötigt.

Verbessern lässt sich der Empfang noch durch eine Verlängerung der Antennenzuleitung oder eine Aussenantenne – es liegt ja ein Adapter bei, um eine externe Radio- oder in diesem Fall besser Fernsehantenne anzuschliessen.

Will man die Teleskopantenne beispielsweise näher am Fenster placieren, ist es allerdings empfehlenswert, auf der USB-Seite des Sticks zu verlängern, da dann keine Empfangsverluste auf der Antennenseite durch die längere Leitung auftreten: Bis 5 m darf man USB-Leitungen ja verlängern.

Den mitgelieferten USB-Adapter sollte man hierzu allerdings nicht verwenden: Nicht nur, dass er gerade mal 5 cm Verlängerung bringt – er legte im Test auch den Empfang komplett lahm. Die Gründe habe ich nicht näher untersucht, vermutlich ist die Abschirmung des Kabels unzureichend, sodass dieses Empfangsstörungen verursacht.

 

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3 Kommentare

  1. Hallo Herr Roth,

    ich habe das mit Genuss gelesen. Habe noch den NOXON-Stick, der mit dem DVB-T-Stummel geliefert wurde und habe den auch erstmal durch eine Stabantenne getauschtz et voila.
    Was ich nicht nachvollziehen kann ist die Kritik an der kurzen USB-”Verlängerung”.
    Ich setze diese ein, weil meine USB-Ports sehr gedrungen verbaut sind und habe keine Probleme, muss keine Empfangsptobleme verzeihnen.

    Und die Antennenleitung lässt sich auch problemlos mit einem simplen Kabelfrenseh-Kabel verlängern.

    So empfindelch ist der Stick m.E. nicht.

    Vielke Grüße

  2. Hallo Herr Roth,

    nach mehreren Tests und ewigem Rumprobieren bin ich auf diese Seite gestoßen. Das USB-Verlängerungsproblem gestoßen kann ich hier 1:1 reproduzieren. Mit der Verlängerung kein einziges Bouquet, ohne 40 Sender (sogar das Bouquet vom BR, obwohl es doch ziemlich weit nach Ulm ist)

    Da wäre ich jetzt nicht von selber drauf gekommen – Danke!

  3. Also ich habe diesen Stick schon lange zu liegen. Da ich noch in einer sehr schlecht verorgten Dab+ Gegend wohne, konnte ich mit diesn Stick über Dab+ nix empfangen. MIt entsprechender Software kann man aus diesen Stick aber viel mehr rausholen.Hier gehe ich aber nicht weiter ins Deteil reicht wenn ich weiss was der Stick noch so kann:-) Aber noch mal kurz zum Thema DAb+, habe mir ein Grundig Dab+51 gekauft.Und siehe da ohne zu Übertreiben. In den Abendstunden kann ich Dab+ mit diesen Gerät emfangen aus Berlin immerhin 168 Kilometer entfernt von mein Standort!Aber werde auch mal den Stick Abens testen veileicht kommt ja doch was via DAb+ an.Aber 2014 soll es sich ja auch im Norden ein besseren DAb+ empfang geben bleibt also nur ein warten.

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