Philips Fidelio L 1 im Kurztest:
Einer der Erwartungen weckt

Philips hat mit dem Fidelio L 1 einen ansehnlichen Kopfhörer im Sortiment. Der Kurztest zeigt, klanglich bleibt der L 1 hinter hohen Erwartungen zurück.


Der Edelmann unter den Kopfhörern: Philips Fidelio L 1 {pd Philips;http://www.flickr.com/photos/press_philips_schweiz/sets/72157623349681104/}

Der Edelmann unter den Kopfhörern: Philips Fidelio L 1 (Quelle: pd Philips)

«Obsessed with sound», prangt viel versprechend auf der edlen matt-schwarzen Kartonverpackung, die technischen Daten machen neugierig: Frequenzbereich 10 – 25’000 Hz, Impendenz 26 Ω und Klirrfaktor kleiner als 0.1%.

Wer den Kopfhörer zum ersten Mal in den Fingern hält, wird sich ein leises «Wow» kaum verkneifen können. Die Ohrmuscheln sind aus massivem Aluminium, ebenso Bügel und Aufhängung. Geschmeidiges Echtleder überzieht die Bügel- und Ohrpolsterung.

Tatsächlich sitzt der Kopfhörer perfekt: Die Ohrmuscheln liegen satt aber nicht zu druckvoll auf, Umgebungsgeräusche werden gut unterdrückt. Der breite Bügel mit dem weichen Polster verteilt die Last des Edelkopfhörers, immerhin 250 gr, regelmässig auf dem Kopf.

Auch beim Kabel haben sich die Ingenieure – oder waren es eher die Designer? – nicht lumpen lassen. Der Schwachstrom aus iPod, Stereoanlage und Co fliesst durch Kupferfasern in Richtung Neodym-Treiber, die von hochwertigem Kunstfasergewbe umschlossen sind.

«Fein, fein», denkt sich der Audiogeek und stöpselt den gut CHF 450 (UVP) teueren Fidelio L 1 an den MP3-Player, um das edle Teil beispielsweise mit einem Track von Hidden Orchestra auf die Probe zu stellen…

Ein Schönheitspreis ist ihm gewiss: Fidelio L 1
Fidelio-L-1-ScharnierFidelio-L-1-OhrmuschelFidelio-L-1-VerpackungFidelio-L-1-Kabel-Stecker

Die Enttäuschung ist gross! Nicht weil, der Fidelio L 1 schlecht klingen würde. Er klingt ganz einfach nicht gut genug. Die hohen Erwartungen, welche Design, Materialien, Kennzahlen und nicht zuletzt der Preis wecken, können nicht erfüllt werden. Werden die mittleren und hohen Frequenzen noch transparent wiedergegeben, lassen Mitteltiefen und insbesondere Tiefen etwas Druck, vor allem aber Transparenz vermissen. Klassik (Hindemiths «Mathis der Maler»), Jazz (Bugge Wesseltofts «Black Pearl Makes Dream») und Progressive Rock (Dream Theaters «Count of Tuscany») und Rock (Elbows «Mirrorball») leiden besonders unter dieser Schwäche. Lediglich Electro- (Modeselektors «2000007»), Hip-Hop- (Radio 2000s «Hose») oder R’n’B-Tracks (The Roots’ «Don’t say Nuthin’»), denen beim Abmischen ordentlich Bass mitgegeben wurde, klingen akzeptabel; wird’s aber etwas komplexer im Bassbereich, verfliegt die Freude aber schnell wieder. Wer das HiFi-Segment anpeilt, muss mehr bieten.

Audiophilen ist dieser Kopfhörer nicht zu empfehlen. Wer Wert auf satten und klaren Klang legt, sollte beispielsweise den Sennheiser HD 25-1 II (Affiliate-Link) genauer anschauen. Dieser spielt klanglich ein paar Ligen höher und belastet das Budget viel weniger – dafür kann er aber auch nicht die herausragende Materialanmutung des Fidelio L 1 bieten. Wer dagegen auf edle Materialien und hochwertige Verarbeitung steht und nicht unbedingt auf herausragende Klanqualität, darf sich den Fidelio ruhig näher anschauen. Fazit: «Obsessed with Design» wäre der ehrlichere Slogan gewesen.

 

Mehr lesen

21.6.2015, 6 KommentareBose QC25 im Test:
Geschlossenes System plus Geräuschunterdrückung

2.4.2015, 0 KommentareArctic P324 BT im Test:
Leichtes Bluetooth-Headset für die Fitneß

Blue Microphones Mo-Fi Headphones: Solide Kopfhörer mit ungewöhnlichem Look und integriertem Verstärker

14.3.2015, 0 KommentareBlue Microphones Mo-Fi Headphones:
Solide Kopfhörer mit ungewöhnlichem Look und integriertem Verstärker

Blue Microphones ist ein us-amerikanisches Unternehmen, das seit seiner Gründung 1995 vor allem - der Name lässt es vermuten - Mikrofone produziert hat. Mit den MoFi Headphones betritt der Hersteller neues Terrain. Die Kopfhörer sollen vor allem für Nutzer mobiler Geräte HiFi bieten. Wir haben sie ausprobiert

Woox Innovations Philips Fidelio M2L: Kopfhörer mit Lightning-Anschluss, 24-Bit-DAC und integriertem Verstärker

12.9.2014, 0 KommentareWoox Innovations Philips Fidelio M2L:
Kopfhörer mit Lightning-Anschluss, 24-Bit-DAC und integriertem Verstärker

Woox innovations bringt den ersten Kopfhörer exklusiv für Apple-Audioplayer mit Lightning-Anschluss auf den Markt. Für optimale digitale Klangübertragung soll darüber ein integrierter Verstärker und ein Digital-Analog-Wandler (DAC) mit 24 Bit sorgen

Tabü Lümen TL800 im Test: Bluetooth-Glühbirne zaubert wechselnde Lichtstimmungen

18.3.2014, 5 KommentareTabü Lümen TL800 im Test:
Bluetooth-Glühbirne zaubert wechselnde Lichtstimmungen

Tabü Lümen TL 800 macht Philips Hue Konkurrenz. Auch hier kann man das Licht der Glühbirne über eine App steuern. Allerdings funktioniert das bei der TL800 nicht über WLAN, sondern über Bluetooth 4.0. Dadurch wird auch der Start mit Tabü Lümen deutlich günstiger. Wir haben ein Dreierset Tabü Lümen ausprobiert

Saeco GranBaristo Avanti: Hilfe, mein Espresso-Automat ist schlauer als ich!

7.9.2013, 6 KommentareSaeco GranBaristo Avanti:
Hilfe, mein Espresso-Automat ist schlauer als ich!

Früher, als wir nichts hatten, war ein Kaffee an sich schon ein Genuss mit einem Hauch von Luxus. Heute, wo wir von allem zu viel haben, muss es eine Kaffeespezialität sein. Und weil das auch noch nicht reicht, kann man bei einem Espresso-Automaten wie dem auf der IFA 2013 gezeigten Saeco GranBaristo Avanti jedes Detail seines Getränks beeinflussen – natürlich per App.

Aiptek PocketCinema A100W: Der flexibile Pico-Projektor im Praxistest

19.6.2015, 4 KommentareAiptek PocketCinema A100W:
Der flexibile Pico-Projektor im Praxistest

Mit dem PocketCinema A100W hat Aiptek einen kleinen Projektor am Start, der vor allem eines ist: sehr flexibel. Der Praxistest.

Phonesoap im Test: Diese \

30.4.2015, 6 KommentarePhonesoap im Test:
Diese "Sonnenbank" killt (angeblich) Keime auf Smartphones

Phonesoap sieht aus wie eine geschrumpfte Sonnenbank, hat aber eine ganz andere Funktion: Mit UV-C-Licht sollen Keime auf Smartphones abgetötet werden. Wir haben uns das Reinigungsgerät angeschaut.

Demgo Smart Home LED: Konkurrenz für Philips Hue? Im Praxistest!

9.4.2015, 7 KommentareDemgo Smart Home LED:
Konkurrenz für Philips Hue? Im Praxistest!

6 Kommentare

  1. der sennheiser kostet 260, der philips wird 250 kosten.

    Wie kann es sein, dass im folgenden Artikel besonders der Bass gelobt wird?
    http://digital-room.de/ne…opfhoerer-fidelio-l1

    • Hi Jan, danke für Deinen Input. Die UVP liegt für den Schweizer Markt bei CHF 449.00, in Deutschland bei EUR 249.99. Da der Kopfhörer noch nicht erhältlich ist, ist es müssig, zu spekulieren, wie viel er tatsächlich kosten wird. Aufgrund der Erfahrungen mit unserem Testexemplar kann ich mir nicht erklären, wie die Kollegen von digital-room.de zu ihrer Einschätzung kommen. Alle Kollegen, die den L 1 im Rahmen unseres Tests zur Probe gehört haben, kamen unabhängig voneinander zum selben Schluss: in den tiefen Frequenzbereichen lässt der Kopfhörer Druck und insbesondere Transparenz vermissen. Gäbe es auf digital-room.de die Möglichkeit Kommentare zu hinterlassen, könntest Du ja auch dort nachfragen… Cheers, Simon

  2. Ich selber habe Ihn gestern für 199€ gekauft bei einem bekannten Elektromarkt und
    im Netz ist er auch für diesen Preis zu finden. In Bezug auf den Klang kann ich eure Meinung nicht teilen. Musik und es ist egal welches Genre es ist, hört sich mit diesem Produkt völlig ausgewogen an. Wenn jemand Bass etc. vermisst kann man dies eh separat steuern doch dies ist hier nicht wirklich von Nöten. Es gibt sicherlich in diesem Segment mittlerweile eine Menge an Angeboten und nach ausführlichem Test ist bei diesem Produkt das Preis/Leistungsverhältnis absolut in Ordnung. Bei anderen bekommt man für solch einen Preis dann oft doch nur Plastikschrott mit normaler Membrane etc.

  3. Falls ihr einen schönen bequemen und AUSGEWOGENEN (nix bumm bumm) Kopfhörer sucht würde ich mir den AKG K601 anschauen. Den brauche ich fürs Digitalpiano und er klingt um WELTEN besser als alles, was ich bisher hatte (u.a. die fast doppelt so teuren M-Audio Studiophile…). Allerdings ist er eher leise.

  4. Dein AKG hat bestimmt 600 Ohm, damit bekommt man keinen Ton aus dem MP3 Player! Ausgewogen ist bspw. der Beyerdynamic T50p oder T1350 bei ca. 250€ mit 32 Ohm perfekt am Portablen, aber im falle der T50p sehr geräte kritisch: Ipod super, Milestone grottig.

  5. Hallo,

    eure Bewertung bezüglich der Bass-Schwäche kann ich ehrlich gesagt auch nicht im Geringsten nachvollziehen – ganz im Gegenteil. Tatsächlich gehört der L1 mit zu den bassstärksten Hifi-Kopfhörern, die ich bisher gehört und besessen habe, von Billig-Bassbombern und überteuertem Trendspielzeug á la Beats und co. mal abgesehen. Der in einschlägigen Foren schon als sehr bassbetont bezeichnete Beyerdynamic DT990 etwa hat teils deutlich weniger Bass – sowohl quantitativ, als auch qualitativ (ich besitze beide und noch diverse andere Hörer).

    Denn trotz seiner sehr deutlichen Betonung ist der Bass beim L1 straff, präzise und schnell. Diesen Spagat schaffen IMHO nicht sehr viele Hörer, was ich persönlich dem L1 auch hoch anrechne.

Ein Pingback

  1. […] Niveau”. Ein hohes Ziel, vor allem angesichts des nur durchschnittlichen Ergebnisses des Kurztests seines größeren Bruders Fidelio L1 hier auf […]

Kommentar schreiben

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen.

* Pflichtfelder

  • Sponsoren:


  • Neueste Artikel

  • Newsletter

    Jeden Freitag stellen wir für euch die sieben spannendsten Gadgets und Artikel der Woche zusammen.

    Pflichtfelder
    OK
    Bitte füllen Sie das Feld "E-Mail-Adresse" aus.
    Bitte treffen Sie eine Wahl im Feld "Auswahl".
    OK
    Bitte geben Sie Ihren Vornamen ein.
    OK
    Bitte geben Sie Ihren Nachnamen ein.


  • Neueste Tests