GN Netcom Jabra Halo2 im Test (1/2):
Klangreif für bewegte Menschen

Ein Heiligenschein macht sich immer gut – und GN Netcom hat mit dem Jabra Halo2 einen solchen im Angebot. Ob der Kopfhörer auch himmlisch klingt, soll sich im Praxistest offenbaren.


Ausgerissene Kopfhörerkabel oder jeden Tag Akku nachladen? Kabelsalat entwirren oder Auto-Pairing? Klangqualität oder A2DP? Die Rede ist vom ewigen Kampf: Kabel versus Bluetooth. Beide Anschlüsse sind an einem modernen Smartphone vorhanden, bloss welche soll man nutzen? Wer seinen Kabelkopfhörer einsteckt, muss sich keine Gedanken um Akkulaufzeit machen und kann sich drauf verlassen, dass die Klangqualität nicht unter dem Kompressionsverfahren SBC leidet, die in aller Regel mit der Funkübertragung einhergehen. Andererseits ist die kabellose Freiheit grenzenlos und Ärger mit sich verheddernden Kabeln sind passé.

Das Jabra Halo2 des dänischen Herstellers GN Netcom verspricht Abhilfe für sämtliche Entscheidungsprobleme: BT am Anfang der Woche, ansteckbares Klinkenkabel für die stromlose Restzeit. Das Klingt gut, nicht wahr? Wie gut aber klingt der Halo2 selbst?

Erbfolge

Der Halo2 tritt ein schweres Erbe an, denn sein Vorgänger «Halo» blies Bässe «über Gebühr auf» wie die c’t (Ausgabe 22/2011) zu berichten wusste. Zudem wurden die schwachen Scharniere bemängelt, «die nicht den stabilsten Eindruck» machten.

Das Halo2 hat das Aussehen der Mutter und die Statur des Vaters, will heissen: Es sieht dem Vorgänger sehr ähnlich, kommt nun aber stabiler daher. Auf der rechten Seite finden sich wieder das Sensorfeld für die Lautstärkeregelung und daneben der Play-/Pause-Knopf. Track Skipping erfolgt durch zweimaliges Tippen auf das «Plus-Symbol», zurück gehts mit «Minus». Die rechte Seite erkennt man ausserdem an den zwei Status-LEDs für Akku und BT-Verbindung innen.

Klicken, surren, reiben

Zum Einschalten klappt man den Hörer auf und klickt sie in die Scharniere hinein, schon ist man startklar. Das erste Paring läuft unkompliziert und ohne Zutun ab, spätere Kopplungsmanöver beginnen durch das Drücken der runden Taste. Eine Sprachsteuerung fehlt, die Verbindung macht sich stattdessen durch ein ständiges Rauschen bemerkbar, welches bei Musik und Videos in den unhörbaren Hintergrund tritt. Die Polsterung auf den Hörern ist quasi nicht-existent, ein dünner samtartiger Überzug trennt die Lautsprecher vom Ohr. Doch Entgegen der Kritik sitzt das Jabra Halo2 äusserst bequem und ohne Druck auf meinem Standardschädel (Hutgrösse 54) – ohne dabei im geringsten zu verrutschen.

Bumm-Bumm-Halo

Nicht nur das «Bobele», unser «Bumm-Bumm-Becker», hatte einen ordentlichen Rumms, auch das Halo2: Die AM3D Power Bass-Technologie presst das letzte Quentchen Bass aus dem Kopfhörer ohne zu verzerren. Freunde basslastiger Musik kommen voll auf ihre Kosten. Die Höhen und Mitten dagegen sind weiterhin detailarm und stumpf, da versagte schon der Vorgänger.

Der Virtual Surround Sound (VSS) dagegen will ein Live-Konzert vortäuschen: Künstlich werden die Stereokanäle gemischt und mit einer leichten Latenz nachgeführt, die Folge ist ein Echo, welches Raum und Fülle erzeugen soll. Für mich als ewigen VSS-Gegner ein gefundenes Fressen, denn die fehlende Brillianz in den Höhen gepaart mit dem Echo führt bei ausgewählten Stücken zu einem schönen Tonmatsch. Das verstärkt sich bei vielen Musikstücken, die schlechte Stimmen mit dem wohlwollenden Echo absichtlich verschleiern. Sehr leicht hört man dies bei einem Hörbuch heraus, wo das Echo prominent heraussticht – eine Option zur Deaktivierung sollte GN Netcom unbedingt in einem Firmware-Update nachschieben.

Ein Nachteil des Jabra, wenn es mit einem Nokia verbunden ist, es kann ganz schön laut werden. Der Grund dafür, das Jabra ist nicht in der Lage den Lautstärkepegel des integrierten Verstärker zu regeln. Stattdessen wird die Lautstärke mittels AVRCP auf dem Abspielgerät selbst angepasst – und genau da streiken Nokias… Wer also ein Nokia sein Eigen nennt, sollte ein Headset kaufen, dessen integrierter Verstärker die Lautstärke bis nach unten einstellen kann, zum Beispiel das Sony Ericsson MW6000 oder das Nokia BH-111, die beide im grossen Bluetooth-Headset-Test ausführlich beschrieben worden sind.

Vorläufiges Fazit

Der Jabra Halo2-Kopfhörer macht einen wertigen Eindruck, im Klang hinkt er jedoch hinterher. Hüpfende Menschen und Nachzügler, die ständig dem Zug hinterherrennen, dürfen darauf vertrauen, dass der Hörer bombensicher auf dem Kopf bleibt – ohne unangenehm zu drücken.

Kabelgebundene Klangqualität, Akku, Gesprächsqualität der Telefonie, als auch eine kleine Enthüllung, die selbst Jabra nicht beschreibt, werden Bestandteil des zweiten Teils sein.

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3 Kommentare

  1. Hansjörg
    schrieb am 6. Dezember 2011 um 11:38 Uhr (#)

    Und für alle, die jetzt vom Kauf absehen, noch ein paar Gegenargumente.

    Tatsächlich offeriert der HALO2 einen überaus kräftigen Bass, der – je nach “Aussenwelt” – teilweise nah an der “es-reicht”-Grenze kratzt, auch wenn man bekennender und ausübender Bass-Fetischist ist. Ist man jedoch unterwegs (natürlich nur als Beifahrer oder Passagier), schätzt man dieses Feature extrem und auf einmal ist man nicht mehr sicher, ob “it’s not a nug, it’s a feature” wirklich nur ein netter Werbegag ist. Denn wer kennst es nicht, der sonst so schön basslastige Kopfhörer tönt in einem fahrenden Auto oder Zug auf einmal gar nicht mehr so “fleischig” (copyright by Hansjörg). Grund dafür sind die niederfrequenten Geräusche, die durch die Fahrzeuge produziert werden und welche den Tieftonbereich nicht nur eines Kopfhörers attackieren (der Autoradio im Auto ohne laufenden Motor tönt auch besser als wenn der Motor läuft). Dem kann man in gewissen Bereichen nur mit Gegenschall oder eben sonst eher schon fast störend wahrzunehmenden höheren Basspegeln entgegentreten. Ersteres kostet eine Stange Geld und die überbetonten Basspegel der anderen Lösungsvariante werden wohl sonst von keinem Anbieter bewusst so angeboten, ansonsten ihm der Spott aller audiophilen Berichterstatter sicher ist (quod erat demonstandum, könnte man nach dem Lesen des Berichtes hier anführen).

    Aber auch für “Leisetreter” eignet sich der HALO2 mit seinem BummBummBass, denn je leiser der Glorienschein vor sich hinsäuselt, desto ausgewogener hört sich das Klangbild an und lässt die sonst bei anderen Kopfhörern nur mit Loudness-Taste ansatzweise korrigierbaren Schwächen deutlich in Erscheinung treten. Das spricht ganz klar wieder für den HALO2 samt dem Vorteil, nicht immer ein Kabel beherrschen zu müssen.

    Ich für mich habe die wesentlichsten Einsatzzwecke und -orte gefunden und bin nicht unglücklich mit dem HALO2. Und ich freue mich natürlich auf den Teil 2 des Tests… ;-)

  2. Kalsan Saran
    schrieb am 13. Dezember 2011 um 09:42 Uhr (#)

    Danke Kai und Hansjoerg, ich warte immer noch gespannt auf den Jaybird.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Kai Zantke
      schrieb am 13. Dezember 2011 um 09:46 Uhr (#)

      Die Hauptstelle in Amerika hat sich noch nicht gemeldet. Die sind da etwas eigen..

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