Der grosse Bluetooth-Headset-Vergleichstest (7/7):
Welches nehm’ ich denn jetzt?

Bei so vielen Headsets verliert man schnell den Überblick, deshalb eine Zusammenfassung mit Empfehlungen für welchen User sich welches Headset am besten eignet.


Alle Hersteller haben die Notwendigkeit der Geräuschunterdrückung erkannt und auch, dass man mit einem reinen Headset keinen Blumentopf mehr gewinnen kann. Es geht um Apps, um Mehrwert, um Style oder um all die drei in einem.
Wer einfach nur bequem telefonieren und nicht gleich ein Vermögen für ein Stück Plastik im Ohr ausgeben will, greift zum billigen LG HBM570. Für EUR 20 filtert es Nebengeräusche heraus und lässt einem freie Hand. Richtig glücklich wird man damit jedoch kaum.

Für mehr Komfort und Leistung empfehle ich das Motorola HX550, denn die Geräuschunterdrückung spielt ganz vorne mit, die Akkulaufzeit beträgt bis zu 8,5 Stunden und mit der vergrösserten Reichweite nutzt man die kabellose Freiheit maximal aus. Allerdings ist es derzeit (31.10.2011) noch nicht im Handel und kostet mit EUR 50 doch ein wenig mehr.

Neben Lärm gibt es auch häufig Wind, hier versagen alle Kandidaten bis auf das GN Netcom Jabra Supreme und das Aliph Jawbone Icon. Zwei Wettstreiter die verschiedener nicht sein könnten: Das Supreme zeigt den distinguierten Look eines Geschäftsmannes mit klaren Sprachansagen und sechs Stunden Akkulaufzeit. Statt auf viel Drumherum konzentrieren sich die Dänen auf Sprachqualität und -verständlichkeit indem eine Antischallblase Störgeräusche auf beiden Seiten des Telefons eliminert – für rund EUR 65 erhält man uneingeschränkte Leistung, die aber auch ordentlich dick aufträgt in der Hosentasche.

Das Aliph Jawbone Icon kann ebenfalls Umgebungslärm ausblenden und obwohl der Gesprächspartner mit Windgeräuschen geplagt wird, versteht er zumindest noch den Gesprächsinhalt. Bei gleichem Preis bietet Aliph verschiedene Stimmpakete und Erweiterungs-Apps für das Headset an. Wer Exklusivität und Personalisierung liebt, kommt um das Jawbone Icon nicht herum.

Das Plantronics M1100 Savor klingt etwas blechern, aber dafür sehr laut und verständlich, sieht superschick aus und ist eines der bequemsten im Ohr. Beim Kauf erhält man eine einjährige Lizenz für Vocalyst, einen Spracherkennungsdienst, der recht gut funktioniert. Leider patzt Plantronics bei Unterdrückung von Windgeräuschen. Das M1100 Savor kostet EUR 45. Wer sich öfter an lauten, windigen Orten aufhält, sollte sich fragen, ob er nicht EUR 20 mehr hinlegt. Ich würde den Aufpreis für das Jawbone oder Supreme wagen, beziehungsweise auf das Motorola HX550 warten.

Das Nokia J setzt alles auf eine Karte: Form. Es sitzt gut im Ohr, sieht edel aus und ist dabei auch noch aus Metall gefertigt. Doch die technische Seite wurde vernachlässigt. Zwar ist die Geräuschunterdrückung zuverlässig, doch der Lautsprecher klingt schlechter als der Rest, es kann mit Wind nicht umgehen und man bezahlt mit EUR 80 den höchsten Preis im Test.

Der Multimediakünstler Sony Ericsson MW600 ist ein Exot. Er kann Vieles aber Nichts so richtig. Am wohlsten fühlt sich das MW600 in der Freizeit: Ein wenig Fahrradfahren und Musikhören, mal kurz aus ruhiger Umgebung die Freundin angerufen und abends auf der Couch noch zwei Videos in Stereo geschaut. Mit bis zu 10 Stunden Akkulaufzeit kann der Tag auch einmal länger werden. Doch als Business-Headset für wechselnde, laute Umgebungen taugt es nicht viel. Für EUR 25 ist es ein absolutes Schnäppchen und sollte für Wenigtelefonierer ganz oben auf der Liste stehen.

Ich habe eine weitere Sounddatei aufgenommen. Ein Staubsauger läuft während eines Telefonats im Hintergrund und ich sage meinen Satz auf. Später hänge ich meinen Kopf in den Windstrom des Staubsaugers und gebe damit den Headsets den Gnadenstoss. Damit kann sich jeder sein eigenes Urteil bilden und seinen Favoriten herausfischen.

Für den harten, sportlichen Einsatz eignen sich im Grunde nur drei Geräte: Das GN Netcom Jabra Sport ist dabei das Vielseitigste. Es ist als einziges nach Militärstandards zertifiziert und kann problemlos unter fliessend Wasser abgespült werden. Das Headset fällt mit seiner schlanken Form nicht auf und sitzt äusserst bequem und rutschsicher. Gegen Langeweile hilft das Radio. Nur die Telefonqualität ist etwas bescheiden und vier Stunden Akkukapazität sind schnell ausgereizt. Für EUR 65 kein Schnäppchen, aber ein grundsolides Headset – in spezieller Apple-Variante verfügbar.

Auch das Motorola S10-HD lässt sich mit Wasser abspülen und klingt sogar noch eine Ecke besser. Würde es nicht so starr am Kopf sitzen und einengen wäre es der perfekte Begleiter für den Sport, alleine schon wegen der 8 Stunden Laufzeit. Wer einen schmalen Kopf hat, sollte unbedingt das Motorola ausprobieren, es lohnt sich! – Es ist das erste Mal, dass ich meinen Dickschädel bereue. Der Preis von rund EUR 65 geht völlig in Ordnung.

Das Nokia BH-111 verbindet zwei Welten miteinander. Einerseits ist es ein kabelloses Bluetooth-Headset in Stereo, andererseits passen normale 3,5 mm Kabelhörer in die Buchse. Es eignet sich überall dort, wo man mit dreckigen Fingern oder dicken Handschuhen den MP3-Player bedienen will. Der Clip sitzt bombenfest und die Klangqualität ist so gut, wie es Bluetooth erlaubt. In der flippigen Farbauswahl findet jeder etwas für seinen Geschmack. Für knapp EUR 30 eine gute Empfehlung für raue Einsätze.

Das Sony Ericsson HBH-IS800 ist weder Fisch noch Fleisch. Der Klang ist nicht schlecht, aber mit drei Stunden Akkulaufzeit hat man nicht viel davon. Das Design ist überragend und Sony Ericsson beweist einmal mehr, wie viel Technik die Japaner auf engstem Raum unterbringen können – alltagstauglich ist das Headset aber nicht.

Wer sich nicht daran stört, spätestens nach drei Stunden wieder ein Ladegerät anschliessen zu müssen, wird mit dem HBH-IS800 garantiert neidische Blicke auf sich ziehen.

Das Plantronics Backbeat 903+ ist nicht für sportliche Einsätze gedacht. Dafür klingt es sehr gut in ruhiger Umgebung und sitzt dank der vielen Einstellmöglichkeiten äusserst bequem. Die Telefonqualität ist erstaunlich und muss sich vor den Mono-Headsets nicht verstecken. Das Backbeat 903+ gibt es schon ab EUR 45, was einen angemessenen Preis darstellt.

Fazit

Im Test werden vor allem zwei Tatsachen klar: Qualität hat ihren Preis, wer eine zuverlässige Geräuschunterdrückung erwartet muss rund EUR 50 dafür ausgeben. Die Klangqualität bei Stereo-Headsets steht in direktem Zusammenhang mit der Wasserverträglichkeit – umso schweissresistenter der Kopfhörer, desto gedämpfter der Klang.

Viel Spass bei der Auswahl des geeigneten Headsets.

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4 Kommentare

  1. Hansjörg
    schrieb am 31. Oktober 2011 um 15:53 Uhr (#)

    Danke für den Test. Ich bleibe für Gespräche vorderhand beim Jawbone ERA mit dem Noiseassasin 3.0, denn kein anderes Headset vermochte bei meinen Gesprächspartnern bisher das offene Dach und den laufenden CD-Player bei 120 Km/h auf der Autobahn “verstecken”. Und wenn ich mehrheitlich Musik hören will, telefonisch aber auch erreichbar sein möchte, dann nehme ich das Jabra BT3030.

  2. Carsten
    schrieb am 4. November 2011 um 13:19 Uhr (#)

    Boah, ich hab den Bericht verschlungen und dachte mir, jetzt geht es ran an die Krone der Schöpfung.
    Nun habe ich das Supreme bekommen. Leider scheint es das Entwicklungsstadium noch nicht verlassen zu haben. Es lauern eine Menge Unzulänglichkeiten, weil das Package einfach noch nicht fertig ist. Das beginnt bei einer App, die mit dem SGS 2 nicht funktioniert und laufend Abstürze verursacht, zieht sich über unmögliche Registrierung (Jabra fordert dazu auf, hat aber das Tool auf der eigenen Homepage noch nicht aufbereitet für das Supreme) und gipfelt dann in einem Support, der mit den Problemen nichts anfangen kann.
    Logo, die kennen ja nicht mal das App. Wenns fertig ist und funktioniert wirds bestimmt gut. So warte ich mal auf die Auslieferung eines Jawbone Era.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Kai Zantke
      schrieb am 4. November 2011 um 13:34 Uhr (#)

      Hallo Carsten,
      Das ist ziemlich ärgerlich. Ich habe den Test mit iPhone 4S, Blackberry Bold 9900 und Nokia E7 durchgeführt – mein Android macht gerade eine Reparaturpause, deshalb kann ich zur App nichts sagen. Lass die doch weg und benutze es ohne, dann funktioniert es tadellos. Die drei Smartphones haben sich völlig unauffällig verhalten – mit jedem Headset.

      Natürlich stehe ich voll und ganz hinter meiner Bewertung. Kontaktiere mich persönlich unter meiner Blogwerk-Email (ganz oben unter dem Titel meinen Namen anklicken), ich werde dann einen entsprechenden Kontakt bei Jabra aufbauen und Deine Email weiterleiten – wäre doch gelacht, wenn das nicht klappt!
      Liebe Grüße
      kai!

    2. Hans-Jörg
      schrieb am 4. November 2011 um 13:54 Uhr (#)

      @ Carsten: Und ich warte natürlich dann auf dein Feedback zum ERA – aber bitte vorher die Firmware aktualisieren und das Manual GUT lesen! Sonst wirst du schnell verwirrt sein… ;-)

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