Der grosse Bluetooth-Headset-Vergleichstest (3/7):
Plantronics Savor M1100 und Nokia J

Zwar haben wir mit dem Jabra Supreme bereits einen Sieger gekürt. Doch ist dieses Headset nicht nur gross in der Leistung, sondern auch im Preis und seinen Abmessungen. Wer mit Kleinerem zufrieden ist, findet in dritten Teil seinen Favoriten.


Plantronics Savor M1100

Plantronics ist ein alter Hase auf dem Gebiet der Headsets, mit dem «Savor M1100» stellen die Amerikaner das eindrucksvoll unter Beweis. Das Design des M1100 unterscheidet sich grundlegend von dem des Motorola HX550: Es sieht futuristisch aus und zeigt den Betriebszustand stolz mit einer auffälligen LED an. Statt eines anfälligen Klappmechanismus, der vielleicht irgendwann aufgibt, setzt man auf einen simplen On/Off-Schalter.

Ohnehin ist man bei Plantronics recht sparsam mit Bedienelementen: die Lautstärke beispielsweise wird mit einer Taste in zwei Schritten eingestellt. Hat man die maximal Lautstärke erreicht, fängt die Einstellung wieder bei Null an. Durch den anständigen Lautsprecher klingt alles verständlich und klar, insgesamt hat man den Eindruck, das M1100 betone die Höhen zu stark – sowohl beim Hören, als auch beim Sprechen. Das sorgt einerseits für eine bessere Verständlichkeit bei der Telefonie – es ist das Gerät, das die Stimme am lautesten überträgt – wirkt jedoch auf der anderen Seite ein wenig hart beim Hörer. Bei Telefonaten wird absichtlich ein schwaches Echo im Lautsprecher erzeugt, das irritiert im ersten Moment, macht jedoch insbesondere in lauten Umgebungen Sinn, weil «man sein eigenes Wort versteht». Nach kurzer Eingewöhnung vermisst man diese akustische Kontrolle bei anderen Headsets.

Die Bedienung erfolgt ausschliesslich per Sprache; nach einem Update auch in Deutsch. Wichtiger Hinweis: Das Update muss mit Administrator-Rechten ausgeführt werden, andernfalls landet man in einer Schleife ohne Fehlermeldung! Neben der Überprüfung des Akkustandes, lassen sich Telefonate annehmen, ablehnen und der (mit jedem Headset nutzbare) Service «Vocalyst» anrufen. Eine einjährige Vocalyst-Lizenz gibt es bei Neukauf dazu.

Es ist ein automatisierter Telefonservice, der ausschliesslich per Sprache bedient wird, die Einstellungen dazu aber im Internet vornimmt. Ist alles konfiguriert, wählt man eine Ortsnummer in München an und sagt der Computerstimme, was man will. Der Dienst funktioniert reibungslos. Hat man erledigt, was man wollte, reicht es «Auflegen» zu sagen, um die Verbindung zu trennen. So lassen sich Tweets vorlesen und posten (nur als Link zur Audiodatei), der Facebook-Status ändern, Wetter- und Wirtschaftsnachrichten abfragen und weiteres mehr.

Der DSP hat mit starken Umgebungsgeräuschen etwas Probleme, statt sie zu unterdrücken, werden sie in Wassergeplätscher umgewandelt und in den Hintergrund gerückt. Leisere Umgebungen werden zwar völlig ausgeschaltet, doch die Stimme klingt nach diesem Prozess blechern und leicht verzerrt.

Das M1100 bringt solide Technik in ansprechendem Design. Statt glänzender Oberflächen, die vor Fingerabdrücken strotzen, ist alles matt gehalten und auf Funktion getrimmt – klares Understatement eben. Leider ist die Akkulaufzeit mit vier Stunden etwas mau – die Konkurrenz protzt mit sechs bis neun Stunden. Trotzdem ist es eines der Headsets, die ich am liebsten nicht mehr aus der Hand gegeben hätte. Es fühlt sich robust und gut an, ist einfach und bequem zu nutzen und sitz sehr angenehm im Ohr. Wer nicht ständig in lauten Umgebungen verkehrt, greift bei gleichem Preis statt zum glänzenden Fingerabdruckmagneten Motorola HX550 besser zum Plantronics Savor.

Nokia J (BH-806)

Auch Nokia ist ein Veteran im Mobilfunkgeschäft. Man sagt den Finnen nach, ihre Hardware sei «unkaputtbar» und das beweisen sie auch mit dem Nokia J, aka BH-806: Das edle Designerstück, das mit unzähligen Preisen überhäuft wurde, besteht aus einem Stück glänzenden Metalls. Das sieht solange schön aus, bis man es anfasst… Und leider endet die Enttäuschung hier nicht, denn als teuerstes Gerät im Vergleich, sind die Erwartungen hoch.

Zu hoch, wie sich herausstellt, statt Form follows Function, heisst es hier das Auge telefoniert mit: Ausser einer Hörertaste durchbricht nichts die schnörkellose Form, die erfüllt zwei Funktionen: Sie ist einerseits berührungsempfindlich, andererseits verbirgt sich ein echter Taster darunter. Die Oberfläche zeigt eine interessante Textur, wenn man sie mal unter den Fingerabdrücken zu sehen bekommt. Die Lautstärke stellt man einmalig am Handy ein, danach sorgt das Headset dafür, das sie immer auf einem Niveau bleibt – das funktioniert bei Telefonaten erstaunlich gut, doch aktiviert man die GPS-Navigation oder hört Musik, stösst das System schnell an seine Grenzen. Es geht nunmal nichts über eine eigene Lautstärkeregelung. Aber dafür ist das J sowieso nicht gemacht, denn das qualitativ höherwertige A2DP-Profil wird vom Nokia J nicht unterstützt – entsprechend schlechter ist die Musik-Qualität im Vergleich zu den anderen.

Die Qualität der Geräuschunterdrückung dagegen entspricht der Konkurrenz, Umgebungsgeräusche werden durch das In-Ear-Design weitestgehend unterdrückt. Mit einer Akkulaufzeit von fünf Stunden placiert sich das J im guten Mittelfeld. Als einziges Headset im Test kann man das J in ein Halfter stecken, das mit einer Klammer an der Kleidung befestigt wird. Zieht man es heraus, wird damit der Anruf beantwortet. Das ist insofern praktisch, weil man sonst nie so recht weiss, wohin mit seinem Headset ohne dass es verkratzt. Es ist vor allem das Headset, welches am schnellsten eine Verbindung zum Telefon aufbaut. Das Nokia J trumpft auch bei der Benutzung auf, eine leichte Berührung der Hörertaste nimmt das Gespräch an, ohne das Headset ins Ohr zu drücken – sehr gut.

Insgesamt hat sich Nokia viel Mühe gegeben und vor allem auch auf Details geachtet, doch das fehlende A2DP-Profil, das Fehlen einer Lautstärkeregelung bei gleichzeitig hohem Preis und die schlechte Windabschirmung, reichen nicht für eine Placierung auf den vorderen Plätzen. Das Nokia J richtet sich mehr an designverliebte Menschen mit Sinn für technische Finessen, als an reine Featuregeeks.

Nicht umsonst heisst es, das Beste kommt zum Schluss, das heisst im nächsten Teil des Tests: Das Sony Ericsson MW600 kann in mancherlei Hinsicht überzeugen und macht die Entscheidung nochmals spannender. Als Nachzügler haben wir noch das LG HBM570, das sich ebenfalls beweisen darf.

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