Saarländer Uni führt kabellose Bremsen ein:
Ein Drahtesel ohne Draht-Bremsen

Wie sicher sind 99.999999999997 %, wenn es um eine drahtlose Handbremse am Fahrrad geht?


Nicht nur Politiker können sich der Vertrauensfrage stellen, auch Wissenschaftler. In diesem Falle lautet sie: Vertraue ich Deiner drahtlosen Handbremse am Fahrrad? Einer Bremse ganz ohne Kabel, nur mit Funk? Einer Bremse, die mit einer Sicherheit von 99.999999999997 % funktioniert?

Professor Holger Hermanns, Leiter der Gruppe «Dependable Systems and Software» an der Universität des Saarlandes experimentiert mit drahtlosen Bremsen, welche dereinst beispielsweise im europäischen Zugverkehr zum Einsatz kommen könnten. Da Tests mit Zügen und Flugzeugen jedoch zu teuer und gefährlich wären, muss in der frühen Entwicklungsphase ein Strassenrad herhalten.

Ein derzeit noch riesiger Aufbau an Lenker und Gabel soll die Funksignale zum Bremsen verarbeiten. Je nachdem wie stark die Bremshebel gezogen werden, bremst auch das System – ganz wie man es von einer herkömmlichen Bremse gewohnt ist. Das irritierende ist jedoch, das Eingeständnis Hermanns:

«Drahtlose Netze funktionieren nie hundertprozentig, das ist technologisch bedingt.» Die erreichte Sicherheit von 99.999999999997 % besagt, «dass drei aus einer Billiarde Bremsversuchen fehlschlagen. (…) Das ist nicht perfekt, aber akzeptabel».

Aber wozu gerade Funktechnik nutzen, statt langen Seilzügen? Umso länger ein Seilzug in einem Flugzeug oder in einem Wagon, desto länger dauert es, bis das Signal übertragen wird, denn so ein Draht kann sich auch dehnen. Das mag am Fahrrad nicht so auffallen, doch über mehrere Meter kann sich da eine stattliche Menge aufsummieren. Hermanns Idee dagegen verspricht gleichbleibende Reaktionszeiten um die 250 Millisekunden und bei Einsatz mehrerer Empfänger und Sender, ist die Ausfallsicherheit fast schon geringer, als bei einem Seilzug.

Nun müsste man die Wahrscheinlichkeit für den Ausfall eines Bowdenzugs kennen, um abzuwägen, wie unsicher das System relativ betrachtet ist. Wie aber sieht es mit der Batterielaufzeit aus? Was passiert, wenn einer vergisst, die Batterien nachzuladen? Wie sabotageanfällig ist ein solches System? Wenn man liest, wie einfach ein Handystörsender zu bekommen ist, möchte man sich nicht ausdenken, was passieren könnte, wenn ein Spassvogel, so ein Gerät an einer Strassenkreuzung «vergisst». Umso schlimmer, wenn das für öffentliche Transportmittel entwickelt wird.
Andererseits sei folgender Vergleich zu bedenken: Millionen von Menschen spielen täglich Lotto, wobei ihre Chance auf einen Gewinn höher ist, als die Wahrscheinlichkeit, dass solche Funk-Bremsen versagen…

Via Alpha Gallileo.

 

Mehr lesen

Kolelinia Halfbike: Halbes Fahrrad, voller Spaß

20.3.2014, 0 KommentareKolelinia Halfbike:
Halbes Fahrrad, voller Spaß

Kolelinia Halfbike ist ein auffälliges Spaßvehikel für Kurzstrecken, das auch in öffentlichen Verkehrsmitteln mitgenommen werden kann. Auf Kickstarter wirbt der Hersteller um Unterstützer.

Velorapida electric bycicles: E-Bikes wie aus den Sechzigerjahren

26.2.2014, 7 KommentareVelorapida electric bycicles:
E-Bikes wie aus den Sechzigerjahren

Das mailändische Unternehmen Velorapida baut eine Reihe von E-Bikes, die aussehen wie wunderbar erhaltene, ganz normale Zweiräder aus den Sechzigerjahren. In Wirklichkeit handelt es sich dabei um hochmoderne Pedelecs.

Pedal Power Big Rig: Jeder sein eigenes Kraftwerk

4.2.2014, 0 KommentarePedal Power Big Rig:
Jeder sein eigenes Kraftwerk

Das Pedal Power Big Rig ist eine handgefertigte Arbeitsstation, an der man die benötigte mechanische oder elektrische Energie per Pedal erzeugt. Die Entwickler setzen nach Möglichkeit Standard-Fahrradteile ein und erzeugen mit Schwungrad- und Fahrrad-Technik eine hohe Effizienz.

Victor Johansson Ceramic Stereo: Spannendes Bedienkonzept für Audio-Anlagen

30.5.2013, 0 KommentareVictor Johansson Ceramic Stereo:
Spannendes Bedienkonzept für Audio-Anlagen

Ceramic Stereo von Victor Johansson ist das Konzept einer Audioanlage, die vor allem durch ihr spannendes Bedienkonzept auffällt. Die Position des Smartphones auf der Ablage der Anlage bestimmt die Funktion.

Konzept Remember Ring: Heiße Hochzeitstag-Erinnerung

18.3.2013, 0 KommentareKonzept Remember Ring:
Heiße Hochzeitstag-Erinnerung

Remember Ring ist ein Schmuckstück, das nicht nur symbolisch, sondern buchstäblich an den Tag der Hochzeit erinnert. Einen Tag vor dem Datum erhitzt sich der Ring stündlich für 10 Sekunden auf 43 Grad Celsius.

Igor Gitelstain Otarky Chair: Der Schaukelstuhl als Privatkraftwerk

11.8.2012, 3 KommentareIgor Gitelstain Otarky Chair:
Der Schaukelstuhl als Privatkraftwerk

Designer Igor Gitelstain hat als Abschlussprojekt am israelischen Shenka College einen Schaukelstuhl konzipiert, der beim sanften Schaukeln Energie produziert, die zum Beispiel genutzt werden kann, um eine Leselampe im Kopfteil mit Energie zu versorgen.

19.2.2013, 0 KommentareSakrale Tonkunst:
Dinkel hat's wieder getan

Georg Dinkel hat es wieder getan: einige Monate reichten ihm aus, um ein iPad-Dock der besonderen Art zu erschaffen. Und dabei herausgekommen ist wieder ein Stück sakraler Tonkunst für die digitalen Gerätschaften von heute.

Trotify: Für die Biker der Kokosnuss

28.11.2012, 0 KommentareTrotify:
Für die Biker der Kokosnuss

Trotify ist ein mit Muskelkraft betriebenes Gadget, das als flacher Holzbausatz per Post ins Haus kommt. Der künftige Nutzer muss es nur noch zusammenbauen, eine Kokosnuss hinzufügen und das fertige Trotify an seinem Fahrrad befestigen.

Dominic Wilcox „No Place Like Home GPS Shoes”: Immer der Schuhspitze nach

18.9.2012, 1 KommentareDominic Wilcox „No Place Like Home GPS Shoes”:
Immer der Schuhspitze nach

Mit den GPS-Schuhen des Künstlers Dominic Wilcox findet man immer nach Hause: Einfach die Hacken zusammenschlagen und LEDs in der Schuhspitze weisen den Weg.

9 Kommentare

  1. Mal ehrlich, das ist mehr als Absurd! Innovation schön und gut, nur ist das keine Innovation an sich. Innovation heißt etwas zu verbessern und in diesem Konstrukt sehe ich wenig Verbesserung gegenüber dem derzeitigen Ist. Eher sogar wesentliche Abstricher.
    Ausserdem hoff ich, dass Anonymous das nicht hackt ;-)

  2. In Deutschland muss ein Fahrrad mit zwei unabhängig voneinander wirkenden Bremsen ausgestattet sein. Ich bin mir sicher, dass eine solche Bremse bei Kraftfahrzeugen erst zugelassen wird, wenn sie kein zusätzliches wesentliches Sicherheitsrisiko mehr darstellt.

    • Das System entspricht der Regelung. Die vordere Bremse könnte ohne weiteres von der hinteren isoliert betrieben werden. und 99,9…7 % erzeugt doch kein zusätzliches Sicherheitsrisiko.
      Es geht hier primär nicht um Fahrräder, sondern um Züge und Flugzeuge.

  3. Wenn die Funktechnik tatsächlich die Verbesserung bringt, die beschrieben ist, halte ich es auch für sinnvoll.
    Ich denke die Sicherheit kann man durch bidirektionale Signale ausreichend erhöhen.
    Zum Beispiel in der Form, dass die Bremese das Funksignal an den Bremshebel quittiert. Kommt keine Quittung wird eine mechanische Backupbremese betätigt.
    Aber so clever sind die ENtwickler bestimmt selbst.
    Am Fahrrad sehe ich außer zu Testzwecken keinen Sinn. Eher unnötiger Schnickschnack, der wieder Batterieenergie verbraucht.

  4. Mir erschliesst sich der Sinn einer Funksteuerung nicht. Die Bremse selbst benötigt Strom (Zug/Flugzeug) also ist sie an die Stromversorgung angeschlossen, per Kabel… also kann man doch die bereits vorhandene Kabelverbindung auch zur Steuerung nutzen.

  5. Man braucht wohl nur ein kleines Handfunkgerät um sowas lahm zu legen. Einen Jammer zu Bauen, habe ich mir sagen lassen, ist recht einfach.
    Ich denke als primär System ist es sinnvoll aber bitte mit secondär Sicherung!

    Wahrscheinlich ist das wohl aber auche eine Frage der Kosten…

  6. “«Drahtlose Netze funktionieren nie hundertprozentig, das ist technologisch bedingt.»” wie sicher funktionieren denn alle bedrahteten fahrräder, da seilzüge auch reissen oder sonstigen
    ausfallerscheinungen unterliegen. schon zu beginn der ersten vorlesung am mit (8.01) von walter lewin wird erklärt, daß absoluter determinismus quatsch ist – und das jegliche messung/bewertung ohne die angabe der fehlertoleranz sinnlos ist. der mythos, physiker würden absolute exaktheit predigen ist der fehler der bürger, die ihnen dies unterstellen, um auf ihnen rumzuhacken. leute die der kabelzüge bedürfen, müssen das geld auch in der hand aben, um ihre mangelnde selbstkontrolle damit zu überdecken – während ich es kaum erwarten kann, daß nfc und rfid flächendeckend und tiefgreifend umgesetzt wird.

  7. Ich denke auch das Funk nicht der Richtige weg ist, so eine Steuerungsleitung wiegt vielleicht minimal mehr ist aber viel sicherer gegen eingriffe von aussen.

    Ausserdem hat man doch bei Mercedes schon gesehen wie solche neuerungen zu grunde gehen können.

    Achja gerade im flugzeug sollte doch eigentlic wohl gewährleistet sein das so ein teil weiter fliegt aber ein damit ausgerüstetes leichtflugzeug ist wohl beim strom aussfall ein grab. Und in großen passagiermaschienen dürfte das gewicht und sie langsame reaktion eher wenig aussmachen udn die sicherheit wohl viel wichtiger sein.

  8. Professor – und dann diese schwachsinnige Prozentaussage

    vielleicht sollte er mal Japaner oder Russen befragen zur Sicherheit bei AKWs, da werden auch solche Prozentaussagen verbreitet

    ansonsten spricht generell nichts gegen Funk imo, Seilzüge versagen auch mal, und die Wahrscheinlichkeit dass die Bremse selber versagt ist noch erheblich grösser

Kommentar schreiben

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

* Pflichtfelder