Sony ICD-UX513F im Test (1/2):
Das Diktiergerät der Neuzeit
Das Diktiergerät Sony ICD-UX513F scheint wie aus einer anderen Zeit: Es kann nicht telefonieren, keine Emails verschicken, sondern nur Geräusche aufnehmen. Die Anschaffung kann sich aber trotzdem lohnen.
Für einen Geek fast unvorstellbar, doch der Bedarf ist weiterhin da: Single-Purpose-Devices, Geräte, die nur einen Zweck erfüllen können. Nicht 1000 Applikationen in einem Smartphone, sondern 1000 Geräte in der Tasche. Was für Geeks ein prä-smartphoner Alptraum ist, kann ein Genuss sein für weniger technik-affine Menschen.
Das Dictaphone ICD-UX513F von Sony, versucht mit der Konzentration auf das Wesentliche die Gunst geneigter Käufer zu erhaschen. Stimmen Leistung und Preis oder ist das Smartphone die bessere Alternative? Es sieht auf jeden Fall schon mal edel aus – mit einem Preisschildchen jenseits von Gut und Böse ist es garantiert nicht jedermanns Sache: 130 EUR verlangt Sony für ein simples Diktiergerät. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen.
Angefasst
Mit einem einfachen Bandaufnahmegerät hat dieses HightTech-Gerät nichts mehr gemein, Knöpfe und Schieberegler wohin man blickt. Ein microSD-Slot auf der Rückseite nimmt auch Sonys eigene Memorysticks M2 auf. Ein Knopf aktiviert den LowCut-Filter, der alle Frequenzen außerhalb des menschlichen Sprachbereiches auslöscht und an der Seite findet man A-B-Repeat und Pitch-Control. Das einfarbige Matrix-Display informiert über den aktuellen Aufnahmestatus und zeigt auch Namen der Musikstücke an. Hinter der Menü-Taste verbergen sich Unmengen von einschüchternden Einstellungen. Einzig das altertümliche AAA-Batteriefach und die zwei Buchsen für Mikrofone und Kopfhörer erinnern an vergangene Zeiten.
Angetestet
Als Gadget-Tester würde ich mir ein gewisses Mass an Technikverständnis attestieren. Doch beim Sony ICD-UX513F stand ich erstmal wie der sprichwörtliche Esel am Berg. Aufnehmen, wiedergeben, Lautstärke anpassen, alles kein Problem. Aber was sind das für Ordner, wozu braucht man das Menü “VOR”, was bewerkstelligen “LCUT” und “Noise Cut”? So gab es erstmal entspannte Lektüre der Bedienungsanleitung mit erhellenden Momenten. 15 Minuten später war ich dann gewappnet. “VOR” zum Beispiel bedeutet, bei einem Geräusch startet automatisch die Aufnahme – war doch klar…
Aufnahme läuft
Das Menü ist geradlinig und teilweise selbsterklärend. Ab und an wird man jedoch mit unschönen Abkürzungen und verunstalteten Textschnippseln überfordert. Die wichtigen Bedienelemente wie Rec/Pause, Stop sind prominent unter dem Display angeordnet und sofort erreichbar. Neu sind die speziellen Aufnahmeprofile. Mit diesen lassen sich situationsspezifische Voreinstellungen aktivieren.
Außer der Dateibenennung läßt sich alles anpassen: Zwischen unkomprimierten LPCM 44,1kHz (.wav) und einer Spanne von 192kbps Stereo MP3 bis 8kbps Mono können der Aufnahmesituation angepasste Dateien erzeugt werden. Die Mikrofonempfindlichkeit wird in drei Stufen reguliert, bereits bei der Aufnahme schaltet man den Sprachfilter hinzu und wählt den Aufnahmeeingang (Standard sind die beiden integrierten Mikrofone). Als Kostprobe habe ich einmal drei Stücke zusammengestellt.
Beispielaufnahmen
Nummer eins ist eine improvisierte Gitarrenaufnahme, die zeigen soll, wie schlecht die Aufnahme werden kann, wenn man das falsche Profil auswählt. In diesem Falle war zwar PCM 44,1kHz ausgewählt, aber die Emfindlichkeit zu niedrig (Abstand ca. 1 Meter) – das führte zu einem geringen Signal-Rauschabstand. Hinzu kamen die ungestimmte Gitarre, das Fehlen eines Plektrums und die blöde “Brumm-”Saite.
In Beispiel Nummer zwei hört man den Regen und wie ungeschützt die Mikrofone gegen Wind sind.
Das letzte Beispiel ist eine Aufnahme von Laptop-Lautsprechern (Aufnahmeabstand ca. 0,1 Meter), das leichte Knacken in den Höhen ist nicht das Gerät, sondern die mindere Qualität der Lautsprecher. Man möge mir das bitte nachsehen.
Vorläufiges Fazit
Das Sony ICD-UX513F nimmt in sehr guter Qualität auf. Der Dynamikumfang, wie an der Gitarreneinspielung erkennbar, ist groß und der Frequenzumfang sehr natürlich. Die Bedienung zum Aufnehmen erschliesst sich sofort; alles andere muss sich auch Herr “Ich-fass-keine-BDA-an” über das Durchlesen der Anleitung aneignen. Es gibt weitere Funktionen wie Radio und MP3-Player, die im zweiten Artikel behandelt werden. In den Kommentare könnt Ihr mir gerne spezifische Fragen stellen, die ich im zweiten Teil beantworten werde.
Der Sony ICD-UX513F (Affiliate-Link) kostet knapp 90-130 EUR je nach Anbieter.
Die Produkthomepage findet sich bei Sony


















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also von der gitarrenaufnahme kann ich nicht viel hören, der Regen klingt ganz nett, die aufnahme von den lautsprechern ist ja ganz ordentlich – sicherlich etwas besser als eine aufnahme mit meinem handy. aber 130 euro ist das sicherlich nicht wert.
stellt sich die frage: eignet sich das ding wenigstens als mp3-player?
Du meinst, Du kannst die Gitarre nicht hören oder sie ist nicht aussagekräftig genug für Dich? Der MP3-Player ist nett, aber nur mit grundlegenden Funktionen ausgestattet. Ausführlich liest Du es im zweiten Teil.
Gruß
Es wäre cool, wenn man das Gerät mal an einer Uni (Vorlesung) testet. Ich nehme ab und zu Vorlesungen auf mein iPhone auf, aber die Qualität ist nur mehr oder weniger gut, wenn man in Hörsaal ganz vorne sitzt. Würde sich die Anschaffung des Sony lohnen?
Ja die Anschaffung lohnt sich dafür. Wenn es aber nur Sprache werden soll, gibt es sicherlich billigere Alternativen – z.B. ein Ansteckmikrofon fürs Iphone.
Ich hätte es bei einem Votrag ausprobiert, doch wenn ich mich recht entsinne, sind zur Zeit an allen deutschen Unis Semesterferien, oder nicht? Okay nicht Ferien, “vorlesungsfreie Zeit”..
Die Aufnahmen würden sehr gut werden, ich habe das mal mit dem Radio in 4 Meter Entfernung ausprobiert. Allerdings wirst Du bei Deinen Iphone-Aufnahmen zwei Dinge bemerkt haben:
1) Wenn Komilitonen sich mal wieder laut unterhalten, ist die Aufnahme in der hinteren Reihe so oder so Mist.
2) Der Prof guckt immer ganz komisch, wenn man ihn aufnehmen will. Es mag pedantisch klingen, aber genau genommen müsstest Du den Professor um Erlaubnis fragen. Ihn einfach so aufzunehmen ist rechtlich gesehen verboten.
Ja, wir haben jetzt vorlesungsfreie Zeit :)
Ein Ansteckmikrofon habe ich schon ausprobiert, doch gravierende Qualitätsunterschiede sind mir leider nicht aufgefallen. Vllt. liegt es daran, dass das Ding ein paar Euronen gekostet hat. (Hat jemand Erfahrung mit guten iPhone-Ansteckmikrofonen gemacht?) Aber was du bezüglich der Aufnahme in den hinteren Reihen angemerkt hast, stimmt. Ist das Problem eigentlich auch bei etwas teureren reinen Aufnahmegeräten da? Und wenn ich mit einem iPhone aufnehme, fällt das nicht auf, weil viele auch Kommilitonen ihre Handys auf die Tische ablegen.
Die Problematik des Hintergrundlärmes wirst Du nicht loswerden, es sei denn Du kaufst Dir ein Richtmikrofon und keiner Deiner Komilitonen sitzt in direkter Linie zum Prof. Dann müsstest Du auch noch eine automatische Zielerfassung einbauen, damit das Mic dem Prof an der Tafel immer folgt.
Für Deine Zwecke ist das Sony ICD-UX513F uberkill. Die Qualität wird besser, aber die Informationen und die anderen Quatschtanten werden auch besser verständlich.
Aus eigener Erfahrung hilft nur eines: Erste Reihe und nah am Dozenten sitzen. Dann kann auch das schlechteste Handy gute Aufnahmen hervorbringen. Manche (lies: Ausländer mit schlechten Deutschkenntnissen) sind mit ihren Geräten sogar zum Rednerpult gelaufen, haben den Prof gefragt und legten es dann dort ab. Das gab jedes Mal einen Paukenschlag in der Aufnahme, wenn er da dran gestoßen ist ;)
Hallo Kai,
mich würde ja folgendes interessieren: startet die Aufnahme sofort? Oder genehmigt sich das Gerät soetwas wie “hochfahren”? Gibts eine An/Aus-Schalter? Hintergrund: Bei Diktiergeräten mit Kassette gibts ja keinen An/Aus-Schalter, sondern der Aufnahmeknopf startet alles. D.h. man kann das Gerät aus der Tasche nehmen und gleich aufnehmen.
Gruss
Matthias
Hy,
werde ich im zweiten Teil berücksichtigen. Danke für die Frage.
Das “VOR” bei einem i.d.R. englisch beschrifteten Voice Recorder “Voice Operated Recording” heißt, darauf sollte man eigentlich ohne Bedienungsanleitung kommen. Den VOR-Schalter gab’s übrigens schon vor mindestens 20 Jahren an Olympus-Diktiergeräten.