Asus Eee Note EA-800 im Test (4/4):
Spezialist für Schreiberlinge

Die Kernkompetenzen des Asus Eee Note EA-800 wurden abgehandelt, nun noch schnell ein Blick auf die restliche Ausstattung.

Asus EA-800

Asus EA-800

Man könnte erwarten, dass im vierten Teil des Tests des der Rest vom Schützenfest kommt: All’ die Dreingaben die nichts sind, wenig taugen und damit hat’s sich. Und damit läge man auch nicht vollkommen verkehrt, aber wie hört sich die total verschwiegene Neuigkeit an: Der Eee Note kann auch als echtes Wacom Tablet fungieren. Doch bevor ich mir selbst vorgreife, alles schön der Reihe nach.

Etwas besser als gedacht
Die von mir viel beschimpfte 2-Megapixel Kamera kriegt tatsächlich ihr Fett weg. Das Interface ist konsistent schlicht und schnörkellos, man sieht eine kleine Graustufenvorschau und kann den Digitalzoom bis 2,5-fache Vergrößerung aktivieren – wie in allen anderen Programmen auch, gibt es keine Untermenüs. Die Bilder sind qualitativ sehr bescheiden, allerdings muss ich mich korrigieren: Aus der dritten Reihe eines Vorlesungssaals kann man tatsächlich noch ausreichend gute Bilder schießen, um den Tafelanschrieb zu erkennen. Es reicht also aus, um die gesamte Tafel auf einmal zu fotografieren oder die Mitschriebe des Nachbars schnell zu “kopieren”. Die Bildergalerie zeigt einen Zusammenschnitt verschiedener Aufnahmen unter “Vorlesungsbedingungen”, in der zweiten Zeile steht, aus welcher Hörsaalreihe heraus fotografiert wurde.

Asus Eee Note EA-800
Asus EA-800 - Wacom Tablet für den PC (Bild: kaiZa)Asus EA-800 - Die Aufnahmefunktion kann im Hintergrund ausgeführt werden (Bild: kaiZa)Asus EA-800 - Nette Grafik, aber schlechter Sound (Bild: kaiZa)Asus EA-800 - Zusammenschnitt mehrerer Aufnahmen, Erläuterungen siehe Text (Bild: kaiZa)
Asus-EA-800-sudokuAsus-EA-800-StickymemoAsus-EA-800-photoalbumAsus-EA-800-music
Asus-EA-800--dictionaryAsus-EA-800-CalculatorAsus EA-800 - Bekannte Spiele als Kurzweil (Bild: kaiZa)

Ich hör’ nicht recht

Asus EA-800

Asus EA-800

Was ein echtes E-Book sein will, das muss auch Audiobooks abspielen können. Aber mit den Multimediafähigkeiten ist es beim Asus Eee Note nicht weit her: Nur MP3-Dateien werden abgespielt. Es gibt einen Play/Pause-Knopf, eine Stop-Taste und eine Möglichkeit zum nächsten Track zu springen. Vorspulen? Fehlanzeige. Das erinnert mich an die ersten Walkmans, die auch nur Play-Stop kannten. Jetzt haben Audiobooks die schlechte Angewohnheit lang zu sein und nicht in Minuten-Abschnitten daherzukommen, bisher gibt es dafür keine Abhilfe. Asus muss den Player aber genau aus diesem Grunde eingebaut haben, denn der “Klang”, so man denn davon noch sprechen kann, wurde all seiner Bässe beraubt, wahrscheinlich um bessere Sprachverständlichkeit zu erzeugen – oder weil der Soundchip einfach nichts taugt.

Interessanterweise ist das Asus OS multitaskingfähig, der Player und auch der Soundrecorder können im Hintergrund weiterspielen/-aufnehmen. Das Mikrofon nimmt, trotz seiner ungünstigen Lage, den Sprecher ausreichend laut auf, weiter entfernt muss es allerdings sehr still sein, sonst überwiegen die Nebengeräusche. Es versteht sich demnach fast von selbst, dass man während einer Aufnahme nicht mitschreiben kann. Ich habe drei Hörproben vorbereitet, die zum Schluss alle in das MP3-Format konvertiert wurden: Das Original stammt von Alexander Blu mit dem Titel “Emptiness” unter der Creative Commons Lizenz, die zweite Aufnahme wurde direkt am Kopfhörerausgang gemacht und die dritte Datei ist eine Mikrofonaufnahme, selbst bei dieser geringen Qualität ist klar zu hören, wie der Bass fehlt. Der eingebaute Monolautsprecher erfüllt seinen Zweck recht zuverlässig und klingt wie ein verzerrungsfreier Smartphone-Lautsprecher.

Undsoweiter

Asus EA-800

Asus EA-800

Wie der Musikplayer und der Audiorekorder, sind auch die anderen Softwaretitel reine Beigaben, damit es nicht so leer aussieht. Die Textmemos müssen umständlich über die Onscreen-Tastatur eingegeben werden, das Fotoalbum zeigt die Bilder nur im platzverschwenderischen Querformat, womit oben und unten viel weißer Platz bleibt, und der Webbrowser wird als “experimentell” beschrieben. Lediglich Bubble Breaker und Sudoku könnten noch von Belang sein, um die Zeit zu vertreiben. Der große Taschenrechner bietet elementare Rechenoperationen, kann sie aber nicht speichern. Ein kleines Highlight ist noch das mitgelieferte Wörterbuch “Longman English”, ob es in der europäischen Version auch dabei ist, bleibt abzuwarten.

Man könnte meinen, damit hätte man alles gesehen, doch eine Funktion verschweigt Asus, sie zeigt sich erst bei Verbindung mit einem Windows-PC: Über eine USB-Verbindung können nicht nur die Inhalte des Gerätes snychronisiert oder die SD-Karte ausgelesen, sondern auch die Wacom Technologie genutzt werden. Bei Anschluss des Kabels bietet der Asus EA-800 den “Windows PC Digitizer Mode” an: Jede Stiftbewegung wird auf dem PC als Mausbewegung interpretiert, wahlweise für Links- und für Rechtshänder; damit das auf jedem PC reibungslos klappt, sind die entsprechenden Treiber bei USB-Anschluss gleich verfügbar. Unter Linux sollte es möglich sein, den Modus ebenfalls korrekt zu aktivieren, ein erster Test konnte zumindest das Tippen als Klick interpretieren, wenngleich die Maus still stand.

Zu Anfang war ich etwas enttäuscht “nur” 13 Stunden Akkulaufzeit damit zu erreichen, verglich das Eee Note unweigerlich mit dem Farbdisplay des iPad2 und seinen 10h Arbeitszeit. Doch zum einen greift das EA-800 nur auf einen Akku mit 3700mAh und 3,7 Volt zu, also die Hälfte des Fallobstes, zum anderen kostet es auch nur ein drittel und lädt viel schneller.

Das ist, als würde man ein 250 Euro teures Smartphone mit einem für 629 Euro vergleichen und hernach behaupten, das teurere sei viel besser.

Gesucht, gefunden
Das Asus Eee Note EA-800 ist ein Spezialist für ein ganz eng umrissenes Aufgabengebiet: Die Wacom Penabled Technologie erlaubt papierähnliches Zeichnen, das Monochrom-Display gewährleistet lange Laufzeit und angenehmes Lesen – die Hardware ist ihrer Aufgabe voll und ganz gewachsen. Vorvallem auf die Notizfunktion hat sich Asus sehr konzentriert und fast alles richtig gemacht, die fehlende Farbunterstützung und die mangelhafte Speicherkartenverwaltung können durch Softwareupdates behoben werden. Asus betreibt beim Note eine sehr offenherzige Software-Politik, in Foren jubelt man schon über das erste native Linux-Tablet mit Wacom-Technologie. Das alles führt unweigerlich zu einer regen Nutzergemeinschaft, die auch zukünftig für Updates sorgen wird, und dabei hat das Eee Note noch nicht mal alle Märkte erreicht.

Bei mir ist das Gerät seither jeden Tag im Einsatz, der Akku hält zwei volle Arbeitstage durch – und hat noch Luft nach hinten. Es ersetzt meinen Moleskin vollständig, weil ich endlich nicht mehr nach dem Akku schauen muss und nach herzenslust drauflos kritzeln kann. Meine Unterlagen sind immer geordnet, Kopien liegen auf dem PC, und ich verliere keine Notiz mehr. Der Eee Note ist ein echter Papier- und Buchersatz – aber eben auch nicht mehr. Solange man das im Hinterkopf behält, wird man damit vollauf zufrieden sein.

Link zum bisher aktivsten Forum um das Eee Note.
Downloadlink zur Erweiterung des EA-800.
Link zu einem der zwei vermuteten Bootloader.
Asus Produkt Homepage.
Adresse der Asus Support Seite.

 

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7 Kommentare

  1. Super Test. Wenn’s für um die 200 Euro verfügbar sein sollte – ich kann warten – ist es so gut wie gekauft.

    • Vorab schonmal ein “Danke” für die Finanzierung meines zukünftigen Gerätes.

  2. “Nur MP3-Dateien werden abgespielt.” Welche vermeintlichen Vorteile sollen andere Formate wirklich haben?

  3. Müssen sie einen Vorteil bieten? Außer dem MP3_Format sind auch WMA und AAC weitverbreitet, manch einer nutzt auch OGG oder FLAC. Auf Anhieb fällt mir kein aktueller Musikplayer ein, der nichts außer Mpeg3 abspielt, deshalb “nur”.

  4. Hi Kai.

    Danke für den Test. Hoffentlich kommt dieses Gerät bald in Deutschland raus! : )

  5. Da ich schon länger über einen E-bookreader nach denke, kommt mir das Gerät ziemlich gelegen.

    Was mich interessieren würde ist, ob die erwähnte Worterkennung in den europäischen Geräten nur für normale Buchstaben funktioniert, oder auch mit arabischen und (für mich besonders wichtig) chinesischen Zeichen klar kommt.
    Oder sollte ich dafür doch eher meine Reisekasse hier in Taiwan etwas mehr beanspruchen. :)
    In Verbindung mit einem Wörterbuch währe das das ideale Gerät für mich, da ich ohnehin am chinesisch lernen bin.

    • Wenn Du mit “arabischen Zeichen” Zahlen meinst, dann lautet meine Antwort ja.
      Wie es sich mit europäischen Geräten hinsichtlich chinesischer Zeichen verhält vermag ich nicht zu sagen – es gibt eine Möglichkeit auch ein taiwanesisches ROM auf ein Note beliebiger Herkunft zu flashen. Die chinesische Firmwareversion versteht natürlich auch Chinesisch, ich bin mir aber noch nicht im Klaren, ob die Erkennung grausig, es auf die korrekte Abfolge der Striche ankommt oder meine Sauklaue zu unleserlich dafür ist – bei manchen Zeichen ist die Erkennungsrate sehr schlecht und ich muss aus sechs Vorschlägen wählen.

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