Acer Aspire M5711:
Kleiner Konstruktionsfehler

Alles bestens beim Acer Aspire M5711, wäre da nicht ein ärgerlicher Konstruktionsfehler.

Vor einem Jahr musste ich mir spontan einen neuen Desktop PC zulegen, da mein alter Rechner sich final verabschiedet hatte. Gerne hätte ich mir einen Rechner selber zusammen gebaut, aber die Zeit war knapp und es musste ein Neuer noch am gleichen Tag her. Meine Wahl fiel auf einen Acer Aspire M5711. Der hat einen Intel 2 Quad Q9300 (2.5 GHz, 6MB Cache, 1333 MHz FSB), 8 GB RAM und zwei 500 GB Festplatten im Raid. Als Grafikkarte dient eine GT130 von Nvidia, was jetzt kein Highlight ist, aber mir (ich spiele nur selten) völlig ausreicht. Nach einem Jahr im Dauereinsatz kann man ja mal ein Resümee ziehen.

Im Grunde ist es ein solider, sehr schneller und vor allem leiser Rechner. Die CPU reicht für meine Anwendungen völlig aus, dabei ist der riesige Kühler angenehm leise. Selbst unter Volllast hört man ihn kaum, nur ein etwas lauter werdendes Surren ist zu hören.

Die 8GB RAM sind vielleicht auch etwas überdimensioniert, aber auf der anderen Seite helfen sie dabei, dass der Rechner flott bleibt und entspannt vor sich hin arbeitet. Im letzten Herbst habe ich Windows 7 64bit auf den Rechner geworfen, seit dem läuft er noch etwas besser.

Ein paar Kleinigkeiten nerven allerdings:

- Die seitlich angebrachten Tasten für den Anschalter und den DVD-Brenner sind Mist. Zum einen reagieren sie kaum, oder nur, wenn man sie an einer bestimmten Stelle trifft, zum anderen sitzen sie so blöd, dass man sie kaum erreicht.

- Im Standby-Modus schaltet sich der beleuchtete “Aspire” Schriftzug nicht aus und beleuchtet im Dunkeln das halbe Büro. Nicht gerade Umweltschonend.

- Acer hat am falschen Ende ein paar Euro eingespart. Für den stromhungrigen Prozessor, die Grafikkarte und die zwei Festplatten muss ein 400 Watt Netzteil herhalten. Das der Rechner damit überhaupt funktioniert, wundert mich. Ein Austausch würde vermutlich Sinn machen, wenn man den Rechner immer an seine Leistungsgrenze fährt.

- Die Kühlung des MCP (Northbridge) des Rechners ist ein Konstruktionsfehler

Die Northbridge ist beim Acer passiv gekühlt. Oben steckt ein Passivkühler drauf, von der Seite sorgt der CPU-Lüfter für ein wenig Wind zwischen den Kühlrippen. Da ist auch nötig, denn der MCP wird vom Start weg erstaunlich heiß. Selbst im Leerlauf werden 60 Grad Celsius angezeigt.

Nach einem halben Jahr schaltete sich der Rechner mehrfach einfach ab. Ich hatte erst das leicht überforderte Netzteil im Verdacht, aber das lief weiter tadellos. Spannungsschwankungen waren auch nicht zu sehen. Nach mehreren Abstürzen habe ich einfach mal gegooglet und siehe da: das Netz hat viele Einträge zum Thema M5711 und Abstürze. Ein Eintrag brachte mich auf den MCP, bzw. dessen Temperaturprobleme.

Mit Everest Home konnte ich die Temperatur des MCP dann auslesen und siehe da: vom Start weg lagen 96 Grad Celsius an. Bei 102 Grad schaltet das Bios dann den Rechner ab, sonst würde vermutlich irgendwann ein Loch im Motherboard sein.

Auf die Idee, dass es ein Kühlungsproblem ist, kam ich dann durch Zufall. Ich hatte den Rechner auf dem Tisch liegen und habe einfach mal kurz die Kühlrippen des MCP angepustet. Prompt fiel die Temperatur um 10 Grad nach unten. Offensichtlich lieferte der CPU-Kühler nicht mehr genug Luft.

Das Problem: setzt sich nach ein paar Monaten auch nur minimal Staub im Lüfter fest, werden also ein paar Kühlrippen auch nur ansatzweise blockiert, erreicht die Abluft nicht mehr den MCP. Der platzt dann bald vor lauter Hitze. Das ist ein Witz und rührt vermutlich daher, dass man den Rechner nur unter Laborbedingungen, aber nie im “richtigen” Leben getestet hat. Im Grunde läuft es darauf hinaus, dass ich den Rechner alle zwei Monate komplett entstaube und dabei die kniffelige CPU-Kühler Abdeckung abfummeln muss. Deren Haltepunkte sind nicht verschraubt, sondern werden mit Plastikclips gehalten, denen man schon ansieht, dass sie irgendwann abbrechen.

Es ist schon ärgerlich, dass ein immerhin 700 Euro Rechner so einen Fehler aufweist. Kunden, die keine Lust haben auf die Suche zu gehen oder eher hilflos sind, wenn sie mit diesem Problem konfrontiert werden, werden sich ärgern, was für eine Marke ja nie die beste Reaktion ist. Der größte Witz an der Sache ist auch noch, das Acer die Öffnung des Seitenteils mittels eines Garantieaufklebers blockiert. Entstaubt man den Rechner nicht, geht er aus, greift man zur Selbsthilfe (5 Minuten Arbeit), verliert man die Garantie.

Von diesem Ärgernis abgesehen ist der Rechner in Ordnung. Auf Grund der thermischen Probleme würde ich ihn allerdings nicht empfehlen wollen.

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3 Kommentare

  1. Adams
    schrieb am 14. Mai 2010 um 14:49 Uhr (#)

    Wirklich sehr ein sehr gutes und ausführliches Resume des Acer Aspire m5711. Habe selbst die Erfahrung der etlichen schwarzen Bildschirme gemacht, bin aber dennoch überzeugt von der Leistung des PCs, zu diesem Massentauglichen Preis.

    Für Vollblutgamer ist der Rechner aber nicht gemacht, da er durch das geringe Netzteil und die vergleichsweise schwache Grafikkarte nicht in höchster Performance darstellen kann. Dennoch aber gute Leistungen bringt.

    Bei Crysis, CoD6, Battlefield BC2 sind bisher keine größeren Probleme aufgetreten.

    mfg

  2. Ken
    schrieb am 15. Mai 2010 um 11:17 Uhr (#)

    Was habt ihr immer mit euren Netzteilen? 400W sind VÖLLIG ausreichend für einen solchen PC. Ich hatte für meinen PC mit Radeon HD5770 und Core i3-530 (auf 4GHz übertaktet) ein 350W-Netzteil.

    Habt ihr mal die Leistungsaufnahme unter Last gemessen? Übrigens hilft auch Computerbase.de.

    http://computerbase.de/ar…tt_leistungsaufnahme

    Selbst mit der extremsten CPU wird da ein Wert von etwa 250W erreicht.

    Problematisch wäre eher eine zu geringe Auslastung des Netzteils und somit ein geringer Wirkungsgrad.

    Ein 500W-Netzteil würde sich schon arg langweilen und hätte einen schlechten Wirkungsgrad, wenn unter idle dann ungefähr 100W erreicht werden…

  3. Christian
    schrieb am 26. Mai 2010 um 10:09 Uhr (#)

    gähn…

    Ein Rechner von der Stange – was erwartet man da? Massenproduktion (ohne Beachtung von wichtigen Details).

    Ansatz: 5-50 Minuten und 20€ investieren (Lüfter und Wärmeleitpaste) und den asiatischen Billig-Systembuildern nachhelfen:

    - Northbridgekühler abmontieren, Wärmeleitpaste auftragen, Kühler wieder drauf
    - Gehäuselüfter der leise ist montieren um die Gesamthitze im PC zu verringern.

    Anmerkung: Schlechtes Lüftungsmanagement findet sich auch in weit teuereren Kisten – aber seltener.

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