Google Nexus One im Test (III):
Rechenzentrum in der Hosentasche

Das Nexus One von Google ist ein leistungsstarkes und schönes Mobiltelefon. Die Revolution aber liegt nicht im Handy, sondern in seiner Anbindung an Google. Wir zeigen sie in vier Videos.

Google Nexus One: Red' mit mir!
Google Nexus One: Red' mit mir!
Seit einer Woche spiele ich jetzt mit dem Googlephone Nexus One herum, freue mich über nette Details und ärgere mich über Kinderkrankheiten und Dummheiten, wie sie auch das iPhone am Anfang (und auch heute noch teilweise) hat.

Dabei spielen all diese Dinge eigentlich keine Rolle. Die Revolution des Nexus One von Google liegt nicht im Gerät. Sie steckt in den Google Rechenzentren, im Suchindex, in Kartenmaterial und Satellitenfotos.

Das Nexus One ist ein ganz gutes Smartphone. Zum Superphone aber wird es erst durch die Leistung, die aus der Cloud kommt.

Weil das so ist, ziehe ich in dieser Serie von Testberichten für einmal eine Art “Fazit” vor:

Wenn ich die Neuerungen des Nexus One und von Android 2.1 zusammengefasst beschreiben müsste, würde ich sagen: Sie besteht in der (ersten) vollwertigen Anpassung des Konzepts von “Information auf Tastendruck” aus der Welt der PC an die Welt der Mobilkommunikation.

Die Spracherkennung des Nexus One – die mit dem Telefon selber nur am Rande zu tun hat, denn wie alles andere passiert die Umsetzung der Audio-Daten in Text nicht auf dem Nexus One, sondern bei Google in deren Rechenzentren – ist ein Meilenstein, auch wenn sie von den meisten Rezensenten bisher mit einem Schulterzucken als “ganz gut” abgetan wurde. Das liegt wohl auch daran, dass es zum Nexus One kein Handbuch gibt und man sich selbst durch die Unmenge an Features kämpfen, versteckte Menus und “Zauberwörter” für die Spracherkennung kämpfen muss.

Andrererseits sind das Nexus One und Android grundsätzlich und von Anfang an darauf ausgerichtet, dass der Anwender keine Fragen stellen muss – es geht umgekehrt: Das Handy will einmal meinen Google-Zugang wissen – und saugt sich dann in Sekunden meine 1000 Adressen, Kalenderdaten dreier Jahre, mehrere Zehntausend Mails von GMail und alle Konversationen plus Kontakte für Gtalk aus dem Netz. Zack. Eingerichtet. Fertig (es saugt natürlich nur wenig und lässt den Rest in der Cloud. Schon klar).

Einen Abgleich oder eine Synchronisierung mit dem PC gibt es nicht und braucht es nicht. Synchronisierung findet ständig im Hintergrund und je nach Anbindung via WLan oder UMTS statt, und zwar mit den Google-Servern, auf denen die Dokumente, Tabellen, Mails, Feeds und so weiter ja ohnehin liegen.

Alles – je nach Einstellung -, buchstäblich alles, was aus dem Netz kommt, wird permanent abgeglichen, von Facebook über den Kalender zu sämtlichen Mailaccounts bis zu den Adressen und den GoogleDocs. Eine Anbindung an den PC gibt’s zwar, aber sie ist eigentlich nur zum Notfall-Austausch von Dateien ganz direkt via Explorer vonnöten: Musik zum Beispiel, die ich inzwischen aber auch bereits lieber am Nexus im Amazon-MP3-Shop kaufe – und sie später am PC direkt bei Amazon nochmal ziehe.

Zusammengefasst: Dieses Handy will nichts mit dem PC, aber alles mit der Cloud zu tun haben – und es tut dies sehr konsequent. Und darum sind alle Daten immer auf allen Geräten verfügbar.

Das ist das Google-Konzept: Das Telefon ist nicht mehr als die Verlängerung aller Google-Anwendungen im Netz – und der Daten, die eben auch dort, in der Cloud liegen. Dieses Konzept ist in allen Google-Anwendungen in Android sehr fliessend umgesetzt, was zusammen mit dem 1GHz-Prozessors des Nexus One und seines atemberaubend brillanten Bildschirms für eine Tempo-Orgie sorgt, die einfach Spass macht.

Dazu kommen die Gimmicks des Nexus One /Android 2.1, wie die Live-Wallpapers, die nahtlose Integration von Google Maps und der Suche – und die Strassen-Navigation. Letzterer widme ich ein eigenes Posting – sie war einer der Gründe für mich, das Gerät zu kaufen, und ein erster Test bestätigt meine Hoffnung – sie ist ausserordentlich gut.

Wenn aber das Geheimnis des Superphone gar nicht im Nexus One steckt – warum brauchte Google es dann?

Das Nexus One ist mit seinem leistungsstarken Prozessor und den zwei Mikrofonen, die für eine ideale Trennung zwischen Eingabesprache und Umgebungslärm sorgen, für diese Eingabeart optimiert. Ich hege keinen Zweifel, dass Google vor allem für seine Entwickler ein ideales Telefon haben wollte, dessen System nicht durch erweiterungen eines Drittherstellers verkleistert und dessen Hardware auf die Anwendungsarten konzipiert ist, die sich Google für die Zukunft vorstellt.

Was heisst das nun im Alltag mit dem Nexus One?

Es heisst, dass die Google-Suche auf dem Handy zu einer Sache von “Taste drücken, Frage stellen” – und Sekunden später, zumindest im Wifi-Empfangsbereich und mit UMTS, Resultate ansehen wird. Die können dabei natürlich sowohl im Browser wie auch in der Kontaktliste oder in der Übersetzungsapplikation auftauchen.

Für die unerwartet guten Resultate der Spracherkennung gibt es zwei Erklärungen:

Erstens muss für die Suche keine vollkommen fehlerfreie Spracherkennung stattfinden. Für das Diktat eines Geschäftsbriefes hingegen sind 95% Erkennungsrate inakzeptabel. Und zweitens kann Google, weil weder die Spracherkennung noch die Suche auf dem Nexus One stattfindet – oder bald auf jedem Android-Handy und wohl auch auf dem iPhone – die volle Power seiner Server und Indizes ausnutzen.

Konkret: Die klassische Suche findet auf dem Nexus One am bequemsten über eines der Widgets statt, das direkte Google-Suchen startet. Natürlich kann man in das Eingabefeld auch Buchstaben tippen , aber ich habe am dritten Tag nur noch gesprochen: Ein Knopfdruck, ein Suchbegriff, und drei Sekunden später liegen die Resultate im blitzschnellen Browser vor.

Genau gleich funktioniert es in den Google Maps. Hier ist das Problem, dass ich gewisse Namen nicht englisch aussprechen kann oder nicht wiess, wie man sie englisch aussprechen würde. Solange es einen englischen Namen für eine Stadt gibt, kann ich sie in Sekunden finden, ansonsten wird es schwieriger – und das gleiche gilt für Nachnamen und die Suche in den Kontakten. Trotzdem hilft die Spracherkennung auch dort: Statt “Hogenkamp” sage ich “Peter”, kriege eine Liste aller Peter in meinen Kontakten und tippe den richtigen an.

Die Spracherkennung lässt sich für die Eingabe von Text nutzen, aber es gibt auch eine Ausgabe von Text als Sprache – und zwar in verschiedensten Sprachen, von Spanisch über Italienisch, Französisch, Deutsch und Schwedisch – alles ohne die Installation umfangreicher Sprachdateien: Die Spracherzeugnisse sind keine Tonsamples, sondern eine weitgehend Sprachsynthese. Das klingt bisweilen etwas blechern, aber dafür funktioniert es und ist sehr schnell. Und zwar sowohl beim Vorlesen von SMS als auch in der Navigation oder in der Übersetzungsanwendung:

Eine Kombination aus allen drei Technologien – Spracheingabe, Auslagerung der Rechenaufgaben in die Google-Zentralen und Sprachsynthese – ist dieses Programm des Google Nexus One, das Wörter und ganze Sätze übersetzt und sowohl anzeigt, als auch (in vielen Sprachen) ausspricht.

Im Video ist zu sehen, wie gut das bereits funktioniert – und auch wenn die Ausgabe in der Zielsprache manchmal etwas holprig sein dürfte: Für eine einfache Verständigung reicht es, und wenn man sich vorstellt, dass neben Englisch wohl bald auch andere Sprachen erkannt werden dürften, könnten sich demnächst Menschen in zwei Sprachen miteinander unterhalten, indem sie das Handy als Dolmetscher zwischen sich legen.

Ich werde in den nächsten Postings auf all die Anwendungen, die Ecken und Kanten des Nexus One und Android 2.1 eingehen. Aber das sind alles Nebenwerte, die man heute von jedem Smartphone erwarten darf. Seit drei Tagen – seit ich das Konzept verstanden habe – begeistert mich das Nexus One aber als “Antwort-Maschine”.

Ich habe nicht nur angefangen, die Google Suche auch auf dem Handy zu benutzen (was ich bisher nur in Notfällen getan habe, obwohl es auf dem Nokia E71 durchaus geht). Ich habe mich vielmehr bereits dabei ertappt, am PC sitzend eine Frage ins Nexus zu diktieren, statt im Browser ein Tab mit Google zu öffnen und eine Frage zu tippen.

Es ist geht schneller und bequemer.

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19 Kommentare

  1. Julian
    schrieb am 19. Januar 2010 um 14:09 Uhr (#)

    Wie siehts denn aus, wenn ich im Ausland bin. Muss ich immer mit der Cloud verbunden sein? Kann ich einstellen, dass ich im Ausland von der Cloud automatisch getrennt werde. Das ist ja schon ein gewisser Kostenfaktor. Ich wohne im Grenzgebiet zwischen Deutschland und Österreich und da wechselt man schnell mal automatisch das Netz.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
      schrieb am 19. Januar 2010 um 14:29 Uhr (#)

      Julian, Du kannst Roaming wie bei allen Android-Telefonen separat für den Datenverkehr ausschalten. Grundsätzlich glaube ich, dass sich die Europäischen Telkos bald etwas überlegen müssen, um zu echten Flatrates zu kommen – anders sind die modernen Systeme nicht mehr zu nutzen.

  2. Frank
    schrieb am 19. Januar 2010 um 14:23 Uhr (#)

    Sehr schöner Bericht – endlich einmal kein Test, wie er schon mehrfach im Netz zu finden ist :-)

    Vielen Dank!

  3. Doc
    schrieb am 19. Januar 2010 um 15:44 Uhr (#)

    Super Bericht, ich kann es immer weniger erwarten bis das Handy endlich in Europa ankommt :-)

    Noch eine kleine Frage im Voraus: Wie sieht es denn mit dem Akku aus? Akzeptabel?

  4. Daniel
    schrieb am 19. Januar 2010 um 16:08 Uhr (#)

    Aber wir sprechen hier schon von Android 2.1 und nicht 2.0.1 oder? Meines Erachtens kommt das Nexus mit 2.1er Android.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
      schrieb am 19. Januar 2010 um 22:38 Uhr (#)

      Ja klar, blöder Typo – noch ein Grund mehr zu diktieren statt zu tippen…

  5. Joe
    schrieb am 19. Januar 2010 um 17:12 Uhr (#)

    Google wird gefährlich ;-)

  6. Adler
    schrieb am 19. Januar 2010 um 20:25 Uhr (#)

    hiho,

    verfolge schon seit einiger Zeit diese Seite,finde sie echt klasse,vor allem,dass man hier immer von der neusten Technik erfährt und besonders gut finde ich die “Kuriositäten” ;D
    Jetzt meine eigentliche Frage:
    Kommt man in Deutschland schon an das Nexus mit Prepaid dran,die Features kann ich doch auch über mein Wlan nutzen?
    Und noch eine wichtige Frage:Kann man diese “geile” Spracherkennung auch für ICQ nutzen,dass man nicht auf dem Touchscreen rumdrücken muss,sondern seine Nchrichten einsprechen kann ;) oder bei Facebook Einträgen?
    Find das Handy wirklich klasse,kann man mit “Prepaid” dann auch überall ins Inet gegen Gebühre(sind die doch)?

    Nochmal großes Lob an die Seite,ist echt Top!

    1. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
      schrieb am 20. Januar 2010 um 10:01 Uhr (#)

      Adler, ich glaube nicht, dass Du das, was das Nexus tut, mit einer Prepaid-Karte tun möchtest. Dafür gibts besser geeignete Geräte. Das prinzip des Nexus ist “always online”, und dazu brauchst Du eine (echte!) Flatrate.

  7. bierbauch
    schrieb am 19. Januar 2010 um 23:36 Uhr (#)

    schöner test und der funktionsumfang ist teilweise echt erstaunlich! was ich allerdings an meinem g1 etwas doof finde, ist dass die spracherkennung ausschließlich auf englisch funktioniert …
    sprich wenn ich auf deutsch jemanden via spracherkennung anrufen möchte, kommt meist etwas sehr merkwürdiges dabei heraus. hat sich das inzwischen geändert bzw. verbessert, oder ist man immer noch auf englisch als eingabe sprache beschränkt?

    1. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
      schrieb am 20. Januar 2010 um 10:00 Uhr (#)

      Bierbauch: Englisch ist Pflicht, und so lange wird das Nexus wohl auch nicht nach Deutschland kommen.

  8. wakila
    schrieb am 20. Januar 2010 um 09:36 Uhr (#)

    Die Spracherkennung haette ich auf meinem Milestone auch gerne… gibts dafür passende Apps, kommt das mit Version 2.1 oder brauch ich die zwei MIkrofone wie beim Nexus ? ;-)

    1. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
      schrieb am 20. Januar 2010 um 09:59 Uhr (#)

      Wakila, meines Wissens ist das Android 2.1, aber es klappt erst auf englisch. Ich meine, Google wird das Nexus One erst ausliefern, wenn die Sprache des Zielgebiets erkannt wird.
      Die beiden Mikrofone sorgen einfach für perfektes Ausfiltern der Hintergrundgeräusche und verbessern so die Erkennungsrate.

  9. Martin Steiger
    schrieb am 20. Januar 2010 um 15:19 Uhr (#)

    Peter, wo finde ich Google Nexus One im Test (I) und (II)?

    1. Doc
      schrieb am 20. Januar 2010 um 16:36 Uhr (#)

      Unter dem Artikel vor den Comments:

      # Nexus One im Test: Google-Phone frisch aus der Packung (12. Januar 2010)
      # Google Nexus One: Obszönitäten nur im Plural (15. Januar 2010)

  10. Martin Steiger
    schrieb am 20. Januar 2010 um 16:37 Uhr (#)

    @Doc: Merci – ich hielt nach römischen Ziffern Ausschau … ;)

    1. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
      schrieb am 22. Januar 2010 um 03:24 Uhr (#)

      Römische Ziffern sind so schwierig zu tippen und gehn deswegen bisweilen unter…

  11. Ronnie Grob
    schrieb am 21. Januar 2010 um 09:07 Uhr (#)

    Echt grossartige Videos – vielen Dank dafür!

  12. Jens
    schrieb am 31. Januar 2010 um 19:28 Uhr (#)

    Absolut klasse Test! Wir haben hier auch ein Nexus One, da wir Dualsim Loesungen vertreiben, wollten wir das gleich testen. Merkwuerdigerweise hat man im Nexus One kein STK (Simtoolkit) integriert. Das Switchen mit Dualsim geht aber elegant per Voicecommand, da es einen Shortcut zum Switchen gibt. Gebe hier gerne mehr Auskunft.
    Ganz ehrlich ohne diesen Supertest hier waeren mir viele geniale Funktionen gar nicht aufgefallen, bekomme nur die Navigation in Deutschland nicht zum laufen ist die vielleicht noch nicht in deutsch verfuegbar?
    Wir waeren auch an einem Linktausch mit unserem Blog
    unter http://www.2-phones-in-1.com/blog interessiert.
    Beste Gruesse and keep up the great work.
    Jens
    2-phones-in-1.com

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