Google Nexus One:
Obszönitäten nur im Plural

Das Google-Phone Nexus One weigert sich, Obszönitäten als Diktat anzunehmen (Video). Zensur vom Unternehmen, das sich grade mit China anlegt?

Das Nexus One ist ein sehr schmuckes und rasend schnelles Mobiltelefon, aber es hat auch ein paar Killer-Applikationen. Die wichtigste – und in den bisherigen Rezensionen überall vernachlässigte – ist die Spracherkennung.

Sie erlaubt die Eingabe von Text durch Sprache in sämtlichen Anwendungen und funktioniert bereits erstaunlich gut (ich komme im ausführlichen Testbericht darauf zurück).

Allerdings übt Google eine moralinsaure Zensur aus:

Das Unternehmen, das sich derzeit mit China anlegt und Redefreiheit verlangt, beugt sich der amerikanischen Puritaner-Tradition und zeigt obszöne Begriffe, die erkannt worden sind, nicht im Text an, sondern ersetzt sie durch Rauten.

Lustigerweise geschieht dies nur mit den Wörtern im Singular: “asshole” wird ausgeblendet, “assholes” nicht. “Pornography” gar wird regelmässig erkannt und dann falsch buchstabiert als “Pronography” ausgegeben. Da hat wohl jemand in der Zensurliste gepfuscht…

Nun, das wird meine Kommunikation via SMS und Email etwas familienfreundlicher gestalten – und wenn ich mal wirklich etwas vom Stapel lassen muss, dann geschieht das sowieso in de Mehrzahl…

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17 Kommentare

  1. Daniel
    schrieb am 15. Januar 2010 um 02:41 Uhr (#)

    Du hast nicht zufällig Lust mir ein Nexus One zu schicken? ;)
    Ich will unbedingt dieses verdammte Handy in den Griffeln halten. Immer wenn ich so Reviews sehe wird die Sehnsucht größer ^^
    Ich glaub ich würd auch mit der Zensur zurechtkommen, bin ja n lieber und fluche sehr selten xD

  2. wowow
    schrieb am 15. Januar 2010 um 07:58 Uhr (#)

    Wisst Ihr, was gerade bei mir geschehen ist?
    Hab nen Wunschzettel für meinen kommenden Geburtstag geschrieben, will da Nexus One hinschreiben, da steht da doch plötzlich nur noch ***** ***!
    Tja, dann kommt dieses ******-Zensur Krüppeldings wohl nicht in´s Haus.
    So eine ********!

    1. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
      schrieb am 15. Januar 2010 um 08:08 Uhr (#)

      Wie war das gleich: Bis vor zehn Sekunden wussten wir noch nicht mal, dass wir auch diktieren statt tippen können, aber jetzt ist es schon ein Menschenrecht… ;-) Du kannst auf dem Nexus “FUCK” tippen, so oft du willst.

  3. Jan
    schrieb am 15. Januar 2010 um 08:04 Uhr (#)

    Ja, der Bann auf Schimpfwörter und übrigens auch auf Brustwarzen ist so eine amerikanische Spezialität. Jede Kultur hat halt ihre Eigenheiten, die Außenstehende irritierend finden. Dafür werden es wohl viele Amis seltsam finden, warum in Deutschland Blut in Computerspielen idealerweise nicht rot sein sollte sondern z.B. grün ;-)

    1. Hansgerd Zappenduster
      schrieb am 15. Januar 2010 um 09:55 Uhr (#)

      Lieber Jan,

      als Erwachsener kannst du dir in Deutschland so viel Schweineblut um die Ohren hauen wie du willst, solltest deine oder fremde Kinder per se nicht beschimpfen, wirst in Amiland aber, eben auch als Erwachsener, ausgebeept. Schon’n Unterschied, oder?

    2. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
      schrieb am 15. Januar 2010 um 12:03 Uhr (#)

      Jawohl, Hansgerd, in Deutschland herrscht die grosse Redefreiheit, während die unfreien Amis nicht mal “shit” sagen dürfen, weil sie sonst sofort mit einer Abmahnung über 500 Euro belegt ausgepiepst werden. Ich muss wohl verdreht sein, dass ich persönlich das Gepiepse und die lächerlichen Tiraden konservativer Radiomoderatoren gegen Leute, die “shit” sagen, als sehr viel weniger bedrohlich empfinde als Vorratsdatenspeicherung und Gesinnungshaftstraf-Androhung. Tatsächlich ein Unterschied.

  4. Frank
    schrieb am 15. Januar 2010 um 08:40 Uhr (#)

    Das ist in der Tat kurios – “die spinnen die ****” ;-)

  5. Mick
    schrieb am 15. Januar 2010 um 09:55 Uhr (#)

    I tipp my hat to the Great Dictator. Das ist doch mal wieder ein ******* grosser ****** mit ***** und ******! Jetzt hätte ich gerne noch so einen Zensurparser, der Werbeanrufende automatisch beim ersten Spam-Wort mit Hochfrequenzpfeifen betäubt und aus der Leitung schmeisst.

  6. Schtonk!
    schrieb am 15. Januar 2010 um 11:44 Uhr (#)

    Arschloch? Spracherkennung? Da war doch was…:

    http://neuerdings.com/200…idiger-zu-bestellen/

    Ich tät jetzt mal sagen, Google macht das nur zum Wohle des Anwenders :-)))))

    1. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
      schrieb am 15. Januar 2010 um 12:05 Uhr (#)

      Gute Beobachtung. Wie die Chinesen, die schützen ja auch nur ihre Bevölkerung vor Pornographie (und dem Dalai Lama).

  7. Lonely Loon
    schrieb am 16. Januar 2010 um 16:51 Uhr (#)

    Soviel zum Prüderie-Filter bei Google. Kein echtes Problem, aber echt nervig. Ein Rückfall in die bigotte Moral 50er-Jahre.

    Doch was ist bei der Zensur bei Neuerdings? Im Video-Untertitel wird “ficken” zensiert, nicht aber “Scheisse” oder “Motherfucker”. Warum…?

    1. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
      schrieb am 18. Januar 2010 um 11:32 Uhr (#)

      Echt nervig? Ich finds lustig. Und bei neuerdings.com, bitteschön, ist es nicht Zensur (setzt Eingriffe eines Dritten voraus), sondern Verantwortung eines familienfreundlichen Blogs seiner Leserschaft gegenüber (…oder so. Ich glaub, ich hab mich einfach anstecken lassen) ;-)

  8. battl
    schrieb am 18. Januar 2010 um 12:53 Uhr (#)

    familienfreundlich? man kann da ja nicht mal vagina, vulva oder penis schreiben (kenne ich aus einer amerikanischen forensoftware). ich glaube nicht, dass man kindern solche wörter vorenthalten solle. außer du hältst nix auf aufklärung und hoffst darauf, dass deine mädels ned schwanger werden

    1. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
      schrieb am 18. Januar 2010 um 13:02 Uhr (#)

      Nee, “Vagina” geht, aber wenn Du “Pussy” oder “Cunt” sagst, gibts wieder vier Rauten. Das gleiche bei “Penis” und “Cock” – was noch witziger ist: Was ist falsch daran, einen Hahn zu suchen? Erinnert mich an die Untertitel in “Christine” von Stephen King, als der Film in der Schweiz rauskam. Sagt einer: “Nothing smells better than a new car – except maybe a pussy.” Untertitel-Übersetzung: “Nichts riecht besser als ein neuer Wagen, ausser vielleicht einer Katze.”

  9. Lonely Loon
    schrieb am 18. Januar 2010 um 17:23 Uhr (#)

    @Peter Sennhauser: Da werden wir uns nicht finden… ich find Bigotterie nicht putzig, sondern nervig.

    Und an die Adresse von Neuerdings: Warum soll ficken nicht familienfreundlich sein, Motherfucker aber schon? ;-)

    Und an die Adresse von Google: Warum geht Vagina durch, Penis aber nicht? Und apropos Hähne: Auch kleine Kätzchen scheint der Nexus nicht zu mögen.
    http://en.wikipedia.org/wiki/Pussy

  10. Oscar alias xpenguin
    schrieb am 28. April 2012 um 01:09 Uhr (#)

    Es ist müßig, einzelne Google-Dienste herauszugreifen. Google zensiert das gesamte Internet! Der Rest der Welt wird so behandelt, als sei er eine riesige US-Kolonie! Für 7 Milliarden Menschen gelten im Internet USA-Gesetze, die Gesetzgebung der jeweiligen Länder ist dieser Datenkrake sch####egal! Ein gutes Beispiel ist, daß die Amerikaner nackte Kinder per se als “Pornographie” bezeichnen. Ergo ist JEDE FKK-Seite, egal wo in der Welt sie erstellt oder geöffnet wird, kinderfreie Zone. Und wer sich nicht an das US-Gesetz hält, der wird von Google blockiert! Die Gartenzwergler und Stammtischler hierzulande sind allerdings durch den Massenkonsum amerikanischer Filme und Serien via Privat-Sender seit 20 Jahren schon dermaßen amerikanisiert, daß sie das in Ordnung finden. In den Siebzigern waren wir mal wesentlich weiter – beidersaeits des Eisernen Vorhanges!

  11. Oscar alias xpenguin
    schrieb am 28. April 2012 um 01:30 Uhr (#)

    Beinahe vergessen, auch dem Blogger, Herrn Sennhauser, wenn er denn so heißt, etwas zu schreiben:
    Zensur setzt NICHT Eingriffe Dritter voraus. Der Verfasser eines Textes kann auch durch moralinsaure Beeinflussung oder – noch schlimmer – durch mehr oder weniger starken Druck dazu gebracht werden, sich selbst zu zensieren. Und natürlich wird er das nicht öffentlich sagen und es eben mit “Kinder-Schutz” oder “Familienfreundlichkeit” oder ähnlichem begründen. Man gehe mal auf Schulhöfe und höre sich an, welchen Wortschatz die “beschützten” Kinder verwenden – natürlich nicht zu Hause in Gegenwart der Eltern, denn anders, als viele Erwachsene glauben, sind Kinder ja eben nicht blöd!

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