iPhone 3G S:
Ein erster Test

Peter Hogenkamp, 21. Juni 2009 09:30 Uhr, 17 Kommentare Kommentare

Software schlägt Hardware – aber Hardware reizt. Ein erster Test des iPhone 3G S.

Seit rund 50 Stunden habe ich das neue Betriebssystem iPhone OS 3.0 auf dem “alten” iPhone 3G, und seit rund 20 Stunden habe ich das neue iPhone 3G S zum Testen. Noch ist schwer zu sagen, wie sehr ich mich an die neuen Hardware-Spielereien gewöhnen werde. Eins ist klar: Die neue Software schlägt in diesem Fall klar die neue Hardware, die vielen Verbesserungen am Betriebssystem sind viel wichtiger als die Handvoll neuen Hardware-Features. Die entscheidende Frage ist also: Wie geekig muss man sein, um auf die neuen Hardware-Tricks nicht verzichten zu können?

Nach 50 Stunden sind meine Lieblings-Features:

1. Cut/Copy/Paste – Was soll man sagen. Ich hab’s überlebt bisher, aber schlecht. Seid es für die 3.0 angekündigt war, habe ich das Fehlen fast als körperlichen Mangel empfunden. Nun ist es da. Habe es erst zweimal wirklich produktiv eingesetzt, aber dabei schon sehr genossen.

2. Spotlight Search – Ich glaube, das wird toll. Zumindest sieht es schon beim Testen toll aus. Kann man separat nochmal als iPod-Suche aufführen. Beides ist super. Geschwindigkeitsvorteil, wenn man nach einem Lied suchen kann statt sich durch die Menüs zu hangeln: mindestens Faktor 5.

3. Mail Search: Ist für die 50 oder so Mails, die man jeweils aktuell in der Inbox hat, egal, denn ich archiviere ja sofort. Super wäre es für die versprochene Suche auf dem IMAP-Server – aber die funktioniert nicht, weder mit dem alten noch mit dem neuen (mit Gmail/Google Apps als Mailprovider).

4. Mehrere Fotos mailen – eine dämliche Einschränkung ist endlich weg. Noch schöner wäre es, wenn man auch aus der Mail heraus Fotos anhängen könnte, denn immer noch schreibe ich häufig erst die Mail, um dann zu merken, dass man ja zuerst das Foto attachen muss. Aber jetzt gibt es ja immerhin Copy/Paste.

5. Auto-Fill Usernames: Könnte praktisch werden, bisher nur getestet, noch nicht produktiv gebraucht.

(Auch noch ganz nett: Dauer der Anrufe wird angezeigt, gucke ich auf dem Festnetztelefon manchmal nach für die Zeiterfassung. Voicememo ist vermutlich ganz schön, vor allem sieht es 10 mal besser aus, startet 20 mal schneller und ist 30 mal einfacher am Steuer zu bedienen als die 3rd-Party-App «Record», die ich vorher hatte. Werde ich sicher nutzen. Und eine Kleinigkeit: Man kann die nervigen ewigen Wiederholungen bei einer ungelesenen SMS abschalten. Mir reicht’s, wenn ich meinen WLAN-Login-Code einmal sehe, er muss sich nicht stundenlang melden.)

Meine Top-5-Ist-mir-doch-egal-Features dagegen sind:

1. MMS – hab ich vor dem iPhone nie genutzt, und ich wüsste auch nicht, wieso ich jetzt anfangen sollte. Alle Leute, die ich kenne, haben entweder Uralt-Handys, die gar nichts können (meine Mutter), oder MMS-fähige Handys, die dann aber Smartphones sind, und denen würde ich ein Foto immer mailen.

2. Der ganze Schüttelkram – Shake to Shuffle, Shake to Undo. Werde sowieso nie dran denken, wenn es mal passen würde. Schütteln ist ausserdem, wenn man gerade am Tippen ist, überhaupt nicht praktisch und schnell, sondern motorisch kompliziert, bis man wieder in der Grundhaltung angekommen ist.

3. SMS weiterleiten. Angeblich kaufen Millarden Inder das iPhone nicht, weil das fehlte. Big Deal.

4. YouTube eingeloggt. Brauch ich nicht.

5. Stereo Bluetooth Peripherals. Pff.

Bin noch unentschieden bei diesen Neuerungen:

1. Landscape-Tastatur (Drehen in allen Applikationen und dann Nutzen der breiten Tastatur). Ich hab das schon bisher im Browser nie genutzt, weil ich nicht zwei Tastaturlayouts nebeneinander (mal dieses, mal jenes) benutzen wollte. Bisher habe ich daher auch jetzt noch nie dran gedacht, auf quer zu wechseln. Mal sehen, ob ich es mir merken kann — und ob es wirklich einfacher geht.

2. Tethering. Ist ja eigentlich bei Swisscom nicht aktiviert, aber der Hack dauert zum Glück nur zehn Sekunden. Für mich wäre super, wenn ich mein Mobile-Unlimited-Abo abschaffen könnte, das ich immer noch parallel zum iPhone zahle. Hab’s aber noch nicht produktiv (sprich: im Zug) ausprobiert, also bin ich erstmal noch skeptisch.

3. Voice Control. Funktioniert mit Namen nicht toll, mit (deutschen) Zahlen ziemlich gut. Muss es aber mal im Auto auf der Autobahn probieren, denn das ist wohl der einzige relevante Use Case für mich.

4. In-App-Purchasing. Dafür müssen einfach zuerst erst Apps kommen, die sich dafür super Anwendungen ausdenken. Ich kann mir vorstellen, dass sich für Entwickler noch viel tollere Apps lohnen, da es jetzt die Möglichkeit gibt, nicht nur einmal für eine App zu kassieren, sondern auch für Content.

Von mir aus kann gern mein gesamtes Micropayment, auch im Web, über den iTunes-Store laufen. Ablauf: Ich will im Web Paid Content für 50 Cent angucken, gehe schnell mit dem iPhone in die Purchasing-App, gebe dort irgendwas ein, klicke OK, die Website wird refreshed und liefert den Content aus, fertig.

Einige konnte ich auch noch nicht ausprobieren, z.B. Auto-WiFi-Login oder Peer-to-Peer-Spiele. Kann ich also noch nicht sagen.

iPhone 3G S
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Top-Hardware-News

1. Schneller. Endlich. Endlich. Endlich. Mich hat der Katastrophenakku bisher weniger gestört als die Tatsache, wie nervtötend langsam das 3G manchmal war. Wenn es fünf Sekunden wartete, bis das Accelerometer anschlug, um dann weitere fünf Sekunden zu brauchen, um den Screen zu drehen. Oder 30 Sekunden, bis die Kamera bereit war. Alles gefühlt eindeutig viel besser.

2. Videokamera. Super. (Das Trimmen ist allerdings bei einem Interview ziemlich unbrauchbar.)

3. Kompass bzw. Ausrichtung von Google Maps. Klar, die Kompass-App selbst ist nur eine Spielerei für Kinder (immerhin). Aber auf Google Maps zu sehen, in welche Richtung man schaut, ist für eine Orientierungsniete wie mich super. (Als Folge: Turn-by-Turn-Navigation. Ich will mir seit Jahren ein tragbares Navi kaufen. Jetzt lasse ich’s natürlich und warte auf Tom Tom für’s iPhone. Klingt super, aber muss dann auch noch funktionieren.)

4. Neue Kamera, erstens besser, zweitens mit Autofokus, drittens mit Video. Meine Einschätzung: 3 statt 2 Megapixel macht nicht viel aus, Autofokus sehr, Video ist super. Das Sofort-Trimmen ist allerdings etwa bei einem Interview ziemlich unbrauchbar, ganz im Gegensatz zu dem, was einige Reviewer behaupten.

5. Längere Akkulaufzeit. Obwohl ich oben sage, es war nicht das schlimmste, war es doch schlimm. Mal gucken, wie lange das andere im Produktivbetrieb hält.

Fazit: Wie man sieht, ist die Liste der wirklich relevanten Hardware-Verbesserungen recht kurz. Natürlich ist das neue iPhone keine Revolution, aber alle zwei Jahre das Rad völlig neu zu erfinden, fällt jedem schwer.

Aber die Neuerungen an der Hardware sind durchaus gewichtig. Die Geschwindigkeit macht wirklich einen Riesenunterschied. Ich drücke wirklich in jeder noch so kurzen Pause (im Lift, an der roten Ampel, in der Schlange im Sprüngli) schnell ein bisschen auf dem iPhone rum, und nicht selten war es bisher einfach zu langsam, um in 20 Sekunden ein Resultat zu liefern. Sind einem die gesparten Sekunden das viele Geld wert, wenn man gerade in der Mitte seiner Vertragslaufzeit ist? Ich weiss es nicht.

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17 Kommentare

  1. Joe
    schrieb am 21. Juni 2009 um 09:49 Uhr (#)

    Habe die 3.0 auch auf mein 3g Installiert. Läuft super und der Jailbreak funk. auch ;-)

    http://blog.iphone-dev.or…561/trois-drei-h-rom

  2. Christian
    schrieb am 21. Juni 2009 um 12:35 Uhr (#)

    alle zwei Jahre das Rad völlig neu zu erfinden, fällt jedem schwer.

    Das finde ich auch, zumal es bisher doch sogar jedes Jahr ein neues iPhone gibt. Ich bin immer noch unschlüssig, ob ich diese Generation auslassen sollte…

  3. Konstantin Klein
    schrieb am 21. Juni 2009 um 13:30 Uhr (#)

    Entschuldigung, aber via IMAP in einem GMail-Account auf dem Server herumzusuchen, funktioniert durchaus. Dies bezieht sich aber auf den klassischen @gmail.com-Account – mit einem Google-Apps-Account habe ich es mangels desselben nicht getestet.

  4. Tom
    schrieb am 21. Juni 2009 um 16:21 Uhr (#)

    einfach nur schade wenn man apple immer alles abkauft was die auf den markt werfen. besser mal darüber nachdenken und erst die version kaufen welche wirklich neuerungen bringt welche eklatant sind. 95% der neuerungen kann man per update auch seinenm alten iphone beibringen. und das ist kostenlos.

    gruss, tom

  5. vormi
    schrieb am 21. Juni 2009 um 17:09 Uhr (#)

    achja, richtig…

    man kann den prozessor natürlich per software-update aufrüsten, das hatte ich nicht bedacht…

    tom, mach dich nicht lächerlich, der größte vorteil ist der schnellere prozessor, und der is echt ein kaufargument

  6. Tom
    schrieb am 21. Juni 2009 um 19:12 Uhr (#)

    @vormi

    findest du, ich mache mich lächerlich? ok, deine meinung. aber ich sag dir kurz etwas was ich aus meiner erfahrung aus der (schweizer) telekombranche mitbringe: der durchschnittliche iphone käufer weiss nicht mal, für was der prozessor zuständig ist. er sieht nur die tollen farbigen buttons, und die lustigen animationen. es wird sich weisen, ob das 3G S der erfolg wird. aber ich kenne keinen expertenbericht welcher davon ausgeht, das es der renner wird.

    so long…

  7. IPhone Magazine
    schrieb am 21. Juni 2009 um 19:38 Uhr (#)

    Hey! Danke für deine ausführlichen Bericht zum neuen IPhone 3GS. Sehr ansprechend und leserlich geschrieben. Hat mir richtig Spaß gemacht diesen zu lesen. Danke. Ich selbst werde erstmal bei meinem 3G bleiben. Habe mir das 3.0er Firmware Update gezogen, was noch einige Features ergänzte und nun sind die Unterschiede zum 3G S nicht mehr ganz so groß. Die Geschwindigkeit meines 3G reicht mir auch aus.
    Viele Grüße vom IPhone Magazine Autor

  8. Paxter
    schrieb am 21. Juni 2009 um 20:38 Uhr (#)

    Hai

    Mit dem neuen Iphone 3G S ist Apple endlich da angekommen wo ich hinwollte. Gute Hardware und klasse Software als Gesamtpacket unschlagbar. Von 3G auf 3G S wechseln lohnt sich vielleicht nicht aber für Erstkäufer wie mich ist das 3G S ein tadelloses Stück Technik.

    Gruß

  9. Christian Leu
    schrieb am 21. Juni 2009 um 21:38 Uhr (#)

    Interessant, bei mir funktioniert die Suche von Mail aus in meiner Google Mail Inbox, bei einem Kollegen kam die Meldung “Weitersuchen in der Inbox” nicht. Ich hab ein 3G S, er hat ein 3G. Aber scheinbar warst du ja auch auf dem 3G S wie du das probiert hast?

  10. wazi
    schrieb am 22. Juni 2009 um 15:20 Uhr (#)

    Bezüglich der dauernden SMS-Benachrichtigung:

    Wo kann man das abstellen? Und soviel ich weiß, ertönt dieser Ton auch nicht stundenlang, sondern drei Mal. Einmal beim Eintreffen der SMS und dann noch weitere zwei Mal.

  11. Manolo
    schrieb am 22. Juni 2009 um 17:08 Uhr (#)

    Toller Bericht, Super geschrieben!
    Vielen Dank an die Leute, die sich solche Mühe geben und ein Rüffel an die, die immer motzen!

  12. Gerd
    schrieb am 25. Juni 2009 um 15:23 Uhr (#)

    Vielen Dank für die ausführliche Beschreibung.

    Mit 3.0 ist mein 3 G sehr viel langsamer geworden. Ich werde wohl vorzeitig umsteigen müssen.

    Übringens, sehr viele, die bisher immer Gründe hatten, warum das iPhone für sie nichts ist, haben jetzt vor mir das 3GS bestellt! lol

    MfG Gerd

  13. tom
    schrieb am 26. Juni 2009 um 12:01 Uhr (#)

    @vormi: du sagst: man kann den prozessor natürlich per software-update aufrüsten, das hatte ich nicht bedacht…

    nach einigen recherchen bin ich nun zum schluss gekommen, dass dies tatsächliche gehen würde. im alten iPhone 3G verbaute apple einen 600-Megahertz-CPU (Samsung S5L8900), aber der läuft nur gedrosselt mit 420 Megahertz.

    Was erkennen wir daraus? per firmware update wäre es durchaus möglich, dem alten iPhone 3g flügel zu verleihen…

    Grüsse, tom

  14. tom
    schrieb am 26. Juni 2009 um 12:25 Uhr (#)

    sorry, aber hier noch ein link zum thema cpu speed…

    gruss, tom

  15. Jürgen
    schrieb am 16. Dezember 2009 um 13:14 Uhr (#)

    Ich habe kürzlich bei einem Bekannten gesehen, dass auf dem ipod Nano die mp3 dateien beim aufspielen umbenannt werden. Der eigentliche Dateiname aus Interpret und Titel war dann weg. Die ID3 Tags sind davon unberührt, sodass man im Menü des ipod nichts davon merkt.
    Ist dies generell der Fall wenn mp3 dateien auf einen ipod oder auch auf das iphone kopiert werden?

  16. wazi
    schrieb am 16. Dezember 2009 um 13:20 Uhr (#)

    @ Jürgen:
    Also normalerweise wird der iPod/iPhone nur mittels iTunes gefüttert.
    Wenn man eine MP3 einfach so drauf zieht, dann wundere ich mich jetzt doch etwas, dass man sie abspielen kann. Demnach vermute ich jetzt mal, dass irgend eine Software von einem anderen Anbieter, als Apple verwendet wurde.

    In diesem Fall könnte man also vermuten, dass das Problem damit gelöst wird, wenn man den iPod mittels iTunes füttert.

    Bei mir wurde bisher aber noch nie etwas umbenannt, wenn ich meine iPods oder iPhones gefüttert hatte. Und ich hatte fast alle seit dem allerersten iPod.

  17. Jürgen
    schrieb am 17. Dezember 2009 um 06:40 Uhr (#)

    @wazi:
    Vielen Dank für die schnelle Antwort.
    Ich hatte mit Songbird die mp3 Dateien auf den ipod nano überspielt. Bei den anderen mp3 Spielern wurden die Dateien nicht umbenannt. Nun wenn das mit itunes nicht der Fall ist, dann ist das OK. Zuhause benutze ich Linux und kaum noch XP. Dann müsste ich mal testen ob itunes im Wine-Modus läuft oder ein anderes Programm testen. Auf jeden Fall wird der ipod jetzt wieder interresant für mich.

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