Philips MP-3-Player SA5285BT im Test:
Soundbastler mit Bluetooth

Halb so teuer wie ein iPod classic, aber mit Bluetooth? Das ist der Philips MP-3-Player SA5285BT. Wie gut ist der Klangverbesserer “Full Sound”? Wir haben es getestet.

Wir waren von der Philips MP3-Klangeverbesserung “Fullsoundnicht so wirklich überzeugt: Zu oft hatte Philips mit Bild- und Tonver hunzungs besserungsverfahren übertrieben: Die Bildverbesserer sind bei Philips Fernsehern oft so intensiv eingestellt, daß sie jede Menge Artefakte produzieren und mit Audio ist es meist ähnlich.

Philips ist jedoch von seinem Produkt überzeugt und stellte uns einen Go Gear (“Geh Getriebe!”) SA5285BT leihweise zum Test zur Verfügung. Was kam dabei heraus?

Eigentlich hatte Philips ja kapituliert, die eigenen MP3-Player aufgegeben und nur noch iPod-Zubehör angeboten. Doch inzwischen gibt es auch wieder eigene Philips-Player, die gegen die iPods anstinken sollen.

Der SA5285BT (Affiliate-Link) ist ein Flash-Player mit 8 GB Speicher, Video-Wiedergabe (320 x 240 Pixel) und eben “Fullsound”: einer DSP-Klangverbesserung für tragbare MP3-Spieler, die ähnlich SBR (Spectral Band Replication) beim Audio-Codec AAC fehlende Obertöne nachträglich wieder beifügt.

Zunächst zum eigentlichen Thema des Tests: “Fullsound” löst am Kopfhörer – vorzugsweise ein richtiger Kopfhörer und nicht die mitgelieferten “Ohrbohrer”. tatsächlich das Versprechen eines besseren, brillanteren Klanges ein, der einem nicht in den Ohren dröhnt oder zischt.

Allerdings nur bei geringen Lautstärken. Wenn die Wiedergabe lauter gestellt ist, wird “Fullsound” dagegen lästig: Es klingt dann unangenehm massiv und krachig. Das allerdings ist nicht unbedingt das Schlechteste, denn dann wird mit dem MP3-Spieler nur leise gehört – das schont die Ohren.

An einer Stereoanlage oder am Autoradio klingt “Fullsound” dagegen unangenehm und unnatürlich: Es werden Artefakte hörbar. Als Härtetest erwies es sich, 70er-Jahre-Musik wie “Abba” oder “Middle of the road” mit “Fullsound” im Auto am Woodstock DAB 54 abzuspielen: Die Musik klirrte nur noch, die zusätzlich erzeugten Obertöne wurden als Verzerrung wahrgenommen.

Dazu ist “Fullsound” aber auch nicht wirklich nicht gedacht. Es kann nicht – obwohl so angepriesen – systembedingte Mängel von MP3-Aufnahmen ausgleichen: Was im psychoakustischen Modell von MP3 einmal als “unhörbarer, verdeckter Ton” bei der Aufzeichnung weggerechnet wurde, kann “Fullsound” nicht mehr rekonstruieren.

Allerdings sind dies auch wirklich im Normalfall unhörbare Töne – in Praxistests konnten auch Musikliebhaber mit guten Ohren MP3s hoher Datenrate (mindestens 192 kBit/s, besser noch 256 kBit/s) und Aufnahmequalität nicht mehr von CD- oder Vinyl-Schallplatten-Wiedergabe unterscheiden. Nur bei der “Internet-Datenrate” 128 kBit/s und darunter zeigen sich deutlich hörbare Artefakte in MP3s.

Es werden von “Fullsound” denn auch eher bei zu geringen Abtastraten oder zu dumpfen älteren Aufnahmen fehlende Höhen als Oberwellen hinzugerechnet. Und genau dies führt an Kopfhörern tatsächlich bei geringen Lautstärken zu einer positiv empfundenen Klangverbesserung, an HiFi-Systemen dagegen zum Hörbarwerden eben dieser Obertöne als Klirr-Verzerrung.

Wobei die erwähnten Abba-Aufnahmen schon ab Studio mit künstlichen Obertönen aufgepeppt sind – klar, dass das Ohr hier für weitere Tricksereien besonders sensibel ist und die Klang-Mogeleien schließlich auffallen.

Auch wenn “Fullsound” mit HiFi nichts zu tun hat, erfüllt es also durchaus seinen Zweck und der getestete SA5285BT kann beim Spazierengehen tatsächlich einen subjektiv besseren Klang liefern als ein iPod. Mit 170 Euro empfohlenem Verkaufspreis ist der SA5285BT dabei deutlich billiger als ein Ipod Classic und enthält noch ein UKW-Radio und eine Aufnahmemöglichkeit – beides fehlt dem Apple-MP3-Spieler.

Allerdings sind die Aufnahmen nur einfache Sprachaufnahmen mit einem eingebauten Mikrofon ähnlich einem Diktiergerät – qualitativ hochwertige Musikaufnahmen sind “natürlich” nicht vorgesehen, um die Musikindustrie nicht zu verärgern.

8 GB Speicherplatz des zugegeben erschütterungsunempfindlichen Flash-Speichers sind natürlich schon als Ablage für so einige CDs geeignet, aber nicht mit den bis zu 160 GB eines aktuellen Apple-Festplatten-Ipods vergleichbar.

Es kann auch ein schnurloser Bluetooth-Kopfhörer verwendet werden: Der Bluetooth-Sender ist im SA5285BT bereits integriert, dafür steht das B im Typennamen. Das vermeidet Kabelsalat; allerdings schafft Bluetooth selbst ebenfalls nur wieder komprimiert die Musikübertragung. Möglicherweise führt die Höhenanhebung durch “Fullsound” hier sogar zu zusätzlichen Problemen.

Die Bedienung ist teils ungeschickt: Zwei unterschiedliche “Escape”-Tasten für den Sprung aus Funktions- und Titelwahlmenüs verwirren. Wer statt des mitgelieferten “Ohrbohrers” einen besseren Kopfhörer anschließt, wird außerdem feststellen, dass ihm die Musik je nach Einstellung entweder zu laut oder zu leise erscheint: Der “Lautstärkeregler”, eine Wipptaste, kennt nämlich nur 16 Stufen.

Solange die Maximallautstärke nicht über den entsprechenden Menüpunkt eingeschränkt ist, versteht sich: Dann verbleiben eventuell nur noch acht, fünf oder im Extremfall zwei wählbare Lautstärkestufen. Und der zuvor erwähnte ohrenschonende Effekt von “Fullsound” bleibt auf der Strecke.

Ebenso irritierend ist der “Tastenschutz” per Schieber, der verhindern soll, dass sich der MP3-Spieler in der Tasche von alleine einschaltet oder beim Joggen plötzlich die Lautstärke auf “brüllend” hochgeht: Im Gegensatz zu einem Apple-iPod schaltet der Philips-Tastenschutz die Tasten keinesfalls einfach ab. Stattdessen wird der Philips-MP3-Spieler bei aktiviertem “Tastenschutz” nach dem Hochfahren und Anzeigen der Begrüßungsanimation mit einem Vorhängeschloss als “Ällabätsch”-Hinweis auf den eingeschalteten Tastenschutz wieder heruntergefahren. Unpraktisch.

Ebenso unpraktisch ist das Design: Das Gehäuse ist zwar nicht nur in der momentan modischen “Klavierlack-Optik”, die jeden Fingerabdruck sehen lässt, doch dafür mit schwarz eloxiertem Aluminium, das jeden Kratzer sehen lässt. Eine kleine Kunstlederhülle verhindert dies zwar, doch dann sieht man auch nichts mehr und kann das Gerät nicht mehr bedienen.

Ein anderer Grund, nichts zu sehen, ist die Uhr. Eine eher für japanische Produkte typische Plage: Nach kurzer Zeit wird statt des abgespielten Titels – oder der Anzeige, dass die Musik abgelaufen ist – dauerhaft eine Uhr als “Bildschirmschoner” eingeblendet. Das verbraucht zudem sinnlos Strom für die Hintergrundbeleuchtung. Glücklicherweise lässt sich die Uhr im Menü abschalten.

Wesentlich besser als beim iPod ist dagegen der Bildschirm, wenn Videofilme betrachtet werden sollen: hier ist das Querformat des SA5285BT von Vorteil. Allerdings sind diese zunächst auf 320 x 240 Pixel umzukodieren, was die mitgelieferte Software erledigen kann.

Ob es allerdings sinnvoll ist, auf gerade 8 GByte Speicherplatz Spielfilme zu lagern und als Augenpulver auf dem Mini-Bildschirm – zugegeben weit größer als beim iPod – anzusehen, ist diskussionsfähig. Ein Problem, dass der SA5285BT mit Fernsehhandys und anderen Mini-Spielzeugen gemeinsam hat. Als nettes Zusatzfeature, um Freunden eine Handvoll lustiger Videoclips zu zeigen, mag die Videofunktion durchaus geeignet sein.

Will man Videos aufspielen, führt der Weg dahin nur über die auf CD-ROM mitgelieferte Philips-Software. Für Audiodateien ist dies nicht erfoderlich; diese können über direkt auf den SA5285BT kopiert werden, der entgegen der Anleitung einfach ohne weitere Treiber angeschlossen als USB-Laufwerk erscheint.

Allerdings müssen die Audiodateien in MP3, WMA oder AAC+ vorliegen; letzteres unbedingt ohne DRM-Kopierschutz. Bei Apple iTunes gekaufte Musik in AAC+ mit DRM kann der SA5285BT nicht wiedergeben, wie alle Nicht-Apple-MP3-Spieler. Derartige Dateiformate erscheinen später nicht auf der Playlist, belegen aber dennoch Speicherplatz.

Ist bereits ein aktueller Windows Media Player installiert, so übernimmt dieser die Kontrolle über den SA5285BT und die Verwaltung der aufgespielten Musik. Wie voll der SA5285BT ist, lässt sich dabei leider nicht erkennen.

Ebenfalls nicht möglich ist es, nicht sauber getaggte MP3-Dateien nach Unterverzeichnissen geordnet aufzuspielen, um so Ordnung zu schaffen: Diese Dateien werden später wie bei Apples iPods als “unbekannter Interpret / unbekanntes Album” angezeigt.

Nur MP3-CD-Spieler können mit derartigen “Rohdaten” vernünftig umgehen, Flash- und Festplattengeräte schaffen dies leider durchweg nicht.

Fazit

Der Philips MP-3-Spieler SA5285BT ist durchaus ein interessantes Gerät mit Bluetooth, dem “Fullsound”-Klangprozessor, einem UKW-Radio und Diktiergerätefunktion.

Es fehlt ihm jedoch Speicherplatz – 8 GByte sind insbesondere für die zugegeben ohnehin fragwürdige Videonutzung viel zu wenig -, eine vernünftige stufenlose Lautstärkeregelung, ein robustes, nicht gegen Verkratzen empfindliches Gehäuse, ein Ladegerät – wie beim iPod gibt es nur ein USB-Kabel zum Anschluss an den PC – und ein Dateisystem, das flexibel auch Dateien ohne korrekte MP3-Tags verarbeiten kann.

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3 Kommentare

  1. Herbert S.
    schrieb am 24. November 2008 um 17:45 Uhr (#)

    Der Artikel wäre ja nett, wenn er wenigstens Korrektur gelesen worden wäre und sprachlich etwas runder würde auch nicht schaden. So ist es leider ziemlich mühsam.

  2. Raphael Wermuth
    schrieb am 26. November 2008 um 17:07 Uhr (#)

    Sehr geehrter Herr Roth,

    Erlauben Sie mir kurz zwei, drei Bemerkungen zu Ihrem Test des SA5285BT:
    - Es trifft nicht zu, dass Philips ‘kapituliert’ hat und aus dem MP3-Player-Geschäft ausgestiegen ist. Wir haben dieses Segment stets mit Neuzugängen gepflegt – und werden es auch weiterhin tun.
    - Der SA5285BT hat noch einen etwas grösseren, ‘blauzahn’-losen Bruder: der SA5295 ist für CHF 419.- (UVP, inkl. SUISA-Abgaben) als 16 GB-Version in der Schweiz erhältlich – dieser hat jedoch keine Bluetooth-Funktion. [189,99 Euro UVP in Deutschland]

    Dies als Ergänzung. Nochmals herzlichen Dank für den Test!

    Freundliche Grüsse
    Raphael Wermuth
    Philips AG Schweiz
    Corporate Communications

    PS
    Ihre Bemerkung betr. unseren Bildverbesserungsprogrammen, welche Artefakte produzieren sollen, hat mich etwas erstaunt. Eigentlich erhalten wir von Ihren Journalisten-Kollegen zumeist sehr positive Feedbacks in Bezug auf die Bildqualität unserer Fernseher.

  3. sunflower45
    schrieb am 11. Februar 2009 um 10:19 Uhr (#)

    “Ich im bin Begriff, dieses zu kaufen. Eigentlich moechte ich mit Samsung P3 vergleichen…. http://tinyurl.com/cz9c2f

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