Intelligente Knete:
“Silly Putty” macht auf schlau

Peter Sennhauser, 19. November 2008 14:45 Uhr, 6 Kommentare Kommentare

“Intelligente Knete” heisst eine Knetmasse mit ausserordentlichen Eigenschaften: Der Stoff auf Silikonbasis fliesst wie Lava, springt wie ein Gummiball und splittert wie Glas.

Silly Putty hiess das Zeug, das wir in Plastikeiern in den siebziger Jahren von der Tante in Amerika geschenkt kriegten: eine pinke Masse, die sich kneten und verformen liess, aber auch Fäden zog, wenn man langsam an ihr zerrte – je mehr “schnelle” Gewalt man auf die Masse einwirken liess – zum Beispiel das Putty an die Wand warf – desto spröder reagierte es: Als Springender Gummiball oder gar als splitternder Klotz.

Diese Masse gibts jetzt in Deutschland unter dem Namen “Intelligente Knete”:

Ein Webshop bietet den Stoff in allen erdenklichen Farben, phosphoreszierend, in Metallic-Mischungen oder magnetisch. Die Knete ist vielleicht intelligent, aber noch immer ziemlich silly: vollkommen sinnlos und nur zu Spasszwecken verwendbar (oder zum aufsammeln von Brosamen unter dem Frühstückstisch, denn bis zu einem gewissen Grad ist die intelligente Knete auch klebrig).

Aber die Möglichkeiten sind fast unendlich, denn man kann beispielsweise auch die Farben der Knetmasse mischen, was die Betreiber des Intelligente-Knete-Shops mit einer Farbtafel zu beweisen versuchen.

Oder man kann, wenn man zum Beispiel bei Google arbeitet, zu viel Geld und Freizeit hat, 125 Kilogramm Silly Putty kaufen und gucken, was passiert, wenn man einen grossen Klotz vom Dach auf den Parkplatz vor dem Haus schmeisst.

In Deutschland sei die “Intelligente Knete” noch kaum bekannt, meinen die Shopbetreiber, deren Website sich durch liebevolle Selbstversuche und viele Tipps rund um das sinnlose Knetzeug herum auszeichnet.

Das ist nicht wirklich richtig: Silly Putty wurde aus Zufall bei der Suche nach einem synthetischen Gummi während des zweiten Weltkriegs von den Amerikanern entdeckt und ist seit 1961 auch in Europa bekannt.

Allerdings hat die neue Version namens Intelligente Knete einiges an Farben und Eigenschaften dazugekriegt. Bisher war das Faszinosum des Stoffs seine Anomalviskosität: Er verändert seine Fliessfähigkeit unter Krafteinwirkung, will heissen: Liegt der Stoff einfach so herum, dann ist er im Prinzip flüssig (mit sehr langsamer Flussgeschwindigkeit), fängt man an, an ihm herumzuzerren oder zu drücken, wird er zäh, schlägt man ihn mit roher Gewalt, zersplittert er.

Und die Intelligente Knete kann all das, plus es gibt sie in vielen tollen Farben und Farbkombinationen, eben magnetisch und sogar selbstleuchtend.

Intelligente Knete

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6 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Mick

    schrieb am 19. November 2008 um 16:17 Uhr (#)

    Und “Silly Putty” in “Intelligente Knete” umzubenennen ist ja auch so und für sich genommen anomalviskos. Ich finde so viel Chuzpe bewundernswert und zerfliesse splitternd vor Neid.

  2. nasobem

    schrieb am 20. November 2008 um 09:20 Uhr (#)

    Was heiasst hier vollkommen sinnlos und nur zu Spasszwecken verwendbar? Das Zeug wird in Geologievorlesungen verwendet, um die elastoplastische Rheologie der Mantellitosphäre zu demonstrieren. Ha!

  3. Doc

    schrieb am 20. November 2008 um 11:33 Uhr (#)

    Also das mit den 125 Kilogramm überleg ich mir mal… villeicht ein toller Ersatz für Böller an Sylvester?!

    :-D

  4. Peter Sennhauser

    schrieb am 20. November 2008 um 14:36 Uhr (#)

    Ich hätte gern bei Nasobem Geologieunterricht – ich wüsste dann auch, wo die elastoplastischen 125kg rheologischen Anschauungsmaterials herkämen, die man an Sylvester vom Dach schmeissen könnte…

  5. pootpoot

    schrieb am 7. Dezember 2008 um 09:50 Uhr (#)

    “vollkommen sinnlos und nur zu Spasszwecken verwendbar”

    Irrtum infolge Recherche-Mangels. Mal den Silly-Putty-Artikel in der englischen Wikipedia lesen!

  6. Shrink

    schrieb am 9. Februar 2009 um 17:18 Uhr (#)

    Hab mir das Zeug mal bestellt nachdem ich den Artikel gelesen hab und bin von dem Zeug begeistert und spiel heut noch damit rum.

    Mittlerweile ist auch schon so ziemlich mein ganzer Bekanntenkreis vom Knetevirus befallen und wir haben schon 2 größere Sammelbestellungen aufgegeben.

    Kleiner Tipp noch, wenn ihr versucht sie mit einem Hammer zum splittern zu bringen, nicht auf Fließen… meine Freundin freut sich heute noch über den tollen EInfall von mir ;-)


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