Das große dpa-Bildarchiv im Test:
Nostalgie-DVD mit Bloggerfalle

“Das große dpa-Bildarchiv” ist eine DVD mit den 2200 bekanntesten dpa-Pressebildern plus den zugehörigen dpa-Pressetexten. Aber Vorsicht: Die Bilder sind zwar alt, aber nicht bezahlt!

So funktioniert die sogenannte Zweitverwertung: Die Deutsche Presseagentur (“dpa”) sammelte über Jahrzehnte Bilder von eigenen Korrespondenten und fremden Fotografen, baute sich ein Bildarchiv auf. 2004 druckte ein Verlag ein dickes Buch mit 2200 der besten Bilder aus diesem Archiv, zusammen mit kurzen, erläuternden Texten. 2006 machte ein anderer Verlag daraus eine DVD-ROM für knapp 25 Euro. Und 2008 verkauft Pearl die Restbestände dieser DVD-ROM für 6,90 Euro:

Vielversprechend klingt dann auch der Satz auf der Verpackung der DVD:

Lassen Sie unvergessene Momente Revue passieren oder bereichern Sie Ihre Berichte mit Original-dpa-Zitaten.

Hey, super, da können wir ja unser Blog mit Originalfotos von Madonna oder Bin Laden dekorieren! Und das alles für nur 6,90! Schließlich sind die Bild-Export-Funktionen der DVD-ROM sehr komfortabel…

Nein, bitte nicht! Die Bilder und Texte dürfen nicht ohne weiteres veröffentlicht werden, die gehören immer noch der dpa, und die verlangt teures Geld für so etwas.

Selbstverständlich ist es völlig legal, in der DVD-ROM, so wie im ihr zugrundeliegenden Buch, zu blättern und mit den 2200 Bildern so einiges über Geschichte zu lernen. Sicher auch ein gutes Geschenk für Schüler, Patenkinder und andere Wissbegierige und ein guter Preis für so viele Informationen.

Und man kann auch schon einmal eine Hochzeit-Zeitung, eine gedruckte Party-Einladung oder ein anderes, privates Pamphlet mit den dpa-Bildern aufpeppen, so wie Pearl vorschlägt.

In einem Blog die Bilder ins Internet zu stellen, führt dagegen zu Ärger, wenn das Urheberrecht dieser Bilder noch nicht abgelaufen ist. Wirklich sicher – abhängig von der schöpferischen Leistung des Bildes – ist dies gegenwärtig in Deutschland erst nach 70 Jahren der Fall.

Ein Foto aus dem Burenkrieg wird man also auch online verwenden können, wie alles vor dem II. Weltkrieg, doch nichts aus der jüngeren Geschichte – außer, man erwirbt eine entsprechende Lizenz bei der dpa.

Allerdings ist die dpa nicht wirklich an solchen Einzelgeschäften interessiert – üblicherweise verkauft sie Abonnements an Verlage, mit denen die beispielsweise 50 Bilder oder Nachrichten im Monat pauschal verwenden dürfen. Und für ein privates Blog sind die dpa-Preise auch zu hoch.

Das soll einem nicht die Nutzung der DVD-ROM verleiden – sie ist ihren Preis absolut wert. Allerdings dürfte gerade ein damit beschenkter Schüler sich dieser Einschränkungen eventuell nicht bewusst sein. Daher sei hier ausdrücklich darauf hingewiesen.

Die Anwendung der DVD-ROM ist relativ unkompliziert: Die Bilder sind direkt zugänglich, in drei Auflösungen von Daumennagel bis 2400 x 1800 Pixeln. Die Texte und damit auch der Inhalt der Bilder sind allerdings leider erst nach einer Installation zugänglich. Diese ist auf Mac-OS- und Windows-Rechnern möglich, nur bei Linux muß die DVD-ROM passen.

Nach einer entsprechenden Einstellung auf zwei Seiten nebeneinander kann man die Bilder an einem guten Bildschirm – und dank großer Schrift auch gemeinsam an einem LCD-Fernseher wie dem Sharp LC-52 XL 2E ebenso komfortabel durchblättern wie in einem Buch, das mit 2400 Seiten vielleicht doch etwas unkomfortabel zu handhaben ist…

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3 Kommentare

  1. Nam
    schrieb am 18. Oktober 2008 um 10:54 Uhr (#)

    Ist es möglich diese Fotos als Schüler im Unterricht zunutzen.
    Oder gar bei einer Präsentationsprüfung mit Quellenangabe.

  2. mrawel
    schrieb am 18. Oktober 2008 um 12:09 Uhr (#)

    Sicherlich wird sich niemand beschweren, wenn die Scheibe zu Lehr- und Lernzwecken benutzt wird.

    Übrigens handelt es sich um eine Ausgabe der “Digitalen Bibliothek”, ein rühmenswertes Unternehmen, welches für die zahlreichen Titel eine hervorragende Software mit grandiosen Suchfunktionen mitliefert.

    Nein, ich bin nicht der Verlagsinhaber.

  3. Knud
    schrieb am 20. Oktober 2008 um 11:09 Uhr (#)

    Das Urheberecht erlischt 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers – man kann also keineswegs “alles vor dem II. Weltkrieg” kostenlos verwenden. Oder gehen Sie davon aus, dass alle Fotografen im Krieg gestorben sind?

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