Sony MDR-NC500D im Test:
Putz den Bürolärm weg

Mit den MDR-NC500D nutzt Sony digitale Algorithmen zur noch besseren Umgebungsgeräuschunterdrückung in Zug, Flugzeug – oder Büro.

Geräuschunterdrückende Kopfhörer stammen ursprünglich aus der Aeronautik: Piloten sollten so trotz Höllenlärm im Cockpit noch imstande sein, Funkrufe zu hören. Dazu wurde Antischall auf den Kopfhörer gegeben, sprich: Der mit einem Mikrofon aufgenommene Flugzeuglärm, nur genau umgepolt.

Das klappt gut mit tiefen Frequenzen, weniger gut mit hohen. Für die ist dann allerdings bei Pilotenkopfhörern die geschlossene Bauweise zuständig, die nahe an Kapselgehörschützer kommt.

Sennheiser hat die Technik auch auf leichte, fast offene Walkman-Kopfhörer angewendet, die dennoch gute Geräuschunterdrückung liefern. Das auch im Zug, obwohl diese Kopfhörer zum Fliegen gebaut sind – und daher leider enorm störanfällig gegenüber Handys sind.

Fürchterlich enttäuscht war dagegen bislang immer, wer derartige Kopfhörer benutzte, um die lauten Rechner im Büro, den dauertelefonierenden Vertriebskollegen, die Kinder oder die klavierspielenden Nachbarn ausblenden zu wollen: Für solche Geräusche war die aktive Geräuschkompensation ungeeignet; sie ist wirklich für das Dröhnen von Motoren ausgelegt.

Der Sony MDR-NC500D verspricht hier nun Abhilfe: Mit digitaler “künstlicher Intelligenz” mißt er nach dem Einschalten etwa drei Sekunden den Umgebungslärm und schließt daraus, ob er sich gerade in einem Büro, in einem Zug oder in einem Flugzeug befindet. Dann wird eines von drei auf die jeweilige Örtlichkeit besonders gut geeigneten Geräuschunterdrückungsprogrammen gewählt.

Wer also vom Flugzeug in den Zug wechselt, sollte die Kopfhörer kurz ausschalten, damit sie sich neu einmessen. Und wer von Rock auf Volksmusik umschaltet, sollte dies dann wiederum besser nicht tun, damit die “künstliche Intelligenz” ihm nicht kurzerhand die Musik abschaltet.

Die Akkus sind fest eingebaut; nach einer Ladung läuft der Kopfhörer etwa 15 Stunden. Der von einer Agentur, die ungenannt bleiben will, aus England für 14 Tage zum Test gelieferte Kopfhörer ließ sich aber zunächst nicht laden, weil das Ladegerät einen englischen Netzstecker hatte. Man sollte also beim Kauf aufpassen, ein Modell mit Eurostecker am Ladegerät zu erwischen, nicht mit US- oder UK-Stecker.

Nachdem ein UK-Euro-Adapter nachgeschickt worden war, konnte das Gerät dann aufgeladen und getestet werden. Wem nach 15 Stunden Flug der Strom ausgeht, der kann allerdings auch eine “Notversorgung” mit zwei Mignonzellen anschließen, um weiter Musik hören zu können, auch wenn keine Steckdose verfügbar ist. Wie lange diese Art der Stromversorgung hält, ist nicht bekannt, doch notfalls hat man halt noch zwei weitere Mignonzellen in Reserve.

Im Gegensatz zu der Sennheiser-Lösung ist der Sony MDR-NC500D ein geschlossener Kopfhörer. Damit ist er alleine schon bei der Geräuschunterdrückung wesentlich effektiver, auch ohne eingeschaltete Elektronik – ohne die er allerdings nichts wiedergibt. Allerdings ist er damit auch automatisch unbequemer. Einen ganzen Tag damit im Büro zu hören, ist anstrengend – und auch optisch sehr auffällig. Immerhin: Es gibt eine “Boß-Taste”, mit der man denselben – oder die Ansagen in Flugzeug oder Bahn – verstehen kann, indem die Musik stumm und die Geräuschunterdrückung abgeschaltet wird. Und Verkehrslärm sowie Lüfterrauschen wird tatsächlich deutlich gedämpft. Stimmen dagegen weniger.

Ein Flugticket spendierte Sony nicht, daher entfällt dieser Teil des Praxistests. Allerdings könnte es hier stören, daß der Kopfhörer die Ohren so luftdicht abschließt, daß der Druckausgleich verzögert wird. Im Zug führte das plötzliche Vorbeizischen eines Gegenzugs prompt zu Ohrenschmerzen. Ein offenes Fenster brachte infolge der Luftdruckschwankungen den Kompensationsmechanismus zum Übersteuern, was dann als Knattern hörbar wurde. Ansonsten war auch hier die Geräuschunterdrückung um Größenordungen besser als beim Sennheiser-Kopfhörer, doch eben um den Preis des unbequemeren Tragegefühls. Und natürlich bei einem mit knapp 400 Euro beispielsweise im Sony Style Shop doppelt so hohen Preis.

Besser aufgepaßt hat Sony bei der Abschirmung: Ein Handy im Abteil führt nicht gleich zu Geknatter im Kopfhörer. Trotzdem würde ich für Büro oder Zug nicht tauschen und beim leichten Sennheiser bleiben – oder (im Büro) doch lieber einen normalen Walkman-Kopfhörer nutzen, um den Chef nicht zu überhören. Für einen Flug mag der Kopfhörer alleine schon ohne Musikeinspeisung zum Schlafen nützlich sein.

Geliefert wird der Kopfhörer in einem schicken Hardcase, in dem alle Teile Platz finden, Adapter für Stereoanlagen und Flugzeug ebenso wie Netzteil und “Notstromversorgung”. Allerdings ist es fast unöglich, die Teile je wieder so schick ins Hardcase zurückzubekommen, wie sie geliefert wurden – außer vielleicht, wenn man vor der Entnahme erstmal ein Foto macht. Die Musikwiedergabe ist ohne Tadel und dem Preis angemessen.

UPDATE: Das Sony MDR-NC500D (Affiliate-Link)ist jetzt für unter 300 Euro erhältlich.

Mehr lesen

Phonak Audéo PFE 232 im Test (1): Der Klang von Platin

24.4.2012, 0 KommentarePhonak Audéo PFE 232 im Test (1):
Der Klang von Platin

Phonak Audéo PFE 232 sind In-Ohr Kopfhörer der Oberklasse vom Schweizer Hörgeräte-Spezialisten. Wir haben haben getestet, ob ihr hoher Preis gerechtfertigt ist.

Ceratec CeraAir Two: AirPlay-Röhre made in Germany

13.3.2012, 0 KommentareCeratec CeraAir Two:
AirPlay-Röhre made in Germany

Ceratec ist ein Familien-Unternehmen, das High-End-Audiogeräte in Bremen produziert. Mit dem CeraAir Two stellt Ceratec eine AirPlay-fähige Bassreflex-Anlage in Form einer schlanken Röhre vor.

Nun auch Komplettpakete von Onkyo: HT-S3505, HT-S4505, HT-S6505 - 5.1-Receiver mit Lautsprechern

15.2.2012, 0 KommentareNun auch Komplettpakete von Onkyo:
HT-S3505, HT-S4505, HT-S6505 - 5.1-Receiver mit Lautsprechern

Wer von einer normalen Stereoanlage auf Surround umsteigen will, hat normalerweise ein Problem: Ihm fehlen mindestens drei Lautsprecher. Onkyo liefert für Einsteiger nun auch diese mit.

Philips Citiscape Uptown im Kurztest: Gediegener Kopfhörer für störungslosen Musikgenuss

15.5.2012, 0 KommentarePhilips Citiscape Uptown im Kurztest:
Gediegener Kopfhörer für störungslosen Musikgenuss

Die neuen Citiscape-Kopfhörer von Philips sind vor allem für rücksichtsvolle Großstädter gedacht, die ungestört Musik genießen wollen - auch ungestört von den bösen Blicken der Sitznachbarn in der U-Bahn. Wir haben uns den Citiscape Uptown genauer angesehen und angehört

Phonak Audéo PFE 232 im Test (2): Filter fürs feine Ohr

25.4.2012, 1 KommentarePhonak Audéo PFE 232 im Test (2):
Filter fürs feine Ohr

Die Phonak Audéo PFE 232 In-Ohr-Kopfhörer werden vom Schweizer Hersteller in der Kategorie "Platinum" geführt. Wir haben getestet, ob diese Bezeichnung gerechtfertigt ist.

Phonak Audéo PFE 232 im Test (1): Der Klang von Platin

24.4.2012, 0 KommentarePhonak Audéo PFE 232 im Test (1):
Der Klang von Platin

Phonak Audéo PFE 232 sind In-Ohr Kopfhörer der Oberklasse vom Schweizer Hörgeräte-Spezialisten. Wir haben haben getestet, ob ihr hoher Preis gerechtfertigt ist.

The Owl 360: Das Kameraauge am Fahrradsattel

26.5.2012, 2 KommentareThe Owl 360:
Das Kameraauge am Fahrradsattel

The Owl 360 ist eine nach hinten gerichtete Kamera, die an der Sattelstange des Fahrrads befestigt wird. Der dazugehörige LCD-Monitor am Lenker zeigt dem Fahrer an, was sich hinter ihm abspielt, ohne dass er ständig den Kopf drehen muss.

TreadDesk: Gehtisch statt Stehtisch

23.5.2012, 1 KommentareTreadDesk:
Gehtisch statt Stehtisch

TreadDesk ist ein us-amerikanisches Unternehmen, dass sich darauf spezialisiert hat, Büroarbeitern Beine zu machen. Es liefert Laufbänder für Computerarbeitsplätze

Sony USB-Ladegerät CP-A2LAKS: Aufladen per Handkurbel

23.5.2012, 0 KommentareSony USB-Ladegerät CP-A2LAKS:
Aufladen per Handkurbel

Sony bringt eine Kombination aus Akku und Handkurbelgenerator, mit dem man seine Gadgets wirklich komplett unabhängig von Steckdosen mit Energie versorgen kann.

gTar: Lerngitarre mit iPhone-Dock ist der Hit auf Kickstarter

22.5.2012, 0 KommentaregTar:
Lerngitarre mit iPhone-Dock ist der Hit auf Kickstarter

Jeder kann Gitarre spielen – das ist die Grundidee der "gTar", einer E-Gitarre der besonderen Art. Bei ihr steckt man sein iPhone in das integrierte Dock und eine App führt den Nutzer durch mehrere Schwierigkeitsgrade zum Erfolg. Auf der Plattform Kickstarter ist die gTar schon jetzt ein großer Hit.

The House of Marley Get up Stand up: iPhone-Lautsprecherdock nicht nur für Reggae

13.12.2011, 0 KommentareThe House of Marley Get up Stand up:
iPhone-Lautsprecherdock nicht nur für Reggae

Wie alle Produkte von "The House of Marley" spiegelt auch diese Dockingstation für iPhone oder iPod die besonderen Affinität zu Bob Marley und seinen Prinzipien wieder.

Orb Music Player: Streaming für das Transistorradio

5.10.2011, 0 KommentareOrb Music Player:
Streaming für das Transistorradio

Der Orb Music Player macht auch alte Stereoanlagen und Transistorradios internetfähig, solange sie über einen Audioeingang für einen 3,5-mm-Klinkenstecker verfügen.

Sony USB-Ladegerät CP-A2LAKS: Aufladen per Handkurbel

23.5.2012, 0 KommentareSony USB-Ladegerät CP-A2LAKS:
Aufladen per Handkurbel

Sony bringt eine Kombination aus Akku und Handkurbelgenerator, mit dem man seine Gadgets wirklich komplett unabhängig von Steckdosen mit Energie versorgen kann.

Sony AV Receiver STR-DA5700ES: High-End aus Japan

28.4.2012, 0 KommentareSony AV Receiver STR-DA5700ES:
High-End aus Japan

Sony bringt mit seinem neuen Flagschiffmodell STR-DA5700ES einen 7.2-AV-Receiver auf den Markt, der auf 9.2 Kanäle erweiterbar ist und umfangreiche Netzwerkfunktionen mitbringt.

The Console Wars: Xbox 720 vs PlayStation 4

3.4.2012, 9 KommentareThe Console Wars:
Xbox 720 vs PlayStation 4

2013 geht der Zweikampf zwischen Microsoft Xbox und Sony PlayStation in die nächste Runde. Bislang gibt es zu den oftmals "Xbox 720" und "PlayStation 4" genannten Konsolen nur Gerüchte. Von welcher kommenden Konsole erwartet ihr euch mehr?

PlanOn Scanstick: Der Scanner in der Hemdtasche

12.4.2012, 0 KommentarePlanOn Scanstick:
Der Scanner in der Hemdtasche

Das mobile Büro ist noch immer schwer und unhandlich, mit dem Scanstick von PlanOn spart man sich Platz und Gewicht für einen Scanner.

SIStech Solarfold Chepre: Solarpower für unterwegs

10.3.2012, 28 KommentareSIStech Solarfold Chepre:
Solarpower für unterwegs

Für meine Weltreise-Vorbereitungen teste ich diverse Gadgets, die mir das Leben erleichtern sollen. Diesmal: Solarpanels von SIStech. Auch bei Solarpower für unterwegs gibt es erhebliche Unterschiede.

Canon EOS 5D Mark III: Verkaufsstart der neuen Spiegelreflex steht fest

2.3.2012, 7 KommentareCanon EOS 5D Mark III:
Verkaufsstart der neuen Spiegelreflex steht fest

Canon hat am heutigen 2. März 2012 angekündigt, dass Ende März die EOS 5D Mark III in den Handel kommt. An den Daten der Spiegelreflex fällt vor allem die maximale Empfindlichkeit von ISO 102'400 ins Auge.

1 Kommentar

  1. Stefan S.
    schrieb am 23. Dezember 2009 um 19:23 Uhr (#)

    Diese Kopfhörer werden beim Logic Pro Kurs bei Apple verwendet (Store Bahnhofstrasse Zürich). Diese Teile haben mich einfach nur umgehauen! Der Kursleiter steht neben mir und redet und ich hör NIX weil ich gerade rumtüftle… Auch dass im Store natürlich heftiger Betrieb war hat die Kopfhörer nicht die Bohne geschert – 1A Geräuschunterdrückung! Der absolute Bringer!

    Leider kann ich persönlich mit Akku-Teilen überhaupt nichts anfangen. Dafür hör ich viel zu viel und vor allem zu spontan Musik…

Pingbacks

Pingbacks anzeigen...

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

  • Neuerdings auf Twitter

  • Über neuerdings.com

    Die tägliche Dosis Technik. Wir melden nicht nur das Erscheinen neuer Gadgets, sondern testen sie aus Anwendersicht.

  • Autoren