Test Cowon A3 mit TV-Tuner:
Euro 08 in der Tasche

Kurt Haupt, 3. Juni 2008 09:30 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Der Cowon A3 ist der wohl kleinste TV-Videorekorder der Welt. Der Digitalplayer empfängt dank ansteckbarem Modul Free-TV und zeichnet die Inhalte auf seine 80-Gigabyte-Platte auf.

Cowon A3 mit TV-Empfang
Festplatten-Mulitmediaplayer mit DVB-T: Kein Spiel der Euro 08 verpassen. Der Cowon dient als TV unterwegs und als Rekorder während des Pflichtbesuchs bei den Schwiegereltern. Bildgalerie (© Cowon)

Was passiert, wenn man an einen tragbaren Musik- und Videoplayer einen USB-Fernsehempfänger stöpselt? Man kriegt einen Cowon A3, mit dem man kann überall fernsehen und Sendungen aufnehmen kann. Wir haben den digitalen Mediaplayer mit der TV-Option getestet – aber nicht nur im Hinblick auf die Euro 08:

Ich bevorzuge “offene” MP3-Player. Also die Dinger, die wie eine Festplatte per USB am Windows-PC erscheinen und dann einfach durch Drag und Drop mit Musik gefüllt werden. Kein Herumärgern mit Kopierschutz, kein Gepfriemel mit Spezialsoftware. Deshalb hat der Cowon A3 bei mir schon mal einige Bonuspunkte.

Cowon A3 als USB-Host
Dank USB-Host-Funktion können Kameras ihre Fotos ohne PC direkt auf den Cowon A3 transferieren. (Bild: Cowon)

Gleichzeitig ist er auch noch USB-Host, sprich man kopiert mittels USB-Kartenleser auch gleich die Fotos aus der Digitalkamera auf die Festplatte.

Bei 80 Gigabyte Kapazität hat man so einen fetten Datentank und einen Unterhalter für Tausende Stunden Musik und einige hundert Stunden Video.

Dass der Cowon A3 ein cleverer Portable Media Player (PMP) ist, haben andere zwar schon rausgefunden. Engadget ist genauso begeistert wie Gizmodo, und nur die deutsche Netzwelt hatte einiges zu bemängeln. Allerdings haben deren Tests alle ein Manko.

Taugt als TV und Recorder

Cowon Dateiformate
Der A3 glänzt durch breite Formatunterstützung. (Bild: Cowon)

Keiner von ihnen konnte bisher die TV-Fähigkeiten des A3 ausführlich testen. Vor allem die Aufnahmefunktion funktioniert nämlich erst in neueren Softwareversionen so, wie sie eigentlich sollte. Macken hat der A3 aber im TV-Bereich noch immer. Dazu später mehr. Auf jeden Fall bastelt Cowon weiterhin fleissigst an der Software des A3.

Der Tuner des A3 fällt mit den Abmessungen 3 x 4 Zentimeter in die Kategorie “Winzlinge”. Einen fragilen Eindruck macht die an der Rückseite angeschraubte Teleskopantenne, die vor allem den permanenten Hang hat, sich selber loszuschrauben.

Der Tuner wird einfach seitlich an den A3 angesteckt, wobei die vorhandene USB-Dose und ein Plastikstöpsel für die ganze Stabilität zuständig sind.

Einschalten, “Mobile TV” anwählen, und schon schnüffelt sich der Sendersuchlauf durch das ganze Frequenzband von DVB-T. Das dauert ein bis zwei Minuten und endet bestenfalls in einer sauber angeordneten Senderliste. Bleibt diese leer, hat die Signalstärke nicht ausgereicht – und ein Ausflug auf den Balkon ist angesagt.

Grenzen von DVB-T

Cowon A3 TV-Modul
Der TV-Empfänger wird seitlich aufgesteckt. (Bild: Cowon)

Die Schwächen des A3 sind nämlich die Schwächen von DVB-T. Die Senderstärke des Digitalfernsehens ist nicht überragend, und die Antenne des Cowon ist klein. Bei unseren Tests war in Gebäuden deshalb oft kein Empfang möglich. Diese Erfahrung teilen aber auch zahlreiche andere TV-Süchtige, die beispielsweise ein Notebook mit Tunerstick aufrüsten.

Ist die Signalstärke ausreichend, verwöhnt der Cowon mit einem perfekten Bild: Die Bildschirmauflösung von 480 x 800 ist vom DVB-T Videostandard unterfordert, es bleibt also Platz für Statusinfos. An Kontrast und Bildschärfe gibt es nichts zu mäkeln. Sporadisch auftretende Artefakte kann man nicht dem Cowon anlasten, sie werden durch die Sendeanstalten verursacht. Im Freien wünscht man sich zwar ein helleres Display, notfalls muss man sich im Schwimmbad also unter dem Badetuch verkriechen.

Der Cowon ist einer der wenigen PMP, die über einen integrierten Lautsprecher verfügt. Vor allem beim Fernsehen schätzt man die zwar etwas krächzig tönenden, aber gut verständlichen Mini-Lautsprecher. Was dem A3 fehlt ist ein vernünftiger Standfuss. Kauft man die als Zubehör erhältliche Hardplastikschutzummantelung (A3-Shield), kriegt man damit auch gleich eine Stehhilfe.

Die Aufnahme einer Sendung startet mit Knopfdruck – und produzierte in meinem ersten Test mit der Firmware 1.23 nur Datenschrott. Erst der Download der neusten Firmware-Version 1.24P erzeugte Aufnahmen, die auch wieder am Cowon abspielbar waren.

Nervig blieb aber eine andere Macke der Aufnahmefunktion. Anscheinend frisst diese so viel Rechenkapazität, dass für die Fehlerkorrektur des TV-Signals nicht mehr genügend CPU-Power bleibt. Ist das Signal also schwach, bricht das im Live-TV makellose erscheinende Bild zusammen, sobald die Aufnahme startet.

Ärgerlich ist auch, dass der Cowon die Aufnahmen nach rund 50 Minuten in einzelne Dateien aufsplittet.

Cowon A3 Bedienfeld
Die Bedienung erfolgt über einen Vierweg-Stick und vier Knöpfe: (Bild: Cowon)

Böse Macken in EPG und Timer

Die neuste Software des A3 wurde anscheinend nicht ausführlich getestet. So ist beispielsweise die elektronische Programmzeitschrift (EPG) nicht brauchbar.

Denn merkwürdigerweise zeigt der A3 nur EPG-Infos der bereits vergangenen 2 Stunden an. Witzigerweise sieht man so also, was man verpasst hat, findet aber nicht raus, was kommt.

Im Prinzip kann man im EPG eine Sendung anwählen und dann auf “Record” drücken, damit diese Aufnahme programmiert wird. Der A3 macht das schamlos für Aufnahmen in der Vergangenheit und schaltet dann natürlich auch prompt nie auf “Record” um…

Auch die manuelle Programmierung von Aufnahmen produziert nur Enttäuschung. Man kann Sender und Zeitpunkt eingeben, die Aufnahme startete aber in meinem Test aber kein einziges Mal.

Zurück zur alten Firmware

Pflichtbewusst meldeten wir die Macken dem Schweizer Importeur und erhielten darauf – man staune – die alte Firmware-Version 1.15 zugeschickt. Damit, so wurde versichert, würden diese Probleme nicht auftauchen.

Tatsächlich wurden damit zwei von vier Problemen gelöst. Aufnahmen funktionieren ohne Empfangsprobleme. Ferner schaltete sich der A3 bei manuell erfassten Aufnahmen automatisch ein und wählte den richtigen Sender. Das EPG blieb aber weiterhin unbrauchbar, und die Aufnahmen wurden nach 55 Minuten in mehrere Dateien gesplittet.

Getrübte Begeisterung

Cowon A3 DaVinci-Chip
Das “Hirn” des A3 stammt von TI und schafft theoretisch 1280 x 720 HD-Auflösung. (Bild: Cowon)

Nach einem mehrstündigen Test war so meine Begeisterung des A3 doch arg getrübt. Beim Abspielen von fertigen Video- und Audiodateien glänzt er durch breite Formatunterstützung. Positiv ist, dass seine Videowiedergabe dank Component-Anschluss auch am Fernseher vernünftig aussieht. Clever ist, dass seine Aufnahme-Funktion für Audio direkt unkomprimierte FLAC-Dateien aufnehmen kann. Begeistert bin ich vom offenen Konzept mit simplem Drag & Drop.

Doch was nützt das alles, wenn fussballtechnisch überlebenswichtige Funktionen wie die saubere Timer-Programmierung schlicht nicht funktionieren? Hier sollte der Hersteller also schleunigst nachbessern. Wer seine A3 zu Hause nutzen will, vermisst am A3 ferner auch WiFi-Funk.

Fazit: Die TV-Funktion des A3 verspricht leider mehr, als sie halten kann. Für Live-TV ist die Sache aber durchaus brauchbar und Bild- und Audio-Qualität gut. Vier Stunden Nonstop-TV reichen auch für langere Fussballpartien. Als reiner PMP glänzt der Cowon vor allem durch breite Formatunterstützung und den guten Fernsehanschluss mittels Component-Dose. Als reiner Player bringt es der A3 auf 6 Stunden Video und 9 Stunden Musik pro Akkuladung.

Unterstützte Formate:
Video:
AVI, WMV, ASF,MP4, MATROSKA(MKV), OGM, MPG/MPEG, VOB, DAT,MTV
Codecs (DivX 3.11/4/5/6, XviD, MPEG-4 SP/ASP, WMV 9/8/7, H.264 MP, M-JPEG, MPEG1)
Audio (MPEG1 Layer 1/2/3, WMA, FLAC, OGG Vorbis, AAC/AAC+, AC3, BSAC, True Audio, WavPack, G.726, CM)
Audio: MP3/2/1, WMA,ASF, FLAC, OGG, M4A, MATROSKA(MKA), AC3,TTA, APE, MPC, WV, WAV
Codecs (MPEG1 Layer 1/2/3, WMA, FLAC, OGG Vorbis, OGG FLAC, APPLELossless, AAC/AAC+, AC3, True Audio, Monkey Audio, MusePack, WavPack, G.726, PCM)
Bilder: JPG, GIF, PNG, TIF, BMP, RAW

Cowon A3 Equalizer
Stolz sind die Entwickler des Cowon auf den 10-Band-Equalizer. (Bild: Cowon)

Preise:
Aktion in der Schweiz: Cowon A4 80 Gigabyte inklusive DVB-T Empfänger und Schutzgehäuse für 690 Franken.

Listenpreise Deutschland:
Cowon A3 80 Gigabyte: 399 Euro
DVB-T Modul: 79 Euro
Schutzhülle mit Ständer: 9.90 Euro

Cowon A3 Lieferumfang
Alles dabei: Der Cowon A3 kommt mit komplettem Kabelsatz. (Bild: Cowon)

 

Links:
Cowon Europa
Cowon in der Schweiz
Technische Daten
Firmware 1.24P
Anwenderforum A3

Vergleich Cowon A3 gegen Archos 605 WiFi

Ausführliche Testberichte:
Anythingbutipod
Engadget
Gizmodo
Netzwelt

 

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2 Kommentare

  1. tpm
    schrieb am 3. Juni 2008 um 14:16 Uhr (#)

    anscheinend passt das DVB-T Modul nicht auf den älteren A2, schade… (oder irre ich?)

    Das beim A2 beiliegende Lederetui kann ideal als Standfuss verwendet werden. Ähnliche Etuis gibt es auch als Zubehör

  2. Ueli Grass
    schrieb am 24. Juni 2008 um 17:39 Uhr (#)

    Störend, ja ärgerlich sind die abnormen Anschlüsse für Video und externem 5 Volt Anschluss. So kann ein herkömmliches AV-Kabel zwar angeschlossen, jedoch nicht mit sauberem oder gar fehlendem Bild übertragen werden. Gleichstromanschluss muss ein spezieller Stecker, nicht ein genormter verwendet werden. Bedienung etwas mikrig. Lässt sich kaum präzise schalten (bei Druck auf OK).

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