Apple iPhone SDK:
Keine Background-Software?!
Von Peter Sennhauser am 2. April 2008 um 11:14 Uhr Kommentare (16)
Kategorien: Apple / Mac, Handy, Software, iPhone
Schlechte iPhone-Nachrichten von der Software-Front: Angeblich lässt der iPhone-Softwarebaukasten die Entwicklung von Programmen nicht zu, die im Hintergrund laufen. Das heisst: Kein Instant-Messaging wie Fring, kein Screenshot-Programm, kein Fernwartungstool (und immer noch kein Copy/Paste).

Während auf andern Handys längst IM-Programme wie iSkoot oder Fring im Hintergrund laufen und sogar Skype-Anrufe annehmen können, sollen Drittentwickler vorderhand keine Background-Software fürs iPhone schreiben können.
Apple arbeitet mit Hochdruck am neuen Ruf als bestgehasste Firma im Silicon Valley. Die neuste Gruppe, die vom selbstherrlichem Verhalten des Monopolisten verprellt wird, sind Softwareentwickler und Dienstleister:
Wie erst zwei Wochen nach Veröffentlichung des langersehnten und als Allheilmittel gegen Handling-Schwächen gepriesenen Entwicklerkits für das iPhone bekannt wird, erlaubt Apple den Entwicklern keine Anwendungen, die im Hintergrund laufen. Eine Begründung oder gar Hilfestellung für Dienstleister, die auf diese Multitaskingeigenschaft angewiesen sind, gibts selbstredend nicht.
So beklagt sich die Herstellerin der Fernsteuer-Software “LogMeIn”, die es nicht nur für PC, sondern neu auch für Symbian-Handys gibt, dass eine Portierung ihres Produkts zur Fernwartung von Mobiltelefonen nicht möglich sei, weil das SDK des iPhones keine Background-Applikationen ermöglicht. Das gab sie an der Software-Messe CTIA in Las Vegas gestern zu Protokoll.
Wenn diese Aussage richtig ist, würde das heissen: Es wird keine Screenshot-Software geben wie die Freeware, die im Dutzend für Palms und S60 Handys zu haben ist; es wird keine im Hintergrund laufende kostenlose Instant-Messaging (und Voip-) Software geben wie iSkoot für Palm oder das erstaunliche Fring, das auf meinem Nokia e61i Voip-Gespräche nicht nur im Wlan, sondern sogar mittels GPRS/Edge ermöglicht.
Und es wird - das stört Kevin Bardos von LogMeIn natürlich ganz speziell - kein “LogMeIn Rescue Mobile” geben, die grade für S60 vorgestellte Software, mit der Systemadministratoren und Techniker der Mobilfunkgesellschaften Kunden per Fernzugriff aufs Handy helfen könnten, wenn dort etwas klemmt.
Bardos blieb sehr vorsichtig in seinen Aussagen gegenüber dem englischen Branchendienst TheRegister:
Wir haben versucht, mit Apple darüber [die Hintergrund-Anwendungsproblematik] ins Gespräch zu kommen, aber es ist nicht einfach.
Diese Erfahrung haben bisher vor allem auch Journalisten gemacht, die auf Anrufe auf eine der Dutzenden von Voicemailbox in der PR-Abteilung in Cuppertino typischerweise einen Rückruf im Sinne von “Ich kann Dir in keinster Weise helfen - wenn Du Fragen hast, ruf mich an” erhalten.
Jetzt scheint ein Grossteil der interessierten Entwicklergemeinde zu treffen, die für das SDK nicht nur 100 Dollar bezahlen sollen, wenn sie Ihre Produkte verkaufen wollen, sondern dies ausschliesslich über iTunes und gegen einen Obolus von 30 Prozent an Apple tun können. Und die nicht sehr vornehme Zurückhaltung, mit der Apple zunächst keine weiteren Entwicklerfirmen in ihr offizielles Developer-Programm aufnehmen will, sorgt bereits seit zwei Wochen für Kopfschütteln Verwunderung.
[Via The Register]
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16 Kommentare
Die Kontraargumente befinden sich hier in der deutschen Übersetzung eines Roughly Drafted-Artikel.
In Kürze: Windows Mobile-Geräte leiden heftigst an ihrer Multitaskingfähigkeit. Speicherprobleme, Instabilitäten und kurze Akkulaufzeiten sind die Folgen.
Peter Sennhauser
schrieb am 2. April 2008, 12:19 Uhr (Permalink zum Kommentar)Sehr elegante Begründung. Palm hat auch jahrelang behauptet, Wifi im Treo mache keinen Sinn, weil es sich nicht mit Bluetooth und GSM vertrage.
Ich warte immer noch auf das Argument für den Verzicht auf Copy/Paste. Ob es irgendwo einen Draft gibt, der beweist, dass damit die Informationsflut eingedämmt werden kann? ;-)
christian
schrieb am 2. April 2008, 12:31 Uhr (Permalink zum Kommentar)Roughly Drafted mag sehr voreingenommen sein (Irgendwo findet sich mit Sicherheit einen Artikel gegen Copy&Paste), aber zumindest die Akku-Argumentation kann ich sehr gut nachvollziehen.
Der Artikel hier hingegen tönt aber leider nach genau so wenig ausgewogenem Apple-Bashing von LogMeIn Software.
Dass sich Apple nicht sehr kommunikativ zeigt sollte nach 32 Jahren langsam keine Überraschung mehr sein…
Peter Sennhauser
schrieb am 2. April 2008, 13:08 Uhr (Permalink zum Kommentar)Christian, wir sind ja auch keine alte, angeblich ausgewogene Tante hier, oder? Was mich an Apple so fasziniert, ist ihr Kult. Die Firma ist weit entfernt von dem, was sie mal war - aber weil sie immer noch predigt, statt kommuniziert, scheinen viele Kunden auch immer noch zu glauben, es geschehe alles nur in ihrem Interesse. Das ist bei Apple so falsch wie bei Microsoft, Palm, Nokia, Sony und weiss ich wem. Und wenns ganz krass wird, zeige ich gern mit dem Finger drauf - bei allen. Aber zugegeben: Bei Apple machts mehr Spass. Da reagiert wenigstens das Publikum.
christian
schrieb am 2. April 2008, 13:31 Uhr (Permalink zum Kommentar)Yepp, weil sich Apple-Fanboys wie ich immer viel leichter provozieren lassen… :-)
Zur Veränderung bei Apple: Ist das nicht einfach ein Nebeneffekt von der Populärisierung, von ihrem Erfolg? Aus meiner Perspektive hat sich an Apple nicht so viel geändert, aber durch den extremen Erfolg im Medienbusiness (iPod & iTunes) auch extreme Aufmerksamkeit geschenkt.
(Beispiel: Das etwas holprig aufgegleiste SDK-Programm für iPhone-Entwickler wird schon fast als völlige Abkehr von der Öffnung des iPhones interpretiert.)
Das sind Auswirkungen des Kults, mit allen seinen Vor- & Nachteilen. Aber ich könnte mir vorstellen dass auch in Redmond der eine oder andere neidisch auf die ganze Apple-Gemeinde ist… :-)
Peter Sennhauser
schrieb am 2. April 2008, 13:42 Uhr (Permalink zum Kommentar)Na klar, Du sagst es ja selber: Apple ist heute schon mehr ein Medien- als ein Hardwareunternehmen: Der iPod hat den Weg ins Musikgeschäft geebnet, das iPhone öffnet das Tor ins Mobilfunkgeschäft - und Jobs verfolgt diese Strategie (mit Disney on Board im Filmgeschäft…) so aggressiv und rücksichtlos, wie früher MS ihr Softwaremonopol ausgenutzt hat. Natürlich sind die Redmonder neidisch, aber auch ein bisschen schadenfreudig: Sie wissen, was der Erfolg dem Image antut. Und während der dicke Steve und seine Truppe es langsam schaffen, sympathischer zu wirken (Guy Kawasaki vor ein paar Wochen in Las Vegas zu Ballmer: “Die aktuelle Generation kennt Euch doch nur als die heisse Bude, die Xbox und Halo macht…”), sieht der dürre Steve angesichts des Würgegriffs, den er mit iTunes der Musik- und mit iPhone der Handy-Industrie angedeihen lässt und der Arroganz gegenüber seinen Fans/Kunden immer weniger sympathisch aus.
christian
schrieb am 2. April 2008, 13:47 Uhr (Permalink zum Kommentar)Da gebe ich dir recht.
Und egal wie die ganze Geschichte endet, wenigstens ist wieder etwas Action in der ganzen Informationstechnologie-Branche. :-)
Steffen
schrieb am 2. April 2008, 13:57 Uhr (Permalink zum Kommentar)Also das mit den Hintergrundprogrammen kann ich auch nicht nachvollziehen. So wird von vornherein einigen nützlichen Programmen der Gar ausgemacht.
Der große Witz an der Sache ist eigentlich, dass Apple schön Programme im Hintergrund laufen lässt, es den Entwicklern aber nicht erlaubt…
Trotzdem bin ich gespannt was für Programme es geben wird und wie sich das Ganze entwickelt.
leu
schrieb am 2. April 2008, 13:58 Uhr (Permalink zum Kommentar)Also ich find den Entscheid genausogut wie das Mac OS X nur auf Apple Hardware laufen soll. Nämlich so hat man einerseits die Kenntniss auf welcher Hardware OS X denn nun läuft und im iPhone hat man die Sicherheit dass die Hardware nicht komplett überlastet wird von irgendwelchen Applikationen die man nicht kennt. Wenn ich mir die Performance meines Windows Mobile Smartphones so anschaue muss ich sagen dass Apple genau das richtige tut.
Stefan S.
schrieb am 2. April 2008, 14:36 Uhr (Permalink zum Kommentar)Zunächst zu Apple: Ich finde, so weit weg vom alten Kurs sind die gar nicht. Nur kosten Apple Rechner nicht mehr astronomisch viel mehr als Windows Rechner vergleichbarer Leistungsklassen. Schön und gut sind sie trotzdem :-)
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Jetzt aber zum Topic: Tatsächlich warte ich darauf, dass textbasierte Messenger-Dienste auf dem iPhone laufen. MSN, Yahoo und - why not - iChat. Hiess es nicht mal, das iPhone sei NICHT als Smartphone fürs Business konzipiert? Und jetzt, wo es im Business Fuss gefasst hat, werden Anliegen wie Exchange umgesetzt, die Privatanwender aber völlig ausgeschlossen.
Komische Strategie.
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Hier die CH-Schulnoten :-)
Design: 6
Marketing: 6+
Konzept: 4 (Provider-Bindung*, Kosten Updates b. touch)
Vertrieb: 5 (Anfangs-Schwierigkeiten am Zoll)
Gruss Stefan
*finde ich persönlich nicht störend da eh nur mit Daten-Flat zu gebrauchen…
Peter Sennhauser
schrieb am 2. April 2008, 14:42 Uhr (Permalink zum Kommentar)@leu: Richtig. Vor der Telekom-Liberalisierung funktionierte mein Bakelit-Telefon für 15 Franken Monatsmiete von der Swisscom auch viel zuverlässiger als der ganze neumodische DSL-, GSM, Kabel-, Voip- und sonstige Kram auf all den grässlich bunten Geräten, die man jetzt überall nachgeschmissen kriegt…
leu
schrieb am 2. April 2008, 14:46 Uhr (Permalink zum Kommentar)@peter
Und deine Telefonrechnung war wohl trotz Monopol und Miettelefon ein Bruchteil dessen was heute. :-)
Peter Sennhauser
schrieb am 2. April 2008, 15:01 Uhr (Permalink zum Kommentar)@leu: Als meine Freundin 95-97 in New York lebte, bescherte mir die Swisscom monatliche Telefonrechnungen im vierstelligen Frankenbereich. Heute beträgt meine Festnetz (Voip-) Rechnung 36 Dollar im Monat - Flatrate ganz Nordamerika, Westeuropa und China… Mehr dazu demnächst hier auf neuerdings.com.
leu
schrieb am 2. April 2008, 15:38 Uhr (Permalink zum Kommentar)@peter
Hmm, ich denke du entsprichst ganz knapp nicht dem Schweizer Durchschnittshaushalt. Und dem seine Telekomkosten sind seit dem Bakelittelefon glaub gestiegen.
Peter Sennhauser
schrieb am 2. April 2008, 16:15 Uhr (Permalink zum Kommentar)@leu, Du velwechserst da grade “Ausgaben” mit “Kosten”. Ist ein Klassiker, führt aber trotzdem zu radikal falschen Aussagen… ;-)
Andreas Goeldi
schrieb am 2. April 2008, 18:49 Uhr (Permalink zum Kommentar)Alles kein Grund zur Aufregung, finde ich. Apple mag viele Nachteile haben, aber die Firma hört ihren Kunden wenigstens zu (wenn auch auf etwas unnahbare und nicht immer leicht nachvollziehbare Weise…).
Beispiel: Noch bei der iPhone-Vorstellung im Januar 2007 erzählte Steve Jobs, dass es niiieeeemals Drittapplikationen auf dem iPhone geben würde, weil das viel zu gefährlich sei. Und jetzt, kaum ein Jahr später, steht das SDK vor dem Release, und Steve Jobs ist natürlich der Meinung, dass das eine absolut neue Epoche in der Menschheitsgeschichte einläuten wird, etc. Apple hat einfach gemerkt, dass die Leute Drittapplikationen wollen, und dann wird das halt auch im Produkt nachvollzogen.
Ich glaube, genauso wird es mit den Hintergrundprogrammen sein: Apple will erstmal Erfahrungen sammeln, sehen, wie die Leute reagieren, und dann kann man immer noch entscheiden, ob man Hintergrundprogramme zulässt oder nicht.
Vielleicht ist das etwas langsam und übervorsichtig, aber dafür funktionieren die Produkte wenigstens — was man von vielen anderen Smartphone-Betriebssystemen nur sehr bedingt sagen kann. Ich hab beispielsweise nie erlebt, dass Fring auf meinem alten Nokia E61 wirklich funktioniert hat wie angepriesen. Und von Windows Mobile schweigen wir lieber ganz.
Aber bzgl. Copy/Paste hast Du eindeutig recht…
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christian
schrieb am 2. April 2008, 12:09 Uhr (Permalink zum Kommentar)