Zune 8GB im Test (2/3):
Die Microsoft-Währung

Microsofts Zune ist nicht nur ein Player – genau wie Apples iPod/iTunes-Gespann bringt Zune den eigenen Musikshop mit. Und der hats in sich. Leider in weit mehr als einer Hinsicht.

Dixie-Chicks im Zune-Store
Der “Marketplace”, das iTunes in Microsofts Zune-System, bietet viel Information in recht ansprechender Optik

Der Zune mit 8GB machte im ersten Teil unseres Tests optisch eine recht gute Falle. Und inzwischen habe ich mich auch an das etwas eigenwillige, graphische Interface der Zune-Software auf dem PC gewöhnt. Die Informationen über Musik, Bands und Alben sind reichhaltig und werden übersichtlich präsentiert – das ermutigt, aus der eigenen lokalen Zone auszubrechen und auf das Hauptmenu “Marketplace” zu klicken:

Zune Marketplace: Benutzerinterface völlig von Windows losgelöst - dabei ist das Programm Windows only.
Zune Marketplace: Benutzerinterface völlig von Windows losgelöst – dabei ist das Programm Windows only.

3 Millionen Songs sind inzwischen auf dem Zune-Marktplatz zu haben, etwa die Hälfte dessen, was iTunes zu bieten hat. Ein Drittel davon angeblich als kopierschutzfreies MP3, der Rest als WMA mit Microsofts DRM (Digital Rights Management – Euphemismus für Kopierschutz, was ein Euphemismus für “vom Verkäufer beschränkte Nutzung einer bezahlten Ware” ist.)

Eine Flatrate fürs (nicht wirklich) freie Musikvergnügen

Neben den Kaufpreisen für einzelne Songs und Alben steht auch eine Flatrate zur Auswahl: Wer knapp 15 Dollar monatlich hinblättert, hat Zugriff auf die gesamte Kollektion.

Die ganze Kollektion? Denkste. Die MP3 stehen natürlich nicht zur Wahl, das sie vom Downloader ja ungehindert kopiert und weitergegeben werden könnten. Wenn es denn stimmt, dass ein ganzes Drittel der Sammlung in MP3 vorliegt, ist das schon eine ziemliche Reduktion des Miet-Musikgenusses.

Wer sich deshalb für den Kauf entscheidet, kriegt einen weiteren Dämpfer über das restriktive Rechte-Management hinaus: Den Preis pro Musikstück. Zunächst bin ich überrascht, dass hinter den Songs, die zum Kauf zur Verfügung stehen, ein Preis von 79 Cent zu lesen ist und die meisten Alben zwischen 800 und 900 Cent kosten: Das wäre deutlich günstiger als iTunes und würde Amazons MP3-Shop Konkurrenz machen.

Microsoft-Punkte: Mehr wert als der Dollar…

Cheap Trick im Zune-Store
Zune Marketplace: Cheap Trick für 79 Cents? Nee, das ist ein billiger Trick…

Nachdem ich mich aber ins System eingeloggt habe (der Marketplace ist inklusive (fast) allen 30-Sekunden Schnipseln aller Songs auch für nicht angemeldete Benutzer offen) und die Kreditkarte für einen Testkauf zücke, gehen mir die Augen über: Was ich für ein “Cent”-Symbol gehalten habe, entpuppt sich als das Symbol für “Microsoft Points”. Sie müssen im Voraus mit der Windows-Live-Identität gekauft werden und lassen sich dann für den Musikerwerb verwenden. das birgt ein paar äusserst unschöne Nebenwirkungen:

Der Gates-Dollar: Bei Microsoft muss in der eigenen Währung bezahlt werden. Ein Song kostet also gar nicht 79 Cent, sondern 98.5 Cent. (Plus Steuern, wo anwendbar...)
Der Gates-Dollar: Bei Microsoft muss in der eigenen Währung bezahlt werden. Ein Song kostet also gar nicht 79 Cent, sondern 98.5 Cent. (Plus Steuern, wo anwendbar…)

Zuerst einmal stellt sich nämlich heraus, dass ein “Microsoft-Punkt” keineswegs einem US-Cent entspricht. Vielmehr gibts für 15 Dollar grade mal 1200 Microsoft-Points – und damit wären wir bei einem Kurs von 1:1.25, was einen Songpreis von 79*1.25 Cent, gleich 98.75 Cent für die DRM-geschützten Titel und einen von fast 1.24 Dollar für die MP3 entspricht.

Das fühlt sich schon mal an wie Bauernfängerei: Tiefe Preise anschreiben, die in Wahrheit ein Viertel höher liegen. Das zweite Ärgernis besteht darin, dass es nur feste Punktmengen zu kaufen gibt: 400 (die für kaum ein Album ausreichen) für 5 Dollar, 1200 für 15 Dollar, 2000 für 25 Dollar oder 4000 für 50 Dollar: Wer nur grade ein Album kaufen will, hat auf jeden Fall einen Restbetrag an Punkten übrig.

Erster Kauf bei Zune
Der erste Kauf: Zwei Klicks. “Ich bin drin.”

Zumindest in den FAQ ist kein Wort darüber zu finden, ob sich die Punkte zurückverkaufen oder übertragen lassen: Sie werden nämlich auch für XBox-Live und andere Windows-Live-Einkäufe gebraucht. Wohl kann man in Shops Gutscheine mit einem Code kaufen, den man eingeben muss, um die Punkte einer Windows-Live-Identität gutzuschreiben.

Diese Identität hat dann aber die Punkte – und via DRM sind die gekauften Musikalben an diese Identität und den Rechner gebunden, auf dem der Download stattgefunden hat. Ein Tausch scheint nur mit einem XBox-Live-Account möglich, und der muss zudem mit dem Nickname des Zune-Accounts eingerichtet worden sein.

Musik auf dem Pausenhof herumbeamen?

Allerdings scheinen die Zune-Besitzer auch ein extrem junges Durchschnittsalter aufzuweisen. Da ist es ratsam, kein Kaufsystem anzubieten, das direkt auf Kreditkarte basiert.

Zumindest schliesse ich das, nachdem ich selbst in den Song-Hitparaden der Kategorien “Rock” (wo Britney Spears mit neuen Songs vertreten ist ?!) und “Blues” kaum einen Viertel der Interpreten kenne.

Ausserdem ist das Konzept des “Sharings” der kopiergeschützten Stücke klar auf Pausenhöfe ausgerichtet. Dabei ist diese Art des Teilens von Musik stark beschränkt: Ein Zune-Besitzer kann einen Song, den er nicht gekauft hat, nur einmal empfangen – egal, wann und von wem er ihn das erste mal gekriegt hat. Und er kann das Stück genau dreimal anhören. Ach, die unbeschränkten Möglichkeiten der Technik…

Dabei wäre die drahtlose Musikübermittlung von Zune to Zune eine tolle Sache: Anbandeln, indem man der hübschen Blonden einen Song rüberbeamt (und dann merkt, dass man die Liebesschnulze auf den Zune des Klassengrobians geschickt hat…).

Zune: Dixie Chicks

Die Verbreitung des Microsoft-Players ist dafür natürlich eine Voraussetzung. Ich habe mich heute testhalber um vier Uhr an die Bushaltestelle einer nahegelegenen Highschool gestellt und auf meinem Zune nach andern Geräten gesucht – selbst im dichtesten, lautesten Gedränge der Kids und angesichts von überall herumbaumelnden Kopfhörern habe ich während eines minutenlangen Suchens nach “nearby”-Playern keinen einzigen Zune auf meinem Bildschirm aufleuchten gesehen. Die stehen entweder alle nicht auf “social” (Anzeigen des Gerätenamens und der aktuell gespielten Stücke via WLAN) – oder in San Francisco hat man einen iPod.

Zune-Software: Video-Podcasts können, wie alle andern Inhalte, direkt am PC abgespielt werden.
Zune-Software: Video-Podcasts können, wie alle andern Inhalte, direkt am PC abgespielt werden.

Videos können zwar auf den Zune-Player geladen werden – aber das Dateiformat beschränkt sich auf MP4 oder das Windows-WMV-Format. Auf dem Marketplace sind nur Musikvideos (eingebunden in die Songangebote) und Videopodcasts zu finden – die allerdings alle kostenlos sind. Witzig ist da etwa der Download des Podcasts rund um die Hit-Dokusoap “Deadliest Catch” des Discovery-Channels: Die Einleitung zu dem kurzen Hintergrund-Film kündet die nächste Staffel der Serie am Fernsehen an – und der Off-Sprecher verweist darauf, dass bisherige Sendungen “im iTunes-Store erhältlich” sind…

Im letzten Teil des Tests werden wir ausführlich auf den Zune als Player und die Verwaltung von Inhalten eingehen.

Zune-Test Teil 1: Erster Eindruck des Zune-Players, Installation der Software.

[postlist “and” “Zune” “Test”

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2 Kommentare

  1. Marc
    schrieb am 17. März 2008 um 18:32 Uhr (#)

    Wenn man als Europäer eine Zugang zum Zune-Store bekommt (über eine Postanschrift aus dem USA; Freunde, Bekannte, Verwandte) hat man mit den Preisen beim aktuellen Dollarkurs Freude.

  2. martin
    schrieb am 17. März 2008 um 21:08 Uhr (#)

    nachdem du schon von bauernfängerei schreibst:

    das trifft auch ziemlich massiv auf die zune flatrate zu! 15$ monatlich für eine ordentlich grosse musikauswahl tönt zwar im ersten moment supergünstig; nur ist es leider so, dass sich die so heruntergeladenen musikstücke löschen oder zumindest nicht mehr abspielen lassen (so genau kenne ich die details nicht), wenn die abogebühren nicht bezahlt werden. microsoft bindet so also ganz schlau kunden quasi “ein leben lang” an diese flatrate…

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