MP3 – SUISAfrei!

Peter Hogenkamp, 6. September 2007 23:32 Uhr, 10 Kommentare Kommentare

MP3-SUISAfrei

Liebe Schweizerinnen, liebe Schweizer, liebe in der Schweiz lebende Verbraucherinnen und Verbraucher

Zwangsgebühren Urheberrechtsvergütungen der SUISA gab’s schon immer. Schon immer haben wir uns ein bisschen geärgert und es zugleich ein bisschen eingesehen.

stars c60 hellgrau-thumbFrüher fielen zum Beispiel auf Leercassetten (die Älteren erinnern sich) gemäss Tarif 4a 33 Rappen pro Stunde Aufnahmedauer an.

Selbst bei einem Fünferpack, das man damals gern kaufte, mit CHF 1.65 kein Killer fürs Taschengeld-Budget. Die Abgabe machte also damals (aus dem Gedächtnis rekonstruiert) weniger als 10% des Kaufpreises aus.

CD-RHeute noch relevant ist der Tarif 4b, nach dem auf einer CD-ROM pro 525 MB Speicherkapazität bzw. einer Stunde Abspieldauer 5 Rappen anfallen. Das macht bei einer 50er-Spindel wie der nebenstehend abgebildeten CHF 3.30 aus – wiederum etwa 10% des Kaufpreises. Auch das haben wir hingenommen, murrend zwar, denn auch wer seine PC-Festplatte auf CD-ROM sichert, wird zur Kasse gebeten.

Bei der DVD wurd’s gemäss Tarif 4c noch ein bisschen teurer mit 45 Rappen pro DVD (4.7 GB). Das nervt noch mehr, da DVDs noch viel mehr für Daten-Backups eingesetzt werden, und auch der prozentuale Anteil der SUISA-Abgabe stieg weiter an: Da eine DVD+R inzwischen für etwa 1.50 zu haben ist, beträgt er schon 30%.

Seit dem 1. September ist nun allerdings nochmal alles ganz anders. Und auch, wenn es in den letzten Monaten schon viele Blogger gab, die sich lautstark echauffiert haben – siehe hier – so richtig bewusst sind uns die Konsequenzen davon erst seit gestern klar.

Das liegt unter anderem daran, dass die SUISA von ihren wie oben gesehen bisher recht einfachen Tarifen abgekommen ist und sie durch eine beispiellose Flickschusterei ersetzt hat – siehe Tarif 4d:

für Chipkarten
– mit weniger als 512 Megabyte (MB) Speicherkapazität
Fr. 0.0253 pro MB
– mit weniger als 1 Gigabyte Speicherkapazität
Fr. 0.0178 pro MB
– mit 1 aber weniger als 2 Gigabyte Speicherkapazität
Fr. 0.0145 pro MB
– mit 2 aber weniger als 4 Gigabyte Speicherkapazität
Fr. 0.0078 pro MB
– mit 4 und mehr Gigabyte Speicherkapazität
Fr. 0.00467 pro MB

für Harddisc in Audio-Aufnahmegeräten
pro 1 Gigabyte Speicherkapazität
Fr. 0.469

für Harddisc in Audiovisions-Aufnahmegeräten
pro 1 Gigabyte Speicherkapazität
Fr. 0.346

Natürlich, auch damit hätte jeder mit einem funktionierenden Taschenrechner sich schon ausrechnen können, was das auf seinem Player ausmacht, aber irgendwie ist das ganze Ausmass vielen trotzdem erst gestern klar geworden.

touch main

Der iPod touch mit seinem 16-GB-Flash-Speicher (16 * 1024 = 16′384 MB), gestern vorgestellt, führt zu einer Abgabe von 16′384 * 0.00467 = CHF 76.51. Darunter kann sich jeder etwas vorstellen.

Auf diesen iPod passen rund 180 Stunden Musik (MP3, 192 kbit/s). Ist der Speicher so gross, weil Apple vermutet, dass jeder soviel Musik aufspielt? Wohl nicht, sondern vermutlich wird bei den meisten Usern ein nicht geringer Teil des Platzes entweder leer bleiben oder, wahrscheinlicher, mit Videos gefüllt werden.

Wenn nun die SUISA behauptet, dies alles sei lediglich die logische Fortführung der oben genannten Abgaben, und die Tarife seien keineswegs a) inkonsistent oder passten b) nicht mehr zu den heutigen technischen Realitäten und c) das alles habe damit zun tun, dass die CD-Verkäufe rückläufig seien, dann müssen die schon recht abgebrüht sein (was sie allerdings möglicherweise doch nicht sind, sonst müsste Suisa-Direktor Alfred Meyer nicht seinen Pressesprecher vorschicken).

Vielmehr hat man offenbar diese Preise vor Jahren festgelegt, damals nicht an Handys als MP3-Player gedacht (auf das fast identisch aussehende und funktionierende iPhone fällt keine Abgabe an), hält nun aber starrsinnig an der Laufzeit von 22 Monaten fest – dabei ist abzusehen, dass sich in dieser Zeit die Speicherkapazität nochmal locker z.B. auf 80 GB verfünffachen könnte – dann wären 380 Franken Abgabe zu zahlen, und die Parität zwischen eigentlichem Preis und Zwangsgebühr wäre erreicht (dass das nicht so absurd ist, wie es klingt, kann jeder Autofahrer an der Zusammensetzung des Benzinpreises ablesen).

Deswegen müssen wir jetzt etwas dagegen tun, denn die SUISA wird diese fetten Pfründe nicht einfach wieder herausgeben, nur weil irgendwann die Relationen völlig aus dem Ruder laufen. Hier geht’s los.

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10 Kommentare

  1. Felix
    schrieb am 7. September 2007 um 08:01 Uhr (#)

    SUISA rechnet falsch

    Mein iPod Nano 8 GB hat – Rechtsklick im Explorer bringt das zu Tage – eine Kapazität von 7991001088 Bytes, oder 7.44 GB. (Das verkauft Apple als 8 GB, was natürlich auch nicht ganz korrekt ist, aber das ist ein anderes Thema.) Jedenfalls sind das, geteilt durch 1024, 7803712 KB, oder 7620 MB. Gemäss Tarif also 7620 * 0.00467 Fr. = 35.58 Fr., plus MWSt, ergibt Fr. 38.28.

    Die Suisa zockt bei jedem Gerät knapp 3 Fr. mehr ab, da sie es sich einfach machen, und sagen: 8 GB = 8 * 1024 MB ergibt 8192 MB, ergibt mit MWSt. Fr. 41.16.

    (Womit letztlich die Frage bleibt, warum der Tarif in zehntausendstel Franken und auf MB genau definiert wird – mit grosser Wahrscheinlichkeit deshalb, weil dann niemand merkt, dass der Tarif sehr hoch ist und man ihn sogar noch falsch berechnen kann ….)

    Oder rechne ich falsch? Ich wundere mich jedenfalls, dass bis jetzt niemand von den Rechnungsfehlern der SUISA geschrieben hat … ist aber sowieso nur ein Nebenschauplatz. Die Tatsache, dass die Gebühren unverhältnismässig gross sind, bleibt so oder so bestehen.

  2. KamiLL
    schrieb am 7. September 2007 um 18:33 Uhr (#)

    Die Fetten Jahre sind vorbei :)

    Auch wenn die Berechnung korrekt sein sollte, frage ich mich ob die Kunden das überhaupt rechnen bzw. hinterfragen. Klar ärgern sich die Konsumenten. Aber wie gross ist dieser Teil? 1/3? Die restlichen sehen hier gar nicht dahinter bzw. sagen sich einfach… “ohh, das Teil ist teuer, aber ich muss/will es ja kaufen” Genau wie mit dem Benzin. Jeder ärgert sich, aber keiner tut bzw. kann etwas dagegen tun.

    Hier wird wohl das Gleiche passieren. Die aktiven Konsumenten versuchen was zu ändern und oben (SUISA) wird einfach abgeriegelt.

    Ist eigentlich schade, denn mit den Gebühren verärgern Sie nicht nur die Kunden sondern indirekt auch die Hersteller. Denn ich überlege mir jetzt 2mal ob ich einen 160GB Ipod kaufen soll oder nicht. Denn zum Kaufpreis anunführsich kommen nun noch die Gebühren von fast nochmals >10% dazu.

    Gibt es auch bald auf HD’s Abgaben da man ja auch dort Daten speichern und abspielen kann? oder gibts die schon?

  3. mds
    schrieb am 7. September 2007 um 20:12 Uhr (#)

    Gibt es auch bald auf HD?s Abgaben da man ja auch dort Daten speichern und abspielen kann? oder gibts die schon?

    ? bislang «nur» auf Festplatten in Audio(visions)aufnahmegeräten.

  4. mds
    schrieb am 7. September 2007 um 20:13 Uhr (#)

    Mit dieser neuen Regelung erhalten die Urheber endlich auch für private Kopien auf Festplatten und Microchips eine Vergütung. Eine solche besteht bereits seit 1993 für analoge Träger wie Musicassette und VHS-Video und seit 2002 für leere CD-R und DVD. Die neuen Entschädigungen für die Speicher in den mp3-Playern und Harddisc-Recordern sind moderat ausgefallen. Die Schiedskommission hat darauf geachtet, dass durch diese neue Leerträgervergütung die Nutzungskosten für die Privatkopie um nicht mehr als 6% ansteigen. Eine solche Erhöhung wird für den Konsumenten kaum spürbar sein, da die Preise der Aufnahmegeräte aufgrund steigender Stückzahlen und der Konkurrenz im Markt stetig sinken. Die Schiedskommission hat bei der Festsetzung der Vergütung mitberücksichtigt, dass der Konsument bereits etwas bezahlt, wenn er Musik online von legalen Anbietern aus dem Internet bezieht. Der Tarif ist nicht anwendbar auf PC-Festplatten, Speicher in Mobiltelefonen oder PDAs.

    Moderat, kaum spürbar, ?

  5. mds
    schrieb am 7. September 2007 um 21:10 Uhr (#)

    Fortsetzung:

    Was in der ganzen Diskusstion aussen vor bleibt: Die Vergütung wird von der SUISA zugunsten der Urheber erhoben, die mit Ihren Werken einen Markt für Musikplayer erst ermöglichen. Den Künstler steht diese Vergütung durch international ratifizierte Verträge zu. Im Ausland bezahlen Sie deshalb ebenfalls eine Urheberrechtsabgabe. Die Höhe ist je nach Land und Leerträger unterschiedlich und liegen beispielsweise in Frankreich etwa auf dem Niveau der Schweiz. Kaufen Sie Ihr Gerät in Deutschland, verteilt die GEMA die Urheberrechtsvergütung an die Künstler. Schweizer Musikschaffende werden davon dann allerdings kaum etwas sehen.

  6. bö
    schrieb am 8. September 2007 um 10:54 Uhr (#)

    http://benkoe.ch/suisa-ip…n-immer-unlogischer/
    bekanntlich erhebt die suisa seit dem 1. sept. abgaben von bis zu 82 franken auf mp3-player. dass die astronomisch hoch sind, wissen wir. doch je mehr man sich die sache überlegt, desto abstruser wird es:

    wieso gibt es eigentlich die gebühren?

    die suisa sagt, das seien leerträgervergütungen fürs private (erlaubte) kopieren im freundeskreis. wenn papi also eine cd kauft – und sich der sohn eine kopie für seinen ipod zieht, wird dies damit entschädigt.

    das problem: je grösser der speicher, desto grösser die gebühr!

    und schon kommen wir zum pudels kern: kopiere ich wirklich mehr cd?s, nur weil mein ipod neu ne 160er statt einer 80er gb-festplatte drin hat? nein! natürlich nicht!

    bekanntlich kopiert (rippt) man die cd erst auf den computer*, dann überspielt man das file auf den mp3-spieler.

    fazit: nur weil der ipod nun grösser ist, heisst das also nicht, dass ich mehr cd?s kopiere. es beudeutet einzig und allein, dass ich einen grösseren teil meiner mp3-sammlung mit mir herumtragen kann. und genau dies wird von der suisa bestraft.

    *notabene werden nur übermässig fürs musikhören gebaute geräte besteuert,
    nicht aber pc-festplatten und walkman-handys.

  7. Schreibt hier auf dem Blog Peter Hogenkamp
    schrieb am 8. September 2007 um 13:36 Uhr (#)

    Sehe ich genauso. Ich habe 350 CDs oder so zuhaus. Zugegeben, ich kaufe heute deutlich weniger als früher, aber ich bin auch nicht mehr 20. Hören tu ich die kaum jemals. Manchmal greife ich extra blind ins Regal, um mal wieder etwas aufzulegen, was ich lange nicht gehört habe, und dann höre ich Saga oder Rush oder mal wieder Udo Lindenberg. Aber sonst ist auch mein Hörverhalten typisch “Long Tail”.
    Irgendwann, 2004 war das, wollte ich mal alle rippen, aber ich bin bei 50 oder so steckengeblieben. Es lohnt auch irgendwie die Arbeit nicht.
    Wenn jetzt die SUISA die vollen 160 GB von meinem neuen iPod besteuert, tut sie damit so, als würde ich alle CDs ständig mit mir rumtragen und auch ständig hören.
    Soviel Zeit habe ich gar nicht!

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