USA:
Hatz auf Konsolen-Modder – Europäer auch unter Druck?

Peter Sennhauser, 4. August 2007 13:44 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Die amerikanische Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) hat gemäss Berichten aus der Szene eine grossangelegte Aktion gegen “Modder” gestartet. Ein Betroffener berichtet.

Xbox (revision 1.0) internal layout. Including mod-chip Duo X2. Photographed by Swaaye.

Wer in den USA sein Geld mit dem Abändern von Playstation- und XBox-Konsolen durch sogenannte Modding-Chips verdient, lebt derzeit gefährlich. Die Behörden haben – offenbar auf Druck der Konsolenhersteller Microsoft und Nintendo – gemäss einschlägigen Foren Dutzende von Hausdurchsuchungen und Materialbeschlagnahmungen durchgeführt. Der Bericht eines Betroffenen folgt weiter unten.

Nach Meinung einiger Blogger und Experten sind von der strikten Auslegung des “Digital Millenium Copyright Acts” nicht nur die Amerikaner betroffen, ähnliche Aktionen gegen das, was offenbar als Verletzung der Urheberrechte der Konsolenhersteller interpretiert wird, drohten auch den Europäern mit der EU Copyright Directive, die 2001 beschlossen wurde und dem DMCA in vielen Punkten ähnelt.

Laut der Webseite XBox-Scene.com sind am Freitag bereits früh Warnungen vor Durchsuchungsaktionen bei kleinen Moddern in den USA im Internet kursiert, die aber zunächst niemand ernst genommen habe, bis ein Online-Shop nach dem andern offline gegangen sei und die Telefone nicht mehr beantwortet wurden.

Anlass für die Aktionen sind offenbar juristische Interpretationen, wonach einerseits die Veränderung der Konsole die Rechte der Hersteller verletzt und andrerseits Modchips das Kopieren von Spielen auf die Harddisk ermöglichen.

Hier schildert FallInc, ein Amerikaner aus Ohio, der mit einem Online-Modding-Shop gegen Geld die Konsolen von Kunden umrüstete, was er erlebt hat:

“Als die ICE mich besuchte, hatten die Beamten einen Durchsuchungsbefehl für das Haus meiner Grossmutter, wohin ich alle Pakete hatte schicken lassen. Sie hatten ein Foto des Hauses und eine Beschreibung, was bedeutet, dass sie hinter mir her waren. …

Sie betraten das Haus und weckten alle auf, warteten, bis sie alle angezogen waren und packten alles zusammen, was sie in meinem alten Zimmer fanden und mein Zeug aus der Garage. Sie nahmen alles, was irgendwie mit Gaming zu tun hat. Sie öffneten die ganze Post, die ich noch nicht abgeholt hatte, darunter die XBox eines Kunden, 150 Dollar für eine Arbeit und 400GB. Sie nahmen alle Konsolen und -Teile und sogar meine XBox1-Spiele, die noch in der Originalverpackung stecken. Sie namen meine Xbox 360, die, obwohl sie mit dem xtreme 5.1b gemoddet ist, kein einziges selbstgebranntes Spiel enthält. …

Sie kamen schliesslich zur Wohnung meiner Freundin und fragten mich, ob ich je Teile aus Kanada importiert habe. … Sie konnten mich nicht zwingen, irgendwas herauszugeben, weil sie keinen Durchsuchungsbefehl für die Wohnung hatten, sagten mir aber, dass es vor Gericht besser aussähe, wenn ich das Zeug freiwillig herausrücke. …

Sie beschlagnahmten meinen Laptop, meinen Desktop und meinen Lötkolben und auf Anraten des Forensik-Typen alle Chips, die ich hatte. …

Ich habe anfangs Mai meinen Job verloren, und das Modding-Geschäft ist das einzige, was mich seither über Wasser gehalten hat. Jetzt kann ich nichts mehr tun, ich kann noch nicht einmal die Rechnungen für Teile bezahlen, die ich gekauft habe – alles wegen einer absurden Auslegung des DMCA. Ich besitze NICHTS mehr was irgendwelchen Wert hat, ausser einem Bildschirm und meinem Wagen.

Ich darf meine Freundin und unsere vier Monate alte Tochter nicht mehr sehen und habe letzte Nacht in meinem Auto geschlafen, und meine Freundin hat mir eine SMS geschickt und geschrieben, es fühle sich an, als ob mich jemand ihr wegnehme.

Sie haben mir mein Leben weggenommen. Ich möchte Microsoft und Nintendo offiziell danken dafür, dass sie auf die kleinen Modder mit einem Lötkolben in einer Garage losgehen, während die Leute, die für all die Raubkopien auf dem Markt verantwortlich sind, ungestraft bleiben. “

FallsIncs Schilderungen
[via Engadget]

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